Montag, 26. Dezember 2011

Der "glorreiche" Irakkrieg

Mowitz
Es ist möglich, daß in unserem Land nicht alles so geht, wie es gehen sollte.
Aber niemand kann bezweifeln, daß die Propaganda gut ist.
Selbst Hungernde müssen zugeben
Daß der Minister für Ernährung gut redet. Bertolt Brecht
Vorige Woche war der Militärflughafen Andrews Air Force Base in Maryland zusammen mit Barack Obama und dem aus dem Irak abgezogenen General Lloyd Austin, Schauplatz einer Zeremonie, die markiger auch nicht von Hermann, "Wenn auch nur ein feindliches Flugzeug unser Reichsgebiet überfliegt, will ich Meier heißen", Göring hätte veranstaltet werden können. Mit stillschweigender Zustimmung des anwesenden Präsidenten erklärte Austin:
„Was unsere Truppen in fast neun Jahren im Irak erreicht haben, ist wirklich bemerkenswert. Zusammen mit unseren Verbündeten und zahlreichen entschlossenen Zivilisten haben sie einen brutalen Diktator entmachtet und dem irakischen Volk die Freiheit zurückgegeben.
Der Angriff auf den Irak wurde 2003 mit der gigantischen Lüge eröffnet, Saddam Hussein hätte Massenvernichtungswaffen (MVW) und die könnten Pudel Blair in London innerhalb von 45 Minuten erreichen. Im Zuge des Krieges der USA gegen den "Terrorismus" verdächtigten diese den Irak zusätzlich der Gefährdung der internationalen Sicherheit, womit im Klartext die Verfügungsgewalt über die reichhaltigen Ölvorkommen des Iraks und überhaupt die Vorkommen in der gesamten Region gemeint waren. Nicht eine von den angeblichen MVW wurde gefunden, womit ernsthaft auch nie ein Verantwortlicher gerechnet hatte. Wo nichts ist ....

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Nun läuft die Vorkriegskampagne gegen den Iran nach fast exakt dem gleichen Muster ab. Der Iran soll an MVW (Atombomben) arbeiten, obwohl, trotz eifriger Spionagetätigkeit Israels und der USA, keine haltbaren Beweise für diese Behauptungen präsentiert werden konnten. Kriegskampagen laufen immer nach dem gleichen Muster, was sich schon die Nazis zueigen machten. Hören wir mal was der Reichsmeier zum Thema sagte:
"Natürlich, das einfache Volk will keinen Krieg […] Aber schließlich sind es die Führer eines Landes, die die Politik bestimmen, und es ist immer leicht, das Volk zum Mitmachen zu bringen, ob es sich nun um eine Demokratie, eine faschistische Diktatur, um ein Parlament oder eine kommunistische Diktatur handelt. […] Das ist ganz einfach. Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen, und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu behaupten, sie brächten das Land in Gefahr. Diese Methode funktioniert in jedem Land." - Interview mit Gustave Gilbert in seiner Gefängniszelle, 18. April 1946, Nürnberger Tagebuch S.270
Zu was das Verbrechen des Irakkrieg letztendlich führte ist:
• Laut wissenschaftlichen Schätzungen von 2007 wurden mehr als eine Million Iraker durch den Einmarsch und die Besetzung getötet.

• Die Vereinten Nationen schätzten 2008, dass 4,7 Millionen Menschen oder etwa 16 Prozent der Bevölkerung zu Flüchtlingen gemacht wurden.

• Die Infrastruktur des Landes, darunter auch das Stromnetz, wurden zerstört. Laut dem UN-Bericht State of the World’s Cities für die Jahre 2010 und 2011 stieg die Anzahl der Iraker, die in städtischen Slums leben, also keinen Zugang zu grundlegenden Dingen wie Kanalisation und Wasser haben, von 20 Prozent im Jahr 2003 auf 53 Prozent im Jahr 2010.

• Die reale Arbeitslosigkeit liegt bei etwa 50 Prozent, die Inflationsrate bei über 50 Prozent. Ärzte und andere Fachkräfte sind in Massen abgewandert (schätzungsweise 40 Prozent seit Beginn des Krieges). Das Bildungssystem liegt in Scherben.

• Die Säuglings- und Kindersterblichkeit im Irak ist in erschreckendem Ausmaß angestiegen. Laut einem Bericht von 2007 leiden etwa 28 Prozent der Kinder an chronischer Unterernährung. Laut einer irakischen Regierungsbehörde waren im Jahr 2007 35 Prozent aller irakischen Kinder Waisen. Eine ganze Generation ist damit aufgewachsen, dass ihre Eltern getötet oder entführt wurden.

• Während des Krieges wurden mehr als 4.500 US-Soldaten getötet und mehr als 30.000 verwundet. Außerdem wurden zehntausende durch den Einsatz im Irak psychisch schwer traumatisiert.

• Die Kosten für die Kriege im Irak, in Afghanistan und Pakistan belaufen sich auf mehr als vier Billionen Dollar. In dieser Summe sind die direkten Kosten und die langfristigen Auswirkungen auf Gesundheit und Wirtschaftswachstum enthalten. Hunderte Milliarden Dollar wurden an private Söldnerfirmen und Profiteure verteilt. Mindestens sechzehn Milliarden Dollar sind verlorengegangen oder wurden gestohlen.
Und nun kommt die kriegstreibende Klasse der USA auf die "unverdächtige" Idee ein Bundesgericht in New York, unter Hinweis auf 9/11, den Erfindern von Kriegsgründen, ein Hauch von Ernsthaftigkeit zu verleihen. Bedenken sollte man dabei, dass, wenn Gerichtsurteile ganz offensichtlich zum Zweck der Kriegsführung gefällt werden, so etwas nur in Ländern geschehen kann, die ihre Rechtsstaatlichkeit über Bord geworfen haben und sich nunmehr nur der Propaganda verpflichtet fühlen.

FH

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