Samstag, 10. Dezember 2011

Es gilt das vernebelnde Wort

Mowitz
Brüssel der letzten Nacht wird uns als Kampf von Nationalstaaten und deren nationalen Interessen suggeriert. Am Ende sollen die "Briten" sich selbst aus dem Spiel genommen haben und "Deutschland" und "Frankreich" als Führungsspieler für Europa "Verantwortung" tragen. "Begossener Pudel statt starker Bulldogge" blödelt der Focus und zitierte die „Sun“  mit Neville Chamberlain, Hitler und Churchill gleich mit. Inklusive Zeige- und Stinkefinger.

Die sogenannten Märkte, werden in den Dreigroschenberichten aus Brüssel im Augenblick nicht, oder nur am Rande erwähnt. Heute ist die Zeit, wo man so tut als ob Regierungen, die noch gestern vom Uraltkanzler, Grufti Helmut Schmidt, unter großem Beifall als "Getriebene einiger zigtausend Finanzhändler in USA und Europa, die mit einigen Ratingagenturen, die politisch verantwortlichen Regierungen in Europa zu Geiseln genommen haben und gegen die auch Obama nichts ausrichten könne" beschrieben wurden, und weiter: "ein Rettungsschirm, noch ein Rettungsschirm, dann ein Hebel. Alles ziemlich erbärmlich."

Jetzt, von einen Tag auf den anderen, wird aus Brüssel so berichtet als seien wieder nationale Kämpfe ausgebrochen. "Deutsche" Sparschweinlösungen gegen "britische" City of London Visionen. Großbritannien fliegt raus aus Europa, die Deutschen übernehmen Europa nun doch, 66 Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges und alle nähmen gar eine "Spaltung" Europas in Kauf.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Dieses Geschwätz freut Goldman Sachs, Deutsche Bank und JPMorgan Chase & Co, um nur einige zu nennen, ganz ungemein. Es lenkt die Aufmerksamkeit von den wahren Verursachern der Krise ab. Die wollen partout nicht, dass man über Systemveränderungen spricht, die ihnen nicht nur weh täten, sondern die ihnen vor allen Dingen die Macht über die Geldschöpfung nehmen würde. Über dieses immer noch gröβte Tabu in der Gesellschaft, wie "wir" arm und "die" reich werden, wird nicht ernsthaft öffentlich diskutiert. Warum eigentlich nicht? Da fallen mir doch glatt die Geschichten von einigen amerikanischen Präsidenten ein.
Als Präsident Abraham Lincoln zur Finanzierung des Bürgerkriegs 1861 Geld benötigte und ihm die Kredite der Rothschild-Banken, der traditionellen Kriegs-Financiers, zu teuer waren, unterlief er das Privileg der privaten Banken und liess staatliche Dollarnoten drucken, den «Greenback». Diese verwegene Tat sollte Lincoln nicht lange überleben. 1865 wurde er von einem Einzeltäter erschossen, der seinerseits auf der Flucht gleichfalls erschossen wurde. Lincolns Nachfolger Andrew Johnson stellte aus unerfindlichen Gründen die Banknotenproduktion ein.
Dann war Ruhe im Karton bis Präsident John F. Kennedy auf die Idee kam die FED (die private US-Notenbank), zu entmachten und die Geldschöpfung wieder in die Hand des Staates zu legen.
Am 4. Juni 1963 unterzeichnete er die «Executive Order Number 111 110», mit der er die frühere «Executive Order Number 10289» ausser Kraft setzte, die Herstellung von Banknoten wieder in die Gewalt des Staates zurückbrachte und damit das exklusive Kartell der Privatbanken weitgehend entmachtete.

Als bereits rund 4 Milliarden US-Dollar kleine Noten unter der Bezeichnung «United States Notes» der Geldzirkulation zugeführt worden waren und in der Staatsdruckerei grössere Noten auf die Auslieferungen warteten, wurde Kennedy am 22. November 1963, also 100 Jahre nach Lincoln, ebenso von einem Einzeltäter erschossen, der seinerseits gleichfalls erschossen wurde. Sein Nachfolger hiess Lyndon B. Johnson. Auch dieser stellte aus unerfindlichen Gründen die Banknotenproduktion ein. Die zwölf Federal-Reserve-Banken liessen die Kennedy-Scheine umgehend aus dem Verkehr ziehen und gegen ihr eigenes Schuldgeld austauschen.
Es muss ein profitables System sein, in dem private Banken Geld schöpfen (drucken, Giralgeld etc.) um es gegen hohe Zinsen zu verleihen. Kein Wunder, dass die "Märkte", aber Hallooo, als einzige unbeschädigt den freien Fall überleben. Finanzmärkte bestehen eben nicht aus anonymen, fleischlosen Zombies, sondern, wir erinnern uns an unseren Uraltkanzler, der völlig richtig auf dem S?PD Parteitag sagte:
"Einige zigtausende Finanzhändler in USA und in Europa, dazu einige Ratingagenturen, haben die politisch verantwortlichen Regierungen in Europa zu Geiseln genommen. Es ist kaum zu erwarten, dass Obama etwas dagegen ausrichten kann."
Bei 8 Milliarden Erdenbürger sind sie von der Masse her gesehen, eher ein Furz in der Badewanne die ihre Kraft nicht primär aus dem Geld, sondern aus vernebelnden Worten schöpfen. (Verbriefung, Collateralized Debt Obligations, Asset Backed Securities, Derivate, Leerverkäufe u.u.u...)

Josef Ackermann, dem laut EhNaMag eine Anarchistengruppe ein explosives Päckchen geschickt haben soll, obwohl laut EhNaMag  keines ihrer Mitglieder je verurteilt worden sei. So hat man zumindest ein Gerücht in die Welt gesetzt, was zu den obersten Geboten von Konzernmedien gehört. Da helfen auch keine Relativierungen, die im nächsten Halbsatz nachgeschoben werden:
"Viele halten die Truppe, die sich zum Anschlag auf Deutsche-Bank-Chef Ackermann bekannte, für von Geheimdiensten gesteuerte Provokateure."
Von dieser mutigen Spekulation hört man heute von "Qualitätsmedien" nichts mehr. So wenig wie von Ackermanns Antwort auf die Frage Maybrit Illners in ihrer Sendung vom 13. Mai 2010, warum er nicht für einen Schuldenerlaß bei zahlungsunfähigen Ländern plädiert habe:
„Ich glaube, es wäre mir genauso gegangen wie Herrn Herrhausen“ Alfred Herrhausen, damals Chef der Deutschen Bank wie heute Ackermann, hatte 1989 für den Erlaß zum Beispiel der mexikanischen Schulden plädiert. Er wurde am 30. November 1989 von einer Bombe zerfetzt. Die Bombenleger wurden nie ermittelt.
Nun hat es Prof. Michael Hudson, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität von Missouri, bis auf die Feuilleton-Seite der FAZ gebracht. Eine Feuilleton-Seite die eher den literarischen und kultureller Teil einer Zeitung ausmacht. Für die Wirtschaftsseite, hatte sich der Professor wohl nicht qualifiziert, obwohl er einer der wenigen war, die im Jahr 2006 den Kollaps des Immobilienmarktes genau voraussagte. Unter der Rubrik "Der Krieg der Banken gegen das Volk" beleuchtet er das Thema wie Krieg geführt wird wenn Banken nicht der Wirtschaft dienen sondern der umgekehrte Fall eingetreten ist. Und wie man diese Pfründe verteidigt.

Das haben die Bundestagspappnasen bis auf den heutigen Tag noch nicht kapiert und glauben im besten Fall in Brüssel wäre es um deutsche Interessen gegangen. In Brüssel und in der Weltwirtschaft insgesamt, geht es nie um "nationale" Interessen, es geht immer um Kapitalinteressen.

FH

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