Mittwoch, 7. Dezember 2011

Nach Grufti Helmut Schmidt nur noch Schlaftabletten auf dem S?PD-Parteitag

Mowitz
Der Zustand der deutschen Verräterpartei Numero 1, lässt sich nicht besser als am Beispiel eines 92-jährigen, wenn auch kommununikativen Ausnahmekünstlers, Helmut Schmidt, verdeutlichen. Am Sonntag riss er vom Rollstuhl aus seine Parteischlafmützen von ihren Sitzen hoch und versetzte sie in eine peinliche Ekstase politischer Anbetung seiner selbst. Er, Schmidt-Grufti der Allwissende, hatte sie daran erinnert wie unbedeutend sogar Europa dem Heer von Milliarden Nicht-Europäern erscheinen mag, und es darum von äußerster Wichtigkeit sei, Europa nicht scheitern zu lassen, wenn die Deutschen selbst noch künftig Gestaltungsmöglichkeiten haben wollen. Mehr visionäres als so kam nicht von Schmidt. Dennoch wurde er als Weissager der politischen Allerlei-Bewegung S?PD gefeiert der er auf unerklärliche Weise Mut zusprach, weiter so zu tun als lenke sie die Geschicke Deutschlands. Mut für den Augenblick, nicht für die Zukunft. ("Man müsse den Sozialdemokraten nicht internationale Solidarität predigen. Denn die deutsche Sozialdemokratie ist seit anderthalb Jahrhunderten internationalistisch gesonnen – in viel höherem Maße als Generationen von Liberalen, Konservativen oder Deutsch-Nationalen.") Vielleicht lag es daran, dass Visionäre, laut Schmidt, sowieso den Arzt aufsuchen sollten anstatt in der Politik rumzuwurschteln.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Das ist der Punkt an dem ich vehement widersprechen würde. Schmidts tiefste persönliche Eindrücke die ihn für's Leben prägten, bekam er im zweiten Weltkrieg, den er als Soldat an der Front miterlebte. Daraus zog er die richtige Schlussfolgerung, "nie wieder Krieg" aber er weiß und wusste es immer schon, dass das internationale Kapital es nie verzeiht wenn Staaten selbstständig Finanz- und Wirtschaftspolitik betreiben wollen in der das Allgemeinwohl die Richtschnur des Handelns ist und nicht kurzfristiger Kapitalgewinn um jeden Preis. Und das bedeutet Krieg. Krieg des Kapitalismus gegen 99 Prozent der Menschheit. O-Ton Schmidt: "Einige zigtausende Finanzhändler in USA und in Europa, dazu einige Ratingagenturen, haben die politisch verantwortlichen Regierungen in Europa zu Geiseln genommen. Es ist kaum zu erwarten, dass Obama etwas dagegen ausrichten kann." Keine Bedienungsanleitung von Schmidt wie man sich aus der Geiselhaft des Finanzkapitals befreien kann. Ist das Defätismus eines Illusions- und Visionslosen oder die gesammelte Erfahrung eines langen Lebens, eines immer noch durch das Wort Mächtigen?

Eine Politik, in der die Kapitalwerkzeuge der Finanzindustrie nicht damit beschäftigt sind für das Allgemeinwohl zu arbeiten sondern für kurzsichtige Gewinninteressen der Aktionäre und Bonifikations-Direktoren. Anstatt die Realwirtschaft mit notwendigen Krediten zu versorgen, wurden und werden wieder wirtschaftliche Aktivitäten mit Derivaten, Leerverkäufen, Verbriefungen und was es sonst noch alles so gibt vorgetäuscht und zum Wohl einer kleinen, verbrecherischen Schicht von Finanz-Blendern und Gauklern getätigt.

Ihre bei weitem umfangreichsten Aktivitäten bestehen darin, vergebene Kredite zu einem Finanzprodukt zu machen, hinzu kommt das Investmentbanking, also Fusionen und Übernahmen von Unternehmen durch Kredite zu finanzieren und gleichzeitig damit noch hohe Gebühren zu kassieren.

Um sich aus diesem kapitalistischen Würgegriff zu befreien, bedarf es nichtängstlicher Visionäre und Kämpfernaturen. Schmidt ist kein Visionär und auch nie einer gewesen. Heute ist die Aufgabe des 92-jährigen einer verzagten Partei Trost zu spenden, ihren Verrat an der arbeitenden Klasse als notwendigen Schritt der Ratio über die Vision  darzustellen. Seine Feststellung, dass die europäischen Nationen bald nur noch Bruchteile von einem Prozent der Weltbevölkerung ausmachen, heißt im Grunde nichts anderes als alle Kraft der Wenigen zu bündeln um die Vielen zu unterdrücken. Schmidt: "Wenn wir die Hoffnung haben wollen, dass wir Europäer eine Bedeutung für die Welt haben, dann können wir das nur gemeinsam." Nichts Visionäres. Das ist Balsam für die Seelen kleinbürgerlicher Parteitagsdelegierter und ihrer verbeamteten Führungsriege. Die Hoffnungslosigkeit ist vorprogrammiert. Die Vielen wehren sich schon seit längerer Zeit gegen die Unterdrückung durch die Wenigen. Die Siege der Wenigen überzeugen nicht wirklich. In Libyen formiert sich bereits der Widerstand, von dem hier nicht berichtet werden darf. Afghanische Kämpfer vertreiben ausländische Invasoren aus ihrem Land, was die Afghanistan-Konferenz der schönen Worte in Bonn verdecken soll.

Versucht's mal mit wirklich fairem Handel weltweit. Schon das wäre eine Radikalität ohnegleichen!

FH

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