Sonntag, 30. Januar 2011

Man zeigt sich "besorgt"

Hungerrevolten in den Hochburgen westlich-arabischer Vasallenstaaten, die in der hiesigen Mainstream als Kampf für mehr "Demokratie" westlicher Prägung dargeblödelt werden. Einer "Demokratie", die gerade im Nahen Osten dadurch aufgefallen ist, dass sie sich ihrer kolonialen Unterdrückungsgeschichte immer noch verpflichtet fühlt. Mit der "einzigen Demokratie" im Nahen Osten als Vorzeigeprojekt, die unter dem Schutz dieser "Demokratien", Menschen schlachtet, foltert, sie ihrer Heimat und ihres Eigentums beraubt, sie demütigt, rechtlos im eigenen Land macht und gerade dabei ist einen jüdischen Gottesstaat zu errichten. Ein "demokratischer" Gottesstaat, der sich seine Massaker göttlich absegnen lässt, und so ganz nebenbei sich auch an den Gasfeldern vor der Levanteküste zu schaffen macht. Michel Chossudovsky schrieb am 8.1.2009 in seinem Artikel: "Krieg und Naturgas: die israelische Invasion und Gazas küstennahe Gasfelder":
"Die militärische Invasion israelischer Truppen in den Gazastreifen hat einen direkten Zusammenhang mit der Kontrolle und dem Besitz der strategischen Gasreserven vor der Küste.

Dies ist ein Eroberungskrieg. Entdeckt wurden die ausgedehnten Gasreserven vor der Küste im Jahr 2000."
Diese Vorgehensweise ist schließlich der bevorzugte Weg, den so genannte Demokratien gehen, wenn sie sich Naturressourcen zu eigen machen. Sie nennen es "freie Marktwirtschaft" und "Demokratie" wenn sie in den Irak, Afghanistan, oder wo auch immer einmarschieren. Oder wenn israelische Rabbis dem Ganzen noch einen religiösen Anstrich geben und ganz gottesstaatlich dafür plädieren:
"dass Juden das Recht haben, in jeder Situation Einheimische zu töten, wenn die Gegenwart eines Nichtjuden jüdisches Leben gefährdet, auch dann, wenn der Einheimische keinerlei Schuld an der Situation hat, die gerade besteht.

Das Buch sanktioniert das Töten von nicht-jüdischen Kindern und Babys: „Es gibt eine Rechtfertigung für das Töten von Babys, wenn es klar ist, dass sie heranwachsen, um uns Leid anzutun. In solch einer Situation können sie absichtlich geschädigt werden, nicht nur während eine Kampfes mit Erwachsenen."
Über derartige christlich-jüdische Werte gibt man sich nicht besorgt, sondern unterstützt ganz offen ein Apartheid-Regime, das die Opfer des nazistischen Holocausts obendrein noch für seine Schandtaten vereinnahmt.



Nun brennt es im wahrsten Sinne des Wortes im Nahen- und Mittleren Osten und die Vertreter der politischen Klasse hier geben sich "besorgt". Fordern den Rücktritt von Mubarak, der sich ohne wirtschaftliche und militärische Hilfe des Westens, gar nicht an der Spitze Ägyptens hätte halten können. Allerdings war und ist er noch immer ein zuverlässiger Partner Israels. Da ist zusammen, was zusammen gehört. Wird zum wiederholten Mal der Schwanz mit dem Hund wedeln und Veränderungen gewaltsam zunichte machen? Man beobachte besorgt die Entwicklung und ist auf alles vorbereitet, wie es in Tel Aviv so schön heißt.

Es ist nur zu hoffen, dass die Revolutionen in der arabischen Welt nicht vom Mossad, CIA und anderen Hilfsorganisationen der "freien" Welt übernommen und in altbekannte Machtstrukturen zurückgeführt werden. Revolutionen währen nur kurzer Augenblicke, die mühsame Arbeit beginnt danach. Neue Strukturen müssen aufgebaut werden, ein wirklicher Systemwechsel stattfinden. Die Kapitalmafia des Westens wird nicht untätig bleiben und einem Systemwechsel tatenlos zusehen. Die Frage ist, ob die jungen Menschen in diesen Ländern darauf vorbereitet sind?

FH

Samstag, 29. Januar 2011

”Wir müssen diese Kultur stoppen bevor sie den Planeten tötet!“

Eine Unterhaltung mit Derrick Jensen

Derrick Jensen
Mickey Z


Übersetzt von Einar Schlereth

Wenn Sie dieses Interview zu lesen beginnen, werfen Sie einen Blick auf die nächste Uhr. Und nun stellen Sie sich dies vor: Seit gestern um genau dieselbe Zeit sind 46.000 ha Regenwald zerstört, über 100 Pflanzen- und Tierarten ausgelöscht, 13 Millionen Tonnen giftiger Chemikalien in die Atmosphäre der Welt entlassen worden und sind 29 158 Kinder unter 5 Jahren aus vermeidbaren Gründen gestorben.
Das Schlimmste ist, dass an den vergangenen 24 Stunden nichts Besonderes ist. Das heisst 'Business as usual' (die Geschäfte gehen weiter), eine alltägliche Realität – und keine noch so große Menge an Sparlampen, wieder verwendetem Papier oder Spendungen des Sierra Clubs werden das Geringste daran ändern.

Während Sie Ihr Bestes tun, sich selbst von dem riesigen Abgrund zwischen den beiden Flügeln von Amerikas einziger korporativen Partei zu überzeugen, schlage ich vor, dass Sie mal genau hinhören, ob nur einer von allen Politikern etwas von dem Folgenden erwähnt:
  • Jede Quadratmeile der Ozeane enthält 46 000 schwimmende Plastikstücke
  • 81 Tonnen Blei werden in jedem Jahr in die Atmosphäre als Ergebnis von Stromerzeugung gejagt
  • In jeder Sekunde werden in der USA fast 46000 Liter Benzin verbrannt
  • In jedem Jahr verbrauchen die Amerikaner 1.2 Mrd. Kg Pestizide
  • 90% der großen Fische in den Ozeanen und 80% der Wälder der Welt sind verschwunden
  • Alle zwei Sekunden stirbt ein Mensch an Hunger
Dies ist nur eine kleine Aufzählung, Leute, und, tut mir leid, aber eure halben Maßnahmen helfen nichts. Diese wieder verwendbare Einkaufstasche, die ihr zum Einkauf benutzt, hat Null Ergebnis. Ihr Komposthaufen zuhause wird keine Revolution auslösen.

Es ist sogar so, dass wenn jeder Einzelne in den USA jede einzelne Maßnahme, die in dem Film 'An inconvenient Truth' (eine unangenehme Wahrheit) vorgeschlagen wird, ergreift, würde der CO² Ausstoß um nur 21% fallen – im Vergleich zu den 75%, die von dem wissenschaftlichen Konsens als notwendig angesehen wird – jetzt.

Als dies ist natürlich nichts Neues für Derrick Jensen. Er ist der Autor von wichtigen Werken wie „A Language Older than Words' und 'Endgame'. Seine Weltsicht hat nichts mit Parteipolitik, schrittweisen Reformen, linkem Nahkampf, Kompromissen mit den Multis zu tun oder sonst welchen Schönheitskorrekturen, um letzlich das fortschreitende globale Verbrechen aufrechtzuerhalten, das wir Zivilisation nennen.

„Meine Loyalität“, sagte er mir „gehört den nicht-menschlichen und den menschlichen Opfern dieser Kultur und meine Arbeit bezweckt, die Angriffe auf das nicht-menschliche Leben, das Land, den Planeten selbst, die Frauen, indigene Völker, die Armen zu stoppen.“

Wenn Sie die alte Linke leid sind und all die ungesagten Worte, sind Sie es sich schuldig, den Rest unserer Unterhaltung weiter unten zu lesen. Danach fangen Sie vielleicht an zu begreifen, dass Sie es auch dem Planeten schulden, aktiv zu werden.

Unser Gespräch fand in der Woche des 17. Januar statt und lief in etwa so ab:

Mickey Z: Wir beginnen diese Unterhaltung, während ein weiterer Martin Luther King Tag veranstaltet wird. Aber die Chance, dieses Zitat von Dr. King zu hören - „Die Frage ist nicht, ob wir Extremisten sein werden, sondern was für eine Sorte von Extremisten wir sein werden“ - das von den Medien so oft genannt wird, wie?

Derrick Jensen: Gerade heute las ich einen Artikel, in dem es nicht überraschend hieß, dass die durch Industrie verursachte Erwärmung weit schlimmer als geschätzt sein wird, und wenn die Emissionen weiter wie erwartet steigen, der größte Teil des Planeten innerhalb von 100 Jahren unbewohnbar wird. Selbst jetzt erlöschen täglich 150-200 Arten. Diese Kultur rottet indigene Völker aus. Die Ozeane werden ermordet. Und heute sah ich auch eine Studie über den Gehalt von feuerhemmenden Mitteln in jedem Foetus. Usw. usw. Und dennoch werden jene, die daran arbeiten, diesen globalen Mord zu verhindern, manchmal als Extremisten charakterisiert.

Ich denke, die wahren Extremisten sind jene, die den Kapitalismus höher einschätzen als das Leben, die Leute, die Zivilisation über das Leben stellen. Ich kann mir keine extremere Einstellung vorstellen, als diese irrsinnige Kultur über das Leben zu stellen.

MZ: Nicht überraschend hatte ein anderer Afro-Amerikaner aus den 60-er Jahren – Malcolm X – etwas Positives über Extremismus zu sagen, der diese irrsinnige Kultur beseitigen will. Mit Ausgangspunkt von Hamlet schrieb er:

„(Hamlet) zweifelte, ob es edler wäre in der Gesinnung eines Menschen, die Schleudern und Pfeile empörenden Reichtums zu erdulden oder den Kampf gegen ein Meer von Unbilden aufzunehmen und durch Widerstand sie zu beenden. Und ich bin hierfür. Wenn man den Kampf aufnimmt, wird man es beenden, aber wenn man einfach dasitzt und wartet, dass der an der Macht sich entscheidet, dass er etwas tun sollte, um es zu beenden, dann kann man lange warten. Und meiner Meinung nach lebt die junge Generation von Weißen, Schwarzen, Braunen und sonstigen in einer Zeit des Extremismus, einer Zeit der Revolution, einer Zeit, in der es eine Chance gibt. Die Leute an der Macht haben sie missbraucht und jetzt muss eine Veränderung kommen und eine bessere Welt muss geschaffen werden und der einzige Weg, durch den das geschehen kann, ist mit extremen Methoden. Und ich werde mit jedem zusammengehen – egal welche Hautfarbe du hast – so lange du bereit bist, diese elenden Bedingungen, die auf dieser Erde herrschen, verändern willst.“

DJ: Ich denke, der Schlüssel ist, dass man diese elenden Bedingungen verändern will. Ich versuche wirklich, mit so vielen Menschen wie möglich zusammenzuarbeiten, aber in den vergangenen Jahren ist mir bewusst geworden, dass ich nicht für dieselben Ziele arbeite wie die vielen Umweltschützer, die explizit daran arbeiten, den Kapitalismus zu retten oder die Zivilisation zu retten, anstatt die wirkliche Welt. In Gesprächen und Interviews frage ich oft, was all die sogenannten Lösungen für die globale Erwärmung, die Zerstörung der Ozeane oder den Zusammenbruch der Biovielfalt usw. gemeinsam haben. Und was sie alle gemeinsam haben, das ist, dass sie alle den industriellen Kapitalismus als gegeben annehmen, und die natürliche Welt als das, was in Übereinstimmung mit dem Industriekapitalismus in Einklang gebracht werden muss. Das ist buchstäblich irrsinnig, d.h. ohne Kontakt mit der physischen Realität.

Ich meine, schau dir Lester Browns Plan B 4.0 zur Rettung der Zivilisation an. Was will er retten? Kann er noch deutlicher werden? Er will die Zivilisation retten. Aber die Zivilisation tötet den Planeten. Es ist, als würde man ein Buch darüber schreiben, wie man einen Serienmörder retten soll, der so viele Leute tötet, dass er keine Opfer mehr findet. Diese Haltung können wir überall beobachten. Wenn Leute z. B. fragen, wie wir die globale Erwärmung stoppen können, fragen sie nicht, wie wir die globale Erwrmung stoppen können; sie fragen, wie wir die globale Erwärmung stoppen können, ohne die physischen Bedingungen zu ändern (Erdöl und Gas zu verbrennen, Abholzung, industrielle Landwirtschaft etc.), was ja gerade zur globalen Erwärmung geführt hat. Genau, wie wenn sie fragen, wie wir den Lachs retten könnnen, fragen sie nicht wirklich, wie wir den Lachs retten können, sie fragen, wie wir den Lachs retten können, ohne die Dämme abzureissen, die industrielle Abholzung zu stoppen, die industrielle Landwirtschaft, die industrielle Fischerei, die Mordung der Weltmeere zu stoppen usw.

Und eine Frage, die ich immer stelle ist: Mit wem (oder was) identifizierst du dich? Wo liegt deine Loyalität? Wen oder was willst du retten? Und wenn du wirklich diese „elenden Bedingungen“ retten willst – Kapitalismus, Zivilisation und das alles – auf Kosten des Planeten, dann arbeiten wir nicht auf dasselbe Ziel hin. Meine Loyalität liegt bei den nicht-menschlichen und menschlichen Opfern dieser Kultur und meine Arbeit hat zum Ziel, die Angriffe dieser Kultur auf nicht-menschliche Wesen, auf das Land, auf den Planeten selbst, auf die Frauen, die indigenen Völker, auf die Armen zu stoppen.

MZ: Es ist ein Beweis für die Macht der Propaganda, dass eben wohl-meinende Leute die Optionen wählen – sowohl öffentliche wie private – die gegen ihre eigenen Interessen sind. Aktivisten für die Rechte der Schwulen klatschen jetzt dem Widerruf „Frag' nicht, antworte nicht' Beifall. Im Namen der Förderung von Vielfalt und Einbeziehung feiern sie die Möglichkeit, freiwillig einer Institution beitreten zu dürfen, die nur dazu besteht, gewaltsam jede Vielfalt und Einbeziehung zu zerschlagen.

Die Konditionierung ist derart mit jedem Aspekt unserer Kultur verwoben, dass selbst respektierte linke Denker einfach nicht deinen Satz „Zivilisation tötet den Planeten“ verstehen können und auf Antworten wie „Menschenfeindlichkeit“ zurückgreifen.

Man muss also fragen, Derrick: Können diese Leute mit der Botschaft erreicht werden, dass wir keinen industriellen Kapitalismus haben können ohne all seine mörderischen Nebeneffekte.

DJ: Es gibt einen großartigen Satz von Upton Sinclair davon, wie schwer es ist, einen Mann (sic!) dazu zu bringen etwas zu verstehen, wenn sein (sic!) Job davon abhängt, dass er es nicht versteht. Ich denke, das gilt noch mehr für Anspruchsberechtigungen. Es ist schwer, jemanden dazu zu bringen, etwas zu verstehen, wenn ihre Ansprüche, ihre Privilegien, ihr Komfort und Extravaganzen, ihre vermeintliche Fähigkeit zu kontrollieren und zu managen davon abhängt.

So viele Schriften über Natur, Theorien sozialer Veränderung und Umweltphilosophie sind im besten Falle irrelevant und viel öfter schädlich, weil sie nicht den menschlichen Suprematismus in Frage stellen (oder vielmehr den weißen oder männlichen Suprematismus). Häufig stellen sie nicht den Imperialismus oder ökologischen Imperialismus in Frage. Oft habe ich das Gefühl, dass viele von ihnen viel lieber die Annehmlichkeiten haben möchten, die der Imperialismus bietet (einschließlich ökologischer und sexueller Imperialismus), statt diese Formen des Imperialismus zu stoppen. Und da die Gewalt des Imperialismus strukturell ist – dem Prozess innewohnend – kann man realistischerweise nicht erwarten, dass der Imperialismus aufhört, gewalttätig zu sein, nur weil man ihn „grün“ nennt oder weil man es mit aller Kraft wünscht.

Hier ist eine andere Art, es zu sagen, wie ich es in 'Endgame' sage: Jede Lebensweise, die den Import von Ressourcen erfordert, wird a) niemals nachhaltig sein und b) immer auf Gewalt beruhen, weil a) die Erfordernis von Ressourcen bedeutet, dass man mehr dieser Ressourcen verwendet als die Landgrundlage (?) liefern kann, was definitionsmäßig nicht nachhaltig ist (und wenn deine Stadt wächst, wird sie immer mehr Land brauchen, um zu schaden); und b) Handel wird niemals hinreichend zuverlässig sein, weil wenn man eine Ressource verlangt (z. B. Öl) und die Leute, die diese Ressource haben oder kontrollieren, nicht verkaufen wollen, wird man es nehmen, weil man es braucht. Es ist inhärent. Eine der vielen Implikationen davon ist, dass, wenn man den Imperialismus selbst nicht in Frage stellt, dann werden deine Lösungsvorschläge absurd sein oder entweder irrelevant oder schädlich.

Hier eine Geschichte. Vor ein paar Wochen hat der Sturm hier in der Nachbarschaft einen Baum umgehauen, der ein elektrisches Kabel zerriss. Mein Nachbar erzählte mir davon, und als ich den umgefallenen Baum sah, suchte und suchte ich nach dem Baumstumpf, um zu sehen, wo er abgebrochen war, konnte es aber nicht finden. Jedes Mal, wenn ich vorbeiging, schaute ich nach. Heute spazierte ich vorbei und sah es. Es war ganz klar, als ich hochschaute, statt den Boden abzusuchen. Die Pointe (ein spontaner Aphorismus): Du kannst so gründlich wie möglich suchen, aber du wirst niemals finden, was du suchst, wenn du an der falschen Stelle suchst. Dies gilt für alles, von persönlichem Glück bis zu den Lösungen für die globale Erwärmung. Aber das Problem ist schlimmer als die bloßen Anspruchsberechtigungen. R.D. Laing stellte drei Regeln für dysfunktionale Familien auf:

Regel A heisst Tu das nicht!

Regel A.1 heisst Regel A gibt es nicht

Regel A.2 heisst Diskutiere niemals die Existenz oder Nichtexistenz der Regeln A, A.1, A.2

Dies gilt ebenso für dysfunktionale Kulturen. Wir können also z. B. nicht über die Tatsache reden, dass diese Kultur nur eine Möglichkeit zu leben von vielen ist, dass diese Lebensweise auf Eroberung und Machterwerb basiert, dass diese Lebensweise systematisch unsere Landgrundlage zerstört sowie andere Kulturen usw. Systematisch, funktionell.

Aber es ist noch viel schlimmer. In den 60-er Jahren hat ein Forscher Elektroden an den Augäpfeln von Leuten angebracht, um festzustellen, wohin sie schauten und zeigte ihnen dann Bilder. Der Forscher fand heraus, dass ein Foto, wenn es etwas zeigte, was das Weltbild der Person bedrohte, die Augen der Person es nicht direkt ansehen würden: sie würden es aus dem Augenwinkel sehen und wissen, wohin sie nicht schauen dürfen. Ebenso kann man etwas so vernünftig wie möglich erklären, aber die Gesprächsperson wird keine Ahnung haben, wovon du sprichst.

MZ: In Anbetracht der Langsamkeit, mit der viele Menschen – mich selbst durchaus eingeschlossen – zerstörerische oder selbst-zerstörerische Muster ihres persönlichen Lebens erkennen und angehen, ist es schwer, sich vorzustellen, dass viele Menschen ihren Augen erlauben, sich mit globalen Krisen und ihren verborgenen Ursachen zu beschäftigen.

DJ: 12 Uhr kommt immer näher und es sieht so aus, als ob die meisten von uns nicht einmal die Uhr lesen können.

Da wir von '12 Uhr Mittags' sprechen. Ich habe mir kürzlich den Klassiker von 1952 wieder angesehen und konzentrierte mich auf den Moment, wo Amyi (Grace Kelly), die pazifistische Frau von Polizeichef Kane (Gary Cooper) auf einen Mann schießt und ihn tötet, um das Leben ihres Mannes zu retten. Zuvor im Film hatte Amy erklärt: „Mein Vater und mein Bruder wurden durch Gewehre getötet. Sie waren auf der richtigen Seite, aber das half ihnen nichts, als die Schießerei begann. Mein Bruder war neunzehn, ich sah ihn sterben. Dadurch wurde ich zum Quäker. Mir ist's egal, wer Recht oder Unrecht hat. Es muss eine bessere Art zu leben für die Menschen geben.“

Am Ende jedoch erschießt sie nicht nur einen Mann, sondern schlägt auch den großen Schurken zurück, was es Kane erlaubt, ihn zu erledigen. Nun, bevor ein paar Leser anfangen, mich Gandhi zu nennen – was ich als Lehre ansehe ist, dass wenn mit großer Deutlichkeit eine Krise kommen sieht, wie es manchmal passiert, können wir erkennen, dass diese Uhrzeiger auf 12 zugehen, und wir überraschen uns selbst (wie es Grace Kelly tat) mit unserer Fähigkeit, die Dinge auf eine neue Ebene zu bringen.

MZ: Wenn nicht, welche Chance haben wir (die Tiere, die Bäume, das Öko-System etc.) denn?

DJ: Sehr wenig Chancen. Auch wenn den Leuten die nicht-menschlichen Wesen egal sind, so zeigen Schätzungen, dass Milliarden, buchstäblich Milliarden Menschen sterben werden in dem Klima-Holocaust – wie man es zu nennen beginnt. Und zwar, wenn die Temperatur um vier Grad steigt.

Und die allerneuesten Schätzungen zeigen, dass die globale Erwärmung viel schlimmer ist als früher gedacht (habt ihr jemals bemerkt, dass die früheren Schätzungen immer niedrig lagen?), dass sie um 16° C innerhalb von 90 Jahren steigen könnte, was den größten Teil der Erde unbewohnbar machen würde („Science Stunner: On our current emmissions path, CO2 levels in 2100 will hit levels last seen when the Earth was 29°F (16°C) hotter – Paleoclimate data suggests CO2 levels 'may have at least twice the effect on global temperatures than currently projected by computer models'“ = siehe hier http://climateprogress.org/2011/01/13/science-kiehl-ncar-paleoclimate-lessons-from-earths-hot-past/). Das bedeutet, dass es jetzt junge Menschen gibt, die in diesem Klimaholocaust sterben werden. Und es gibt zu viele Menschen, die diese elende, zerstörerische Lebensweise für das Leben auf dem Planeten vorziehen, buchstäblich auch dem Leben ihrer eigenen Kinder. Wir müssen diese Kultur stoppen, bevor sie den Planeten tötet.

MZ: Obwohl ich das Gefühl habe, dass es im Bereich des Aktivismus zu viel Händchenhalten und viel zu viele Progressive gibt, die müßig herumsitzen und auf einen Führer warten, der ihnen den Weg weist, muss ich doch dies sagen: Welche Art von unmittelbarer direkter Aktion würdest du denen, die dies Interview lesen, vorschlagen, um diese Kultur zu stoppen bevor sie unseren Planeten zerstört?

DJ: Ich denke, das Wichtigste ist, dass sie irgendeine Form von Aktivität ergreifen. Ich kann den Leuten nicht sagen was, weil ich nicht weiss, was wichtig für sie ist, nicht weiss, welche Fähigkeiten sie haben. Doch das Wichtigste ist, dass sie anfangen. Jetzt. Heute.

Wie also anfangen? Die Probleme sind so gewaltig. Nun, die Art, wie ich zum Aktivisten wurde, war das tollste Ding, was ich jemals im Leben gemacht habe. Als ich Mitte 20 war, wurde mir bewusst, dass ich nicht genug für Benzin bezahlte (ich meine, wenn man alle ökologischen Kosten einbezieht etc.), weshalb ich für jeden Dollar, den ich für Benzin ausgab, einen Dollar an eine Öko-Organisation gab (nie an eine nationale oder internationale Organisation, sondern an eine lokale Graswurzelbewegung), aber da ich kein Geld hatte, würde ich mir selbst 5$ die Stunde für Aktivistenarbeit bezahlen, ob Briefe an Herausgeber zu schreiben oder an Demos teilzunehmen. Meine ersten Demos waren anti-Pelzdemos und anti-Zirkus-Demos. Und lasst euch nicht von eurer klar erkannten Unwissenheit bremsen: Ich hatte keine Ahnung, was genau an einem Zirkus falsch war, ich wusste nur, dass nicht-menschliche Wesen ausgebeutet wurden, und ich machte mit und andere Leute gaben mir Schilder, und wenn jemand fragte, was denn falsch an einem Zirkus sei, zeigte ich auf den Nebenmann. Von da kam ich zu anderen Formen des Aktivismus, wie etwa Aufrufe gegen den Verkauf von Bauholz usw. Das Wichtige war, dass ich begonnen hatte. Damals kostete es 10$, meinen Tank zu füllen, und ich füllte ihn einmal die Woche, was 2 Stunden Arbeit pro Woche bedeutete. Aber ich hatte allmählich so viel Freude an dem Aktivismus, dass ich aufhörte, die Stunden zu zählen, die ich dafür arbeitete, sondern es einfach tat. Aber das Wichtige war, dass ich den Hintern hochbekommen hatte und etwas zu tun begonnen hatte.

Wichtig ist auch, dass die Leute, wenn sie aktiv werden, es sich nicht einfach um persönliche Dinge handelt: der Umweltschutz besonders ist in die Sackgasse des Lifestyle angelangt, wo Leute glauben, dass es reicht, wenn sie ihr persönliches Leben verändern. Gerade heute hab ich einen Artikel gelesen, in dem über Wasser zu lesen war, dass „Erstens, stell das Wasser ab, wenn du es nicht mehr brauchst. So einfach ist das. Ich will nicht zu sehr wie ein Prediger wirken, aber laut UNICEF und der Weltgesundheitsorganisation tötet der Mangel an sauberem Trinkwasser täglich 4500 Kinder. Das Wasser wird nicht magischerweise von unserem Wasserhahn zu jemandem fließen, der es braucht, aber eine Schonungs-Denkart zu schaffen, kann helfen. Es macht absolut keinen Sinn, Wasser in den Abguss laufen zu lassen.“ Das ist absurd. Ja, Mangel an sauberem Wasser tötet 4500 Kinder täglich, aber nicht wegen meines eigenen Wasserverbrauchs. 90% des von Menschen benutzten Wassers wird von der Landwirtschaft und der Industrie verbraucht. Alle Umweltaufrufe also für ein einfaches Leben sind ungeheuer missweisend: diese Kinder (und was ist mit den Kindern des Lachses und des Störs usw.) sterben nicht, weil ich mir die Zähne bürste, sondern sie sterben, weil die Landwirtschaft und die Industrie das Wasser stehlen. Gerade gestern las ich, dass die Türkei alle Naturschutzgebiete opfert, um dort Dämme zu bauen. Und nicht, damit Leute Duschen bekommen. Nein, es ist für die Industrie und die Landwirtschaft.

Ich lebe ziemlich einfach, aber deswegen, weil ich ein Geizhals bin. Ich stelle auch das Wasser ab, während ich die Zähne putze. Ein tolles Geschäft. Aber das ist kein politischer Akt. Es gibt keine persönlichen Lösungen für soziale Probleme. Nicht eine.

Wenn ich also sage, dass Leute etwas Aktivismus betreiben sollen, meine ich, dass es gut ist für dein Land. Hör auf mit destruktiven Aktivitäten. Fang mit der Wiederherstellung an. Oder wenn dein vordringlichstes Anliegen die Gewalt gegen Frauen ist, dann leiste Arbeit gegen die häusliche Gewalt oder gegen Pornographie oder gegen den Frauenhandel. Fang einfach an.
Wie Joe Hill sagte: „Nicht trauern, organisieren.“

MZ: Ich sage den Leuten gerne, dass wir in der besten Zeit, die es jemals gab, leben, um ein Aktivist zu sein. Wir stehen an der Schwelle einer ökonomischen, sozialen und einem umweltlichen Kollaps. Welch eine Zeit, am Leben zu sein. Wir können an der wichtigsten Arbeit teilnehmen, die jemals von Menschen geleistet wurde. Welch ein Glück. In dieser Ära von „Hoffnung und Veränderung“ ist Aktion immer besser als Hoffnung, sage ich. Oder wie Rita Mae Brown sagte: „Hoffe niemals mehr, als du tust.“

DJ: Ja, ich habe so die Nase voll von Leuten, die sagen, sie hofften, dass der Lachs überleben werde oder hoffen dies oder jenes. Aber was ist Hoffnung? Hoffnung ist eine Sehnsucht nach einer künftigen Bedingung, auf die wir keinen Einfluss haben. So benutzen wir auch das Wort im täglichen Umgang, Ich sage nicht: „Oh, ich hoffe, dass ich meine Schuhe anziehe, bevor ich hinausgehe.“ Ich tue es einfach. Andererseits, bevor ich das nächste Mal fliege, sage ich: „Ich hoffe, dass ich nicht abstürze.“ Sobald ich im Flugzeug sitze, habe ich keinen Einfluss mehr. Oder denkt an dies: Wenn ein Elternteil zu einem achtjährigen Kind sagt: „Räum bitte dein Zimmer auf“ und das Kind antwortet: „Ich hoffe, dass es geschieht“ dann wissen wir alle, dass das lächerlich ist. Ich fragte ein achtjähriges Kind, was passieren würde, wenn sie so etwas zu ihren Eltern sagte und es antwortete: „Irgendjemand muss das Zimmer aufräumen.“

Das Kind ist klüger als eine Menge der Umweltschützer. Es ist lächerlich zu sagen, ich hoffe, dass die globale Erwärmung nicht unseren Planeten tötet, wenn wir die Erdölwirtschaft beenden können, die die globale Erwärmung verursacht. Ich bin nicht an Hoffnung interessiert. Ich bin an Handlung interessiert und bin an Leuten interessiert, die nicht länger auf ein Wunder warten, um unsere Probleme zu lösen. Wir müssen tun, was notwendig ist.

MZ: Als du anfingst mit Schreiben und dem Reden über Zivilisation und den eventuellen Kollaps, hast du dir da jemals vorstellen können, dass du es erleben würdest, dass die Dinge so schlimm sein werden wie sie jetzt sind?

DJ: Nein. Und selbst als ich in 'The Culture of Make Believe' (Die Kultur des Als ob) über die Möglichkeiten schrieb, dass ökonomischer Kollaps zu mehr und übergenug Braunhemdentum und Faschismus führen kann, bin ich doch verblüfft, wie es jetzt tatsächlich geschieht. Noch deutlicher, obwohl ich in etwa fünfzehn Bücher über den Irrsinn dieser Kultur geschrieben habe, kann ich nichts anderes glauben, als dass es ein böser Traum ist mit dieser besessenen Aufrechterhaltung dieser Kultur, während die Welt gemordet wird, und ich wünsche aufzuwachen, aber immer, wenn ich wach bin, tötet man immer noch den Planeten und es gibt nicht viele Leute, die es bekümmert.

MZ: Ich bin sicher, du kannst nicht ausrechnen, wir oft du schon interviewt worden bist, aber ich frage mich, ob es eine Frage gibt, von der du gewünscht hast, dass sie gestellt wird, die aber bislang niemand gestellt hat. Um zum Ende zu kommen, tu dir keinen Zwang und frage und beantworte diese Frage.

DJ: Vier Fragen:

F: Du hast oft gesagt, dass du nicht glaubst, dass Menschen viel sensibler als andere Tiere sind. Wo ziehst du eine Linie?

A: Ich ziehe gar keine Linie. Ich sehe keinen Grund zu glauben, als dass das Universum erfüllt ist von einer wilde Symphonie von weit verschiedenen Stimmen, weit verschiedenen Intelligenzen. Menschen haben eine menschliche Intelligenz, die nicht größer oder geringer als die Intelligenz eines Oktopus ist, die nicht größer oder geringer als die des Mammutbaums ist, die nicht größer oder geringer als die des Hustenvirus ist, die nicht größer oder geringer als die des Granits ist, die nicht größer oder geringer als die des Flusses ist usw.

F: Wie konnte die Welt überhaupt zu einem so wunderschönen und wundervollen und fruchtbaren Ort werden?

A: Durch alles, was durch sein Leben und Sterben die Welt zu einem schöneren, wundervolleren und fruchtbareren Ort gemacht hat. Durch Pflanzen und Tiere und Pilze und Viren und Bakterien und Felsen und Flüsse usw. wurde die Welt zu einem besseren Ort gemacht. Lachse machen die Wälder zu einem besseren Ort durch ihre Existenz. Der Mississippi macht die Gegend zu einem besseren Ort durch seine Existenz. Das Bison macht die großen Ebenen zu einem besseren Ort durch seine Existenz.

Zivilisierte Menschen machen die Welt nicht zu einem besseren Ort durch ihre Existenz. Sie machen kollektiv und individuell die Welt zu einem weniger schönen, wundervollen und fruchtbaren Ort. Wie kann man die Welt zu einem besseren Ort machen? Wie kannst du das Stück Land, das du bewohnst, zu einem gesünderen, schöneren und fruchtbareren Ort machen? Warum machst du es nicht?

F: Was ist erforderlich für den Planeten, um zu überleben?

A: Die Ausrottung der industriellen Zivilisation. Die industrielle Zivilisation ist funktionell, systematisch inkompatibel mit Leben.

Die gute Nachricht ist, dass sich die industrielle Zivilisation in einem Prozess des Kollaps befindet.

Die schlechte Nachricht ist, dass sie zu viel von dem Planeten mit sich hinabreisst.

F: Wenn doch die industrielle Zivilisation kollabiert, warum sollten wir uns nicht hinhocken und unsere Rettungsboote bauen und uns schützen, und uns um unsere eigenen kostbaren Ärsche kümmern?

A: Ich würde diesen Narzissmus und diese Feigheit der Haltung dem gegenüberstellen, was Henning von Tresckow gesagt hat, eins der Mitglieder des deutschen Widerstands gegen Hitler im 2. Weltkrieg. Als die Alliierten 1944 in Frankreich einmarschierten, wusste jeder, der nur ein bißchen aufmerksam war, dass die Nazis verlieren würden; es war nur noch eine Frage der Zeit. Deshalb schlugen einige Mitglieder des Widerstandes vor, dass sie aufhören sollten, die Nazis zu stürzen, und stattdessen sich selbst schützen sollten, bis der Krieg vorbei wäre, im Grund also, sich hinhocken, ihre Rettungsboote bauen und sich selbst schützen. Henning von Tresckow antwortete, dass die Nazis täglich 16000 unschuldige Zivilisten töten würden, so dass jeden Tag, den sie früher die Nazis stürzten, 16000 unschuldige Zivilisten gerettet würden.

In dieser Aussage liegt mehr Mut und Weisheit und Integrität als in allen Aussagen von allen feigen Rettungsbootanhängern zusammen. Heute sind zwischen 150 und 200 Arten ausgelöscht worden. Es waren meine Brüder und Schwestern. Es reicht nicht, sich hinzuhocken und zu warten, dass der Schrecken ein Ende nähme. Der Lachs überlebt das nicht. Der Stör überlebt auch nicht so lange. Der Delta Smelt (Hypomesus transpacificus) überlebt nichtt so lange.

Noch eine andere Art, es auszudrücken. Ich würde dem Narzissmus und der Feigheit der Rettungsbootanhänger die Haltung gegenüberstellen, die mein lieber Freund John Osborne, der mich eigentlich auf die ganze Umweltproblematik brachte, zum Ausdruck brachte. Er hat sein Leben der Rettung von so viel Natur als möglich gewidmet durch organisierten politischen Widerstand. Wenn gefragt, warum er diese Arbeit auf sich nimmt, sagt er immer: „Wir können die Zukunft nicht vorhersagen. Aber da alles immer chaotischer wird, möchte ich sicher gehen, dass noch ein paar Türen offen bleiben.“ Was er damit meint, ist, dass wenn der Grizzlybär in 30 Jahren noch lebt, könnte er auch noch in 50 Jahren leben. Wenn er in 30 Jahren ausstirbt, ist er weg für immer. Wenn er dieses oder jenes Tal mit uraltem Bewuchs rettet, kann es in 50 Jahren noch da sein. Wenn es jetzt verschwindet, wird es für eine lange, lange Zeit, vielleicht für immer verschwunden sein.

Wie du gesagt hast. Mickey Z, so leben wir in einer Zeit, wo wir vielleicht mehr Einfluss haben denn je zuvor. Jede destruktive Aktivität, die wir jetzt stoppen können, kann den Ort bis zum Kollaps schützen; 1920 konnten die Menschen das nicht realistischerweise sagen. Ich glaube, es war David Brower, der sagte, dass jeder Umweltsieg ein Sieg auf Zeit sei und jede Niederlage permanent sei. Ich denke, dass wir sehr schnell den Punkt erreichen, wo jeder Sieg permanent sein kann.

Noch eine Sache: Das einzige effektivste Rekrutierungsmittel des französischen Widerstandes im 2. Weltkrieg war der Tag D, weil die Franzosen da definitiv merkten, dass die Deutschen nicht unbesiegbar waren. Auch wenn wir wissen, dass diese Kultur dem Kollaps entgegengeht, sollte uns das nicht zu Narzissmus und Feigheit verleiten, sondern sollte uns Mut geben und dazu bringen, die Opfer dieser Kultur zu verteidigen.

Mehr über Derrick Jensen und seine Arbeit kann man hier finden.

„Until the laws are changed or the power runs out“ (Bis die Gesetze geändert werden oder der Strom weg ist), Mickey Z kann man auf der etwas obskuren Webseite Facebook finden.

Danke Tlaxcala
Quelle: http://www.countercurrents.org/mickeyz240111.htm
Erscheinungsdatum des Originalartikels: 24/01/2011
Artikel in Tlaxcala veröffentlicht: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=3561

Freitag, 28. Januar 2011

Mit Rüstungsausgaben in die kollektive Armut

Mowitz
Während die Bürger des Imperiums, mitsamt seinen Vasallenvölkern, auf der Überholspur des kollektiven Wahnsinns in die Armut rasen, geht der rasante Aufstieg der Chinesen unvermindert weiter. Da klagen die einen, China würde Arbeitsplätze "klauen", da es seine Menschen zu Mindestlöhnen und ohne ausreichende Sozialversorgung malochen lasse, was man, für den Westen nichts Neues, schließlich in immer größerem Umfang auch im Westen macht. Einziger Unterschied: bei uns geht's von oben nach unten, in China ist der umgekehrte Fall eingetreten.

Der Aufstieg Chinas fiel nicht vom Himmel und wurde auch richtigerweise von fast allen so genannten Experten vorhergesehen, im Gegensatz zur Finanzblase, die gerade von Experten nicht vorhergesehen wurde. "Der lange Marsch" der 1.3 Milliarden Chinesen, ist noch lange nicht zu Ende, sondern sie stecken mitten drin. Sie "holen" sich das, was ihnen zusteht und was wir der Welt vorgemacht haben. Viele Länder werden folgen.

Allen larmoyanten Unkenrufen von einer "gelben Gefar" zum Trotz, ist es eine Tatsache, dass China seinen wirtschaftlichen Aufstieg vielleicht gerade deshalb so erfolgreich gestalten kann, weil es seine Ressourcen nicht in sinn- und aussichtsloses Wettrüsten mit den Vereinigten Staaten verplempert, sondern zielgenau den Schwerpunkt Wirtschaftswachstum und ökonomischen Wettbewerb im Auge hat. In weniger als einem Jahrzehnt, könnte China schon das Imperium wirtschaftlich hinter sich gelassen haben.


Ein Albtraum für die ökonomische Herrscherklasse des Westens, die mit den alten, falschen Mitteln versucht, ihre Weltherrschaft zu zementieren:
Der US-Anteil an den globalen Militärausgaben wuchs von 28 Prozent während des Kalten Krieges bis 2006 auf 41 Prozent, der Anteil der USA mit den anderen NATO-Staaten zusammen im gleichen Zeitraum von 49 Prozent auf 70 Prozent.

Der Anteil der Gegner und Konkurrenten der USA an den globalen Militärausgaben ist hingegen bis 2006 von 42 Prozent auf nur noch 16 Prozent gefallen.
Diese Ressourcenvergeudung wird den Niedergang des Imperiums und seiner Mitläufer eher beschleunigen als verlangsamen. China entwickelt sich rasant von einer verlängerten Werkbank des Westens zu einer eigenständigen Innovativgesellschaft, u.a. aufgrund viel geringerer Militärausgaben. Während das Imperium mit Riesendefiziten gegenüber dem Ausland in Kreide steht, und diese Kredite nur mit "Selbstgedrucktem" bedienen kann, an dem immer mehr Gläubiger das Interesse verlieren, ist China mit einer Billion Dollar der größte Gläubiger des Imperiums, und will den Greenback nicht länger als Weltleitwährung akzeptieren. Das wäre ein herber Verlust für's Imperium und es in einen Abgrund stoßen, aus dem es sich so schnell nicht wieder wird herausziehen können.

Es ist zu befürchten, dass das Imperium auf die Karte setzt auf die es immer setzt: Mehr Kriege! Das hat zwar nichts mit Rationalität zu tun, entspricht aber den vorherrschenden Denkmustern dort, die militärischen "Endlösungen" den Vorzug vor friedlichen Lösungen geben.
Die europäischen Mitglieder der NATO tragen relativ wenig zur militärischen Macht der Vereinigten Staaten von Amerika bei. Ihr Beitrag ist in erster Linie ein politischer. Ihre Mitwirkung hält den Eindruck einer „Internationalen Gemeinschaft“ aufrecht. Die Welteroberung, die von der bürokratischen Trägheit des Pentagon betrieben wird, kann als Kreuzzug der „Demokratien“ der Erde hingestellt werden, um deren erleuchtete politische Ordnung dem Rest einer aufsässigen Welt aufs Auge zu drücken.

Die euro-atlantischen Regierungen erklären ihre „Demokratie“ zur Grundlage ihrer absoluten Berechtigung, sich in die Angelegenheiten des Restes der Welt einzumischen. Auf der Grundlage des Trugschlusses, dass „Menschenrechte notwendig für den Frieden sind“ proklamieren sie ihr Recht, Krieg zu führen.

Eine entscheidende Frage ist, ob die „westliche Demokratie” noch die Kraft hat, diese Kriegsmaschine zu demontieren, ehe es zu spät ist.
FH

Donnerstag, 27. Januar 2011

Obama hat nichts, worüber er Chinas Hu belehren müsste

Sheldon Richman

„Präsident Obama … forderte China sacht, aber dezidiert auf, Fortschritte in der Frage der Menschenrechte zu machen,” berichtet die New York Times.

Diese Ironie sollte uns nicht entgehen. Das Oberhaupt des Imperiums der Vereinigten Staaten von Amerika, das seit Jahren eine Reihe von Gräueltaten im Ausland und weitverbreitete Überwachung im Inland zu verantworten hat, belehrte den Präsidenten Chinas Hu Jintao über Menschenrechte. So etwas lässt sich nicht erfinden!

Am gleichen Tag, an dem das zu lesen war, berichtete die New York Times, dass Obama sein Verbot der Militärkommissionen für Gefangene, die in Guantánamo in Kuba festgehalten werden, aufheben werde. So viel zu seinem Versprechen, dieses berüchtigte Gefängnis zu schließen, in dem Männer seit Jahren ohne Anklage festgehalten worden sind. So viel zu seinem Versprechen, zumindest einige ordentliche Verfahren im System der Strafjustiz durchzuführen, wo die Angeklagten wenigstens einen gewissen rechtlichen Schutz genießen. Militärkommissionen sind zu Recht als Femegerichte bezeichnet worden, sogar von den Anklägern.

Das ist nur die Spitze des Eisbergs der scheußlichen Menschenrechtsbilanz der Administration Obama. Obwohl Obama gegen George W. Bushs Abbau der bürgerlichen Rechte in seinem Wahlkampf hergezogen ist, hat die derzeitige Administration Bush nahezu in jeder Beziehung übertroffen. Viele der neokonservativen Handlanger und Unterstützer Bushs wie der ehemalige Vizepräsident Dick Cheney und der Journalist William Kristol haben widerwillig ihre Anerkennung für Obamas Amtsführung zum Ausdruck gebracht.

Bisher haben wir es nur mit Tiefpunkten zu tun. Es war die Obama-Administration, die Omar Khadr vor ein Femegericht stellte, einen Kanadier, der verhaftet wurde, nachdem er in einem Kampf in Afghanistan schwer verwundet worden war und eines Kriegsverbrechens beschuldigt wurde, obwohl er erst 15 war, das Militär der Vereinigten Staaten von Amerika mit dem Kampf begonnen hatte und es keinen Beweis geben konnte, das er überhaupt etwas getan hatte. Darüber hinaus wurde Khadr gefoltert, während er in Haft war, was seinen letztendlichen Urteilshandel suspekt macht.

Gefangene aus dem Jemen werden noch immer in Guantánamo festgehalten, obwohl Richter in Habeas Corpus-Verfahren angeordnet haben, dass sie entlassen werden müssen. Die Administration Obama bevorzugt die unbefristete Anhaltung, ohne Anklage, in Fällen, in denen Geständnisse durch Folter erreicht wurden und daher unzulässig vor einem richtigen Gericht sind, oder wo sie glaubt, dass Gefangene nicht zweifelsfrei für schuldig befunden würden. Sie hat sich sogar die Befugnis angemaßt, Verdächtige anzuhalten, die freigesprochen worden sind. Wenn nicht das alles, was ist dann eine Verletzung der Menschenrechte?

Wie kommt Obama dazu, den Präsidenten Chinas zu belehren, nachdem seine Administration den 19 Jahre alten amerikanischen Staatsbürger Gulet Mohamed, der noch nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen war, auf die Flugverbotsliste setzte, was ihn in Kuwait stranden ließ, wo er verhört, geschlagen und mit Folter bedroht wurde? Erst nachdem der Fall die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erregt hatte und Bürgerrechtsaktivisten sich um ihn kümmerten, durfte Mohamed nachhause fliegen.

Zahllose weitere Personen, deren Namen wir nicht kennen, werden in Gefängnissen in anderen Ländern angehalten, wo sie gefoltert werden und ohne Aussicht auf Entlassung eingesperrt sind.

Wir wollen auch nicht den Gefreiten Bradley Manning vergessen, den Soldaten der Vereinigten Staaten von Amerika, der beschuldigt wird, WikiLeaks mit geheimen Informationen über die Kriege gegen Irak und Afghanistan versorgt zu haben, weiters mit 250.000 Depeschen des Außenministeriums. Seit Juli befindet er sich in Haft, zuerst in Kuwait, dann in Quantico, Virginia. Dort sitzt er in Einzelhaft, 23 Stunden am Tag ohne Polster oder Bettzeug in seine Zelle gesperrt. Zwischen 5 Uhr morgens und 8 Uhr am Abend darf er sich nicht hinlegen. Eine derartige Behandlung wird üblicherweise als Folter betrachtet. Denken Sie daran, er ist nur beschuldigt, geheime Daten weitergegeben zu haben. Er hatte keine Gerichtsverhandlung und ist für nichts verurteilt worden.

Für Menschen in Irak, Afghanistan, Pakistan, Jemen, Somalia und anderswo steht die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika für tägliche Angriffe auf die Menschenrechte, nachdem das Militär der Vereinigten Staaten von Amerika und unbemannte Drohnen Unschuldige ganz ungeniert töten. Die nächtlichen Überfälle in Afghanistan sind dermaßen unerhört, dass der afghanische Präsident Hamid Karzai die Politik der Vereinigten Staaten von Amerika verurteilt und gedroht hat, sich mit den Taliban zusammen zu tun, dem angeblichen Feind, gegen den die Obama-Administration kämpft.

Zuletzt werden auch die Menschenrechte aller Amerikaner tagtäglich verletzt durch den wachsenden Überwachungsstaat, eine Allianz aus Bundes-, Bundesstaats- und regionalen Sicherheitsagenturen, der beliebig ohne triftigen Anlass Informationen über uns sammelt, sogar wenn die Behörden wissen, dass keine Rechtsverletzungen vorliegen.

Worüber auch immer Obama Hu zu belehren haben mag, Respekt für Menschenrechte gehört nicht dazu.

erschienen am 24. Januar 2011 auf > The Future of Freedom Foundation > Artikel

Quelle: antikrieg.com

Mittwoch, 26. Januar 2011

Die Doppelmoral deutscher Politik Tunesien gegenüber

Ein ausgezeichneter Partner

German-Foreign-Policy.com

TUNIS/BERLIN

(Eigener Bericht) - Mit einer grotesken Volte reagiert Berlin auf den Sturz seines langjährigen tunesischen Verbündeten Zine el-Abidine Ben Ali. Es sei zukünftig "unabdingbar, die Menschenrechte zu respektieren", verkündet die Bundeskanzlerin in völligem Einklang mit ihrem Außenminister. Jahrzehntelang hatten Menschenrechtsorganisationen sich im Kanzleramt sowie im Auswärtigen Amt über gravierende Menschenrechtsverbrechen des tunesischen Regimes beschwert - vergeblich. Tatsächlich gehörte die äußerst repressive Regierung unter Staatspräsident Ben Ali zu den Verbündeten der Bundesrepublik in Nordafrika; sie war nicht nur politisch kooperationswillig, sondern schuf auch für deutsche Unternehmen lukrative Rahmenbedingungen - mit Niedriglöhnen, die Tunesien zum beliebtesten Produktionsort deutscher Manager in Nordafrika machten. Ben Ali, den Berlin heute verteufelt, um nach seinem Sturz in Tunis Einfluss behaupten zu können, wurde von der deutschen Wirtschaftspresse vor nicht allzu langer Zeit als "milder Diktator" gelobt. Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung nannte sein Regime noch vor wenigen Wochen einen "ausgezeichneten Partner".



Verlängerte Werkbank

Mit dem Regime des jetzt gestürzten tunesischen Staatspräsidenten Zine el-Abidine Ben Ali waren Berlin und deutsche Unternehmen in den letzten 20 Jahren gewöhnlich eng verbunden. Einige Bedeutung besitzt Tunesien für die deutsche Industrie - als verlängerte Werkbank. Deutschland ist drittgrößter Handelspartner Tunesiens. Es lässt insbesondere industrielle Vorprodukte in das Land einführen, die dort weiterverarbeitet werden - oft von Firmen mit deutscher Beteiligung -, um dem Konsum in Deutschland zugeleitet zu werden. Als klassisches Beispiel gilt die Textilindustrie, die Materialien importiert und sie in Tunesien zu Niedrigstlöhnen weiterverarbeiten lässt. Auf solche Durchlaufbetriebe entfallen rund 40 Prozent der tunesischen Einfuhren aus Deutschland sowie 80 Prozent der Exporte in die Bundesrepublik. "Tunesien ist der bedeutendste deutsche Exportpartner unter den Maghreb-Ländern", schreibt das Auswärtige Amt über die ökonomische Handlangerrolle des nordafrikanischen Staates.[1] Gleichzeitig ist Deutschland der viertgrößte Auslandsinvestor in Tunesien: In dem nordafrikanischen Land sind mehr als 250 meist exportorientierte Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung aktiv; bekannt ist etwa der Standort des Automobilzulieferers Leoni, der rund 12.000 Tunesier für deutsche Gewinne arbeiten lässt.

Hungerlöhne

Über die Ursachen der Beliebtheit Tunesiens bei deutschen Managern berichtete die bundeseigene Außenwirtschaftsagentur Germany Trade and Invest (gtai) exemplarisch im Jahr 2008. Damals war bei gtai zu lesen [2], "die Lohnkosten in Tunesien" lägen "im internationalen Vergleich am unteren Ende der Skala". Nur einige Länder in Ostasien wiesen "ein niedrigeres Lohnniveau" auf; selbst "in Marokko und der Türkei" müssten "höhere Löhne gezahlt werden". Damit sind die Armutszustände recht präzise beschrieben, die - in Verbindung mit für deutsche Firmen offenbar nicht schädlicher Korruption - nun die Revolte gegen das Regime von Staatspräsident Ben Ali ausgelöst haben. "Ein aufgeklärtes Land mit liberaler Wirtschaftsordnung" sei Tunesien, lobte die Wirtschaftspresse vor Jahren angesichts der Hungerlöhne; es profiliere sich so "als Standort für industrielle Investoren". Maßgeblich verantwortlich für die lukrativen Bedingungen sei der "milde Diktator" Ben Ali.[3]

Nicht ernst gemeint

Tatsächlich sorgte Ben Ali dafür, dass sein Land europäischen Unternehmen gewinnbringend zur Verfügung stand. Unter seiner Regierung schloss Tunis im Jahr 1995 ein Assoziationsabkommen mit Brüssel, näherte sich danach der EU handelspolitisch weiter an und trat 2008 in eine Freihandelszone mit Europa ein - als erstes Land in Nordafrika. Dabei half auch die deutsche Entwicklungspolitik, die sich dem Auswärtigem Amt zufolge die "Modernisierung der tunesischen Wirtschaft" auf die Fahnen schrieb - zwecks "Vorbereitung" des Landes "auf die Zollunion mit der EU".[4] Auch in der Migrationsabwehr erfüllte Ben Alis Regierung gewöhnlich Europas Wünsche, nicht zuletzt mit einigen gebrauchten Marine-Schnellbooten, die Tunis im Jahr 2005 der deutschen Kriegsmarine abkaufte. Lediglich Menschenrechtsorganisationen protestierten. Es gebe im Assoziierungsabkommen zwischen der EU und Tunesien eine Klausel, die theoretisch die Achtung der Menschenrechte vorschreibe, erinnerte Amnesty International im Jahr 2006: "Wenn die EU diesen Passus wirklich ernst nähme", hätte sie das Abkommen mit Tunesien längst "kündigen" müssen.[5]

Kein Anspruch auf Hilfe

Selbstverständlich hatte auch Berlin keinerlei Interesse, die höchst lukrative Kooperation durch das Insistieren auf Menschenrechten zu belasten. Selbst wenn man die Bundesregierung mit Vorwürfen konfrontiere, denen zufolge die tunesischen Repressionsapparate folterten, bekomme man lediglich zu hören, "dass die tunesische Regierung die Vorgänge anders darstellt", berichtete der Journalist Marc Thörner im Herbst 2005 im Gespräch mit dieser Redaktion. Thörner selbst war im Jahr 2003 bei der Recherche in Tunesien illegaler Polizeirepression ausgesetzt. Als er die deutsche Botschaft als deutscher Staatsbürger um Unterstützung bat, erhielt er die Auskunft, er habe sich den Behörden des Landes zu fügen - einen Anspruch auf Hilfe durch die Botschaft habe er keinesfalls.[6] Oberster Dienstherr der diplomatischen Vertretung der Bundesrepublik war damals Joseph Fischer (Bündnis 90/Die Grünen). Änderungen in seiner Tunesien-Politik nahm Berlin bis Jahresende 2010 nicht vor. Als etwa im November 2010 eine hochrangige Parlamentarierdelegation aus Tunis die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin besuchte - unter der Leitung eines auch für "Menschenrechte" zuständigen Ausschussvorsitzenden -, da nannte der stellvertretende Generalsekretär der deutschen Stiftung Ben Alis Tunesien einen "ausgezeichneten Partner".[7]

Grotesk

Mit einer grotesken Volte sucht Berlin sich nun von seinem gestürzten Partner Ben Ali abzusetzen.
Tunesien ist über ein Assoziierungsabkommen mit der EU verbunden (im Bild Ben Ali und Herman Van Rompuy, Präsident des Europäischen Rates).
Schon am Wochenende verkündete die Kanzlerin - auch Vorstandsmitglied der Konrad-Adenauer-Stiftung, die den tunesischen Repressionsstaat soeben noch gelobt hatte -, es sei nun "unabdingbar, die Menschenrechte zu respektieren, Pressefreiheit und Versammlungsfreiheit zu garantieren". Die EU und insbesondere Deutschland stünden selbstverständlich bereit, "bei einem solchen Neuanfang unterstützend zur Seite zu stehen".[8] Der Außenminister, dessen Behörde zuvor selbst Journalisten aus Deutschland im Stich gelassen hatte, die von den tunesischen Repressionsapparaten bedrängt wurden, teilt nun mit, Tunesien brauche "einen nachhaltigen und dauerhaften Reformkurs".[9] Dass seine Behörde gewisse Schwierigkeiten hat, den Sturz ihres langjährigen Verbündeten in Tunis zu verarbeiten, zeigt ein Blick auf die aktuellen Informationen des Auswärtigen Amts über Tunesien. Dort findet sich - Stand: August 2010 - die Feststellung: "Die Beziehungen zwischen Deutschland und Tunesien sind gut und intensiv."[10] Über die Menschenrechtslage in dem nordafrikanischen Repressionsstaat heißt es, zwar gebe es "in der Praxis" gewisse "Defizite". Pessimismus sei jedoch unangebracht: "Die Verfassung garantiert die Menschenrechte und eine unabhängige Justiz."[11]
[1] Beziehungen zu Deutschland; www.auswaertiges-amt.de August 2010
[2] Lohn- und Lohnnebenkosten - Tunesien; www.gtai.de 28.03.2008
[3] Milder Diktator; www.wiwo.de 03.06.2006
[4] Beziehungen zu Deutschland; www.auswaertiges-amt.de August 2010
[5] Nichts hören, nichts sehen; AI-Journal April 2006
[6] s. dazu Interview mit Marc Thörner
[7] Ausgezeichnete Partnerschaft stärker in Wert setzen; www.kas.de 11.11.2010
[8] Bundeskanzlerin Merkel zur Lage in Tunesien; Presse- und Informationsamt der Bundesregierung 15.01.2011
[9] Bundesaußenminister Westerwelle begrüßt Bildung einer Regierung der nationalen Einheit in Tunesien; Pressemitteilung des Auswärtigen Amts 17.01.2011
[10] Beziehungen zu Deutschland; www.auswaertiges-amt.de August 2010
[11] Innenpolitik; www.auswaertiges-amt.de August 2010




Danke German-Foreign-Policy.com
Quelle: http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57986
Erscheinungsdatum des Originalartikels: 18/01/2011
Artikel in Tlaxcala veröffentlicht: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=3484

Dienstag, 25. Januar 2011

In den Kopf geschossen

Gabrielle Giffords, Tom Hurndall und palästinensische Kinder

Von Alison Weir

Übersetzt von Ellen Rohlfs
Herausgegeben von Einar Schlereth
Es ist schon etwas besonders Erschreckendes, wenn jemand in den Kopf geschossen wird. Vielleicht ist es das grausige Bild, die Zerstörung des Gehirns, und die klare Absicht zu töten, die dahintersteckt. Das kürzliche Schießen auf Arizonas Kongressfrau Gabriele Giffords ist noch alptraumhafter, wenn man bedenkt, was für eine verheerende Verletzung sie hat.Diejenigen von uns , die sich mit Israel-Palästina befassen, sind sich dieses Horrors sehr bewusst. Vor einigen Jahren untersuchte ich die Todesursache palästinensischer Kinder, die von israelischen Soldaten während der ersten Monate der 2. Intifada getötet worden waren. Beim Zählen lief mir ein kalter Schauer über den Rücken: ich entdeckte nämlich, dass die häufigste Todesursache in jenen Monaten ein „Schuss in den Kopf“ war.

In den vergangenen zehn Jahren töteten die israelischen Militärs mindestens 255 palästinensische Kinder durch einen Schuss in den Kopf. Die Zahl mag tatsächlich höher sein, da bei vielen Fällen die spezielle körperliche Stelle des tödlichen Trauma nicht angegeben war. Außerdem schließt diese Statistik die vielen palästinensischen Kinder und Jugendlichen nicht mit ein, die von israelischen Soldaten in den Kopf geschossen worden waren, die aber irgendwie überlebt haben.

Hier unten ist eine kleine Liste von denjenigen, die starben. (IDF steht für isr. Verteidigungskräfte, obwohl diese Kräfte in Wirklichkeit die Besatzungsarmee sind und gewöhnlich angreifen; die unten genannten Vorfälle spielten sich auf palästinensischem Gebiet ab.)

Sami 12, starb an Kopfverletzungen, die er bei einer Demo durch IDF-Schüsse erhielt; Abdul 9, wurde von der IDF während eines Begräbnisses mit Schüssen in den Kopf getötet.

Ala 14, starb an Kopfverletzungen, die er auf der Terrasse seines Hauses erhielt, nachdem er einen isr. Soldaten mit einem Stein verletzt hatte; Omar 11, starb an einer Kopfverletzung durch die IDF während einer Demo. Diya 3 Monate alt, wurde zusammen mit ihrem älteren Bruder durch Siedler getötet, die in ihren Kopf und Rücken schossen; Bara 10, wurde in der Nähe seines Hauses mit Schüssen der IDF getötet; Ayman 15, wurde mit Schüssen in den Kopf von einem IDF-Panzer aus getötet, während er auf einem Feld arbeitete; Khalil 11, wurde vom IDF durch einen Schuss in den Kopf getötet, als er mit einem Freund spielte; Rami 13, wurde von einem Hubschrauber aus in den Kopf geschossen, während er vor dem Haus spielte; Yaser 11, starb an Kopfverletzungen, die er bei einer Demo erhielt, als eine gummi-ummantelte Kugel aus der Nähe auf ihn abgeschossen wurde. (1)*

Man stelle sich vor, es wären Kinder mit dem Namen Bobby… Michael … Susan, Melissa, Jimma und die ausländischen Truppen, die sie getötet haben, hätten Arizona, Connecticut, Ohio überfallen …

Ich erinnere mich an einen kleinen hirntoten Jungen, als ich im Februar 2001 in Gaza war – lange bevor Raketen aus dieser Enklave abgefeuert wurden. Das ist etwas, was man nicht vergisst, egal welchen Namen oder welche Nationalität das Kind hatte.

Ein Artikel aus der UK Telegraph von 2009 unter dem Titel „Kugeln ins Gehirn, Schrapnell in den Rücken: die schrecklichen Verletzungen, an denen Kinder im Gazastreifen leiden“ untersuchte eine Situation, in der Ärzte in einem Krankenhaus nahe Gaza-Stadt fast sprachlos über die Zahl der palästinensischen Kinder waren, die eine Behandlung wegen Schusswunden in ihrem Kopf benötigten (2).

Der Artikel begann: „An nur einem Tag wurden die medizinischen Mitarbeiter des El-Arish-Krankenhauses gerufen, um komplizierte CAT-Gehirnuntersuchungen vorzunehmen: bei einem 9-Jährigen, zwei 10-Jährigen und einem 14-Jährigen. Bei jedem dieser Kinder steckte eine Kugel im Gehirn. Die Kinder waren in einen israelische Bodenangriff in Gaza unter Feuer gekommen.
Als man einen Arzt um Näheres bei den Schießereien fragte, antwortete er:

„Ich kann nicht genau sagen, ob diese Kinder gezielt angeschossen wurden, aber in einigen Fällen kamen die Kugeln von vorne in den Kopf und drangen bis in den Rücken. Deshalb denke ich, dass die Waffe direkt auf das Kind gerichtet wurde.“

Israelische Soldaten der Gruppe „Breaking the Silence“ haben erschreckende Zeugnisse über die israelische Militärpraxis abgegeben. Allein die Überschriften sagen schon einen Menge aus:

„Der Bataillonskommandeur befahl uns, auf jeden zu schießen, der sich zu bewegen versuchte“, „Der Kommandeur der Marine steckte den Gewehrlauf in den Mund des Mannes,“ „Sie sagten uns, auf alles zu schießen, was sich auf der Straße bewegte“, „Ihr könnt machen, was ihr wollt, ihr werdet nicht zur Rechenschaft gezogen“. (3)

Wer von der IDF auch in den Kopf geschossen wurde, war der 21-jährige Tom Hurndall. Der Jahrestag seines Todes ist in dieser Woche. Hurndall, ein Student und Photograph, wollte seinem Leben einen anderen Sinn geben. 2002 ging er nach Gaza, um sich dort der gewaltlosen Bewegung gegen die israelische Aggression anzuschließen und zu photographieren, was er dort sah. (4)

Am 11.April war er in der Nähe einer spielenden Kindergruppe. Diese kam plötzlich unter Beschuss. Die meisten Kinder liefen schnell weg. Aber drei zwischen 4 und 7 konnten sich aus Angst nicht rühren. Hurndall rannte, so schnell er konnte, und brachte einen kleinen Jungen in Sicherheit und kehrte zu den beiden kleinen Mädchen zurück. Als er gerade eines davon hochhob, schoss ihm ein israelischer Scharfschütze in den Kopf.

Obwohl seine Verletzung sofortige Behandlung benötigte, verzögerten israelische Offiziere seinen Transport zu einer fachärztlichen Behandlung um mehr als zwei und eine halbe Stunde. Eine britische TV-Mannschaft filmte vor Ort einen ausdrucksvollen Bericht, der in Englands TV-Kanal 4 (5) gezeigt wurde, aber - meinem Wissen nach - nie im amerikanischen Fernsehen gezeigt wurde. Tom blieb neun Monate in einem vegetativen Zustand und starb schließlich am 13. Januar 2004.

Von Ende 2002 bis Frühjahr 2003 töteten die IDF vier Internationale und schossen einer anderen ins Gesicht. Einer der Toten war der UN-Mitarbeiter Jain Hook. Wie bei Hurndall verzögerten die IDF die Bemühungen, ihm schnelle medizinische Hilfe zukommen zu lassen. (6) Ein anderer war der Filmemacher James Miller, der eine weiße Fahne schwenkte. Er wurde in den Hals geschossen. (7)

Zwei nicht palästinensische Opfer, die vor kurzem in den Kopf geschossen wurden – diesmal mit Hochgeschwindigkeitsgeschossen aus Gaskanistern – sind der 37jährige Tristan Anderson (8) und die 21jährige Emily Henochowicz (9). Beide haben überlebt; Emily mit einem Auge; Tristan in einem Rollstuhl. Ein Teil seiner rechten Stirnlappen musste entfernt werden. Er ist nun teilweise gelähmt, auf einem Auge blind, und es ist unklar, bis zu welchem Grad sein Wahrnehmungsvermögen zurückkehrt. Nachdem er aus nächster Nähe angeschossen wurde, verzögerten die IDF seinen Transport in einem Ambulanzwagen zum Krankenhaus.

Wie viele von den 45 000 von den IDF getöteten oder verletzten palästinensischen Männern, Frauen und Kindern (seit dem 29.9.2000) (10) durch Kopfschüsse getötet wurden, ist schwierig zu sagen. Wahrscheinlich ist die Anzahl atemberaubend. Der frühere Professor Mazim Qumsiye von der Yale-Universität ( jetzt Bethlehem) beschreibt einen Fall:

Mohammed war 12 Jahre alt, als ihn israelische Soldaten mit einer gummi-ummantelten Kugel in den Kopf schossen, seinen Schädel zerstörten und auch einen Teil seines Gehirns beschädigten. Zehn Jahre später schlugen ihn israelische Armeeoffiziere und folterten ihn. Er heiratete .. das junge Paar erhielt von einem Onkel ein kleines Stückchen Land ; sie bauten darauf ein bescheidenes Häuschen mit einem Raum. Sie lebten darin drei Jahre. Dann zerstörte die israelische Armee diese Hütte, weil sie illegal gebaut worden sei. (Israel gab seit der Besatzung von 1967 in diesem Dorf keine einzige Baugenehmigung.) Die Familie baute das Haus wieder auf, aber israelische Drohungen zwangen sie, nicht darin zu wohnen (außerdem verlangte die IDF 20 000 NIS als Unkosten für die Zerstörung der Hütte noch andere Steuern von der Familie. Die junge Familie lebt nun in einer Höhle im Untergrund.(11)

Am 23. Dezember 2010 wird eine andere Geschichte vom International Middle East Center erwähnt: „Nachdem der 22-jährige Salamah Abu Hashish ins Krankenhaus gebracht wurde, starb er an seinen Wunden. Er war von isr. Soldaten, die an der Gazagrenze stationiert waren, in den Rücken geschossen worden. Ein anderes der Opfer war ein 14-jähriger Junge, der in den Kopf geschossen wurde, während er Schutt sammelte nicht weit von dort, wo Hashish seine Schafe weidete. (12)

Noch viele solche Geschichten könnten erzählt werden.

Ironischer Weise ist die vor kurzem so tragisch in den Kopf geschossene amerikanische Kongressfrau Gabrielle Giffords sehr mit der israelischen Lobby verbunden, die eine wichtige Rolle bei den oben erwähnten Fällen spielt. Das Amerikanisch-Israelische Public Affairs Comittee (AIPAC) arbeitet seit Jahren dafür, dass die 7- 8 Millionen $ pro Tag an amerikanischen Steuergeldern (13) nach Israel fließen – egal wie viele Zivilisten von seinen Soldaten getötet werden. (14)

Gifford ist dafür bekannt, dass sie eine sichere pro-Israel-Stimme im Kongress war. (15) Man konnte mit ihr rechnen, dass sie AIPACs verschiedene Initiativen unterstützt, die Israel vor negativen Konsequenzen für seine rücksichtslose und illegale Anwendung von amerikanischen Waffen schützen. (16)

Sie nannte 2001 einen Besuch in Israel einen Wendepunkt in ihrem Leben (Israelische Soldaten töteten in jenem Jahr 103 Kinder, 31 mit Kopfschuss); und schrieb 2006 (einem Jahr in dem isr. Soldaten 665 Palästinenser töteten, davon waren 139 Kinder; und in dem Palästinenser 23 Israelis töteten, 2 davon Kinder), dass die USA alles tun müsse, um Israels Sicherheit auf Dauer zu schützen. (17) Die palästinensischen Opfer – die zuerst und in viel größerer Anzahl getötet wurden, schienen für sie unsichtbar zu sein. (18)

Giffords war nicht das einzige Opfer bei der Tucson-Schießerei: 14 wurden verletzt und sechs wurden getötet. Es ist sehr traurig, darüber zu lesen und sich die große Traurigkeit der Überlebenden vorzustellen. (19) Es ist besonders schwierig, das süße, lächelnde Kind auf dem Foto anzusehen, das Foto der neunjährigen Christina Taylor Green, wenn man weiß, dass sie kein Leben mehr vor sich hat.

Es ist genau so tragisch, über die neunjährige Akabar zu lesen, die von israelischem Feuer in den Kopf getroffen wurde, als sie im Wagen ihres Onkels saß … und die 29 anderen Neunjährigen, die von israelischen Soldaten in den vergangenen zehn Jahren, acht von ihnen durch israelische Schüsse in den Kopf getroffen wurden.

Es ist zu spät für Akabar, Diyar, Mohammed, Tom und die Menge der anderen. Aber es gibt Hoffnung, dass Gabriele Giffords überleben wird. Lasst uns dafür beten, dass sie wieder ganz gesund wird, dass sie zum Congress zurückkehren kann und dass sie dann dafür arbeitet, dass nicht andere – einschließlich Palästinensern – in den Kopf geschossen werden.

Wir haben eine bessere Verwendung für unser Geld, als dass Gräueltaten damit finanziert werden.

* Fußnoten Nr. 1-19 s. Counterpunch-Intenstseite ( auf Englisch)


Danke Tlaxcala
Quelle: http://www.counterpunch.org/weir01142011.html
Erscheinungsdatum des Originalartikels: 14/01/2011
Artikel in Tlaxcala veröffentlicht: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=3462

Montag, 24. Januar 2011

Anne Will mit Niebel und Matussek an den wilden Hindukusch

Mowitz
Im Krieg gedient, zu Hause ausgedient - lassen wir unsere Soldaten im Stich?, war die treuherzige Ankündigung einer Sendung, in der Politik dem Volk verklärt wird. Dabei: Reichswehrentwicklungsminister Niebel. Mit schräger Gesinnung und ganz martialisch: "Wenn ein Minister sich außerhalb von Militärlagern in Afghanistan bewegt, dann bin ich das." Jawoll, zu Befehl, Herr Arbeitsvermittler! Leute wie ihn braucht das Land. Kadaverdisziplin gegenüber Konzerninteressen ist das Gebot der Stunde. Mit schrägem Blick, schräger Mütze und ausgewiesenem Tunnelblick: "Es macht immer einen Unterschied, wer regiert", vermittelt er den Eindruck, trotz fehlender Denkfähigkeit, er leiste Großes für Deutschland. Quasi als Bewerbungsschreiben für einen Burda-Bambi. Ein bunter Preis für bunte Typen.

Die Bundeswehr "dient", wie auch der restliche Teil der Staatsbürger ohne Uniform, den Interessen der Großkonzerne, sind ihren Gesetzen unterworfen und werden bei fehlenden Weiterverwendungsmöglichkeiten für Konzerinteressen, ganz einfach ausgemustert. Genauso wie es mit dem Millionen-Heer ausgemusteter Arbeitnehmer geschehen ist. Effizienz muss sein. Das sollte sich eigentlich auch bis in die Unterhaltungsredaktionen solcher Sendungen herumgesprochen haben.

Der scheidende Thyssen-Krupp-Chef Schulz hat es begriffen.

"Schulz: Wir empfinden schon eine Situation, dass es in bestimmten Regionen dieser Welt eine Dominanz gibt einer Nation ...

Barenberg: China?

Schulz: China - Sie sprechen es aus. ... , der in irgendeiner Weise doch ich will nicht sagen Einhalt geboten werden muss, aber die unter Kontrolle gehalten werden muss."
Donnerlittchen! Zum Glück ist die Bundeswehr bereits in Afghanistan, gleich um die Ecke zu China, und wird nun bald, nach Eintreten eines neuen Bündnisfalles, bis Peking durchmarschieren. Da wird den Chinesen glatt richtig bange vor so viel Schneidigkeit. Bei einer Bundeswehr,die gerade den Sprung von einer Wehrpflichtsarmee in eine Söldnerarmee getätigt hat, die ja soooo viel billiger sein soll, sollte das nun wirklich kein Problem sein. Hören wir mal, was Kurt Tucholsky schon 1919 wusste, und das bei jeder sich bietenden Gelegenheit wieder erfolgreich verdrängt wird:
"Ich besinne mich noch – und wir tuns wohl alle –, wie sehr Deutschland über die ›englischen Söldner‹ schäumte, als die zu Anfang des Krieges aufrückten. Wollt ihr nicht einmal nachlesen, was da alles stand? »Der Beste läßt sich nicht anwerben.« – »Es werden immer arbeitslose Herumlungerer sein, die für Geld fechten.« – »Kein vernünftiger und arbeitsamer Mann verläßt um eines solchen Handwerks willen seine Stellung.« Das wurde nachher übertrieben – man sprach den Söldnern nun alles ab: aber dass es wirklich nicht die besten Elemente sind, die sich für Geld anwerben lassen, ist richtig. (Wohl England! Unsre Besten liegen in fremden Ackergräben.) Es wird sich also auch bei uns alles das ansammeln, was beim Militär zu kapitulieren pflegte – das war nicht die Creme – und an diesem zusammengekauften Rudel werden abgetakelte Offiziere ihre alten schlechten Herrschaftsgelüste spielen lassen und das verderbliche Gift im Volk verbreiten helfen." Aus: Neuer Militarismus, Ignaz Wrobel, Weltbühne 1919
Pausenclown Matussek, vom ehNaMag, wird dann beim nächsten Einsatz bei Anne Will nicht nur den Papst als Zeuge seiner pazifistischen Gesinnung anrufen, sondern fehlende Menschenrechte, Einschränkungen westlicher Konzerninteressen und überhaupt, ist China nicht kommunistisch??? Dem muss ein Riegel vorgeschoben werden.

Dabei haben wir eine Finanzkrise, nicht die Chinesen. Wir haben unsere Enkel mit Bankenrettungsbillionen hoffnungslos verschuldet, auf das es der Finanzwirtschaft gut gehe. Wir erdreisten uns, in alter imperialer Tradition, den "fairen" Handel mit unbezahlbaren Eroberungskriegen zu verwechseln. Die Chinesen machen es intelligenter. Die geben nur einen Bruchteil von dem für militärische Abenteuer aus, was sich der glorreiche Westen so gönnt. Da bleibt natürlich mehr übrig um sich in Rohstoffmärkte einzukaufen, anstatt sie zu besetzen.

Und bei all diesen Sauereien sind die Anderen die Bösen. Wir die Guten. Anne Will ist Teil der Unterhaltungsindustrie zur Ruhigstellung aufgebrachter Gemüter. Kein Gequassel ist zu dumm um nicht gesendet zu werden. Weintrinkerkönig Brüderle mit seiner hinterfotzigen Bemerkung in einer früheren Will-Sendung: "Wir leben nicht im Kapitalismus, wir leben in der sozialen Marktwirtschaft", mag noch seinem reichlichen Zuspruch schlechter Weine geschuldet sein. Trotzdem sollte spätestens hier auch der letzte Fürsprecher allgemeiner Verarschung bemerkt haben, dass den politischen Angestellten der Wirtschaftskonglomerate, nichts intelligentes mehr einfällt um ihre und unsere Lebenslügen aufrechtzuerhalten. Regierungen in parlamentarischen Kapitaldiktaturen verstehen sich eben als Höflinge für Reiche und Großkonzerne. Eine verschisstoide Versammlung der unteren Ebene.

FH

Samstag, 22. Januar 2011

Barak ohne Maske

Ran HaCohen

In einem sogar für die zynische israelische Politik unüblichen Skandal traten „Verteidigungs“minister Ehud Barak und vier ziemlich unbekannte Mitglieder der Knesset aus der Partei mit dem offiziellen Namen „Labor unter der Führung Ehud Baraks“ aus und gründeten eine Satellitenfraktion von Netanyahus rechter Likud-Partei, welche ironisch „Unabhängigkeit“ genannt wird.


In diesem Fall, wie im gesamten Verlauf von Baraks politischer Laufbahn, neigen Analysten dazu, den persönlichkeitsbedingten Aspekt von Baraks verräterischem Verhalten zu sehr zu betonen: nachdem seine Führerrolle in Labor bedroht war, habe Barak gefürchtet, seine Partei könnte ihn zwingen, die Koalition zu verlassen und seinen Posten als Verteidigungsminister aufzugeben. Ich möchte behaupten, dass Baraks letzter Zug, wie so viele seiner bisherigen, besser erklärt werden kann als eine politische Äußerung, die durch seine weit rechts stehende militaristische Überzeugung und seine Einstellung für die Okkupation motiviert ist.

Das Friedenslager zerbrechen

Seit seinem Eintritt in die Politik habe ich Barak für einen der gefährlichsten Politiker im Nahen Osten gehalten. Seine größte Errungenschaft war die Zerstörung des israelischen Friedenslagers im Jahr 2000, von der die israelische Linke sich immer noch nicht erholt hat. Traditionell war die Position des rechten Flügels in Israel: „Wir vertrauen den Arabern (oder Palästinensern, Nichtjuden, Antisemiten) nicht, daher können wir keinen Frieden mit ihnen schließen,“ während der linke Flügel bereit war, Risiken einzugehen (besonders einen Rückzug aus okkupiertem Land), um die Friedensoption zu versuchen.

Barak wurde 1999 vom israelischen Friedenslager zum Premierminister gewählt. Der Berufskrieger und ehemalige Chef des Generalsstabs war jedoch in Wirklichkeit ein weit rechts stehendes Trojanisches Pferd innerhalb der israelischen Linken. Die Tatsache, dass er konsequent gegen den Oslo-Prozess opponiert hatte, wurde verschwiegen und vergessen, so dass die rasche Beendigung dieses Prozesses durch die blutige Intifada im Jahr 2000 als große Überraschung hingestellt werden konnte, nicht als vorsätzlicher Plan, und die Schuld den Palästinensern zugeschoben werden konnte. Für zuhause und weltweit erfand Barak die Legende, dass er den Palästinensern großzügig das Ende der Okkupation angeboten habe, was diese aber ablehnten. Diese Lüge wurde von den unkritischen israelischen Medien propagiert und als wahre Tatsache hingestellt – als hätte Barak wirklich angeboten, die Okkupation zu beenden; später dann als wahre Geschichte – als hätte Barak tatsächlich die Okkupation beendet. Die israelische Linke – verwirrt durch den Verrat ihres eigenen Anführers und unter dem Eindruck der Schrecken der Intifada – führte sich auf, als hätte Barak tatsächlich den Rückzug aus den palästinensischen Territorien durchgeführt und die Siedlungen aufgelöst, die Palästinenser hingegen das Existenzrecht Israels abgestritten und mit rücksichtsloser Gewalt reagiert und damit die Thesen des rechten Flügels bestätigt. Unter dem Anführer Barak gab das israelische Friedenslager der Ideologie des rechten Flügels klein bei, und löste sich auf.

Übergabe der Fackel an Sharon

Nachdem Barak seine eigenen Wähler in den ideologischen Bankrott geführt hatte, war der Sieg des rechten Flügels leicht absehbar. Warum sollte jemand die Linke wählen, wenn sogar deren Anführer sagt, dass die Rechte recht hat? Baraks Albtraum war allerdings nicht, er könne die Wahlen verlieren, sondern sein Nachfolger könne ein nicht-militaristischer Premierminister werden wie Netanyahu, der einigen Pragmatismus gezeigt und Druck von außen nachgeben hätte können, um zum Friedensprozess zurückzukehren oder zumindest ein Ende des Blutvergießens zu erreichen. Barak trat deshalb von seinem Amt als Premierminister nach einem ausgeklügelten Zeitplan und in einer Weise zurück, die Netanyahus Weg zurück an die Macht blockierte, und bereitete den Weg für den erwarteten Erdrutschsieg seines „ideologischen Gegners“ (tatsächlich aber engen Freundes und ideologischen Mentors) Sharon im Jahr 2001, von dem man sicher sein konnte, dass er die Intifada noch weiter anheizen und an Israels Ablehnungshaltung festhalten würde. Barak opferte in der Tat seine Position, um sicher zu stellen, dass der Pate des israelischen Kolonialismus an die Macht zurückkehrte, und nicht Netanyahu, der kein Armeegeneral war und daher nicht vertrauenswürdig.

Solange Sharon an der Macht war, konnte Barak gut schlafen: die Gefahr eines Endes der Okkupation war vom Tisch. Barak nutzte die blutigen Jahre nach seiner Wahlniederlage, um Geld zu machen, indem er seine Beziehungen zum „Sicherheits“-Geschäft in aller Welt ausnutzte. Damals kaufte und bezog der ehemalige (und zukünftige) Anführer der Sozialdemokratischen Partei Israels ein $ 2,5 Millionen teures Luxusappartement in Tel Aviv, das von einer illegal beschäftigten philippinischen Arbeiterin betreut wurde.

Im Januar 2006 fiel Sharon nach einem Schlaganfall ins Koma. Ehud Olmert, der nicht zu der militaristischen Junta gehörte, wurde Premierminister. Barak musste alarmiert gewesen sein und kehrte fast umgehend in die politische Arena zurück. Er brauchte eineinhalb Jahre, um Olmerts Verteidigungsminister zu werden.

Netanyahus rechte Hand

In den Wahlen im Februar 2009 führte Barak Labor in eine noch nie da gewesene Niederlage. Mit nur 13 Sitzen in der Knesset erreichte die Partei, die den Staat Israel geschaffen und drei Jahrzehnte lang regiert hatte, weniger als die Hälfte der Mandate von Kadima oder Likud und blieb sogar hinter Liebermans Partei zurück. Mutig übernahm Barak die Verantwortung für seine historische Niederlage und sagte, er würde jetzt der Nation von der Oppositionsbank aus dienen.

Er überlegte es sich natürlich am nächsten Tag und begann mit Koalitionsverhandlungen. Mit Livni von Kadima und Netanyahu vom Likud, die beide in der Lage waren, die Regierung zu bilden, waren alle Karten offen – Livni mit einer Mitte-Rechts-Koalition, Netanyahu mit einer weit rechts stehenden. Wieder folgte der Führer von Labor seiner politischen Überzeugung. Indem er sinnlose Forderungen stellte und auf Zeit spielte, stellte er sicher, dass Livni nicht Premierministerin wurde. Dann stürmte er in Netanyahus weit rechts stehende Koalition als Verteidigungsminister, um sicher zu stellen, dass seine natürlichen Verbündeten – der rechte Premierminister und sein faschistischer Stellvertreter Lieberman – auf dem weit rechten Weg blieben. Barak gesellte sich zu diesen ungeachtet heftiger Opposition innerhalb seiner eigenen Laborpartei, die er in seiner typisch antidemokratischen Weise ignorierte und dadurch den Keim für die derzeitige Spaltung setzte.

Baraks Ausrede für seine Beteiligung an der Rechtskoalition war, er würde Lieberman ausgleichen und “Netanyahu auf die Linke ziehen.” In dieser Phase von Baraks Laufbahn musste man schon extrem naiv oder völlig uninformiert sein, um sein angebliches Bekenntnis zu irgendeinem Friedensprozess ernst zu nehmen. Eine derartige Naivität und/oder Uninformiertheit fand sich – in Obamas Regierung. Der amerikanische Präsident, seine Außenministerin Hillary Clinton und ihre Berater brauchten fast zwei Jahre, um zu der Erkenntnis zu kommen, die von Anfang an auf der Hand lag, nämlich:

über eineinhalb Jahre lang führte Barak sie an der Nase mit seiner Überzeugungskraft gegenüber Premierminister Benjamin Netanyahu in Hinblick auf den Friedensprozess. […] „Wir setzten unser ganzes Geld vor eineinhalb Jahren auf ihn,“ zitierte der israelische Funktionär seinen amerikanischen Kollegen. „Die gesamte Administration wettete auf Barak, weil der sagte, er könne Netanyahu zu einem Abkommen mit den Palästinensern hin bugsieren, aber er täuschte uns und führte uns auf den Holzweg.“ […] „Er beeindruckte uns mit seinen intelligenten Analysen; der Präsident hörte auf Barak wie ein Student auf seinen Lehrer und vertraute ihm, aber er hielt keines seiner Versprechen zum Friedensprozess und zum Baustopp,“ sagte der Funktionär dem Israeli; […] „ganz schockiert … ich brach fast in Tränen aus.“ (Ha’aretz, 2. Januar 2011)
Barak führt an der Nase?! Was für eine Überraschung. In der Tat gab sogar der Vertreter der Vereinigten Staaten von Amerika zu, dass

Baraks enttäuschendes Verhalten in Washington den Eindruck eines Deja Vus hervorrief, besonders im Außenministerium, wo man sich seines Versagens als Premierminister bei den Friedensgesprächen in Shepherdstown und Camp David [im Jahr 2000 - rh] erinnerte.

Wie der alte Witz über den Vorteil der Demenz – man trifft immer wieder neue Menschen.

Offene Missachtung?

Die Tatsache, dass Washington letztendlich Barak als Mann des Krieges und der Täuschung entlarvte, nicht als Mann des Friedens, der zu sein er vorgibt, könnte der Hauptgrund für seinen politischen Schritt sein. Indem er Labor verließ, stärkte Barak Netanyahus Koalition, die dadurch zwar kleiner, aber stärker wurde: Baraks kleine Fraktion ist jetzt ihrem Führer treu ergeben, welcher seinerseits in Abhängigkeit von Netanyahu steht und wahrscheinlich irgendwann einmal dem Likud beitreten wird. Baraks „neue“ politische Linie wurde offenkundig in seiner Abschiedsrede, in der er den Rest der Laborpartei einer „Abdrift nach links und noch weiter links“ bezichtigte, sowie eines „Post-Modernismus“ und „Post-Zionismus.“ Offensichtlich strebt Barak nach weit, weit rechts.

Das könnte ein Zeichen für einen Wechsel der Politik Israels sein. Entlarvt von Washington wird Barak nicht länger den falschen Mann des Friedens spielen, sondern die weit rechte/faschistische Regierung stärken in ihrer offenen Missachtung der Vereinigten Staaten von Amerika und des Restes der internationalen Gemeinschaft. Netanyahu benutzte Baraks Schritt bereits, um sich noch tiefer in seine Ablehnungshaltung einzugraben; er tat das, indem er erklärte, dass unter den gemäßigten Labor-Ministern die Palästinenser sturer in ihren Forderungen waren; jetzt, wo diese Minister gegangen seien – sie alle traten zurück, nachdem Barak Labor verlassen hatte – wären die Palästinenser gezwungen, ihre Positionen aufzuweichen, und der Friedensprozess wäre wieder auf Schiene, so sagte Netanyahu voraus. Alles gebongt.

Der demaskierte Barak darf jetzt Netanyahu und Lieberman helfen, aus Israel einen Schurkenstaat zu machen, der sich offen den Vereinigten Staaten von Amerika, den Vereinten Nationen und der internationalen Gemeinschaft widersetzt. Langfristig wird sich das wohl gleichermaßen positiv auf Israelis wie auf Palästinenser auswirken. Kurzfristig wird das wahrscheinlich in eine Katastrophe führen. Nicht überraschend wird schon über einen kommenden Krieg mit Libanon und Syrien gesprochen.

erschienen am 21. Januar 2011 auf > www.antiwar.com > Artikel

Quelle: antikrieg.com

Freitag, 21. Januar 2011

Mit Ersatzphallus in See stechen - So schön kann Kapitalismus sein

Vom Tellerwäscher zum Milliardär! Millarden liegen im Ränzel eines jeden potentiellen Hartz-IV-Empfängers. Er muss nur seine Chance nutzen, hart arbeiten und einen Hang zur Größe haben. Wenn es um nicht einlösbare Verheißungen geht, haben sich Hochfinanz und Kapital, immer großzügig gegeben. Wissend, das nichts so gut blendet, als Illusionen zu schüren, die niemals erfüllt werden, aber vielen vorgaukeln, sie könnten mit dabei sein. Wer es durch Arbeit nicht schafft, sollte es mit Glücksspiel versuchen. Die Chancen zu gewinnen sind gut, sehr gut sogar. Genau genommen 1 zu 140 Millionen einschließlich Jackpot. Na, wer sagt's denn? Chancengleichheit eben.

Roman Abramowitsch schaffte es immerhin, mit einem Startkapital von 5.000 Tonnen Heizöl, den richtigen Kontakten und Zuhilfenahme gefälschter Dokumente, in den Olymp der absolut reichsten Menschen dieser Welt aufzusteigen. Die Segnungen des Kapitalismus können er, Microsoft-Mitbegründer Paul Allen, und einige mehr, heute voll auskosten, siehe hier.

Da soll keiner kommen, meckern und seine unerfüllte Sehnsucht, auch zu jenen gehören zu dürfen, mit unsäglichen Neiddebatten zu kaschieren. "Würde ich doch auch so machen, wenn ich nur das Geld hätte," meint eine unanständig hohe Anzahl von Menschen, die sich selbst bereits in prekären Zuständen befinden, oder auf gutem Weg sind, im Tal der Hoffnungslosigkeit in Bälde ihren Schlafplatz im Schuhkarton einzurichten. Eine BILD als Kopfkissen und noch eine als Decke, da lässt es sich doch richtig gut leben. Das Glücklichsein hängt weder von Schuhkartons noch seidenen Krawatten ab. Fragt bei Gelegenheit den Moshammer, der an seiner Glückseligkeit im wahrsten Sinne des Wortes erstickte. Da fristet man doch lieber sein Dasein im solide eingerichteten Karton unter der Brücke, Flusswasser inclusive. Es muss schon Unterschiede geben, alles andere wäre Gleichmacherei, gelle? Das wollen wir doch nun wirklich nicht, in dieser, unserer freiheitlichen Gesellschaftsordnung.



Ok, die Perspektiven sind ja gar nicht mal so schlecht. Die Wirtschaft brummt, die deutschen Manager voller Zuversicht, endlich kommt der Aufschwung unten an. Der Oberkommandierende der Statistikfälscher-Agentur vermeldet schnell noch einen Aufschwung zu Schrumplöhnen, aber zum Glück leben wir ja nicht in Asien. Obwohl der Wirtschaftsaufschwung dort noch höher ist als in Europa, kommt der Aufschwung unten nicht einmal zu Hungerlöhnen an. Dort kosten manche Produkte dreimal so viel wie vor einem Jahr, in Bangladesch können sich die Ärmsten nicht mal mehr Milch leisten. Die Uno warnt vor einer Hungerkatastrophe - und Gewaltexzessen. Davor hat man echt Angst. Die Truppen stehen Gewehr bei Fuß um die "Demokratie" zu retten. Danke für Eure Fürsorge um unsere Sicherheit.

Berichtet das diesmal reichlich verlinkte ehNaMag warum die Nahrungsmittelpreise in die Höhe schnellen? Natürlich nicht. Für Börsen, Spekulationen und Globalisierung sind der liebe Gott oder die Märkte zuständig. Vorteil: alle reden von ihnen, keiner hat sie je gesehen. Eine unschlagbare Kombination.

Das Spekulationen mit Nahrungsmittel zu den hauptsächlichen Verursachern von Preissteigerungen im Nahrungsmittelsektor zählen, soll nur ein böses Gerücht sein. Eine Verschwörungstheorie, wo doch der Markt per Definition unsichtbar ist. Wenn Hedge-Fonds die sich an Nahrungsmittel- und Agrarrohstoffbörsen tummeln, tun was sie können um ihre Milliarden und Abermilliarden die sie mit Spekulationen verdient haben, in Termingeschäfte anzulegen bei denen sie jetzt schon ganze Ernten vom nächsten Jahr zu einem festen Preis aufkaufen, ist das mit Sicherheit zu unser aller Wohl.
Aus dem so genannten Flassbeck-Bericht vom 1. Juli 2008, der heute als autoritativ gilt, geht hervor, dass 37 Prozent der Weltmarktpreissteigerung von drei Grundnahrungsmittel, Reis, Mais und Weizen, reine Spekulationsgewinne sind. Punkt.
FH

Glaspie-Memo widerlegt Behauptungen, die durchgesickerten Dokumente seien aus „Sicherheitsgründen” geheim

Jason Ditz

Das in den letzten Jahrzehnten am intensivsten gesuchte Dokument des Außenministeriums, das schändliche Glaspie-Memo, wurde vor kurzem von WikiLeaks an die Öffentlichkeit gebracht. Das Memo beschreibt eine Besprechung zwischen Botschafterin April Glaspie und dem irakischen Präsidenten Saddam Hussein am 25. Juli 1990, genau eine Woche vor der irakischen Invasion von Kuwait, und Glaspies Versicherungen gegenüber Hussein betreffend die anhaltende amerikanische Freundschaft und Amerikas Desinteresse am Grenzkonflikt mit Kuwait. Kurz gesagt bestätigt es die Jahrzehnte alte Vermutung, dass Glaspie Saddam Hussein in dieser Besprechung den Eindruck vermittelt hat, dass die Vereinigten Staaten von Amerika ihm grünes Licht für die Invasion gegeben haben.

Diese Enthüllung lässt die hunderttausenden in einem Jahrzehnt der dem Krieg folgenden Sanktionen getöteten Zivilpersonen und die noch größere Anzahl, die in der Invasion der Vereinigten Staaten von Amerika 2003 getötet wurden, in einem entschieden ungehörigen Licht erscheinen und leistet den Historikern einen gewaltigen Dienst. Noch wichtiger ist allerdings, dass die Veröffentlichung eines noch immer geheimen Dokuments nach mehr als 20 Jahren und drei Präsidenten den anhaltenden Mythos erschüttert hat, dass diese Dokumente geheim sind, um zu verhindern, dass sie in feindliche Hände fallen. Viel eher erfolgt die Geheimhaltung, um der amerikanischen Öffentlichkeit die Wahrheit vorzuenthalten, und WikiLeaks leistet uns mit ihrer Veröffentlichung einen großen Dienst.

Über die Existenz des Glaspie-Memos war lange spekuliert worden, und der wirkliche Inhalt war das, was viele schon lange vermutet hatten. Der offizielle Titel der Depesche „Saddams Freundschaftsbotschaft an Präsident Bush“ erzählt nur einen Teil der Geschichte, da Botschafterin Glaspie klar und wiederholt die Unterstützung der Vereinigten Staaten von Amerika für den irakischen Diktator zum Ausdruck bringt, Unterstützung für die von Ägypten vermittelten Gespräche zwischen Irak und Kuwait später in der Woche zum Ausdruck brachte, und absolut keine Ablehnung zum Ausdruck bringt, als Saddam meint, er könnte einseitig handeln, wenn die Gespräche keinen Fortschritt brächten – in der Tat informiert Glaspie Saddam, dass „wir keine Position haben zu diesen arabischen Angelegenheiten.“

Diese Enthüllungen wären verheerend gewesen für die Administration George H.W. Bush und sind umso beschämender, wenn man bedenkt, dass nur eine Woche nach Glaspies Versicherungen die Vereinigten Staaten von Amerika eine Politik der Feindseligkeit und Sanktionen eingeschlagen haben, die bis heute anhält, über eine Million Leben gekostet und noch immer 50.000 Soldaten der Vereinigten Staaten von Amerika im Irak stationiert hat.

Wenn uns dann gesagt wird, dass diese Art Memos aus Gründen der „Nationalen Sicherheit” geheim seien, so stimmt das eindeutig nicht. Es gibt keinen „Feind,“ von dem man das fernhalten müsste. Die Inhalte der Glaspie-Memos zeigen eine hinterlistige Politik der Vereinigten Staaten von Amerika gegenüber dem Irak, die mehrere Administrationen umfasste, und die Entscheidung, diese Art von Dokumenten Jahrzehnte danach „geheim“ zu halten, enthüllt eine Komplicenschaft bei dieser Art von Politik, die unbegrenzt weitergehen würde.

Es ist also kein geheimnisvoller Feind, der durch die Klassifizierung dieser Dokumente im Dunklen gehalten werden sollte, sondern die amerikanische Öffentlichkeit selbst, die diese verabscheuungswürdige Politik nie akzeptieren würde, wenn sie eine Ahnung davon hätte. Von den beiden Bush-Administrationen bis zu den Administrationen Clinton und Obama war die Politik darauf angelegt, die amerikanische Öffentlichkeit zu täuschen, und die von beiden Parteien getragene Empörung gegen WikiLeaks ist die natürliche Reaktion darauf, dass sie bei ihren Lügen ertappt worden sind. Das Spiel ist vorbei. Und die Forderung nach Zensur, Strafverfolgung und sogar Hinrichtung widerspiegelt die Stufe der Betretenheit, die von einem erwartet werden kann angesichts der Enthüllung vor der amerikanischen Öffentlichkeit, dass diese Administrationen eine jahrzehntelange Kampagne des Massenmords gegen das irakische Volk durchgeführt haben, zur Gänze auf der Grundlage diplomatischer Doppeldeutigkeit einer Botschafterin vor über 20 Jahren.

Wir hätten das nie erfahren sollen, auch sollten wir niemals den Inhalt einer Viertelmillion weiterer Dokumente erfahren, die noch veröffentlicht werden sollen. Zweifelsohne werden viele weitere Enthüllungen dabei sein, die uns unbehaglich fühlen lassen werden bezüglich der Art, wie die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika ihre Geschäfte betreibt, und viele weitere Verdammungen seitens Präsident Obama und anderer, die davon herrühren.

Ich würde jedenfalls die amerikanische Öffentlichkeit dringend bitten, sich keine Hilfe von der Wut der beiden Parteien gegen die Idee einer freien Presse zu erwarten. Anstatt uns darüber zu ärgern, dass ein Whistleblower die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika dadurch beschämt hat, dass er ihre Verbrechen zum Gegenstand eines öffentlichen Berichts gemacht hat, sollten wir unseren Ärger dahin richten, wohin er gehört: gegen die Funktionäre, deren Verbrechen wir jetzt entdecken.

zuerst erschienen in Wayne Independent und Union Daily Times

erschienen am 20. Januar 2011 auf > www.antiwar.com > Artikel

Quelle: antikrieg.com