Samstag, 31. Dezember 2011

Hurra - Geheimverhandlungen unter Terroristen

Mowitz
Mohammed Omar bekannt als Mullah Omar soll nach allgemeiner Lesart ein islamischer Fundamentalist sein, der zwischen 1996 und 2001 Anführer der Taliban war und de facto Staatschef des Islamischen Emirats Afghanistan. Die nach dem 11. September 2001 von den USA geforderte Auslieferung Osama bin Ladens lehnte Omar in einem Telefoninterview als „unislamisch“ ab und ist seit dem Sturz der Taliban auf der Flucht. Auf seine Ergreifung setzte die US-Regierung ein Kopfgeld in Höhe von 10 Millionen Dollar aus. [1]

Nun tröpfelt die Meldung verschämt übers Netz, dass Mullah Omar nicht länger auf der Liste der "meistgesuchten Terroristen" steht, sondern vom FBI von ihr entfernt wurde. Ayman Al Zawahiri und Hakimullah Mehsud bleiben aber auch weiterhin der Liste über die "meistgesuchten Terroristen" erhalten.

Der große "Weltpolizist", der edel auszog um afghanische Frauen von ihren Burkhas zu befreien, taumelt nun von einer Niederlage in die nächste und will schnellstens Afghanistan verlassen. Die USA wollten die Taliban an den Verhandlungstisch bringen, um den Konflikt in Afghanistan zu beenden. Berichten zufolge hatten die USA der Taliban die Kontrolle über den Süden Afghanistans angeboten, während der Norden von Kräften beherrscht werden sollte, die unter amerikanischen Einfluss standen.

Dies wurde jedoch von den Taliban abgelehnt.

Nach 10 Monaten geheimer Gespräche mit der afghanischen Taliban, sagten hochrangige US-Beamte die Gespräche hätten einen "kritischen Punkt" erreicht, und sie würden bald wissen, ob ein Durchbruch möglich sei um konkrete Friedensgespräche, mit dem Ziel den Krieg zu beenden, einleiten zu können.

Die Vereinigten Staaten sollen auch gegenüber der Überführung einer unbestimmten Anzahl Taliban-Gefangener aus dem Guantanamo Bay Militärgefängnis, in afghanischen Gewahrsam, positiv eingestellt sein.

In der Vergangenheit hatten US-Diplomaten etwa ein halbes Dutzend Sitzungen, vor allem in Deutschland und Doha, mit Vertretern von Omar durchgeführt. [2]

Noch im Mai 2011 wurde von westlichen Nachrichtenstuben die Erkenntnis verbreitet, nach Angaben des afghanischen Geheimdienstes wäre Taliban-Chef Mullah Omar seit Tagen verschwunden. Auch andere Taliban könnten ihn nicht kontaktieren. Zuvor waren Berichte aufgetaucht, nach denen Omar tot sei. Die Taliban dementierten dies. Ihr Anführer befände sich im Heiligen Krieg in Afghanistan, hieß es vor etwa einem halben Jahr. Oder saß er selbst mal in Deutschland, mal in der Hauptstadt von Katar und verhandelte? [3] Mai 2011, war der Monat, an dem Osama bin Laden angeblich zum X-ten Mal ermordet und anschließend im Meer versenkt wurde. Sagt man zumindest. Alles bewerkstelligt mit 'ner halben Division Elitesoldaten, Direktübertragung ins Weisse Haus, Hillary Clinton mit entsetztem Gesicht, Hand vorm Mund, (hier im Bild), und weiteren Weisungsbefugten. [4]

Und nun? Nun wartet der Iran auf den beschlossenen Überfall Israels und der größten Terrormacht der Welt. Inzwischen liefern westliche Kriegsgewinnler ihre Vernichtungsmaschinen für Milliarden und Abermilliarden Dollars und Euros ins Krisengebiet, inklusive deutscher Wertarbeit. Wieder wird ein sinnloses Morden losgetreten und nicht eins von den vorgegebenen Zielen erreicht werden. [5], [6]

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de

Kriege werden viel mehr gemacht, als sie entstehen -
wer da mit magischen Geschichten kommt, hat viel zu gewinnen im Kriege -
und wenig zu verlieren. Kurt Tucholsky


FH

Fußnoten

[1] Mohammed Omar
[2] Mullah Omar no more FBI’s most wanted
[3] Taliban dementieren Tötung - Mullah Omar verschwunden?
[4] Osama und die Geister des 11. September: Der Beweis, dass Obama lügt
[5] Panzer-Deal mit Saudi-Arabien
[6] USA rüsten Verbündete in Nahost massiv auf

Freitag, 30. Dezember 2011

Die größte Terrormacht sorgt sich

Mowitz
Wie vor einer Woche kurz in den Medien erwähnt wurde, ist die US-Regierung besorgt und hat an Forscher und Fachzeitschriften appelliert, Daten über ein im Labor entwickeltes Vogelgrippevirus unter Verschluss zu halten, damit der Bauplan der Killerviren nicht in terroristische Hände gelangt, womit man mit "terroristisch" nicht die eigene Regierung meint. Die Virologen Ron Fouchier in Rotterdam (Niederlande) und Yoshihiro Kawaoka im US-Staat Wisconsin (USA) haben das tödlichste Grippevirus aller Zeiten erschaffen, melden die Nachrichtenbüros, und könnten den Tod von Millionen Menschen verursachen. [1]. Das Vogelgrippevirus ist vom Typ H5N1. Für Menschen ist es hochgefährlich. Im Gegensatz zu der natürlichen Variante könnte es sich aber wie ein banaler Schnupfen verbreiten - mit weit dramatischeren Folgen. [2]

Nun spricht der venezolanische Staatschef Hugo Chávez den Verdacht aus, hinter einer angeblich rätselhaften Serie von Krebserkrankungen lateinamerikanischer Spitzenpolitiker könnten die USA stecken. Die argentinische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner, ist an Schilddrüsenkrebs erkrankt und soll am 4. Januar 2012 in Buenos Aires operiert werden. In den letzten Jahren waren auch bei der brasilianischen Präsidentin Dilma Rouseff und dem Präsidenten von Paraguay Fernando Lugo, verschiedene onkologische Erkrankungen diagnostiziert worden. Chávez selbst hat sich seit dem Sommer mehreren Behandlungen in Kuba und Venezuela unterzogen und nach eigenen Angaben den Krebs besiegt.[3]

Hugo Chávez war der erste der die erkrankte argentinische Präsidentin Cristina Fernández anrief, um ihr seine Genesungswünsche zu übermitteln. Nach Angaben des lateinamerikanischen Fernsehsenders Telesur erregt er dabei Aufsehen mit der Vermutung: "Wäre das weit hergeholt, wenn sie (die USA) eine Möglichkeit entwickelt hätten, Krebserkrankungen hervorzurufen, ohne das jemand davon wüsste?" [4]

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de

Na ja, wem das auf den ersten Blick wie eine schlechte Verschwörungstheorie vorkommt, sollte daran erinnert werden, dass für die USA eigentlich nichts fremd ist, von dem sie glauben es dient ihren Interessen. So gaben sie Anfang Oktober vorigen Jahres offiziell zu, dass amerikanische Ärzte in den 40er-Jahren in Guatemala Testpersonen – hauptsächlich Prostituierte – zu Forschungszwecken absichtlich mit Gonorrhoe und Syphilis infiziert hatten. Insgesamt wurden 1300 Menschen absichtlich mit Gonnorhoe und Syphilis infiziert. Nur die Hälfte von ihnen erhielt eine gebührende Behandlung, mindestens 83 Menschen starben bei den medizinische Experimenten, die US-Wissenschaftler in den Jahren 1946 bis 1948 im zentralamerikanischen Guatemala anstellten. [5]

In Gesellschaften, die den Kapitalismus als die höchste Lebensform des menschlichen Daseins betrachten und die Aufgabe all ihres Strebens darin sehen, aus allem und alles "Geld zu machen" ist es selbstverständlich, dass Profiteure sich gerade da einfinden wo mit der Angst schnell und effektiv Gewinne gemacht werden. Man stelle sich vor, es ist Schweinegrippe, und keiner fühlt sich bedroht. Stell dir weiter vor, es gibt eine Impfung, die als bedrohlicher wahrgenommen wird als die Krankheit, vor der sie schützen soll. Haben wir alles schon gehabt.

Profiteure sind auch und gerade im Bereich der öffentliche Gesundheit, zu finden. Nach 9/11 floss besonders viel Geld auch in Richtung Abwehr biologischer Waffen. Briefe mit Milzbranderregern wurden an Nachrichtensender und Senatoren verschickt, fünf Menschen starben. Haupttäter war laut FBI übrigens der US-amerikanische Wissenschaftler Bruce Edwards Ivins, der sich mittlerweile das Leben genommen hat. Verurteilt wurde nie einer. [6]


Fußnoten

[1] Forscher züchten Killer-Virus

[2] Streit um Supervirus: USA fürchten Bioterrorismus

[3] Chávez vermutet Krebs-Attacke der USA

[4] Fernández äußert sich zu Krebs - Chávez spekuliert über USA

[5] US-Menschenversuche in Guatemala forderten 83 Tote - Kommissionsbericht

[6] Anthrax-Anschläge 2001

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Straße von Hormus - US-Flugzeugträger gesichtet

Mowitz
Die iranische Kriegsmarine, die vor der südlichen Küste des Landes ein Manöver durchführt, hat in der Nähe ihrer Gruppierung einen US-Flugzeugträger entdeckt, meldet die iranischen Agentur Irna unter Hinweis auf den Vizeflottenchef Konteradmiral Mahmud Mussawi. Der US-Flugzeugträger von einem Patrouillenflugzeug der iranischen Kriegsmarine entdeckt. Am 27. Dezember gab der iranische Vizepräsident Mohammad Reza Rahimi bekannt, dass der Iran die Straße schließt, wenn die westlichen Länder Sanktionen gegen den Erdölexport aus der Islamischen Republik verhängen. [1]

Militärisch-strategische Hintergrundsinformationen:

In Übereinstimmung mit dem globalen Trend, der sich auch in anderen strategisch wichtigen Gebieten der Welt zeigt, verstärken die Vereinigten Staaten und ihre Alliierten in der North Atlantic Treaty Organization (NATO) – ein Zusammenschluß aller größeren westlichen Militär-und Nuklear- und ehemaligen Kolonialmächte – ihre militärische Präsenz in Südostasien mit besonderem Gewicht auf die geopolitisch kritische Straße von Malakka.[2]

Die Sicherstellung der Kontrolle über Socotra und den Golf von Aden durch die Vereinigten Staaten von Amerika. [3]

Unter der Präsidentschaft Obamas haben die Vereinigten Staaten den »langen Krieg« [des 21. Jahrhunderts, den »weltweiten Krieg gegen Terrorismus«] nach Afrika getragen. Barack Hussein Obama, der sogenannte »Sohn Afrikas« hat sich zum schlimmsten Feind Afrikas gewandelt. [4]

Viele Staaten der Welt stehen fest auf der Seite des Irans. Eine Konfrontation gegenüber dem Iran ist nicht nur friedensfeindlich, sondern in jeder Beziehung nutzlos, gottlos und politisch dumm [5]


Fußnoten

Iran sichtet US-Flugzeugträger vor der Küste des Landes [1]

Südostasien: Der Westen beendet die Pläne für die asiatische NATO [2]

Jemen und die Militarisierung strategischer Seewege [3]

Israel und Libyen: Afrika soll auf »Kampf der Kulturen« vorbereitet werden [4]

Die VR China lehnt Sanktionen gegen den Iran ab [5]

FH

Mittwoch, 28. Dezember 2011

China - die leise Großmacht

Mowitz
Während die westlichen Imperialisten unter ihrem Leader, den USA, den einen Krieg nach dem andern vom Zaun brechen, und damit den Hass der von ihren Kriegen Betroffenen auf sich ziehen, baut China seine globale Führungsrolle ruhig und zielbewusst, mit Geschick und Umsicht, friedlich weiter aus.

China investiert in erdölreichen Ländern; die Vereinigten Staaten überfallen sie. China verkauft Teller und Schüsseln für afghanische Hochzeitsbankette; US-Drohnen bombardieren diese Feiern. China investiert auch in die Rohstoffgewinnung, aber anders als die europäischen Kolonialmächte baut es Eisenbahnen, Häfen und Flugplätze und stellt günstige Kredite zur Verfügung. China finanziert keine ethnischen Kriege oder "bunten Revolutionen" und beliefert sie auch nicht mit Waffen – wie die CIA der Vereinigten Staaten. China verleiht mittlerweile mehr Geld an Afrika als die Weltbank – und zu viel besseren Bedingungen. [0] China finanziert sein Wachstum, seinen Handel und sein Transport-System selbst; die USA ersticken unter einer Schuldenlast von vielen Billionen Dollars, die sie zur Finanzierung ihrer Kriege aufgehäuft haben, entschulden die Wall Street und stützen andere unproduktive Sektoren, während viele Millionen Menschen ohne Jobs bleiben. [1]

Das EhNaMag beklagt: "Der Westen bereitet seinen Abzug vom Hindukusch vor, die Chinesen übernehmen: Investoren aus der Volksrepublik wollen von den Bodenschätzen Afghanistans profitieren. Nun hat der staatliche Ölkonzern sich das erste Förderabkommen in dem rohstoffreichen Land gesichert." [2] und gesteht zum ersten Mal ein, dass neben der geostrategischen Lage Afghanistans auch Bodenschätze dort die westliche Phantasie beflügelte, als man seiner "Sorge" über die Lage der afghanischen Frauen endlich Taten folgen ließ, 9/11 inszenierte und in Afghanistan einmarschierte. Damals machte man noch Bin Laden und Saddam Hussein dafür verantwortlich, heute bemüht man, in Mangel an Beweisen, die heimische Gerichtsbarkeit, um mit neu erfundenen Kriegsgründen den Iran demselben Schicksal zuzuführen wie den Irak.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Der Bericht beruht auf einem Informationspaket von mehr als 1.000 Seiten, das der IAEA bereits im Jahr 2005 von einem US-Geheimdienst übergeben wurde; die Informationen sollen aus einem Laptop stammen, das der Geheimdienst ein Jahr vorher erhalten haben will. Die tiefe Skepsis, die bereits damals in Bezug auf die Glaubwürdigkeit der Dokumente bestand, ist aber geblieben; der Iran hat von Anfang an darauf bestanden, dass es sich um Fälschungen feindlicher Geheimdienste handelt, trotz wiederholter Versuche der IAEA, die Daten zu verifizieren und die Zweifel zu zerstreuen. [3]

2006 schloss Gaddafi mit der Bush-Administration ein Abkommen, mit dem er seinen Geheimdienst der CIA unterstellte. Unter diesem Abkommen war es der amerikanische Geheimdienst, der die Vorgänge in Libyen stark beeinflusste. Das bedeutet, dass Libyen auf das Pferd der Vereinigten Staaten von Amerika gesetzt hatte gegen das Tandem China/Russland. Als sich dann die Gelegenheit ergab, präsentierten Peking und Moskau Gaddafi und Gbagbo die Rechnung für diese strategischen Fehler. In Peking nennt man das Lernen durch Erfahrung.

Die Lektion, dass wir uns für eine Seite entscheiden müssen, wird jetzt in vielen afrikanischen Hauptstädten gut verstanden. Schon lange wurde sie verstanden in Harare und Khartoum, und seit kurzem in Yaoundé, wo man sich offen für China entschieden hat. In Kamerun zum Beispiel werden sechs ranghohe Mitglieder der Armee in China ausgebildet, auch die neuen Waffen, mit denen die Armee ausgerüstet wird, kommen aus China, obwohl Paris darüber verärgert ist. Indem es so handelt, weiß Yaoundé, dass es das Szenario von Côte d'Ivoire vermeidet, da es mit einer großen Macht verlinkt ist, die in der Lage ist, es vor Paris und Washington zu schützen in Krisen aller Art, die die wahrscheinliche Beteiligung der Vereinten Nationen hervorrufen würden, die ja immer auf der Seite der Vereinigten Staaten von Amerika und des Westens stehen. [4]

Anstatt friedliche und auch berechtigte Interessenpolitik zu betreiben, fällt uns nichts anderes ein als die Untugenden des kolonialen Imperialismus verstärkt zu bemühen. Wobei westliche Destabilisierungsanstrengungen auf Sicht kläglich scheitern werden.

Während sich die einen von einem unproduktiven Abenteuer [5] ins andere stürzen, basteln die zweit- und drittgrößten Volkswirtschaften der Welt, über ideologische Grenzen hinweg, an einem Währungsabkommen, welches die Rolle des US-Dollar als Weltleitwährung schwächen und entscheidend infrage stellen könnte. [6] Wenn das geschieht, bleibt den USA nur noch die US-Armee um ihre Haut zu retten. Das könnte dann endgültig zum Ende [7] der menschlichen Zivilisation führen.

FH


Fußnoten

[0] China verleiht mittlerweile mehr Geld an Afrika als die Weltbank – und zu viel besseren Bedingungen
[1] Die USA und China: ein Verlierer und der Gewinner
[2] China sichert sich Ölfeld in Afghanistan
[3] Die Politisierung der IAEA wird sich rächen
[4] China in Afrika – ein Gegengewicht zum Westen
[5] Iran droht mit Sperre der wichtigsten Ölhandelsroute
[6] China und Japan schmieden Devisenpakt
[7] Chinesischer Staatspräsident: Falls die USA oder andere Länder den Iran angreifen, wird China sich mit direkten und sofortigen Militärmaßnahmen in den Krieg einschalten.


Besondere Empfehlung >>>
Wir sind die Terroristen Die Wahrheit schmerzt, aber Lügen töten - Die Wirklichkeit unserer betrügerischen Kriege

Eine phantastische Rede der US-amerikanische Ärztin und Friedensaktivistin Dr. Dahlia Wasfi die von Wolfgang Jung ins Deutsche übersetzt wurde und im Originalton auf Video, mit beeindruckenden Bildern und Szenen, zu hören ist.

Gegenmeinung: Neues von Helmut Schmidt

Dienstag, 27. Dezember 2011

Vor 70 Jahren im Dezember 1941: Der Wendepunkt des Zweiten Weltkrieges

Dr. Jacques R. Pauwels
Der Sieg der Roten Armee vor Moskau war die eigentliche Zäsur ...

Von Jacques R. Pauwels
Global Research, 06.12.11

Der Zweite Weltkrieg hat – zumindest auf dem "europäischen Kriegsschauplatz" – begonnen, als die deutsche Wehrmacht im September 1939 Polen überrollte. Etwa sechs Monate später folgten noch spektakulärere Siege, dieses Mal über die Benelux-Länder und Frankreich. Bis zum Sommer 1940 schien Deutschland unbesiegbar und dazu prädestiniert zu sein, den europäischen Kontinent auf unbestimmte Zeit zu beherrschen. [Großbritannien weigerte sich zwar, das Handtuch zu werfen, konnte aber nicht darauf hoffen, den Krieg allein zu gewinnen, und musste fürchten, dass Hitler seine Aufmerksamkeit bald Gibraltar, Ägypten und/oder anderen Kronjuwelen des britischen Empire zuwenden würde.] Fünf Jahre später erfuhr Deutschland den Schmerz und die Erniedrigung einer totalen Niederlage. Am 30. April 1945 beging Hitler in Berlin Selbstmord, als die Rote Armee sich ihren Weg durch die Stadt bahnte, die nur noch aus einem Haufen rauchender Ruinen bestand, und am 8. und 9. Mai musste Deutschland bedingungslos kapitulieren. Offensichtlich muss irgendwann zwischen Ende 1940 und 1944 ein dramatischer Gezeitenwechsel stattgefunden haben. Aber wann und wo? 1944 in der Normandie, wie einige meinen, oder während des Winters 1942/43 in Stalingrad, wie andere behaupten? In Wirklichkeit kippte die Flut im Dezember 1941 in der Sowjetunion, genauer gesagt, in der kargen Ebene westlich von Moskau. Ein deutscher Historiker und Experte für den Krieg gegen die Sowjetunion, hat das so ausgedrückt: "Dieser Sieg der Roten Armee [vor Moskau] war zweifellos die eigentliche Zäsur des ganzen Weltkrieges." [1]

Russische Frauen heben Panzergräben vor Moskau aus, Wiki
Dass die Sowjetunion der Schauplatz der Schlacht war, die den Verlauf des Zweiten Weltkrieges änderte, sollte niemand überraschen. Der Krieg gegen die Sowjetunion war der Krieg, den Hitler von Anfang an wollte; das hatte er bereits Mitte der 1920er Jahre in seinem Buch "Mein Kampf" sehr deutlich angekündigt. [Ein Ostkrieg, also ein Krieg gegen die Sowjets, war auch das Wunschziel der deutschen Generäle, der führenden Industriellen Deutschlands und anderer "Säulen" des deutschen Establishments.] Ein deutscher Historiker hat erst kürzlich nachgewiesen [2], dass Hitler schon 1939 eigentlich einen Krieg gegen die Sowjetunion und nicht gegen gegen Polen, Frankreich oder Großbritannien entfesseln wollte. Hitler hat am 11. August 1939 gegenüber Carl J. Burckhardt, einem Vertreter des Völkerbundes, erklärt, "alles, was er unternehme, sei gegen Russland gerichtet", und "wenn der Westen [d. h. die Franzosen und die Briten] zu dumm und zu blind sei, das zu begreifen, müsse er sich mit den Russen verständigen und sich zunächst um den Westen kümmern und ihn besiegen, um sich dann mit ganzer Kraft wieder der Sowjetunion zuwenden und sie schlagen zu können". [3] Das ist dann tatsächlich auch geschehen. Weil sich der Westen nach Hitlers Ansicht wirklich als "zu dumm und blind" erwies, um ihm im Osten "freie Hand" zu lassen, schloss er zunächst einen Deal mit Moskau ab – den berüchtigten "Hitler-Stalin-Pakt" – und löste dann den Krieg gegen Polen, Frankreich und Großbritannien aus. Sein Ziel blieb aber unverändert: Er wollte die Sowjetunion so bald wie möglich angreifen und zerstören.

Hitler und die deutschen Generäle waren davon überzeugt, aus dem Ersten Weltkrieg die richtigen Lehren gezogen zu haben. Deutschland, dem wichtige Rohstoffe wie Öl und Gummi fehlten, die in einem modernen Krieg gebraucht werden, konnte keinen Krieg gewinnen, der sich länger hinzog. Um den anstehenden Krieg zu gewinnen, musste Deutschland schnell, sehr schnell siegen. Deshalb wurde das Blitzkrieg Konzept entwickelt, d. h. die Idee von einem Krieg der "blitzschnell" geführt werden muss. Weil ein Blitzkrieg nur motorisiert zu führen ist, hat Deutschland in Vorbereitung eines solchen Krieges während der dreißiger Jahre eine große Anzahl von Panzern, Flugzeugen und Lastwagen für den Transport seiner Truppen gebaut. Außerdem wurden riesige Vorräte an Öl und Gummi importiert und gehortet. Ein großer Teil dieses Öls wurde von US-Ölkonzernen gekauft, von denen einige auch noch so freundlich waren, das "Rezept" zur Verfügung zu stellen, mit dem synthetischer Kraftstoff aus Kohle erzeugt werden konnte. [4] Mit ihren Tausenden von Panzern und Flugzeugen konnten die deutsche Wehrmacht und ihre Luftwaffe 1939 und 1940 die polnischen, niederländischen, belgischen und französischen Verteidiger in wenigen Wochen überwältigen; "blitzschnelle" Blitzkriege endeten immer mit "blitzschnellen" Blitzsiegen.

Diese Siege waren zwar spektakulär, sie brachten Deutschland aber kaum lebenswichtige Kriegsbeute wie Öl und Gummi ein. Stattdessen zehrten die "Blitzkriege" die vor dem Krieg angelegten Vorräte auf. Zum Glück für Hitler konnte Deutschland 1940 und 1941 noch Öl aus den damals noch neutralen USA importieren – nicht direkt, aber über neutrale [und befreundete] Staaten wie das Spanien Francos. Außerdem wurde Deutschland, wie im Hitler-Stalin-Pakt vereinbart, auch von der Sowjetunion selbst sehr großzügig mit Öl versorgt! Es störte Hitler jedoch sehr, dass Deutschland die Sowjetunion dafür mit hochwertigen Industrieprodukten und modernster Militärtechnologie beliefern musste, mit der die Sowjets ihre Armee modernisierten und deren Bewaffnung verbesserten. [5]

Weisung Nr. 21: Fall Barbarossa vom 18. Dezember 1940, Wiki
Deshalb ist es verständlich, dass Hitler seinen früheren Plan für einen Krieg gegen die Sowjetunion bald nach der Niederlage Frankreichs, nämlich im Sommer 1940, wieder aufgriff. Den formellen Auftrag, unter dem Decknamen "Fall Barbarossa" konkrete Angriffspläne zu entwickeln, erteilte er einige Monate später – am 18. Dezember 1940. [6] Bereits 1939 war Hitler ganz begierig darauf, die Sowjetunion anzugreifen; gegen den Westen hatte er sich nur gewandt, um – wie es ein deutscher Historiker formuliert hat – "der Rücken frei zu haben, wenn er dazu in der Lage wäre, der Sowjetunion die offenen Rechnungen zu präsentieren". Der selbe Historiker kommt zu dem Schluss, dass Hitler auch 1940 noch diese Absicht hatte: "Der wahre Feind stand immer noch im Osten." [7] Hitler wollte einfach nicht mehr länger mit der Verwirklichung seines größten Lebenszieles warten: mit der Zerstörung des Staates, den er bereits in "Mein Kampf" als seinen Erzfeind definiert hatte. Außerdem wusste er, dass sich die Sowjets fieberhaft auf die Abwehr eines deutschen Angriffs vorbereiteten, der ganz sicher früher oder später kommen würde. Da die Sowjetunion jeden Tag stärker wurde, arbeitete die Zeit offensichtlich nicht für Hitler. Wie lange konnte er noch warten, bis sich das "Zeitfenster" schloss?

Außerdem würde ein (erfolgreicher) Blitzkrieg gegen die Sowjetunion Deutschland den Zugriff auf die praktisch unbegrenzten Ressourcen dieses riesigen Landes ermöglichen: Mit dem Weizen der Ukraine würde man die deutsche Bevölkerung auch in Kriegszeiten durchfüttern können, und mit russischer Kohle wäre die Produktion synthetischen Gummis und synthetischen Kraftstoffs zu sichern; vor allem aber würden die reichen Ölfelder Bakus und Groznys genügend Nachschub für die Tanks der spritfressenden Panzer und Stukas liefern. Wenn er über die (russischen) Rohstoffquellen verfügen könnte, würde es Hitler leicht fallen, mit Großbritannien abzurechnen und ihm zum Beispiel gleich zu Beginn Gibraltar wegzunehmen. Deutschland würde endlich zu einer Weltmacht und in seiner vom Atlantik bis zum Ural reichenden europäischen "Festung" unangreifbar werden; im Besitz unbegrenzter Ressourcen könnte es auch lange Kriege gegen jeden Gegner gewinnen – auch gegen die USA – und als Sieger aus einem künftigen "Krieg der Kontinente" hervorgehen, den sich Hitler bereits in seiner krankhaften Fantasie ausmalte.

Hitler und seine Generäle waren davon überzeugt, dass der Blitzkrieg, den sie gegen die Sowjetunion vorbereiteten, ebenso erfolgreich sein würde, wie ihre vorherigen Blitzkriege gegen Polen und Frankreich. Sie betrachteten die Sowjetunion als einen "Riesen auf tönernen Füßen" und hielten ihre von Stalin gegen Ende der 1930er Jahr (von "unzuverlässigen" Offizieren) gesäuberte Armee für "nicht mehr als einen Witz"; das hat auch Hitler selbst einmal gesagt. [8] Sie glaubten die entscheidenden Schlachten in vier bis sechs Wochen schlagen und natürlich auch gewinnen zu können und rechneten allenfalls mit einigen abschließenden Säuberungsaktionen, bei denen sie die Reste der Roten Armee "wie eine Horde geschlagener Kosaken durchs ganze Land jagen würden". [9] Vor allem Hitler war felsenfest davon überzeugt und "sah sich am Vorabend des Angriffs vor dem größten Triumph seines Lebens". [10]

[Auch die Militärexperten in Washington und London rechneten nicht damit, dass die Sowjetunion dem Nazikoloss, der sich durch seine militärischen Großtaten in den Jahren 1939 und 1940 den Ruf der Unbesiegbarkeit erworben hatte, ernsthaften Widerstand leisten könnte. Die britischen Geheimdienste waren überzeugt davon, dass die Sowjetunion "innerhalb von acht bis zehn Wochen liquidiert würde", und Field Marshall John Dill, der Chef des britischen Generalstabes, verkündete, die Wehrmacht werde die Rote Armee "wie ein warmes Messer die Butter" zerteilen und sie "wie Vieh" zusammentreiben". Ein Experte in Washington meinte, Hitler werde Russland "wie ein Ei zerquetschen".] [11]

Der deutsche Angriff begann in den frühen Morgenstunden des 22. Juni 1941. Drei Millionen deutsche Soldaten und fast 700.000 Soldaten von Verbündeten Nazideutschlands überquerten mit 600.000 Kraftfahrzeugen, 3.648 Panzern, über 2.700 Flugzeugen und etwas mehr als 7.000 Artilleriegeschützen die Grenze (der Sowjetunion). [12] Zuerst verlief alles nach Plan. Es gelang, riesige Lücken in die sowjetischen Verteidigungslinien zu schlagen und schnell eindrucksvolle Landgewinne zu erzielen; Hunderttausende Soldaten der Roten Armee wurden in eindrucksvollen "Kesselschlachten" eingekreist und getötet, verwunden oder gefangen genommen. Nach einer solchem Schlacht, die Ende Juli bei Smolensk geschlagen wurde, schien der Weg nach Moskau frei zu sein.

Es zeigte sich jedoch sehr bald, dass der Blitzkrieg im Osten nicht der erwartete "Spaziergang" werden würde. Wie vorherzusehen war, konnte die stärkste Militärmaschinerie der Welt der Roten Armee zwar schwere Schläge versetzen, aber diese leistete – wie Propagandaminister Joseph Goebbels bereits am 2. Juli seinem Tagebuch anvertraute – auch zähen Widerstand und schlug bei mehr als einer Gelegenheit ziemlich hart zurück. General Franz Halder, der in vieler Hinsicht der "Vater" des Angriffsplans für das Unternehmen Barbarossa war, gab zu, dass der sowjetische Widerstand viel härter war, als alles, was die Deutschen in Westeuropa erlebt hatten. Die Wehrmacht meldete "starken", "zähen" und sogar "entschlossenen" Widerstand, der auf deutscher Seite schwere Verluste an Männern und Ausrüstung forderte. [13] Öfter als erwartet, gelang es sowjetischen Truppen, Gegenangriffe zu starten, die den deutschen Vormarsch verlangsamten. Einige sowjetische Einheiten tauchten in den ausgedehnten Pripet-Sümpfen oder in Wäldern unter und organisierten einen tödlichen Partisanenkrieg, der die langen und verwundbaren Nachschublinien der Deutschen bedrohte. [14] Es stellte sich auch heraus, dass die Rote Armee viel besser ausgerüstet war, als man erwartet hatte. Ein deutscher Historiker schreibt, die deutschen Generäle seien sehr "erstaunt" über die Qualität der sowjetischen Waffen gewesen, besonders über den Katjuscha - Raketenwerfer [die so genannte "Stalin-Orgel"] und den Panzer T-34. Hitler war wütend, weil seinen Geheimdiensten die Existenz dieser Waffen verborgen geblieben war. [15]

Die meisten Sorgen machte den Deutschen die Tatsache, dass es der Hauptteil der Roten Armee schaffte, sich in relativ guter Ordnung der Zerstörung in einer großen Kesselschlacht wie der von Cannae oder Sedan zu entziehen, von der Hitler und seine Generäle geträumt hatten. Die Sowjets schienen die deutschen Blitzkrieg-Erfolge von 1939 und 1940 genau beobachtet, analysiert und die richtigen Lehren daraus gezogen zu haben. Es muss ihnen aufgefallen sein, dass die Franzosen im Mai 1940 ihre Streitkräfte direkt an ihrer Grenze und in Belgien massiert und der deutschen Kriegsmaschinerie damit die Möglichkeit gegeben hatten, sie in einer großen Kesselschlacht zu umfassen. [Auch die britischen Truppen wurden eingekreist, schafften es aber, von Dünkirchen aus zu flüchten.] Die Sowjets hatten ihre Grenze nur mit relativ wenigen Truppen gesichert, und diese Truppen erlitten – wie vorauszusehen war – zu Beginn des Unternehmens Barbarossa auch die größten Verluste, welche die Rote Armee zu beklagen hatte. Auch wenn Historiker wie Richard Overy [16] das nicht so sehen, hielt die Rote Armee den Hauptteil ihrer Truppen im Hinterland zurück, um sie einer Umzingelung zu entziehen. Es war diese "tief gestaffelte Verteidigung", der den deutschen Ehrgeiz, die Rote Armee (im ersten Anlauf) vollständig zu zerstören, zunichte machte. Marschall Schukow schrieb in seinen Lebenserinnerungen: "Die Sowjetunion wäre überrannt worden, wenn wir unsere gesamten Streitkräfte an der Grenze konzentriert hätten."

Bereits Mitte Juli, als Hitlers Krieg im Osten aufhörte, ein Blitzkrieg zu sein, begannen sich hohe deutsche Offiziere große Sorgen zu machen. Admiral Wilhelm Canaris, der Chef der Abwehr, des Geheimdienstes der Wehrmacht, vertraute zum Beispiel am 17. Juli General von Bock, einem Kollegen an der Front an, er "sehe nur noch schwarz". Auch an der Heimatfront begannen viele deutsche Zivilisten zu erkennen, dass der Krieg im Osten nicht gut lief. Victor Klemperer schrieb am 13. Juli in Dresden in sein Tagebuch: "Wir erleiden riesige Verluste, wir haben die Russen unterschätzt … "[18] Um die gleiche Zeit gab Hitler selbst seinen Glauben an einen schnellen und leichten Sieg auf und schraubte seine Erwartungen zurück; er hoffte jetzt nur noch, dass seine Truppen noch vor Oktober die Wolga und etwa einen Monat später die Ölfelder des Kaukasus erreichen könnten. [19] Ende August, zu einem Zeitpunkt, als das Unternehmen Barbarossa eigentlich schon (siegreich) beendet sein sollte, wurde in einem Memorandum des Oberkommandos der Wehrmacht [OKW] festgestellt, dass der Krieg im Jahr 1941 nicht mehr zu gewinnen sei. [20]

Ein Hauptproblem war die Tatsache, dass am 22. Juni – zu Beginn des Unternehmens Barbarossa – nur Kraftstoffe, Reifen und Ersatzteile für etwa zwei Monate zur Verfügung standen. Das war für ausreichend gehalten worden, weil die Deutschen glaubten, die Sowjetunion innerhalb von zwei Monaten in die Knie zwingen und dann über ihre unbegrenzten Vorräte an Industrieprodukten und Rohstoffen verfügen zu können. [21] Ende August waren die deutschen Panzerspitzen aber noch keineswegs bis in die Nähe der weit entfernten Gebiete der Sowjetunion vorgestoßen, in denen Öl, der wertvollste aller kriegswichtigen Rohstoffe, zu holen war. Dass die Panzer, wenn auch immer langsamer wer - dend, in den endlos erscheinenden russischen und ukrainischen Weiten überhaupt noch weiter rollen konnten, war zum Großteil den Kraftstoffen und dem Gummi zu verdanken, das weiterhin über Spanien und das besetzte Frankreich aus den USA importiert werden konnte. Der Anteil an den für die Schmierung von Fahrzeugmotoren besonders wichtigen deutschen Motoröl-Importen, der aus den USA kam, stieg zum Beispiel im Sommer 1941 rapide an, nämlich von 44 Prozent im Juli auf knapp 94 Prozent im September. [22]

Als die deutschen Truppen im September Kiew einnahmen, 650.000 Gefangene machten und Fortschritte beim Vorrücken auf Moskau zu verzeichnen waren, flammte wieder Optimismus auf. Hitler glaubte, oder gab wenigstens vor, zu glauben, die Sowjets seien bald am Ende. In einer öffentlichen Rede im Berliner Sportpalast am 3. Oktober erklärte er, der Ostkrieg sei praktisch zu Ende. Der Wehrmacht wurde befohlen, der Sowjetunion mit dem gegen Moskau gerichteten "Unternehmen Taifun" den Gnadenstoß zu versetzen. Die Aussichten auf einen schnellen Erfolg zerschlugen sich jedoch, weil die Sowjets schnell Reserveeinheiten aus dem Fernen Osten heranzogen. [Sie waren von ihrem Meisterspion Richard Sorge in Tokio darüber informiert worden, dass die Japaner, deren Armee in Nordchina stand, nicht mehr beabsichtigten, die verwundbare sowjetische Grenze bei Wladiwostok anzugreifen.] Die Lage verschlimmerte sich noch, weil die Deutschen im Kampf um Moskau ihre Luftüberlegenheit verloren. Zudem konnte nicht mehr genügend Nachschub an Munition und Verpflegung aus der Etappe an die Front gebracht werden, weil die langen Nachschubwege durch Aktivitäten der Partisanen häufig unterbrochen wurden. [23] Dazu kam die für diese Jahreszeit zu erwartende russische Kälte, auf die das deutsche Oberkommando aber nicht vorbereitet war; weil es davon überzeugt war, den Blitzkrieg im Osten bis zum Ende des Sommers beenden zu können, hatte es versäumt, die Truppen mit der Ausrüstung zu versorgen, die gebraucht wurde, wenn im Regen und Schlamm des russischen Herbstes und im Schnee und in der Kälte des russischen Winters gekämpft werden sollte.

Deutsche Soldaten
mit 17 cm Schnellladekanone L/40 i.R.L.
in der Schlacht an der Marne, Wiki
Die Einnahme Moskaus war nach Meinung Hitlers und seiner Generäle ein äußerst wichtiges Ziel. Irrtümlicherweise glaubten sie, mit der Eroberung Moskaus die Sowjetunion "enthaupten" und ihren Zusammenbruch herbeiführen zu können. Es erschien ihnen auch wichtig, eine Wiederholung des Szenarios vom Sommer 1914 zu vermeiden, als der unaufhaltsam scheinende deutsche Vormarsch durch die Schlacht an der Marne nur 50 km vor Paris gestoppt wurde. Diese aus deutscher Sicht als Desaster empfundene Schlacht hatte Deutschland gleich zu Beginn des "Großen Krieges" (des Ersten Weltkrieges) den sicher geglaubten Sieg geraubt und ihm einen langen Kampf aufgezwungen, den es wegen der Blockade durch die britische Marine und wegen des Mangels an Rohstoffen verlieren musste. In dem neuen Großen Krieg gegen den neuen Erzfeind, die Sowjetunion, durfte es kein neues "Wunder an der Marne", also keine erneute Niederlage vor einer anderen Hauptstadt, geben; Deutschland sollte nicht wieder aus Rohstoffmangel und blockiert in einen langen Konflikt hineingezogen werden, den es nur verlieren konnte. Anders als Paris würde Moskau fallen, die Geschichte würde sich nicht wiederholen, und diesmal würde Deutschland siegreich bleiben. [24] Das hoffte man wenigstens in Hitlers Hauptquartier.

Die Wehrmacht drang, wenn auch sehr langsam, weiter vor, und Mitte November standen einige Einheiten nur 30 Kilometer vor der russischen Hauptstadt. Diese Truppen waren aber total erschöpft und hätten dringend Nachschub gebraucht. Ihre Kommandeure wussten, dass es einfach unmöglich war, Moskau einzunehmen, das so nahe vor ihnen lag. Wenn sie es versucht hätten, wäre kein Sieg möglich gewesen. Am 3. Dezember stellten mehrere Einheiten die Offensive aus eigener Initiative ein. Innerhalb von Tagen wurde jedoch die komplette deutsche Armee vor Moskau in die Defensive gezwungen. Am 5. Dezember um 3 Uhr morgens startete die Rote Armee trotz Kälte und Schnee plötzlich einen großen, gut vorbereiteten Gegenangriff. Die Linien der Wehrmacht wurden in vielen Stellen durchstoßen, und die Deutschen wurden unter schwersten Verlusten an Männern und Ausrüstung zwischen 100 und 280 km zurückgeworfen. Nur unter äußersten Anstrengungen konnten sie eine katastrophale Einkesselung verhindern. Am 8. Dezember befahl Hitler seiner Armee, die Offensive aufzugeben und Verteidigungsstellungen zu beziehen. Für diesen Rückschlag machte er den angeblich unerwartet frühen Wintereinbruch verantwortlich; er weigerte sich, den von seinen Generälen empfohlenen Rückzug anzutreten und wollte im Frühling erneut angreifen. [25]

So endete der Blitzkrieg Hitlers gegen die Sowjetunion, mit dem er sich, wenn er siegreich verlaufen wäre, den größten Wunsch seines Lebens – die Zerschlagung der Sowjetunion – hätte erfüllen können. Aus heutiger Sicht wäre ein Sieg vor allem deshalb wichtig gewesen, weil Nazi-Deutschland dann über genügend Öl und andere Rohstoffe verfügt hätte, um zu einer unverwundbaren Weltmacht zu werden. Dann wäre es Nazi-Deutschland sehr wahrscheinlich auch gelungen, das störrische Großbritannien zu unterwerfen, selbst wenn die USA ihren angelsächsischen Vettern zur Hilfe gekommen wären, was Anfang Dezember 1941 aber noch nicht sicher war. Durch einen Blitzsieg gegen die Sowjetunion sollte eine deutsche Niederlage unmöglich gemacht werden, und das wäre wahrscheinlich auch gelungen. [Wenn es Nazi-Deutschland 1941 geschafft hätte, die Sowjetunion zu besiegen, würde es wahrscheinlich heute noch über Europa und vielleicht sogar auch über den Nahen Osten und Nordafrika herrschen. Wegen seiner Niederlage in der Schlacht vor Moskau im Dezember 1941 konnte Hitler seinen Blitzkrieg aber nicht mit dem erhofften Blitzsieg beenden. Durch die Niederlage in der neuen "Schlacht an der Marne", die westlich von Moskau entschieden wurde, verspielte Nazi-Deutschland nicht nur den Sieg gegen die Sowjetunion, sondern auch Sieg gegen Großbritannien und den Gesamtsieg im Zweiten Weltkrieg.

Mit den Lehren aus dem Ersten Weltkrieg im Kopf, haben Hitler und seine Generäle von Anfang an gewusst, dass sie den neuen Weltkrieg, den sie ausgelöst hatten, nur gewinnen konnten, wenn Deutschland schnell, am besten blitzschnell siegte. Am 5. Dezember 1941 wussten alle in Hitlers Hauptquartier, dass Deutschland, weil ein Blitzsieg gegen die Sowjetunion nicht mehr möglich war, den Krieg früher oder später verlieren musste. Nach Aussage des Generals Alfred Jodl, der damals Operationschef im OKW war, hat auch Hitler sofort begriffen, dass er den Krieg nicht mehr gewinnen konnte. [26] Somit kann also festgestellt werden, dass sich der Gezeitenwechsel im Zweiten Weltkrieg am 5. Dezember 1941 ereignete. Wie sich der wirkliche Gezeitenwechsel (am Meer) nicht plötzlich, sondern allmählich und kaum merklich vollzieht, fand auch der Gezeitenwechsel im Krieg nicht an einem einzigen Tag, sondern im Lauf mehrerer Tage, Wochen, ja sogar Monate statt, nämlich in der Zeitspanne von etwa drei Monaten, die zwischen dem Ende des Sommers und Anfang Dezember 1941 lag.

Die Gezeiten des Krieges wechselten zwar allmählich, aber nicht unbemerkt. Bereits im August 1941, als die Sowjets trotz der deutschen Erfolge nicht kapitulierten und der Vormarsch der Wehrmacht sich beträchtlich verlangsamte, begannen scharfsinnige Beobachter nicht nur an der Möglichkeit eines deutschen Sieges über die Sowjetunion, sondern auch an einem deutschen Gesamtsieg in diesem Krieg zu zweifeln. Der gut informierte Vatikan, zum Beispiel, der anfangs den "Kreuzzug" Hitlers gegen die Sowjetunion, "die Heimat des gottlosen Bolschewismus", begeistert begrüßt hatte und davon überzeugt war, dass die Sowjets schnell zusammenbrechen würden, fing gegen Ende des Sommers 1941 an, sich ernsthaft Sorgen über die Situation im Osten zu machen; bereits Mitte Oktober kam er zu dem Schluss, dass Deutschland den Krieg verlieren werde. [27] Ebenfalls Mitte Oktober berichtete der Geheimdienst der Schweiz, dass "die Deutschen den Krieg nicht mehr gewinnen können"; diese Einschätzung beruhte auf Informationen, die von deutschen Offizieren stammten, die zu Besuch in Schweden weilten. [28] Ende November breitete sich in den höheren Rängen der Wehrmacht und der Nazi-Partei Defätismus aus. Obwohl sie mit ihren Truppen weiter nach Moskau drängten, hätten es einige Generäle vor - gezogen, (der Sowjetunion) ein Friedensangebot zu unterbreiten und den Krieg ohne den großen Sieg zu beenden, der ihnen zu Beginn des Unternehmens Barbarossa so sicher zu sein schien. Gegen Ende November schlug Fritz Todt, der Reichsminister für Bewaffnung und Munition, Hitler vor, nach einem diplomatischen Ausweg aus dem Krieg zu suchen, der seiner Meinung nach sowohl militärisch als auch im Hinblick auf die industriellen Kapazitäten für Deutschland bereits so gut wie verloren war. [29]

Als die Rote Armee am 5. Dezember ihre verheerende Gegenoffensive startete, begriff auch Hitler selbst, dass er den Krieg verlieren würde. Er war aber natürlich nicht bereit, das auch der deutschen Bevölkerung bereits mitzuteilen. Die schlimmen Nachrichten von der Front vor Moskau wurden der Öffentlichkeit als ein vorübergehender Rückschlag präsentiert, der auf den unerwartet frühen Wintereinbruch und/oder die Unfähigkeit oder Feigheit einzelner Kommandeure zurückzuführen sei. [Erst ein gutes Jahr später – im Winter 1942/43 – nach der katastrophalen Niederlage in der Schlacht um Stalingrad, begriffen die deutsche Bevölkerung und die ganze Welt, dass Deutschland geschlagen war; bis heute glauben sogar viele Historiker noch, dass der Gezeitenwechsel (im Zweiten Weltkrieg) in Stalingrad stattfand.] Trotzdem erwies es sich als unmöglich, die katastrophalen Implikationen der Katastrophe vor Moskau völlig geheim zu halten. So berichtete zum Beispiel am 19. Dezember 1941 der deutsche Konsul in Basel seinen Vorgesetzten in Berlin, was der [offen mit den Nazis sympathisierende] Chef einer Kommission des schweizerischen Roten Kreuzes – die an die Front in der Sowjetunion geschickt worden war, um nur den deut - schen Verwundeten zu helfen, obwohl das natürlich gegen die Regeln des Rotem Kreuz verstieß – nach seiner Rückkehr gesagt hatte; am meisten überraschte den Konsul dessen Äußerung, "er glaube nicht mehr, dass Deutschland den Krieg gewinnen könne". [30]

Am 7. Dezember 1941 befand sich Hitler in seinem tief in den Wäldern Ostpreußens ver - borgenen Hauptquartier und hatte die unheilverkündenden Nachrichten über die sowjetische Gegenoffensive vor Moskau noch nicht völlig verdaut, als er erfuhr, dass die Japaner in Pearl Harbor auf der anderen Seite der Welt die US-Amerikaner angegriffen hatten. Daraufhin erklärten die USA nur Japan den Krieg – nicht aber Deutschland, das nichts mit dem Angriff zu tun hatte und noch nicht einmal über die japanischen Pläne informiert worden war. Hitler war keineswegs verpflichtet, seinen japanischen Freunden zur Hilfe zu kommen – wie viele US-Historiker behaupten; trotzdem erklärte er am 11. Dezember 1941 – vier Tage nach dem Angriff auf Pearl Harbor – den USA den Krieg. Diese irrational anmutende Entscheidung muss im Licht der Lage gesehen werden, in der sich die deutsche Wehrmacht in der Sowjetunion befand. Hitler rechnete fest damit, dass diese vollkommen überflüssige Solidaritätsgeste seine fernöstlichen Verbündeten dazu veranlassen würde, nun ihrerseits der Sowjetunion, dem Feind Deutschlands, den Krieg zu erklären, was die Sowjets in die äußerst lebensbedrohliche Situation eines Zwei-Fronten-Krieges gebracht hätte. Hitler scheint geglaubt zu haben, den Albtraum einer Niederlage in der Sowjetunion und im gesamten Krieg noch dadurch vertreiben zu können, dass er Japan als "deus ex machina" an der verwundbaren sibirischen Grenze der Sowjetunion auftauchen ließ. Nach Meinung des deutschen Historikers Hans W. Gatzke war Hitler davon überzeugt, dass "Deutschland nicht mit der Unterstützung Japans gegen die Sowjetunion rechnen könne, wenn es Japan die Hilfe [im Krieg gegen die USA] verweigere". Japan schluckte Hitlers Köder allerdings nicht. Auch Tokio lehnte den sowjetischen Staat ab, aber das Land der aufgehenden Sonne, das sich bereits im Krieg mit den USA befand, konnte sich den Luxus eines Zwei-Fronten-Krieges genau so wenig leisten wie die Sowjets; es investierte seine Mittel in strategische Unternehmungen in Südostasien und hoffte, dort im ölreichen Indonesien größere Beute als durch ein gewagtes Unternehmen im ungastlichen Sibirien zu machen. Erst gegen Ende des Krieges – nach der Kapitulation Nazis-Deutschlands – kam es zu Auseinandersetzungen zwischen der Sowjetunion und Japan. [31]

Hitler selbst war schuld daran, dass zum Lager der Feinde Deutschlands jetzt nicht nur Großbritannien und die Sowjetunion, sondern auch die mächtigen USA gehörten, und deren Truppen waren in absehbarer Zukunft an Deutschlands Grenzen oder mindestens an den Küsten des besetzten Europas zu erwarten. Die US-Truppen sind dann tatsächlich – aber erst 1944 – in Frankreich gelandet; und trotzdem wird dieses zweifellos wichtige Ereignis noch häufig als der eigentliche Wendepunkt des Zweiten Weltkriegs präsentiert. Man muss sich jedoch fragen, ob die US-Amerikaner jemals in der Normandie gelandet oder überhaupt in den Krieg gegen Nazi-Deutschland eingetreten wären, wenn Hitler ihnen nicht am 11. Dezember 1941 den Krieg erklärt hätte; und man sollte sich auch fragen, ob Hitler jemals die verzweifelte, ja sogar selbstmörderische Entscheidung getroffen hätte, den USA den Krieg zu erklären, wenn seine Truppen sich nicht in dieser hoffnungslosen Situation in der Sowjetunion befunden hätten. Das Eingreifen der USA in den Krieg gegen Deutschland, das aus vielen Gründen vor Dezember 1941 noch nicht feststand, war ebenfalls eine Folge der deutschen Niederlage vor Moskau. Auch diese Tatsache stützt die Behauptung, dass der "Gezeitenwechsel" im Herbst und zu Beginn des Winters 1941 in der Sowjetunion stattfand.

Obwohl Nazi-Deutschland geschlagen war, sollte der Krieg noch lange dauern. Hitler ignorierte den Rat seiner Generäle, die darauf drängten, den Krieg auf diplomatischem Weg zu beenden, und entschied sich für die Fortsetzung des Kampfes, in der vagen Hoffnung, doch noch einen Sieg aus dem Hut zaubern zu können. Die russische Gegenoffensive verlor an Schwung, die Wehrmacht überstand den Winter 1941/42, und im Frühling 1942 sammelte Hitler alle verfügbaren Kräfte für eine Offensive unter dem Decknamen "Unternehmen Blau", die über Stalingrad die Ölfelder des Kaukasus erreichen sollte. Hitler gestand sich selbst ein, dass "er diesen Krieg würde beenden müssen, wenn er das Öl von Maikop und Grozny nicht in die Hände bekam". [32] Das Überraschungsmoment war jedoch verloren, und die Sowjets verfügten über riesige Mengen von Männern, Öl und anderen Ressourcen und eine ausgezeichnete Ausrüstung, die größtenteils aus Fabriken kam, die zwischen 1939 und 1941 hinter dem Ural gebaut worden waren. Die Wehrmacht hingegen konnte die riesigen Verluste nicht ersetzen, die sie 1941 erlitten hatte. Zwischen dem 22. Juni 1941 und dem 31. Januar 1942 hatten die Deutschen 6.000 Flugzeuge und mehr als 3.200 Panzer und sonstige Fahrzeuge verloren. 918.000 deutsche Soldaten waren getötet oder verwundet worden oder galten als vermisst; in der Summe waren das 28,7 Prozent der gesamten deutschen Armee, die mit 3,2 Millionen Soldaten (in die Sowjetunion) eingefallen war. [33] [Im Zweiten Weltkrieg verlor Deutschland nicht weniger als 10 Millionen seiner 13,5 Millionen getöteten, verwundeten oder in Gefangenschaft geratenen Soldaten in der Sowjetunion; die Rote Armee hat 90 Prozent aller im Zweiten Weltkrieg gefallenen Deutschen getötet.] [34] Die noch für den Vorstoß auf die Ölfelder des Kaukasus zur Verfügung stehenden Kräfte waren deshalb sehr begrenzt. Unter diesen Umständen ist es bemerkenswert, dass die Deutschen 1942 überhaupt noch so weit kamen. Als ihre Offensive im September dieses Jahres endgültig ins Stocken geriet, waren ihre sich über Hunderte von Kilometern erstreckenden, von schwachen Kräften gehaltenen Linien ein ideales Ziel für einen sowjetischen Angriff. Als dieser Angriff kam, wurde bei Stalingrad eine komplette deutsche Armee vernichtend geschlagen. Nach diesem großen Sieg der Roten Armee war die deutsche Niederlage im Zweiten Weltkrieg für alle ersichtlich. Und doch war die scheinbar weniger bedeutende, relativ unbeachtete deutsche Niederlage vor Moskau gegen Ende des Jahres 1941 die Vorbedingung für den zugegebenermaßen spektakuläreren und deutlicher erkennbaren Sieg der Roten Armee in Stalingrad.

Es gibt noch weitere Gründe, den Dezember 1941 als den eigentlichen Wendepunkt des Krieges anzusehen. Die sowjetische Gegenoffensive (vor Moskau) hatte den Ruf der Unbesiegbarkeit zerstört, in dem sich die Wehrmacht seit ihrem 1939 in Polen errungenen Erfolg sonnen konnte und der sich sehr nachteilig auf alle bisherigen Gegner Deutschlands ausgewirkt hatte. Die Schlacht um Moskau stellte auch sicher, dass der Hauptteil der deutschen Streitkräfte auf unabsehbare Zeit in einer fast 4.000 km langen Frontlinie im Osten gebunden blieb; damit entfiel zum Beispiel auch die Möglichkeit deutscher Operationen gegen Gibraltar, was sich als gewaltige Entlastung für die Briten erwies. Außerdem demoralisierte das Scheitern des deutschen Blitzkrieges (gegen die Sowjetunion) auch deutsche Verbündet wie Finnland und andere. Diese Aufzählung ließe sich noch fortsetzen.

Der Gezeitenwechsel (im Zweiten Weltkrieg) trat also im Dezember 1941 vor Moskau ein, weil dort der Blitzkrieg (gegen die Sowjetunion) fehlschlug und Nazi-Deutschland ein langer Krieg aufgezwungen wurde, den es – das wussten auch Hitler und seine Generäle – wegen fehlender Ressourcen nicht gewinnen konnte.


Jacques R. Pauwels ist der Autor des Buches "Der Mythos vom guten Krieg – Die USA und der Zweite Weltkrieg", das 2006 in deutscher Übersetzung auch beim PapyRossa Verlag in Köln erschienen ist.

Übersetzung Wolfgang Jung, luftpost-kl.de

Anmerkungen unten auf der luftpost-kl.de Seite.

Zum Thema:
Gegenmeinung: Die zweite Front der westlichen Alliierten im Zweiten Weltkrieg: Warum wurden vor siebzig Jahren, am 19. August 1942, bei Dieppe so viele kanadische Soldaten geopfert?.....
Gegenmeinung: Truman log und Hunderttausende starben.....
Gegenmeinung: Warum der Zweite Weltkrieg mit Atompilzen endete.....

Montag, 26. Dezember 2011

Der "glorreiche" Irakkrieg

Mowitz
Es ist möglich, daß in unserem Land nicht alles so geht, wie es gehen sollte.
Aber niemand kann bezweifeln, daß die Propaganda gut ist.
Selbst Hungernde müssen zugeben
Daß der Minister für Ernährung gut redet. Bertolt Brecht
Vorige Woche war der Militärflughafen Andrews Air Force Base in Maryland zusammen mit Barack Obama und dem aus dem Irak abgezogenen General Lloyd Austin, Schauplatz einer Zeremonie, die markiger auch nicht von Hermann, "Wenn auch nur ein feindliches Flugzeug unser Reichsgebiet überfliegt, will ich Meier heißen", Göring hätte veranstaltet werden können. Mit stillschweigender Zustimmung des anwesenden Präsidenten erklärte Austin:
„Was unsere Truppen in fast neun Jahren im Irak erreicht haben, ist wirklich bemerkenswert. Zusammen mit unseren Verbündeten und zahlreichen entschlossenen Zivilisten haben sie einen brutalen Diktator entmachtet und dem irakischen Volk die Freiheit zurückgegeben.
Der Angriff auf den Irak wurde 2003 mit der gigantischen Lüge eröffnet, Saddam Hussein hätte Massenvernichtungswaffen (MVW) und die könnten Pudel Blair in London innerhalb von 45 Minuten erreichen. Im Zuge des Krieges der USA gegen den "Terrorismus" verdächtigten diese den Irak zusätzlich der Gefährdung der internationalen Sicherheit, womit im Klartext die Verfügungsgewalt über die reichhaltigen Ölvorkommen des Iraks und überhaupt die Vorkommen in der gesamten Region gemeint waren. Nicht eine von den angeblichen MVW wurde gefunden, womit ernsthaft auch nie ein Verantwortlicher gerechnet hatte. Wo nichts ist ....

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Nun läuft die Vorkriegskampagne gegen den Iran nach fast exakt dem gleichen Muster ab. Der Iran soll an MVW (Atombomben) arbeiten, obwohl, trotz eifriger Spionagetätigkeit Israels und der USA, keine haltbaren Beweise für diese Behauptungen präsentiert werden konnten. Kriegskampagen laufen immer nach dem gleichen Muster, was sich schon die Nazis zueigen machten. Hören wir mal was der Reichsmeier zum Thema sagte:
"Natürlich, das einfache Volk will keinen Krieg […] Aber schließlich sind es die Führer eines Landes, die die Politik bestimmen, und es ist immer leicht, das Volk zum Mitmachen zu bringen, ob es sich nun um eine Demokratie, eine faschistische Diktatur, um ein Parlament oder eine kommunistische Diktatur handelt. […] Das ist ganz einfach. Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen, und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu behaupten, sie brächten das Land in Gefahr. Diese Methode funktioniert in jedem Land." - Interview mit Gustave Gilbert in seiner Gefängniszelle, 18. April 1946, Nürnberger Tagebuch S.270
Zu was das Verbrechen des Irakkrieg letztendlich führte ist:
• Laut wissenschaftlichen Schätzungen von 2007 wurden mehr als eine Million Iraker durch den Einmarsch und die Besetzung getötet.

• Die Vereinten Nationen schätzten 2008, dass 4,7 Millionen Menschen oder etwa 16 Prozent der Bevölkerung zu Flüchtlingen gemacht wurden.

• Die Infrastruktur des Landes, darunter auch das Stromnetz, wurden zerstört. Laut dem UN-Bericht State of the World’s Cities für die Jahre 2010 und 2011 stieg die Anzahl der Iraker, die in städtischen Slums leben, also keinen Zugang zu grundlegenden Dingen wie Kanalisation und Wasser haben, von 20 Prozent im Jahr 2003 auf 53 Prozent im Jahr 2010.

• Die reale Arbeitslosigkeit liegt bei etwa 50 Prozent, die Inflationsrate bei über 50 Prozent. Ärzte und andere Fachkräfte sind in Massen abgewandert (schätzungsweise 40 Prozent seit Beginn des Krieges). Das Bildungssystem liegt in Scherben.

• Die Säuglings- und Kindersterblichkeit im Irak ist in erschreckendem Ausmaß angestiegen. Laut einem Bericht von 2007 leiden etwa 28 Prozent der Kinder an chronischer Unterernährung. Laut einer irakischen Regierungsbehörde waren im Jahr 2007 35 Prozent aller irakischen Kinder Waisen. Eine ganze Generation ist damit aufgewachsen, dass ihre Eltern getötet oder entführt wurden.

• Während des Krieges wurden mehr als 4.500 US-Soldaten getötet und mehr als 30.000 verwundet. Außerdem wurden zehntausende durch den Einsatz im Irak psychisch schwer traumatisiert.

• Die Kosten für die Kriege im Irak, in Afghanistan und Pakistan belaufen sich auf mehr als vier Billionen Dollar. In dieser Summe sind die direkten Kosten und die langfristigen Auswirkungen auf Gesundheit und Wirtschaftswachstum enthalten. Hunderte Milliarden Dollar wurden an private Söldnerfirmen und Profiteure verteilt. Mindestens sechzehn Milliarden Dollar sind verlorengegangen oder wurden gestohlen.
Und nun kommt die kriegstreibende Klasse der USA auf die "unverdächtige" Idee ein Bundesgericht in New York, unter Hinweis auf 9/11, den Erfindern von Kriegsgründen, ein Hauch von Ernsthaftigkeit zu verleihen. Bedenken sollte man dabei, dass, wenn Gerichtsurteile ganz offensichtlich zum Zweck der Kriegsführung gefällt werden, so etwas nur in Ländern geschehen kann, die ihre Rechtsstaatlichkeit über Bord geworfen haben und sich nunmehr nur der Propaganda verpflichtet fühlen.

FH

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Wem sind Nachrichten-Hasardeure eigentlich verpflichtet?

Mowitz
Nachdem seit etwa einem Jahr eine Verschwörungskampagne der westlichen Kriegstreiber, mit den Vereinigten Staaten und den Altkolonialstaaten Frankreich und Großbritannien an der Spitze, erst gegen Libyen, die mit einem blutigen Krieg der Nato gegen Libyen ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte, gefahren wurde, fährt man nun die Kampagne verstärkt gegen Syrien und wird in Deutschland medial von den üblich Verdächtigen betreut, und zurechtgebogen.

So berichtete die Tagessau gestern morgen:

"Seit Monaten ist über die Lage in Syrien nur zu erfahren, was per Internet oder Handy das Land verlässt: kaum überprüfbare Berichte von Augenzeugen. Jetzt durfte Korrespondent Jörg Armbruster in einer Art geführten Tagestour in dieRebellenhochburg Homs reisen. Demonstranten bekam er dort nicht zu sehen."

Eine erstaunlich offene und für die öffentliche Staatspropaganda ungewöhnliche Abweichung von den monatelangen "Berichten" aus Syrien, die dem geistig eingeschläferten Publikum dieses Qualitätsmediums einhämmerten, dass "freiheitsliebende" Aufständische sich zu Zehntausenden in friedlichen Protesten gegen das diktatorische Assad-Regime wandten, um den Geruch von Freiheit schnuppern zu können, die dieser dann brutal niederschlagen ließ. Das wusste die staatliche Tagessau aus ganz sicheren Quellen - nur zur Erinnerung: "Seit Monaten ist über die Lage in Syrien nur zu erfahren, was per Internet oder Handy das Land verlässt: kaum überprüfbare Berichte von Augenzeugen" Wie, und jetzt hat Armbruster keinen Protestler zu Gesicht bekommen? Das ist die erste und bisher einzige Meldung aus Syrien die das deutsche Staatsfernsehen mit einem eigenen Mann, sitzend in einem Bus vor Ort produzierte und eventuell der Wahrheit entsprechen könnte.

Frühere Berichte wurden demnach nicht einmal vor Ort konstruiert, sondern wie man nun zugab, aus nicht verifizierbaren "Quellen" wie Internet und Handys die das Land verließen. So etwas wird exklusiv für die Tagessau im heimeligen Studio in Hamburg zusammengemauschelt. Präsentiert werden sie als wären es unabhängige Berichte einer über jeden Zweifel erhabenen Journalistengilde, die sich der Wahrheit, und nur ihr allein, verpflichtet fühlt; ihre Quellen kritisch überprüft bevor sie deren völlig ungeprüften Schauermärchen als Tatsachenberichte unters Volk streut. Nun, dieser anscheinend unbeabsichtigte Arbeitsunfall, zeigt die ganze Nacktheit und Leere der offiziellen Lügenkette von "Zivilisten schützen".

Dieses Eingeständnis, dass man eigentlich nichts weiß aber auf der anderen Seite in einem Märchen alles möglich ist, auch dass es so gewesen sein könnte, sollte bei denkfähigen Gebührenzahlern, einen Aufschrei der grenzenlosen Wut darüber auslösen, erkannt zu haben, die ganze Zeit nur auf und für neue Kriegsziele der herrschenden Konzernklasse Israels, der USA und Europas eingestimmt zu werden. Anscheinend macht sich die ARD solche Sorgen nicht, hat man doch seinem Publikum mit allerlei Nonsensprogrammen selbstständiges Denken längst ausgetrieben, warum eine kritische Reaktion der offensichtlich Verarschten nicht zu befürchten ist. Schon einige Stunden später wartete man mit der Überschrift auf: "Syrien erlaubt Beobachter - und lässt Soldaten töten". Die Tagessau versucht sich mit dem dünnen Hinweis auf nicht näher benannte Quellen in Form von "nach Berichten von Menschenrechtlern" den Eindruck zu erwecken, ihrer journalistischen Sorgfaltspflicht nachgekommen zu sein. Nicht überprüfbare "Menschenrechtler" sind mit Sicherheit in den Kreisen zu suchen, die mit „Geld, Waffen, und PR“ die ganze Region destabilisieren, um sie sich untertan zu machen.

Es gibt aber auch noch unabhängige Berichte aus und über Syrien, einer wurde letzten Sommer namentlich  von Hashim Al-Malki sowie der Archeologin Prof. Eva Myrdal verfasst: "Syrien: Eine andere Wirklichkeit" der hier aufgerufen werden kann. Sie berichteten, dass in dem Teil des Landes, durch den sie reisten, nicht eine einzige Demonstration zu sehen war; Straßensperren gab es an den Ein- und Ausfahrten von Damaskus, Palmyra und Deir ez-Zur und die waren wie hiesige Verkehrskontrollen.

Nichts zu bemerken von einem „verschlossenen Land“ wie die schreibende Journalistenzunft uns glauben machen will. Zumindest nicht für Touristen geschlossen. Hat man ein Touristenvisum und zeigt seinen Pass, bekommt man auch seinen Einreisestempel. Aber es ist ja so, dass westliche Konzern-Journaillen gar nicht die Wahrheit interessiert. Ihre Auftraggeber haben schon vorher bestimmt was ihrer "Wahrheit" dienlich ist und und was nicht. Wie und was worüber zu berichten ist.

Pläne für eine Umgestaltung des Nahen und Mittleren Ostens wurden bereits Jahre vor dem Ersten Weltkrieg geschmiedet und als Option nie aus den Augen verloren.
"Die Aufstände und Proteste in der arabischen Welt stellen auch kein »arabisches Erwachen« dar; ein solcher Begriff setzte voraus, dass die Araber die ganze Zeit geschlafen hätten, während um sie herum Diktatur und Ungerechtigkeit herrschten. Im Gegensatz zu dieser landläufigen Auffassung kam es in der arabischen Welt, die zur umfassenderen turko-arabisch-iranischen Welt gehört, immer wieder zu Aufständen, die von den arabischen Diktatoren dann in Absprache mit und mit Unterstützung von Ländern wie den USA, Vereinigte Königreich und Frankreich niedergeschlagen wurden. Die Einmischung dieser Mächte trat immer als Gegengewicht zur Demokratie auf, und dies wird wohl auch so bleiben."
Die bewusste Täuschung und Irreführung der eigenen Bevölkerung, Demokratie zu schreien und Unterdrückung, Krieg und Ausbeutung anderer Völker zu meinen und auch durchzuführen, ist kein Kavaliersdelikt über das man lächelnd hinwegsieht. Es ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und gehört vor ein Internationales Strafgericht (ICC) wie das in Den Haag, nur unabhängiger muss es sein. Pressefreiheit beinhaltet nicht Lügenfreiheit.

FH

Leseempfehlung zum Thema:
Geopolitisches Schachbrett: Teile, erobere und beherrsche den »neuen Nahen und Mittleren Osten«

Dienstag, 20. Dezember 2011

USA bestreiten Mord an Gaddafi

Mowitz
So sind sie, die Erbsenzähler der CIA, des Pentagons, des Weißen Hauses und but not least der Wall Street. Mit der Ermordung Gaddafis haben sie nichts zu tun! Sie waren ja nur in der Luft und im Wasser, aber nicht am Boden. Flugs wurden schon die Kampfeinsätze der Bodentruppen sicherheitshalber bereits am Anfang des Nato-Krieges gegen Libyen verleugnet. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Es wird nicht nur weiter geleugnet, es wird auch weiter geschwiegen und von den Medien nichts berichtet. Strenge Order von ganz oben.  Das liest sich dann im vernebelnden Sprachgebrauch der deutschen Lügenschau so: Hilfe für Rebellen in Libyen - Berater statt Bodentruppen.  In Libyen gehen die Kämpfe weiter, 'lebhaft' von den professionellen Wahrheitsfälschern der Mainstream verschwiegen. Ganz nach dem Motto "es kann nicht sein, was nicht sein darf." Diese Art der Geschichtskittung, so glaubte ich es früher einmal, war nur in der Welt des Winston Smith möglich und dann auch nur in Form eines fiktiven Romans. Im Gegensatz zu Orwells Ozeanien in "1984" und auch im heute noch weit verbreiteten Glauben, wird der Staat eben nicht von einem Despoten und einer oder mehreren Parteien beherrscht, sondern von Konzernen. Konzerne bleiben anonym und sind gesichtslos wie Märkte. Sie beschäftigen mehr oder weniger attraktive Megaphone wie Obama oder Bush, Merkel oder Schröder, kontrollieren aber selbst die wirklich wichtigen Dinge in der Gesellschaft. Wissenschaft, technische Entwicklung, das Erziehungswesen, die Beeinflussung der Bevölkerung durch die Massenmedien. Wichtig um die Erhaltung der eigenen Macht zur Herrschaft über die Menschen, zu behalten.

Aktuelle Recherchen, so schreibt german-foreign-policy.com,
belegen schwere Kriegsverbrechen der NATO in Libyen. Bei den Militärschlägen dort, die Deutschland zwar nicht aktiv unterstützte, aber praktisch tolerierte und die in Berlin als Modell für zukünftige Kriegsoperationen gehandelt werden, seien dutzende Zivilisten zu Tode gekommen, berichtet die US-Presse. Die gegenwärtig nachweisbare Zahl sei dabei mit Gewissheit zu niedrig. Menschenrechtsorganisationen beklagen, der gesamte Libyen-Krieg sei "in eine Atmosphäre der Straflosigkeit gehüllt". Weitere Folgen mit verheerender Wirkung sind heute offen erkennbar. So bekämpfen sich in Libyen zahllose Milizen, die den Nationalen Übergangsrat nicht anerkennen. Islamistische Kräfte gewinnen an Stärke.
Schwere Kriegsverbrechen der NATO sind in Libyen begangen worden. Selbst die New York Times berichtete, sie könne nachweisen, dass bei diversen Angriffen westlicher Luftwaffen libysche Zivilisten ums Leben kamen.
Man müsse schon jetzt von "mindestens 40, vielleicht mehr als 70" Unbeteiligten sprechen, die bei den Bombardements zu Tode gekommen seien, heißt es. Dabei sei diese Zahl wohl noch zu niedrig, weil nur ausgewählte Zielgebiete des NATO-Beschusses überhaupt hätten untersucht werden können.
Bisher hatte die NATO stets behauptet, sie habe beim Beschuss libyscher Ortschaften keine Zivilisten getötet. Kriegsverbrechen die verschwiegen und abgestritten werden, ein Modell des Westens auch bei zukünftigen Kriegseinsätze gegen missliebige Regierungen?

Zum "Schutz" der Zivilbevölkerung sei sie in Libyen eingefallen, nicht als Kriegspartei, war die Megalüge der westlichen Warlords, die propagandistisch von den Konzernmedien bei uns bis auf den heutigen Tag verbreitet wird. Auch das ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das nur so lange ungesühnt bleibt, wie man man auf der vermeintlich stärkeren Seite steht. Und wie die Geschichte es schon unzählige Male gezeigt hat, können sich Machtverhältnisse schnell ändern.

Der britische Verteidigungsminister Philip Hammond relativierte kürzlich ungewollt die Megalüge, indem er offiziell bestätigte, dass England 200 Mrd. Pfund Gewinn mit Wiederaufbauverträgen in Libyen machen werde bei bloß 300 Mill. Pfund Investitionen. Es ist nicht "England" das den Gewinn macht, es sind die Konzerne die diesen gigantischen Profit einfahren und den Krieg von anderen für sich führen ließen. Laut dem amerikanischen Centre for Public Integrity werden die westlichen Länder bis zu 1 Billion US $ Gewinne durch Privatisierung, Nutzbarmachung, Reinigung und Verteilung von Wasser machen in einer Region, wo Wasser oft teurer als Öl ist. Auch hier gilt, die Gewinne, sind die Profite der Konzerne. Die "Engländer" oder die "Amerikaner" selbst, dürfen sich schon jetzt auf die Einstampfung der noch rudimentär vorhandenen sozialen Leistungen an sie einstellen. An deren Stelle wird die Versorgung in Internierungslagern treten.
Die Welt von „1984“, Wiki
"Sie kontrollieren die Botschaften, die Filme und das Fernsehen übermitteln. Und wie in dem Roman "Schöne neue Welt" benutzen sie diese Kommunikationsinstrumente zur Absicherung ihrer Tyrannei. Wie Wolin schreibt, wird durch unser System der Massenbeeinflussung "alles blockiert oder eliminiert, was die Menschen qualifizieren oder auf andere Gedanken und ins Gespräch miteinander bringen könnte, und ebenso alles, was die totale Herrschaft der Konzerne schwächen oder beeinträchtigen könnte".

Das Ergebnis ist ein sehr einseitiges Informationssystem. Bekannte Hofschranzen, die sich als Journalisten, Experten oder Sachverständige verkleiden, nehmen sich unserer Probleme an und erklären uns geduldig, wie sie einzuordnen sind. Alle, die abweichende Meinungen vertreten, werden als irrelevante Außenseiter, Extremisten oder Vertreter der radikalen Linken diffamiert. Weitsichtige Sozialkritiker – von Ralph Nader bis Noam Chomsky – werden einfach totgeschwiegen. Akzeptierte Meinungen bestätigen sich gegenseitig. Unter der Vormundschaft dieser Hofschranzen der Konzerne entsteht – wie schon Huxley vorhersah – eine Welt möglichst unbeschwerter Konformität, geprägt von einem grenzenlosen, am Ende aber fatalen Optimismus. Wir verschwenden unsere Zeit mit dem Kauf von Produkten, die angeblich unser Leben verändern, uns schöner, selbstsicherer oder erfolgreicher machen sollen, während wir gleichzeitig unserer Rechte, unseres Geldes und unserer Einflussmöglichkeiten beraubt werden. Alle Botschaften, die wir über dieses System der Massenbeeinflussung empfangen – sei es durch die Abendnachrichten oder durch Talk-Shows wie "Oprah" – versprechen uns immer ein glänzenderes und glücklicheres Morgen. Das ist, wie Wolin nachweist, "die gleiche Ideologie, die Konzernmanager Gewinne übertreiben und Verluste verheimlichen lässt – und alles mit lachendem Gesicht". Weiter schrieb Wolin: "Wir sind entzückt über dauernde technologische Fortschritte, die uns neue persönliche Fähigkeiten, ewige Jugend, durch Chirurgie zu bewahrende Schönheit und in Sekundenbruchteilen ablaufende Aktionen ermöglichen sollen: Eine Kultur voller Träume über immer neue Kontrollmöglichkeiten, deren Befürworter anfällig für Fantasien sind, weil ihre überwiegende Mehrheit zwar über eine ausgeprägte Vorstellungskraft, aber kaum über wissenschaftliche Kenntnisse verfügt."
FH

Sonntag, 18. Dezember 2011

Konfrontation an den Grenzen Chinas und Russlands: Obama schlägt militärische Pflöcke ein

Autor: Prof. James Petras
INFORMATION CLEARING HOUSE
Trotz schwerer politischer und militärischer Niederlagen in den blutigen Bodenkriegen in Afghanistan und im Irak, trotz der Absetzung langjähriger verbündeter (Diktatoren) im Jemen, in Ägypten und in Tunesien und trotz des Zerfalls der (US-)Marionettenregime in Somalia und im Südsudan, hat das Obama-Regime nichts dazu gelernt: Jetzt provoziert es sogar eine noch viel gefährlichere militärische Konfrontation mit den Großmächten Russland und China. Durch einen provokativ offensiven militärischen Aufmarsch in der Nähe ihrer Grenzen fordert Obama gleichzeitig China und Russland heraus.

Nachdem er sich gegen viel schwächere Gegner eine Niederlage nach der anderen eingehandelt und bei dem Versuch, das US-Imperium durch wirtschaftlich schwächere Länder zu vergrößern, das Haushaltsdefizit der USA in eine bisher unvorstellbare Höhen getrieben hat, betreibt Obama jetzt eine Politik der Einkreisung und Provokation gegen China, die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt und den wichtigsten Gläubiger der USA, und gegen Russland, den wichtigsten Öl- und Gaslieferanten der Europäischen Union und die zweitstärkste Atommacht der Welt.

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der in höchstem Maße irrationalen, die ganze Welt bedrohenden Eskalation des Strebens des Obama-Regimes nach militärischer Vorherrschaft. Wir untersuchen den globalen militärischen, wirtschaftlichen und innenpolitischen Kontext, der diese Politik verursacht. Dann untersuchen wir die vielen Konfliktherde und Interventionen, an denen Washington beteiligt ist – in Pakistan, im Iran, in Libyen, Venezuela, Kuba und anderswo. Wir analysieren die Gründe für die militärische Eskalation gegen Russland und China – als Teil einer neuen Offensive, die über die arabische Welt [Syrien und Libyen] hinausreicht – vor dem Hintergrund der schwindenden Vormachtstellung der EU und der USA in der Weltwirtschaft. Schließlich werden wir die Strategien eines untergehenden Imperiums erläutern, das auf ständige Kriege aufgebaut ist, sich jetzt aber mit einer globalen Wirtschaftskrise, innenpolitischem Ansehensverlust und einer arbeitenden Bevölkerung konfrontiert sieht, der es einen umfassenden Abbau grundlegender Sozialprogramme zumutet.

Nach peripheren Auseinandersetzungen sucht der (US-)Militarismus jetzt die globale militärische Konfrontation


Der November 2011 brachte einen großen historischen Wendepunkt. Obama gab zwei herausragende Entscheidungen bekannt, die beide weitreichende strategische Folgen für den Konkurrenzkampf der Weltmächte haben werden.

Obama kündigte die militärische Einkreisung Chinas durch die Stationierung starker See und Luftstreitkräfte in der Nähe der chinesischen Küste an. Mit dieser Politik will er den Zugriff Chinas auf Rohstoffe erschweren und dessen kommerzielle und finanzielle Verbindungen in Asien zurückdrängen. Obamas Erklärung, Asien genieße Priorität bei der militärischen Expansion der USA, bei der Errichtung neuer Basen und bei der Knüpfung wirtschaftlicher Verbindungen, war eindeutig gegen China gerichtet; damit hat er Peking in dessen eigenen Hinterhof herausgefordert. Mit seiner vor dem australischen Parlament angekündigten Politik der eisernen Faust hat Obama die imperialen Ziele der USA ganz klar definiert.

"Unser andauerndes Interesse an dieser Region [am asiatisch-pazifischen Raum] erfordert auch unsere andauernde Anwesenheit in dieser Region. … Die USA sind eine pazifische Macht, und wir sind hier, um zu bleiben. … Nachdem wir unsere bisherigen Kriege [die Niederlagen und Rückzüge aus dem Irak und aus Afghanistan] jetzt beenden, habe ich mein für die nationale Sicherheit zuständiges Team angewiesen, sich mit höchster Priorität unserer Präsenz und unserer Mission im asiatisch pazifischen Raum zu widmen. .. Die Reduzierung der US-Verteidigungsausgaben … wird nicht zu Lasten dieses Raumes geschehen. [CNN.com, 16.11.2011]

Was Obama mit "unserer Präsenz und Mission" gemeint hat, wurde durch das mit Australien vereinbarte Militärabkommen deutlich, das die Stationierung von Kriegsschiffen, Kampfflugzeugen und 2.500 Marineinfanteristen in Darwin, der nördlichsten Stadt Australiens, vorsieht, die China am nächsten ist. Außenministerin Clinton hat 2011 viel Zeit mit provozierenden Besuchen in asiatischen Staaten verbracht, die sich mit China um Seegebiete streiten. Durch Frau Clinton haben sich die USA in diese Streitigkeiten eingemischt und sie durch Unterstützung der Forderungen Vietnams, der Philippinen und Bruneis zur Aufteilung des Südchinesischen Meeres weiter verschärft. Noch bedrohlicher sind der Ausbau der Handelsbeziehungen und der militärischen Verbindungen Washingtons mit Japan, Taiwan, Singapur und Südkorea und die verstärkte Anwesenheit von US-Kriegsschiffen, Atom-U-Booten und Kampfflugzeugen in und über den Küstengewässern Chinas. Parallel zur Politik der militärischen Einkreisung und Provokation versucht das Obama-Clinton-Regime mit möglichst vielen asiatischen Staaten Handelsabkommen zu vereinbaren, die China ausschließen, dafür aber multinationale US-Konzerne, Bankiers und Exporteure in einer so genannten "Transpazifischen Partnerschaft" privilegieren. Bisher haben sich dieser Partnerschaft vor allem kleinere Länder angeschlossen, Obama hofft aber, auch Japan und Kanada dafür gewinnen zu können. Obamas Teilnahme an der APEC-Konferenz ostasiatischer Staats- und Regierungschefs und sein Besuch in Indonesien im November 2011 waren Versuche, die Vorherrschaft der USA zu sichern. Obama und Frau Clinton hoffen, den Niedergang der US-Wirtschaftsbeziehungen mit den ostasiatischen Staaten aufhalten zu können, weil die Investitionen Chinas in diesen Ländern und deren Handel mit China ständig wachsen.

Das jüngste Beispiel der erfolglosen, aber destruktiven Bemühungen des Obama- Clinton-Regimes, die Wirtschaftsbeziehungen Chinas in Asien bewusst zu zerstören, findet gerade in Birma (Myanmar) statt. Kurz vor dem für Dezember 2011 geplanten Clinton-Besuch in Birma hat das Thein-Sein-Regime die von China Power Investment geplante Finanzierung eines Staudammes im Norden des Landes platzen lassen. Nach offiziellen vertraulichen Dokumenten, die WilkiLeaks veröffentlicht hat, wurde eine birmanische Nichtregierungsorganisation / NGO, die den Widerstand gegen den Damm organisierte, von der US-Regierung finanziert [Financial Times / FT, 02.12.2011, S. 2]. Diese und andere provozierende Aktivitäten und Frau Clintons Reden, in denen sie "die an Bedingungen geknüpfte Hilfe" Chinas verurteilte, werden die langfristigen engen Wirtschaftsbeziehungen Birmas mit China aber nicht dauerhaft stören können. China ist Birmas größter Handelspartner und Kapitalgeber und finanziert sechs weitere Dammprojekte. Chinesische Firmen bauen neue Straßen und Eisenbahnen im ganzen Land, die das süd-westliche China für birmanische Produkte öffnen werden; China baut auch Öl-Pipelines und Häfen. Die gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen entwickeln eine Dynamik, die durch eine einmalige Verstimmung nicht aufzuhalten sein wird [FT, 02.12.2011, S. 2]. Frau Clintons Kritik an Chinas Milliarden-Dollar-Investitionen in Birmas Infrastruktur gehört zu den bizarrsten Einlassungen der Weltgeschichte, nachdem durch die achtjährige Anwesenheit der US-Truppen im Irak – nach einer offiziellen Schätzung aus Bagdad – Infrastruktur im Wert von 500 Milliarden Dollar zerstört wurde. Nur eine Regierung, die unter wahnhaften Störungen leidet, konnte auf die Idee kommen, dass sie mit rhetorischen Ausfällen während eines dreitägigen Besuches und durch das Schmieren einer NGO ein ausreichendes Gegengewicht gegen die engen Wirtschaftsbeziehungen schaffen könnte, die Birma mit China verbinden. Ähnliche wahnhafte Vorstellungen bestimmen das ganze politische Repertoire, mit dem das Obama-Regime versucht, die dominierende Rolle Chinas in Asien zu zerstören.

Jede einzelne gegen China gerichtete Maßnahme des Obama-Regimes ist für sich allein noch keine unmittelbare Bedrohung für den Frieden, aber alle zusammen und vereint mit den militärischen Drohgebärden stellen sie einen gezielten Versuch dar, Chinas Aufstieg zu einer regionalen oder sogar globalen Macht zu verlangsamen und nach Möglichkeit zu verhindern. Mit der militärischen Einkreisung, der Schaffung regionaler Wirtschaftsbündnisse unter Ausschluss Chinas, der Einmischung in regionale Seekonflikte, und der Stationierung von Hightech-Kampfflugzeugen sollen Chinas Wettbewerbsfähigkeit untergraben und die Unterlegenheit der US-Wirtschaft durch geschlossene politische und wirtschaftliche Netzwerke kompensiert werden.

Die militärischen und wirtschaftlichen Winkelzüge des Weißen Haus und die antichinesische Demagogie des (US-)Kongresses sollen vor allem den Handel Chinas schwächen und seine überwiegend an Geschäften interessierte Führung zwingen, die Interessen chinesischer Firmen denen der US-Banken und Konzerne unterzuordnen. Wenn Obama seinen militärischen Konfrontationskurs fortsetzt, könnte das zu einem katastrophalen Bruch in den Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA und China führen. Das hätte schreckliche Folgen, nicht nur für die US-Wirtschaft, sondern vor allem für das Finanzsystem der USA. China besitzt US-Schuldverschreibungen im Wert von 1,5 Billionen Dollar – hauptsächlich in US-Schatzanweisungen – und jedes Jahr kauft es für 200 bis 300 Milliarden Dollar neue Schatzanweisungen dazu; damit ist China der Hauptgeldgeber für die Finanzierung des US-Haushaltsdefizits. Wenn Obama eine ernsthafte Bedrohung der Sicherheit Chinas provoziert und Peking zu einer Reaktion herausfordert, wird es (zunächst) nicht mit militärischen, sondern mit wirtschaftlichen Vergeltungsmaßnahmen reagieren: durch den Verkauf von US-Schatzanweisungen für einige Hundert Milliarden Dollar und mit der Einstellung des Kaufs weiterer US-Schuldverschreibungen. Das US-Defizit wird dann sprunghaft ansteigen, die Kreditwürdigkeit der USA wird bei "Junk" (Schrott) landen, und das Finanzsystem müsste vor einem Zusammenbruch "zittern". Die USA müssten, um neue Geldgeber zu finden, zweistellige Zinssätze akzeptieren. Die chinesischen Exporte in die USA würden zwar sinken, und die US-Schatzanweisungen in chinesischen Händen würden stark an Wert verlieren. China beliefert aber auch noch andere Märkte auf der Welt, und sein riesiger Binnenmarkt würde wahrscheinlich den größten Teil der Waren aufnehmen, die es in den USA nicht mehr absetzen könnte.

Während sich Obama im Pazifik herumtreibt, um eine militärische Drohkulisse gegen China aufzubauen und den wirtschaftliche Einfluss Chinas in Asien zu begrenzen, verliert die US-Wirtschaft ihre bisher dominierende Stellung im "Hinterhof" der USA. Nach Aussage eines Journalisten, "gibt in Lateinamerika jetzt China den Ton an" [FT, 23.11.2011, S. 6]. China hat die USA und die EU, die traditionellen Handelspartner Lateinamerikas, in den Hintergrund gedrängt; Peking hat sie mit neuen Investitionen in Milliardenhöhe zu sehr niedrigen Zinsen einfach ausgebootet. Chinas Handel mit Indien, Indonesien, Japan, Pakistan und Vietnam wächst viel schneller, als der Handel der USA mit diesen Ländern. Die US-Bemühungen, zum Nutzen ihres Imperiums in Asien eine Sicherheitsallianz aufzubauen, stehen in wirtschaftlicher Hinsicht auf sehr schwachen Fundamenten. Sogar Australien, der neue Anker und Dreh- und Angelpunkt für den militärischen Aufmarsch der USA gegen Asien, ist wegen seiner Rohstoff-Exporte vom Großabnehmer China abhängig. Ein militärischer Konflikt mit China würde die australische Wirtschaft sofort ins Schleudern bringen.

Die US-Wirtschaft kann keinesfalls China als Markt für asiatische oder australische Exportprodukte ersetzen. Die asiatischen Länder müssten eigentlich erkennen, dass sie nicht mit zukünftigem Wachstum rechen können, wenn sie sich an ein untergehendes, hoch militarisiertes Imperium ketten. Obama und Frau Clinton machen sich selbst etwas vor, wenn sie glauben, Asien in ein dauerhaftes Bündnis locken zu können. Die Asiaten nehmen die Unterstützung des Obama-Regimes nur aus taktischen Gründen an, weil sie sich davon bessere Verhandlungsergebnisse beim Sichern ihrer Landes- und Seegrenzen erhoffen. Washington irrt, wenn es glaubt, Asien zum Abbruch seiner langfristigen lukrativen Wirtschaftsbeziehungen mit China bewegen und unter Ausschluss Chinas in ein Wirtschaftsbündnis mit zweifelhaften Aussichten einbinden zu können. Wer Asien zu einer derartigen "Umorientierung" von China auf die USA bewegen will, muss mehr aufbieten, als einige gegen China gerichtet Marine- und Luftwaffeneinheiten. Dazu wäre eine völlige Umstrukturierung der Wirtschaft, der Klassenstruktur und der politischen und militärischen Eliten der asiatischen Länder erforderlich. Die wirtschaftlich mächtigsten Unternehmensgruppen in Asien unterhalten enge, noch intensiver werdende Verbindungen zu China und Hongkong, besonders über die dynamischen transnationalen chinesischen Geschäftseliten in dieser Region. Eine Hinwendung zu Washington würde eine große Umwälzung erfordern, bei der (traditionelle) "Händler" durch Unternehmer ersetzt werden müssten. Das wäre nur mit Hilfe einer diktatorischen Elite möglich, die bereit sein müsste, traditionelle Handels- und Investitionsbeziehungen abzubrechen und Millionen von Arbeitern und Fachleuten freizusetzen. Wie sehr sich auch in den USA ausgebildete Offiziere, Wirtschaftsfachleute, ehemalige Wall Street-Finanziers und Milliardäre bemühen mögen, die Macht der chinesischen Wirtschaft durch die Präsenz des US-Militärs zu kontern, sie werden erkennen müssen, dass eine rein asiatische Lösung auch für sie klare Vorteile hat.

Das Zeitalter der käuflichen asiatischen Kapitalisten, die für den privilegierten Zugang zu US-Märkten zum Ausverkauf ihrer nationalen Industrie und der Souveränität (ihrer Länder) bereit waren, ist Geschichte. Trotz der grenzenlosen Begeisterung für den verschwenderischen Konsum und den Lebensstil des Westens, die auch die neuen Reichen Asiens und Chinas gedankenlos kopieren, trotz der wachsenden Ungleichheit und der brutalen kapitalistischen Ausbeutung der Arbeiter, wächst (in Asien) auch die Erkenntnis, dass sich wegen der bisherigen Dominanz der USA und Europas in den asiatischen Ländern keine eigene Bourgeoisie und kein Mittelstand herausbilden und bereichern konnten. Die Reden und Erklärungen Obamas und Frau Clintons sind eine Mischung aus nostalgischen Erinnerungen an eine Vergangenheit mit neokolonialen Aufsehern und käuflichen Kollaborateuren und Allgemeinplätzen. Beide verfügen zwar über so viel politischen Realismus, dass sie Asien endlich als wirtschaftlichen Dreh- und Angelpunkt der gegenwärtigen Weltordnung erkennen, geben sich aber der Illusion hin, mit der Demonstration militärischer Überlegenheit und mit Säbelrasseln China als führende regionale Macht verdrängen zu können.

Obama eskaliert auch die Konfrontation mit Russland

Das Obama-Regime hat auch einen frontalen militärischen Vorstoß auf die Grenzen Russlands gestartet. Erstens rücken die USA mit ihren Raketen immer weiter vor und benutzen Flugplätze in Polen, Rumänien, der Türkei, Spanien, der Tschechischen Republik und Bulgarien: Patriot-Flugabwehrraketen vom Typ PAC-3 in Polen, ein Hightech-Radar AN/TPY-2 in der Türkei und mehrere mit Raketen des Typs SM-3 IA bestückte Kriegsschiffe in Spanien gehören zu den wichtigsten Waffensystemen, mit denen Russland umzingelt wird; diese Raketen könnten in wenigen Minuten das strategische Zentrum Russlands erreichen. Zweitens versucht das Obama Regime in allen ehemaligen Sowjetrepubliken in Zentralasien US-Militärbasen zu errichten oder auszubauen. Drittens hat Washington mit Hilfe der NATO einschneidende wirtschaftliche und militärische Maßnahmen gegen wichtige Handelspartner Russlands in Nordafrika und im Mittleren Osten ergriffen. Durch den NATO-Krieg gegen Libyen, mit dem der Sturz Gaddafis herbeigeführt wurde, gingen milliardenschwere russische Investitionen in die libyschen Öl- und Gasvorkommen verloren, und Russland kann einem ihm vorher freundlich gesinnten Regime, das nun zum Marionettenstaat der NATO geworden ist, auch keine Waffen mehr liefern.

Die von der NATO durchgesetzten UN-Sanktionen und die geheimen terroristischen Aktivitäten der USA und Israels gegen den Iran drohen Russlands lukratives milliardenschweres Geschäft mit Atomreaktoren und die Zusammenarbeit mit dem Iran bei der Ausbeutung der Öl- und Gasvorkommen im Kaspischen Becken zu untergraben. Die NATO-Staaten, einschließlich der Türkei, haben, unterstützt von den monarchistischen Diktaturen am Golf, harte Sanktionen gegen Syrien verhängt und gegen dessen Regierung gerichtete terroristische Aktionen finanziert – gegen die letzte mit Russland verbündete Regierung in dieser Region, die der russischen Flotte mit Tartus deren einzigen Mittelmeer-Hafen zur Verfügung gestellt hat. Russlands Zusammenarbeit mit der NATO, die seine Wirtschaft schwächt und seine Sicherheit bedroht, ist ein Produkt seiner totalen Fehleinschätzung der NATO und besonders der imperialistischen Politik Obamas. Präsident Medwedew und sein Außenminister Sergei Lawrow haben sich – wie Gorbatschow und Jelzin vor ihnen – geirrt, als sie glaubten, die Duldung der gegen russische Handelspartner gerichteten Politik der USA und der anderen NATO-Staaten werde sich für Russland auszahlen, weil die USA den "offensiven Raketenabwehrschirm" (Bushs in Polen und Tschechien) in der Nähe der russischen Grenze zunächst fallen ließen und Russlands Aufnahme in die Welthandelsorganisation unterstützten. Getrieben von seinen liberalen, pro-westlichen Illusionen unterstützte Medwedew sogar die von den USA und Israel geforderten Sanktionen gegen den Iran und machte damit das "Märchen vom iranischen Atomwaffenprogramm" glaubwürdiger. Dann fiel Lawrow auf den NATO-Vorwand von "der Flugverbotszone über Libyen zum Schutz der Zivilbevölkerung" herein und "protestierte" viel zu schwach und viel zu spät, als die NATO ihr Mandat "überzog" und Libyen in die Steinzeit zurückbombte, um ein NATO-Marionettenregime von Schurken und Fundamentalisten installieren zu können. Erst als die USA Russland das Messer an die Kehle setzten, und ankündigten, doch Raketen (in der Ostsee und im Mittelmeer) stationieren zu wollen, die in fünf Minuten Moskau erreichen können, und gleichzeitig die bewaffnete Einmischung in Syrien verstärkten, wachten Medwedew und Lawrow aus ihrem Tiefschlaf auf und widersetzten sich diesmal den Sanktionen, die der UN-Sicherheitsrat gegen Syrien verhängen sollte. Medwedew drohte mit der Kündigung des Start-3-Vertrages, der die Reduzierung offensiver Atomraketen vorsieht, und kündigte die Stationierung von Mittelstreckenraketen (bei Kaliningrad) an, die in fünf Minuten Berlin, Paris und London erreichen können.

Medwedews und Lawrows Politik der Annäherung und Zusammenarbeit, die auf Obamas Gerede von "verbesserten Beziehungen" zurückzuführen ist, lud die USA förmlich zur Realisierung ihrer aggressiven imperialistischen Pläne ein, und jedes Nachgeben (Russlands) führte zu einer weiteren Aggression. Deshalb ist Russland an seiner Westgrenze jetzt von Raketen umzingelt; es hat viele wichtige Handelspartner im (Nahen und) Mittleren Osten verloren und wird auch in Südwest-Asien von US-Militärbasen bedroht.

Nach der nächsten Präsidentschaftswahl wird der gutgläubige Medwedew wieder durch den Realisten Putin ersetzt. Die bevorstehende Rückkehr eines politischen Realisten hat – wie vorauszusehen war – in allen westlichen Medien eine Welle der Anfeindung gegen Putin ausgelöst. Obamas aggressive Aktivitäten, Russland durch die Ablösung verbündeter Regime zu isolieren, konnten Russlands Status als (zweitgrößte) Atommacht aber nicht beeinflussen. Sie haben nur die Spannungen in Europa erhöht, vielleicht jede zukünftige Chance zum friedlichen (beiderseitigen) Abbau von Atomwaffen zunichte gemacht und die Bemühungen erschwert, den UN-Sicherheitsrat zu einem Instrument zur friedlichen Konfliktlösung zu machen. Washington hat Russland, einen entgegenkommenden Partner, zu einem seiner Hauptgegner gemacht.

Wegen der Bedrohung durch den Westen wird Putin alles daransetzen, die Verbindungen zu asiatischen Staaten und besonders zu China zu festigen und auszubauen. Russland mit seiner fortschrittlichen Waffentechnologie und seinen großen Energieressourcen ist im Bündnis mit China, dessen Wirtschaft und Industrie immer noch dynamisch wachsen, den USA und der EU mit ihrer krisengeschüttelten, stagnierenden Wirtschaft mehr als gewachsen.

Obamas militärische Konfrontation mit Russland wird (auch Europa) den Zugang zu russischen Rohstoffen außerordentlich erschweren und jedes langfristige strategische Sicherheitsabkommen mit Russland, das (nicht nur) zur Reduzierung des US-Defizits und zur Wiederbelebung der US-Wirtschaft sehr nützlich wäre, endgültig unmöglich machen.

Zwischen Realismus und Verblendung: Obamas strategische Neuausrichtung

Obama Erkenntnis, dass sich das Zentrum der politischen und wirtschaftlichen Macht unaufhaltsam nach Asien zu bewegen beginnt, ist ein Zeichen dafür, das er kurzzeitig von politischem Realismus erleuchtet wurde. Nach einem verlorenen Jahrzehnt, in dem Hunderte von Milliarden Dollars in militärischen Abenteuer in den Randbezirken und an der Peripherie der Weltpolitik vergeudet wurden, hat Washington endlich begriffen, dass über das Schicksal von Staaten und besonders von Weltmächten nicht dort entschieden wird – außer in einem negativen Sinn durch das Verschleudern von Mitteln für aussichtslose Unternehmen. Obamas neuer Realismus und seine Prioritäten sind jetzt anscheinend auf das südöstliche und das nordöstliche Asien gerichtet, wo sich dynamische Wirtschaften entwickeln, Märkte zweistellige Wachstumsraten erreichen, Kapitalanleger Milliarden in produktive Aktivitäten investieren und der Handel dreimal so schnell wächst wie in den USA und in der EU.

Aber Obamas "neuer Realismus" wurde gleich wieder durch illusionäre Erwartungen getrübt, die jede sinnvolle Bemühung um eine Neuausrichtung der US-Politik unmöglich machen.

Obama will in erster Linie durch Erhöhung der Militärpräsenz in Asien Fuß fassen – und nicht durch Verstärkung und Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der US-Wirtschaft. Was produzieren die USA eigentlich noch, das ihren Marktanteil in den asiatischen Ländern erhöhen könnte? Außer Produktionsstätten für Waffen, Flugzeuge (auch für die Zivilluftfahrt) und landwirtschaftliche Produkte haben die USA kaum noch andere konkurrenzfähige Industriebetriebe. Die USA müssten ihre Wirtschaft völlig umstellen, viele neue Facharbeiter ausbilden und die Milliarden, die jetzt in die Rüstungsindustrie und in die Streitkräfte fließen, in die Entwicklung innovativer ziviler Güter investieren. Obama ist aber so sehr in den militärisch-zionistischen Finanzkomplex verstrickt, dass er nicht zu tiefgreifenden Änderungen bereit ist.

Zweitens sind Obama und Frau Clinton dem Wahn verfallen, die USA könnten China aus seiner führenden Rolle in Asien verdrängen, wobei diese Politik im Widerspruch steht zu den ständig wachsenden riesigen Investitionen aller großen multinationalen US-Konzerne, die in China produzieren lassen und es als Plattform für ihre Exporte nach Asien und in die übrige Welt benutzen.

Die militärische Aufmarsch der USA und ihre "Einschüchterungsversuche" werden China nur dazu bringen, seine Rolle als Hauptgeldgeber bei der Finanzierung des US-Haushaltsdefizits zu überdenken; das kann sich China durchaus leisten, weil der bisher wichtige USMarkt durch Ausweitung seines Warenabsatzes im Inland, in Asien, in Lateinamerika und in Europa immer mehr an Bedeutung verliert.

Was als neuer Realismus erschien, entpuppte sich schnell als die Wahnvorstellung, die USA könnten wieder die beherrschende Macht im Pazifik werden, die sie nach dem Zwei - ten Weltkrieg waren. Die heutige "Rückkehr" der USA in den Pazifik ist belastet durch eine krisengeschüttelte US-Wirtschaft, durch eine sehr rüstungslastige Produktion und durch viele politische Handicaps: Im vergangenen Jahrzehnt mussten die USA nach der Pfeife der "Fünften Kolonne Israels" – der Israel-Lobby in den USA – tanzen. Die komplette politische Klasse der USA ist am Allgemeinwohl und an der Fürsorge des Staates für seine Bürger nicht mehr interessiert. Sie führt Hinterwäldler-Debatten über "lebenslanges Wegsperren" und die "massenhafte Ausweisung von Einwanderern". Noch schlimmer ist, dass (fast) alle US-Politiker auf den Lohnlisten von Konzernen stehen, die in China investieren und in den USA nur verkaufen wollen.

Warum will Obama kostspielige Kriege in der unprofitablen Peripherie beenden und dann die gleichen militärischen Abenteuer im dynamischen Zentrum der Weltwirtschaft fortsetzen? Glauben er und seine Berater denn, er sei der wiedergeborene Admiral Commodore (Flottillenadmiral), der im 19. Jahrhundert mit seinen Kriegsschiffen Asien für den Handel mit dem Westen geöffnet hat? Hält er wirklich Militärbündnisse für die erste Etappe auf dem Weg zu privilegierten Wirtschaftsbeziehungen?

Glaubt das Obama-Regime, China blockieren zu können, wie Washington das auf dem Weg in den Zweiten Weltkrieg mit Japan getan hat? Dazu ist es zu spät. China ist zu wichtig für die Weltwirtschaft und als Finanzier der US-Schulden und außerdem zu eng verflochten mit den fünfhundert multinationalen Konzernen, die im Forbes Magazine aufgelistet sind. Wer China provoziert und davon träumt, es wirtschaftlich isolieren zu können, verfolgt eine Politik, welche die Weltwirtschaft – und damit vor allem die US-Wirtschaft – völlig zerstören würde.

Schlussfolgerungen

Obamas "Schnapsidee", nach den Kriegen in der Islamischen Welt die militärische Konfrontation in Asien zu suchen, hat keinen irgendwie gearteten inneren Wert und verursacht in vieler Hinsicht außergewöhnliche Kosten. Die militärische Erpressung ist mit den verfolgten wirtschaftlichen Zielen völlig unvereinbar; außerdem können sich die USA in ihrem gegenwärtigen Zustand beides nicht leisten. Diese Politik Washingtons kann Russland oder China keinesfalls "schwächen" und auch nicht einschüchtern. Sie wird beide im Gegenteil dazu ermuntern, eine feindlichere Haltung einzunehmen (und sich gegen die USA zu verbünden); außerdem werden sie weitere Kriege Obamas kaum noch unterstützen (oder einfach hinnehmen). Russland hat bereits Kriegsschiffe in seinen syrischen Hafen (Tartus) entsandt und sich geweigert, ein Waffenembargo gegen Syrien und den Iran zu unterstützen; außerdem hat es im Nachhinein den NATO-Krieg gegen Libyen verurteilt. China und Russland sind viel zu eng verknüpft mit der Weltwirtschaft, um durch militärische Vorposten der USA oder durch "exklusive" Wirtschaftsbeziehungen einiger asiatischer Staaten mit den USA allzu große Verluste zu erleiden. Russland kann ebenso viele tödliche Atomraketen auf den Westen richten, wie die USA von ihren Militärbasen in Osteuropa auf Russland abschießen könnten. Obamas militärische Eskalation wird das atomare Gleichgewicht nicht verändern, aber Russland und China einander näher bringen. Die Tage, als Nixon und Kissinger mit ihrer Strategie des "Teilens und Herrschens" durch ein Handelsabkommen mit China russische Waffenlieferungen (an China) stoppen konnten, sind längst vorbei. Washington hat die Bedeutung der gegenwärtigen Streitigkeiten zwischen China und seinen Nachbarn um Anteile an Seegebieten völlig überschätzt. Ihre gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen sind ihnen auf mittlere und lange Sicht viel wichtiger. Chinas Wirtschaftsbeziehungen zu den asiatischen Staaten werden die militärischen Verbindungen, die diese mit den USA eingegangen sind, über kurz oder lang wieder einschlafen lassen.

Seiner "Schnapsidee" verhaftet, beurteilt Obama den Weltmarkt nur aus militärischer Sicht. Seine militärische Arroganz gegenüber Asien hat zu einem Bruch mit Pakistan, dem bisher zuverlässigsten US-Marionettenregime in Südostasien, geführt. Die NATO hat vorsätzlich 24 (pakistanische) Soldaten umgebracht und die Generalität Pakistans verärgert; China und Russland haben den Angriff verurteilt und dadurch an Einfluss gewonnen.

Am Ende werden die militärische Konfrontation und der Versuch, China wirtschaftlich zu isolieren, scheitern. Washington pokert zu hoch und wird seine vor allem an Geschäften interessierten asiatischen Partner wieder verlieren; die erhoffen sich aus der verstärkten US-Militärpräsenz nur taktische Vorteile (im Streit mit China). Sie wollen aber ganz bestimmt keinen neuen "Kalten Krieg", der nur den dynamischen innerasiatischen Handel stören und Investitionen behindern würde. Obama und seine Gefolgsleute werden schnell erfahren, dass die führenden Politiker asiatischer Staaten nicht an dauerhaften Bündnissen (mit den USA) interessiert sind, sondern vor allem langfristige wirtschaftliche Interessen haben. Am Ende wird sich erweisen, dass China beste Aussichten hat, Mittelpunkt einer neuen, auf Asien zentrierten Weltwirtschaft zu werden. Washington kann zwar den Anspruch auf "eine dauerhafte Präsenz im Pazifik" erheben, um sie nutzen zu können, müsste es aber zuerst seine eigene Wirtschaft in Ordnung bringen, indem es vor allem seine Finanzen ordnet und sein Haushaltsdefizit ausgleicht; das könnte auch dadurch geschehen, dass die US-Navy mit ihren Kriegsschiffen gegen entsprechende Bezahlung Handelsschiffe von Exporteuren und asiatischen Kapitänen eskortiert und die transportierten Waren vor Piraten, Guerilla-Kämpfern und Drogenhändlern schützt. Obama sollte wirklich einmal darüber nachdenken, ob er nicht das US-Handelsdefizit mit Asien vermindern könnte, wenn er die Siebte Flotte zum Schutz der Seewege ausleiht, anstatt das Geld der US-Steuerzahler zu vergeuden, weil er meint, erfolgreiche asiatische Wirtschaftsmächte schikanieren zu müssen.

Übersetzung: Wolfgang Jung, luftpost-kl.de


James Petras ist ein emeritierter Professor der Soziologie an der Binghamton Universität, New York. Er ist der Autor von 64 in 29 Sprachen veröffentlichten Büchern. Er engagiert sich schon lange für soziale Gerechtigkeit und hat elf Jahre lang die Bewegung landloser brasilianischer Arbeiter unterstützt. Von 1973-76 war er Mitglied des Bertrand-Russell-Tribunals gegen die Unterdrückung in Lateinamerika. Jetzt schreibt er eine monatlich erscheinende Kolumne für die mexikanische Zeitung Le Jornada, vorher hat er Artikel für die spanische Zeitung El Mundo verfasst. Seinen Bachelor of Arts hat er an der Boston University erworben und seinen Dr. an der University of California in Berkeley gemacht.

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Petras, James
Herr oder Knecht
Über das beispiellose Verhältnis zwischen Israel und den USA
Buch, deutsche Übersetzung: Bahlo, Sebastian / Koch, Ronald

Aus dem Vorwort des Herausgebers:

Die Völker der Welt sind sich inzwischen bewusst, wie grausam und pervers kreativ der US-Imperialismus ist. Er umgibt sich mit dem Mäntelchen der Demokratie. Tatsächlich schändet er nicht nur die Demokratie, sondern auch alle Prinzipien der Menschlichkeit und des friedlichen Zusammenlebens der Völker. In seiner hundertjährigen Geschichte hat er jeden Streit zwischen Sippen, Ethnien, Völkern, Religionen und politischen Systemen zu seinen Gunsten instrumentalisiert. Dank der Tüchtigkeit seiner Diplomaten und der Spendierfreudigkeit für seine „Freunde", konnte der US-Machtapparat bis heute das „große Wunder" schaffen:

1. nahöstliche Statthalter und europäische „Sozialisten",
2. Mörder der Mafia und christliche Puritaner,
3. ehemalige Faschisten und ehemalige Kommunisten,
4. anti-deutsche Intellektuelle, Feinde des alten, aber nicht des neuen Faschismus und
5. alle, die den Medien bedingungslos Glauben schenken

um den Finger zu wickeln.

Petras, James
Weltherrschaft durch Imperialismus: die trügerische Macht der USA


Kurzbeschreibung

Professor James Petras erfreut sich in der lateinamerikanischen Linken großer Wertschätzung. Auf dem Weltsozialforum von Porto Alegre in Brasilien rief er zur Bildung einer weltweiten antiimperialistischen Bewegung auf.

Der US-Soziologe und Berater der Landlosenbewegung MST in Brasilien argumentiert gegen die unter anderem von Antonio Negri verfochtene These von der zunehmenden Ohnmacht der Nationalstaaten gegenüber den Konzernen und bekräftigt die zentrale Rolle des Staates.

Die Welt hat sich von einem bipolaren Zustand weg zu einem entwickelt in der viele Bürger durch große Widersprüche und Veränderungen in ihren Staaten betroffen sind. Dies sind reale Veränderungen, die in Verbindungen mit den materiellen Bedingungen stehen, in denen die verschiedenen internationalen Akteure agieren, wobei deren gegensätzliche und erheblich ungleiche Kräfteverhältnisse eine entscheidende Rolle spielen.

Petras und seine Kollegen liefern eine umfassende Analyse der neuen Entwicklungen. Im aktuellen Szenario sind die USA unzweifelhaft der Hauptdarsteller. Aber es wird deutlich, dass sie wirtschaftlich im Vergleich zu ihren Konkurrenten, insbesondere der EU, an Boden verlieren. Ein neuer europäischer Pol als große Weltmacht entsteht, vergleichbar mit den USA, wenn auch mit vielen Schwierigkeiten und Widersprüchen. Europa ist nicht der einzige potenzielle Kandidat, der ein Mitspieler im globalen Wettbewerb werden könnte. Auch China hat alle subjektiven und objektiven Voraussetzungen, um diese Rolle zu spielen. Russland hat, auch wenn es weder wirtschaftlich noch militärisch ein gleichwertiger Gegner der USA ist, ein nukleares Arsenal, das es von der UdSSR geerbt hat. Deshalb bleibt es weiterhin ein wichtiger Faktor in den internationalen Beziehungen.

Russland kann dank seinem großen Reservoir an natürlichen Ressourcen seine Rolle beibehalten. Das Buch zeigt uns die zukünftigen Optionen der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Kräfteverteilung auf unserem Globus. James Petras ist Professor Emeritus der Soziologie an der Binghamton University in New York. Als linker" Intellektueller unterstützt er praktisch und theoretisch seit Jahrzehnten Befreiungsbewegungen in der ,,Dritten Welt". Er nimmt auch in Palästina eine deutliche Position ein: ,,Betrachten Sie Dschenin und Warschau. In beiden Fallen schaute die Welt dem Gemetzel zu. Wie immer entsetzt, aber kraftlos, etwas zu tun. Heute kann im Gegensatz zu Warschau niemand mehr behaupten, er habe nichts gesehen." Die USA schränken James Petras in seiner Reisefreiheit ein. Sie untersagten ihm unter Androhung des Entzuges seines Reisepasses die Teilnahme an der Buchmesse in Havanna in Kuba 2005.