Mittwoch, 18. Januar 2012

Eine düstere Prognose für die US-Wirtschaft im neuen Jahr

Paul Craig Roberts
Von Paul Craig Roberts
Institute for Political Economy, 06.01.12

Die Verlagerung von Jobs ins Ausland, die Deregulierung der Finanzwirtschaft und zehn Jahre Krieg haben die US-Wirtschaft und die wirtschaftlichen Aussichten für 90 % der USBevölkerung schwer beeinträchtigt. Der wirtschaftliche Niedergang hat sichtbare Auswirkungen auf die Einkommensverteilung, auf die Daten des Bureau of Labor Statistics zur Arbeitslosigkeit, auf die Abwanderungsstatistik, auf die Verarmungsquote und auf die Zahl der Empfänger von Lebensmittelgutscheinen.

Weitere Anzeichen (dieses Niedergangs) sind die (durch Zwangsvollstreckung) enteigneten und vernagelten Häuser und die dadurch verursachte Obdachlosigkeit. Er wird auch belegt durch geschlossene Einkaufszentren, ungenutzte Büro- und Lagergebäude, Leerstände in Shopping Malls und riesige Bevölkerungsverluste in den Industriestädten der USA.

Die New Economy (Neue Wirtschaft) war ein Täuschungsmanöver – wie die "Massenvernichtungswaffen" Saddam Husseins und der "Krieg gegen den Terror". Die US-Amerikaner wurden von ihrer "eigenen" korrupten Regierung, von habgierigen Konzernen und deren Helfershelfern unter den Wirtschaftswissenschaftlern und Experten belogen und betrogen; man täuschte sie mit dem Versprechen, sie könnten ihre gut bezahlten Jobs in der Produktion, bei denen sie sich die Hände schmutzig machen mussten, gegen noch besser bezahlte Hightech-Dienstleistungsjobs eintauschen, bei denen ihre Finger sauber blieben. Für die vernünftig bezahlten, dann aber ins Ausland verlagerten (Vollzeit-)Jobs in der industriellen Produktion und in der Software- und Informationstechnologie wurden ihnen aber nur unterbezahlte (Teilzeit-)Jobs im Gaststättengewerbe und in der Gesundheitsfürsorge angeboten.

Deshalb sank das mittlere Realeinkommen der großen Mehrheit der US-Bevölkerung stark ab. Um die Konsumausgaben trotz sinkender Einkommen hoch zu halten, schuf die US-Notenbank mit extrem niedrigen Zinssätzen die Immobilien- und Kreditblase. Die niedrigen Zinsen trieben (wegen der steigenden Nachfrage) die Hauspreise in die Höhe; die US-Bürger nahmen viel zu hohe Hypothekendarlehen auf ihre (überbewerteten) Häuser auf und reizten ihre Kreditkarten voll aus. Die wachsende Verschuldung ließ die Nachfrage zunächst noch ansteigen und die Wirtschaft florieren.

Bald war aber die Grenze der Verschuldung erreicht, weil diese die Einkommen zu weit überstieg, und die Kreditblase platzte. Ihr Platzen offenbarte auch die Betrügereien der Finanzinstitute, die in der Euphorie (des Schuldenmachens) verborgen geblieben waren. Das löste die Finanzkrise aus.

Weil die US-Regierung von den Finanz- und Rüstungskonzernen und nicht vom US-amerikanischen Volk kontrolliert wird, reagierte sie auf die Finanzkrise, indem sie auch noch die Schulden der Banken auf die US-Steuerzahler abwälzte, damit den Spekulanten durch ihre eigenen Fehler und Verbrechen kein Schaden entstand. Anstatt die für die Krise Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, präsentierte die US-Regierung den US-Bürgern die Rechnung.

Ein wichtiger Posten dieser Rechnung ist die riesige Anzahl neuer Dollars, die gedruckt wurden, um die "Banken, die nicht bankrott gehen dürfen, weil sie zu groß sind", zu retten und um das durch die illegalen Kriege entstandene riesige Haushaltsloch der US-Regierung zu stopfen. Früher oder später wird diese Dollarschwemme die von den US-Bürgern zu bezahlenden Preise in die Höhe schnellen lassen.

Wir werden noch einmal auf die Dollarkrise zurückkommen. Zunächst wollen wir aber noch einen Blick auf die Auswirkungen werfen, die der Rückgang der Produktion und der Abbau von Jobs in der Industrie auf die Wirtschaft und auf die Aussichten der US-Bürger gehabt haben und noch haben werden.

Im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts verlor Detroit in Michigan 25 % seiner Bevölkerung; Gary in Indiana verlor 22 %, Flint in Michigan 18 % und Cleveland in Ohio 17 %. In St. Louis in Missouri stehen 19 % der Wohnungen leer. Diese Bevölkerungsverluste wurden nicht von der Pest, einem Killervirus oder von Atombomben verursacht. Sie sind das Ergebnis der Habgier der Konzernbosse, der Habgier der Wall Street und der Habgier großer Handelskonzerne wie Wal-Markt, wegen der mit Unterstützung "unserer" Regierung Millionen von Arbeitsplätzen in der Produktion, in der Software- und Informationstechnologie, im Maschinenbau, in Forschung, Entwicklung und Konstruktion ins Ausland verlagert wurden.

Durch die Verlagerung der US-Arbeitsplätze sanken die Steuereinnahmen der Städte, Bezirke und Bundesstaaten. Die daraus resultierenden Haushaltsdefizite auf lokaler und staatlicher Ebene wurden genutzt um Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes zu demontieren und die Sozialausgaben einzuschränken. Ständig sprudelnde öffentliche Einnahmequellen wie Wasserversorgungsunternehmen, Parkhäuser und Parkuhren oder gebührenpflichtige Straßen und Brücken wurden an ausländische Unternehmen verkauft, um Kommunen oder Bundesstaaten wenigsten für ein Jahr solvent zu halten.

Im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts gingen in der US-Industrie 5.500.000 Jobs verloren. Die Anzahl der Jobs in der Computer- und Elektroindustrie sank um 40 %, im Maschinenbau um 30 %, im Kraftfahrzeugbau und bei den Zulieferern um 44 % und in der Textilindustrie um 66 %.

Die in der letzten Dekade durch Verlagerung ins Ausland vollzogene Dezimierung der Jobs in der US-Wirtschaft diente nur der Bereicherung der Kapitaleigner; die Manager kassierten vielen Millionen Dollar durch Bonuszahlungen, und die Aktionäre verbuchten satte Gewinne. Einige Hedge-Fonds-Manager steckten jährlich eine Milliarde Dollar ein, und einige Dutzend brachten es immerhin noch auf 500 Millionen Dollar Jahresverdienst. Wozu soll das gut sein? Riesige Summen wurden nicht etwa für ein Jahr produktiver Arbeit bezahlt, sondern für die Zerstörung des Finanzsystems und des Wertes von Pensionen, für die Millionen US-Amerikaner ein Leben lang gearbeitet haben.

Während das geschah, verschwendete "unsere" Regierung im Irak und in Afghanistan mehrere Billionen Dollar für Kriege, die mit Lug und Trug angezettelt worden waren. Die US-Bürger wurden und werden angelogen und getäuscht, damit die Rüstungsindustrie Rekordprofite einstreichen kann und damit die irren neokonservativen Kriegsverbrecher ihr imperialistisches Streben nach Weltherrschaft fortsetzen können. Wir wurden sogar über die Höhe der US-Kriegsverluste belogen. Wie Dennis Loo in seinem 2011 veröffentlichten Buch "Globalization and the Demolition of Society" (Globalisierung und die Zerstörung der Gesellschaft) nachgewiesen hat, kommen zu den 4.801 im Irak-Krieg gefallenen US-Soldaten noch die 50.000 durch Selbstmord umgekommenen aktiven oder bereits ausgeschiedenen Kriegsteilnehmer dazu. Die US-Verluste im Irak-Krieg sind also genau so hoch, wie sie im Vietnam-Krieg waren.

Weil in der Finanzwirtschaft und in der Rüstungsindustrie am meisten verdient wird, weist die Einkommensverteilung nach Angaben der Organization for Economic Cooperation and Development / OECD in den USA die größten Unterschiede von allen entwickelten Staaten auf. Die Central Intelligence Agency – ja, wirklich die CIA – hat festgestellt, dass die Einkommensverteilung in den USA nicht nur ungerechter als in allen anderen Industriestaaten, sondern auch ungerechter als in Bulgarien, Brasilien, Mexiko, Simbabwe, Ruanda und Mozambique ist.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Der wirtschaftliche "Aufschwung", den Washington und die Finanzpresse bejubeln, ist nur Fiktion und existiert in Wirklichkeit überhaupt nicht. Der "Aufschwung" wurde "errechnet" durch Herunterspielen der Inflationsrate, Übertreibung des Wachstums des Bruttoinlandsproduktes / BIP und Vernachlässigung der Langzeitarbeitslosen in der Arbeitslosenstatistik. Eine Wirtschaft, deren Antriebsmotor exportiert wurde, kann nicht gesunden, wenn dieser Motor nicht wieder zurückgeholt, die
Globalisierung also aufgegeben wird.

Zur Übertreibung wird gegriffen, wenn gute Nachrichten erzeugt werden sollen, aber manchmal schlägt sie auch auf die Trickser zurück. Letzten Monat gab die National Association of Realtors (die Nationale Vereinigung der Immobilienmakler) zu, dass sie die Hausverkäufe um 3,5 Millionen zu hoch angegeben hatte. Statistiker John Williams berichtete auf shadowstats.com, der Berechnungsmodus, den das Bureau of Labor Statistics / BLS benutzt, um die Auswirkung von nicht erfassten Geschäftsaufgaben und Neueröffnungen auf die Jobentwicklung zu untersuchen, führe dazu, dass die Anzahl der jährlich angeblich neu geschaffenen Jobs in wirtschaftlichen Krisenzeiten um eine Million zu hoch angesetzt werde. Im Folgejahr müssten die monatlichen Übertreibungen dann wieder stillschweigend nach unten korrigiert werden.

Manchmal werden Daten auch heruntergespielt, um schlechte Nachrichten zu kaschieren. Eine Untertreibung der Inflationsrate ergibt sich, wenn der Consumer Price Index / CPI (der Lebenshaltungskostenindex) nicht mehr – wie vorher üblich – auf einen festen Warenkorb bezogen wird. Während des "progressiven" Clinton-Regimes wurde bei der Berechnung des CPI eine irreführende Änderung vorgenommen. Wenn der Preis einer im Warenkorb befindlichen Ware – zum Beispiel der Preis für ein Filetsteak – steigt, geht nicht mehr der höhere Preis in den Index ein. Stattdessen wird bei der Berechnung des CPI angenommen, dass der Verbraucher das teure Filetsteak jetzt durch ein preiswerteres Steak ersetzt. Der Preisanstieg wird also dadurch verringert, dass seine Berechnung auf Waren geringeren Wertes basiert.

Durch Untertreibung der Inflation hat sich die Regierung den "Wirtschaftsaufschwung" ermogelt, weil sie sich nur auf das nominelle Wachstum des BIP und nicht auf das nach traditionellen Maßstäben inflationsbereinigte reale BIP-Wachstum bezogen hat. John Williams hat nachgewiesen, dass bei der Berechnung des Preisanstieges nach der vor Clinton üblichen Methode im 21. Jahrhundert kein BIP-Wachstum in den USA stattgefunden hat. Mit anderen Worten, im vergangen Jahrzehnt ist das BIP überhaupt nicht gewachsen, und trotzdem versuchen die sich prostituierenden Medien uns einen "Wirtschaftsaufschwung" vorzugaukeln.

Die von der (US-)Regierung vorausgesagte Entwicklung ihres Haushaltsdefizits beruht auf der Annahme, dass eine Erholung der Wirtschaft stattfindet. Da es in Wirklichkeit aber keinen Wirtschaftsaufschwung gibt, sondern der Niedergang der US-Wirtschaft andauert, wird das von der Regierung auf unabsehbare Zeit vorausgesagte Anwachsen ihres Haushaltsdefizits um (jährlich) eine Billion Dollar noch höher ausfallen. Weil die US-Notenbank bei dieser Schuldenentwicklung noch mehr Dollars drucken muss, ist es um die künftige Kaufkraft des Dollars sehr schlecht bestellt.

Durch die zügellose Verschuldungspolitik der US-Regierung, mit der sie ihre Kriege um die Weltherrschaft finanziert, und durch den Autoritätsmissbrauch, den die US-Notenbank dadurch begangen hat, dass sie [nach Erkenntnissen des GAO (eines Kontrollgremiums des US-Kongresses, das ähnliche Aufgaben wie unser Bundesrechnungshof wahrnimmt,)] insgeheim Banken in den USA und in Europa Darlehen in Höhe von insgesamt 16,1 Billionen Dollar gewährte, wur - de eine unvorstellbar große Menge neu gedruckter Dollars in Umlauf gebracht. Außerdem hat die Deregulierung des Finanzsektors dazu geführt, dass die Banken auf realen Werten beruhende Derivate geschaffen haben, deren papierener Wert, die Werte, auf die sie bezogen sind, um ein Vielfaches übersteigt. Das ist eine unhaltbare Situation. Wie wird sie wohl aufgelöst werden?

Das ist eine zweiteilige Frage: Es geht die um Schulden der Banken und um die Schulden der US-Regierung. Beide Schuldenberge werfen große Probleme auf.

Hypothekengestützte Derivate überschreiten den Wert der Häuser (auf die sie bezogen sind); auch Credit Default Swaps (handelbare Kreditausfallversicherungen,) und andere neue Finanzprodukte sind papierene Forderungen, die den Wert der ihnen zugrunde liegenden realen Vermögenswerte weit übersteigen. Schauen wir uns Credit Default Swaps, eine Art handelbarer Versicherungen gegen Kreditrisiken, näher an. Kapitalanleger, oder besser gesagt, Spekulanten, müssen keine griechischen Staatsanleihen oder hypothekengestützte Derivate besitzen, um sich gegen einen Wertverlust solcher Papiere versichern zu können. Deshalb kann zum Beispiel der Gesamtwert der auf Wertverluste griechischer Staatsanleihen abgeschlossenen Versicherungen den Gesamtwert dieser Staatsanleihen weit überschreiten. Auch der Wert von Versicherungen, die für hypothekengestützte Derivate abgeschlossen wurden, kann den Gesamtwert der auf den betreffenden Immobilien liegenden Hypotheken übersteigen.

Finanzinstitute wie die US-Banken, die Versicherungen gegen Wertverluste griechischer Staatsanleihen verkauften, spekulierten darauf, dass Griechenlands Staatsschulden (von anderen Euro-Ländern) abgesichert würden und Griechenland zahlungsfähig bliebe. Die Finanzinstitute betrachteten die Gebühren, die sie für die "Versicherungen" kassierten, als risikolos verdientes Geld (weil sie nicht damit rechneten, die Versicherungssummen jemals ausbezahlen zu müssen). Ich weiß nicht, wie viele Versicherungen auf Wertverluste von Staatsanleihen verkauft wurden, ich habe aber kürzlich in einem Bericht gelesen, dass allein die Bank of America für 2,1 Billionen Dollar Versicherungen gegen Wertverluste von Staatsanleihen verkauft hat. Stellen Sie sich die Krise vor, die der Bank of America droht, wenn diese Versicherungen fällig würden!

Sollten europäische Staaten zahlungsunfähig werden, würde sich dadurch natürlich auch die US-Finanzkrise vertiefen.

Die Kontrolle der US-Notenbank durch das GAO hat ergeben, dass zwischen Dezember 2007 und Juni 2010 insgeheim Kredite von 16,1 Billionen Dollar an andere Banken vergeben wurden. Zum besseren Verständnis sei daran erinnert, dass diese Riesensumme größer ist als das BIP der USA und größer als die (offiziell zugegebene) US-Staatsverschuldung (s. hier). Mit anderen Worten, es musste eine unvorstellbare Menge neuer Dollars gedruckt werden, um den Zusammenbruch des Finanzsystems zu verhindern. Trotz dieser Dollarschwemme, die in das Bankensystem gepumpt wurde, gelten viele Banken immer noch als geschwächt und gefährdet. Die Verunsicherung der Inhaber großer Bankkonten wird auch daran deutlich, dass durch US-Staatsanleihen abgesicherte Fonds immer noch sehr gefragt sind, obwohl ihre Anteilscheine nur sehr niedrig verzinst werden. Viele US-Amerikaner sind sogar bereit, einen negativen Zinssatz in Kauf zu nehmen und ihr Geld da anzulegen, wo sie es in neu gedruckten Scheinen auch wieder ausbezahlt bekommen.

Wenn durch Papiere abgesicherte Ansprüche die Vermögenswerte übersteigen, auf die sie sich beziehen, könnte eine Lösung (des Überbewertungsproblems) darin bestehen, die schlechten Papiere nach und nach abzuschreiben, wenn es neue Profite der betroffenen Banken erlauben. Dann müsste aber vorübergehend die "marktnahe Bewertung" dieser schlechten Papiere ausgesetzt werden, damit die Banken sie bis zur Abschreibung als "gut" verbuchen und solvent bleiben könnten.

Das wäre eine vernünftige Lösung, wenn die Banken wieder mit Gewinnen aus ihrem normalen Geschäft rechnen könnten. Die Verbraucher sind aber so hoch verschuldet, dass sie keine zusätzlichen Kredite mehr aufnehmen können, und die Nachfrage nach Konsumgütern ist so schwach, dass die Gewinnaussichten für Banken eher schlecht sind. Sie haben nur noch nur die von der US-Notenbank geschaffene Möglichkeit des "Carry Trade", die darin besteht, sich von der US-Notenbank Geld zu einem Zinssatz von fast null Prozent zu leihen und für dieses Geld griechische oder italienische Staatsanleihen zu kaufen. Dieses Glücksspiel nennt man auch "Casino Banking".

Weil die Möglichkeit der sukzessiven Abschreibung also nicht besteht, bleibt den Banken nur noch der Bankrott oder die (Dezimierung ihrer Zahlungsverpflichtungen durch) Inflation. Da die US-Notenbank und die US-Regierung weitere Bankinsolvenzen aber ausgeschlossen haben, bleibt nur die Inflation (als Ausweg aus der Finanzkrise) übrig.

Mit Ausnahme relativ weniger inflationsindexierter Anleihen haben Finanzprodukte den angegebenen Nominalwert. Deshalb können Risikokredite durch Inflation reduziert werden, wenn durch (inflationäre) Preissteigerungen der nominelle Wert der realen Güter, für die sie gewährt wurden, und der nominelle Wert von Löhnen und Gehältern in die Höhe getrieben werden (wobei deren Kaufkraft natürlich sinkt). Das scheint der Weg zu sein, den die Politiker einschlagen wollen: Durch die Reduzierung der Kaufkraft des Dollars sollen die nominellen Anlagewerte in die Höhe getrieben werden, damit sie die auf sie ausgestellten Forderungen übersteigen.

Nehmen wir als Beispiel eine Person, die eine Hypothek von 200.000 Dollar auf ein Haus aufgenommen hat, das ihr beim Verkauf (zum jetzigen Zeitpunkt) nur 175.000 Dollar einbrächte. Sie bliebe als auf 25.000 Dollar Schulden sitzen. Wenn der Preis des Hauses durch die Inflation jedoch auf 250.000 Dollar hoch getrieben wird, könnte die Person statt 25.000 Dollar Verlust einen (nominellen) Gewinn von 50.000 Dollar machen. Es scheint ziemlich klar zu sein, dass die US-Regierung, um sich selbst und die Finanzinstitute zu retten, die Kaufkraft des Dollars opfern wird.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Das wird wohl auch als Möglichkeit angesehen, das wachsenden Haushaltsdefizit der US-Regierung zu reduzieren. Im Augenblick profitiert der US-Dollar von der Flucht aus dem Euro, die mit der (absichtlich hochgespielten) Schuldenkrise in Europa ausgelöst wurde. (Dabei ist die Verschuldung einzelner europäischer Länder – unter Berücksichtigung der Wirtschaftskraft Gesamteuropas und gemessen an der riesigen Verschuldung der USA und dem immer noch fortschreitenden Niedergang der US-Wirtschaft – eigentlich kein echtes Problem für die reale Stärke des Euro.) Wie in der Vergangenheit suchen (die von den US-Ratingagenturen vorsätzlich) verunsicherten Anleger immer noch Zuflucht im US-Dollar und in US-Staatsanleihen. Der Hauptunterschied zwischen der Verschuldung Griechenlands und der Verschuldung der USA besteht darin, dass Griechenland keine Euros drucken kann, die USA aber beliebig viele (eigentlich völlig wertlose) US-Dollars drucken lassen. Die Gläubiger der USA können deshalb immer den nominellen Wert der von ihnen gehaltenen US-Staatsanleihen zurückbekommen – wobei die Kaufkraft des Dollars natürlich ständig abnimmt.

Die Flucht in den Dollar wird nicht mehr lange anhalten. Wem will das US-Finanzministerium seine Staatsanleihen verkaufen, wenn die Flucht aus dem Euro in den Dollar zum Erliegen kommt, und wie soll das jährlich eine Billion Dollar betragende US-Haushaltsdefizit dann finanziert werden? Früher oder später wird die US-Notenbank erneut sehr viel Dollars drucken müssen, damit das US-Finanzministerium ihr seine Staatsanleihen für diese neuen Dollars verkaufen kann.

Früher oder später wird auch das neue Geld seinen Weg in die Wirtschaft finden und die Preise noch stärker in die Höhe treiben, bis die Welt wegen des ständigen Ankaufs von US-Staatsanleihen mit (wertlosem) Papier, das Vertrauen in den Dollar ganz verliert. Panikverkäufe von US-Dollars auf den Devisenmärkten werden den Tauschwert des Dollars in den Keller treiben und die Preise für den Import von Energieträgern, Konsumgütern und Nahrungsmitteln explodieren lassen. Das wahrscheinlichste Ergebnis beider Entwicklungen wird eine galoppierenden Inflation sein.

Normalerweise wird die Inflation (wegen der steigenden Nachfrage) durch eine boomende Wirtschaft beschleunigt; wegen der Auslagerung des Motors der US-Wirtschaft boomen zur Zeit aber nur die Preise. Deshalb müssen die US-Bürger neben der sich beschleunigenden Inflation auch noch damit rechnen, dass die Arbeitslosigkeit weiter steigen wird.

Ich kann nicht vorhersagen, wie lange es den US-Politikern noch gelingen wird, den totalen Zusammenbruch der US-Wirtschaft durch Trickserei, Gelddrucken, Währungsmanipulation, Eingriffe in den Gold- und Silbermarkt und plumpe Lügen aufzuhalten. Der Zusammenbruch könnte ganz plötzlich noch in diesem Jahr erfolgen; wir sollten aber die Macht der Manipulation und die Leichtgläubigkeit der US-Bürger nicht unterschätzen, die "ihrer" Regierung immer noch vertrauen und unerschütterlich daran glauben, dass sie von muslimischen Terroristen bedroht werden; sie sind sogar bereit, die Verfassung der USA, die das Ergebnis eines 800-jährigen anglo-amerikanischen Kampfes um Bürgerrechte ist, für ihre "Sicherheit" zu opfern.

Ein Polizeistaat mit einer untergehenden Währung kann aber keine Sicherheit bieten. Die bisher so komfortable Welt der US-Bürger fällt an den Nähten auseinander.

Übersetzung: Wolfgang Jung, luftpost-kl.de


Über Dr. Paul Craig Roberts

Paul Craig Roberts war Staatssekretär für Wirtschaftspolitik im Finanzministerium (unter Reagan) und Mitherausgeber des Wall Street Journals. Er hat Kolumnen für Business Week, den Scripps Howard News Service und das Creators Syndicate verfasst. Er hat an mehreren Universitäten gelehrt. Seine Veröffentlichungen auf verschiedenen Websites haben weltweit Aufsehen erregt. Unter www.paulcraigroberts.org betreibt er jetzt eine eigene Website.

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