Sonntag, 15. Januar 2012

Irans Waffe gegen die Wall Street

Mowitz
Dass die Massenvernichtungswaffen, nach denen die UN-Waffeninspekteure in Saddams Irak so verzweifelt suchten, nie gefunden wurden, hatte wohl etwas damit zu tun, dass die Inspekteure von Anfang an auf die falsche Fährte gesetzt wurden. Während sie nach allerlei chemischen Kampfstoffen, Raketen und Bomben schnorchelten, hatten sie es versäumt sich mit der Wall Street in Verbindung zu setzen, um Näheres über die finanzielle Vernichtungswaffe zu erfahren, die Saddam Hussein gegen die Wall Street in Stellung brachte. Er begann ja, anstatt Dollar für das irakische Öl zu akzeptieren, langsam auf den Euro umzusatteln, was er, wie wir inzwischen alle wissen, mit seinem und dem Leben von einer Million und der Vertreibung von 4,5 Millionen Irakern büßen musste.

Liest man Artikel aus der Zeit kurz vor dem Irak-Überfall ist man erstaunt, wie sich Kriegsargumente im damaligen Vorkriegsszenario und heute gleichen. Wieder wird mit Lügen über Massenvernichtungswaffen gearbeitet, wieder ist der US/israelische Feind ein rohstoffreicher islamischer Staat, der vom selbstherrlichen Weltführungsspieler mit wirtschaftlichen Sanktionen belegt wird, und dem jede gerechtfertigte Maßnahme zur Selbstverteidigung als unbotmäßige Drohung ausgelegt wird.

Gesprochen wurde vor einem Jahrzehnt darüber so wenig, wie heute über den Fakt, dass der Iran und Russland ihre Handelsbeziehungen nicht länger in Dollar abwickeln wollen, sondern in Rial und Rubel. Der iranische Botschafter in Moskau, Seyyed Reza Sajjadi, teilte in einer öffentlichen Stellungnahme mit, der Iran und Russland hätten ihre nationalen Währungen als offizielle Zahlungseinheiten ihres gegenseitigen Handels gemacht, anstatt des Dollars. [1]

Die Entwicklung zu diesem Beschluss zeichnete sich spätestens seit dem Treffen zwischen Russlands Präsident Dmitri Medwedew und Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad, im Juni vorigen Jahres in Astana, am Rande einer Konferenz der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit, (SOZ), ab.

Auch der Handel Irans mit Indien, China und Japan wird in Zukunft ohne den Dollar stattfinden. Ein herber Schlag für die Vereinigten Staaten. Könnte es doch der Anfang vom Ende der finanziellen und wirtschaftlichen Vormachtsstellung von Wall Street/FED/USA, der eigentlichen Herrschaftselite der USA, über den Rest der Welt sein.

Der Iran verfügt über die weltweit drittgrößten fossilen Vorkommen an Öl, Gas und anderen Rohstoffen. Die Frage - wer beherrscht, wer verteilt und vor allem wer verkauft in welcher Währung künftig derartige Ressourcen, die im Iran und anderen Ländern auf der Welt nicht unerschöpflich sind, wird zusehends zum international beherrschenden Thema.
Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Die Öl-Bindung des Dollar geht auf eine Abmachung zwischen Saudi-Arabien und den USA aus den Jahren 1972/73 zurück, der sich die Organisation Erdölexportierender Staaten (OPEC) bald darauf anschloss. Spätestens seit der Einführung des Euro rütteln Förderländer wie Abnehmerstaaten an dieser ehernen Formel. Die wegen des Ölhandels angelegten Dollarreserven können oft nur mit Verlust weitergegeben werden. Seit mit dem Euro und dem weltweit an Stabilität und Stärke gewinnenden chinesischen Yen Alternativen vorhanden sind - zumal die meisten Ölförder-Länder einen intensiveren Handel mit der EU als mit den USA pflegen - wachsen die Begehrlichkeiten, dem Dollar sein Privileg aufzukündigen. Es war Saddam Hussein, der es als Erster wagte, den Schritt vom Öl-Dollar zum Öl-Euro praktisch zu vollziehen. Die Antwort der USA ließ nicht auf sich warten. Gleich nach der Intervention vom März/April 2003 wurden das "Oil for Food"-Programm beendet und die irakischen Euro-Konten wieder auf Dollar umgestellt: Seither wird Öl aus dem Irak wieder allein gegen Dollar verkauft. [2]
Noch steht die EU offiziell fast geschlossen hinter dem Hegemon aus Übersee, aber wie lange noch? Eine der Ratingagenturen, die Torpedos der Wall Street, Standard & Poor's, setzte vor einigen Tagen die Kreditwürdigkeit von gleich neun Staaten in Europa herunter was Ewald Nowotny, Chef der Österreichischen Nationalbank, die späte Erkenntnis entlockte: "Das ist ja eine politische Aktion, wenn in einem Schlag ganz Europa heruntergeratet wird oder zumindest eine negative Perspektive erhält" Der Trugschluss vieler Banker, Geld an sich beinhalte einen Wert, ist nur zu verstehen, wer mit ihnen gesprochen hat:
"Ich habe mit vielen Bankern gesprochen, die waren so doof, die haben das überhaupt nicht erkannt" [4]
Intelligenz ist allerdings nicht die Voraussetzung um überaus erfolgreich Macht anzuhäufen und sie auch auszuüben. Irgendeiner der Rockefellers soll seine Weltanschauung wie ein Mantra unablässig vor sich hingemurmelt haben: "Eine Welt oder keine Welt". Und er meinte keine bessere Welt, sondern eine kapitalistische.

FH

Fußnoten

[1] Iran, Russia Replace Dollar with National Currencies in Trade Exchanges
[2] Vom Öl-Dollar zum Öl-Euro
[3] Max Otte: „Wir befinden uns im Wirtschaftskrieg USA gegen Europa“
[4] Prof. Wilhelm Hankel, Wirtschaftswissenschaftler und Währungsspezialist: "Es sind immer die Innovationen der Banker, die letztlich in der Krise enden".
Harald Lesch, Professor für Theoretische Astrophysik: "Ich halte grosse Teile der internationalen Finanzwelt für verbrecherisch"
Professor Eberhard Hamer, Wirtschafts- und Finanzwissenschaftler: "Ich habe mit vielen Bankern gesprochen, die waren so doof, die haben das überhaupt nicht erkannt"



Angela Merkel, Doktor des Bundeskanzleramtes; Rede vor dem Kongress zur Finanzmarktstabilisierung Juni 2011: "Ich persönlich neige dazu, Ihrer Argumentation zu folgen"



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