Samstag, 7. Januar 2012

Wulff will nicht , Merkel geht, Plagiator Guttenberg kommt

Mowitz
Die deutschen Spaßgesellschaft wird zur Zeit Zeuge einer präsidialen Vorteilsnahmeposse, wie sie herrlicher nicht hätte sein können. Endlich wieder ein Thema bei dem die Laien mitreden können. Schließlich verstehen sie das, was jetzt abläuft. Oder vielleicht nicht? Mit Freunden in Urlaub fahren, tun wir doch alle. Und auf dem Gästesofa eine Nacht oder zwei zu verbringen, was soll denn daran so schlimm sein?

Und dazu ist unsere Demokratie wieder ganz dolle in Ordnung. Auch der erste Grüßonkel der Nation darf die Unabhängigkeit von BILD, BLÖD & Co. nicht ungestraft angreifen. Denn das würde bedeuten, die Meinungsfreiheit der 200 reichsten Familien, die Eigentümer der Milliardärspresse in diesem Land sind, einzuschränken.

Aber da war doch noch was? Finanzkrise? Kapitalismus vor dem Aus? Armutssteigerung in Deutschland? Rente mit 70? Überwachungsstaat? Neue Weltmachtsambitionen? Schwamm drüber, darüber reden wir wenn es zu spät ist.
"Zum Jahresbeginn 2012 warnt ein langjähriger politischer Berater der Washingtoner Diplomatie Berlin vor einer Fortsetzung seiner Krisenpolitik. Der Bundesrepublik sei es in den letzten Jahren gelungen, ihr "inoffizielles Wirtschaftsimperium in Mitteleuropa wiederzubeleben". Damit habe sie eine herausragende Position erreicht. Das deutsche Bemühen jedoch, in der derzeitigen Eurokrise eine "politische Union" und damit die Unterordnung der anderen EU-Staaten zu erzwingen, werde scheitern, urteilt Tony Corn, einst Dozent am Foreign Service Institute der US-Regierung, einer zentralen Ausbildungsstätte des US-Außenministeriums: "Die deutschen Eliten" liefen Gefahr, ihre exzellente "Stellung zu verlieren", indem sie versuchten, "aus den siebenundzwanzig Mitgliedern der Europäischen Union ein modernes Gegenstück zu den siebenundzwanzig Bundesstaaten des Deutschen Kaiserreichs zu machen". Dies werde im Ausland durchaus als Versuch verstanden, einen "sanfteren, freundlicheren 'Anschluss'" zu erzwingen - und es werde entsprechend auf Widerstand stoßen. Die "politische Führung Deutschlands" zeige zur Zeit "denselben Mangel an Staatskunst wie am Vorabend des Ersten Weltkriegs".

Ein Element mit zentraler Bedeutung insbesondere auch für die aktuelle Eurokrise sieht Tony Corn im deutschen Streben nach einer globalen Führungsrolle. Berlin halte sich für das Kraftzentrum des europäischen Kontinents inklusive dessen östlicher Verlängerung nach Sibirien und Zentralasien ("Eurasien") und meine fähig zu sein, mit den Weltmächten USA im Westen und China im Osten zu konkurrieren." [1]
Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Wichtig ist nur das Unwichtige! Das was wir bei BILD, BLÖD & Co. lesen. Richtig ist auch, Wulff ist nur ein kleiner Bourgeois, der Vorstandsvorsitzende vom Mutterkonzern der BILD, BLÖD & Co., Matthias Döpfner, dagegen ein ganz großer Bourgeois. Den Wulff ließ er mit seiner aufdringlichen Bitte, die Veröffentlichung doch zu verschieben, "eiskalt" abblitzen, wie irgendein Klamaukkommentator aus dem Hause Springer oder von den Öffentlich-rechtlichen Medien verlautbarte. Immerhin, der Döpfner fiel vor geraumer Zeit schon dadurch unangenehm auf, dass er den 11. September als das Menetekel eines Heiligen Kriegs gegen unsere westlich-freiheitliche Lebensform ausrief:
"Entweder wir haben die Symbolik des gefallenen World Trade Centers verstanden und nehmen den Kampf an. Oder wir sind verloren".[2]
Grüßgottonkel Wulff, sagte immerhin in einer, wenn auch wie üblich schläfrigen Rede, "der Islam gehört zu Deutschland", was sich wohltuend von dem abhob, was Sarrazin, Springer & Gesox versuchen der Nation beizubringen.

Deutsche Konzernmedien regen sich nicht wegen des vorteilnehmenden Verhaltens Wulffs so auf, dass steht für mich völlig außer Frage. Da zeugte die ehrenrührige Plagiatbetrügerei des Freiherrn von bedeutend größerer krimineller Energie, über die schnell der mediale Mantel des Vergessens gezogen wurde um den Plagiator jetzt in den Vordergrund rücken zu können.

Der ist ja wieder ganz groß im Gespräch bei der CSU, Seehofer, sowie den übrigen Bajuwaren. Geeignet für die ganz großen Aufgaben sei er, wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen in Berlin und München zu hören ist. Nun ja, Erfahrungen von Afghanistan hat er. Zwar keine glorreichen, aber zu Überraschungsbesuchen mit Frau Stephanie reichte es für den CIA-Favoriten für das Amt des deutschen Bundeskanzlers. Die Frage stellt sich: Cui bono? Wem zum Vorteil? Will die veröffentlichte Meinung Merkel in die Wüste schicken wenn sie Wulff schlägt und Muttchen meint? Die Annahme ist so töricht nicht. Eine angemessene Schamfrist musste der Plagiator nicht absitzen. Trotz Villenkauf in Millionenhöhe in den Vereinigten Staaten. An fehlenden Bequemlichkeiten und geringem Luxus kann es also nicht gelegen haben. Niemand in Deutschland wird Bundeskanzler ohne Hilfe und mit Genehmigung von BILD, BLÖD & CO. Und die wiederum haben ganz enge transatlantische Verbindungen.

Guttenberg, ein Meisterplagiator der viel, sehr viel von Selbstinszenierung versteht, die unerlässlich für den Erfolg in unserer Medienkratur steht, wurde als Leistungspolitiker vor seinem Abgang von "Qualitätspresse" gelobhudelt. Dabei war er als Politikdarsteller nur für die Show zuständig und die besteht darin, den Eindruck zu erwecken, so zu tun als leiste man etwas, was nicht geleistet wird.

FH

Nachtwandler: Nützt die Gelegenheit, um den Unsinn mit Nordkorea zu beenden!

Fußnoten

[1] german-foreign-policy: Wie Preußen im Reich
[2] Der Westen und das höhnische Lachen der Islamisten

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