Dienstag, 7. Februar 2012

Deutschland und Frankreich fordern bedingungslose Kapitulation Griechenlands

Mowitz
Guido, die Freiheitsstatue Westerwelle, hat den Zeitpunkt der Wahrheit besser gewählt als der ehemalige BP Horst Köhler. Der nahm ja seinen Hut, nach langanhaltendem Mobbing durch Politik, Medien und Wirtschaft, weil ihm bei einem Besuch auf dem Truppenübungsplatz Afghanistan, die Frage an herbeigekarrte deutsche Soldaten rausrutschte: "Warum höre ich nie von Ihnen, dass der Krieg in Afghanistan zu gewinnen ist," um dann in einem Interview im Deutschlandfunk noch etwas genauer nachzulegen: "Ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel Arbeitsplätze und Einkommen." Die Sau war raus. Köhler hatte sich um den deutschen Politik-Sprachgebrauch verdient gemacht, trat dann nach einiger Zeit fluchtartig einen ungeordneten Rückzug an und die Lücke füllte der inzwischen immer noch besonders ehrenwerte Christian Wulff.

Das sollte Westerwelle nicht passieren. Nachdem er seine Partei und sich selbst bis in den politischen Scheintod manöverierte, sowie die Kriegsbrüder der Nato mit seiner und Merkels Enthaltung zum Libyenkrieg im Sicherheitsrat, ernsthaft vergraulte, plädiert er nun relativ unverhüllt für Militäreinsätze zur Sicherung der Rohstoffversorgung Deutschlands. Dass das die Politik der Bundesrepublik schon seit Jahren ist, wusste das deutsche Volk, im Gegensatz zu seinen Politikern und Politruk- und Konzernmedien, seit langem. Es weiß es spätestens seit dem ersten Tag des Afghanistan-Krieges und weite Teile wussten es schon bereits seit Beginn des Jugoslawien-Überfalls. Die Erkenntnis und der Abstand zwischen Machteliten und Volk zeigte sich auch in der Ablehnung der Kriege, die im Namen von "Menschlichkeit" und "Freiheit" geführt wurden und werden. Der Souverän lehnt sie mit 69 Prozent ab. Aber wen oder was kümmert schon den Souverän? Nie war der Abstand zwischen Regierern und Regierten größer.

US-Kriegsminister Leon Panetta rechnet derweil wie selbstverständlich bereits im Frühling mit einem Angriff Israels auf iranische Atomanlagen und sieht darin wohl den Wunsch der Wall-Street den Dollar als Weltleitwährung zu retten und das Projekt Israel als Kolonialmacht im neuen Nahen und Mittleren Osten fest zu etablieren. Der israelische Historiker Ilan Pappé, zitierte neulich in einem Vortrag in Berlin zu dem Thema "The Secular Dimensions of the Zionist Project in Palestine: A Historical Review" ("Die säkularen Dimensionen des zionistischen Projekts in Palästina: ein historischer Rückblick") den aufschlussreichen Satz eines Unbekannten: Die meisten Zionisten glauben nicht, daß Gott existiert, aber sie glauben, daß er ihnen Palästina versprochen hat. Aufschlussreich insofern, weil er mit wenigen Worten in seltener Klarheit zeigt, wie Religion als Herrschaftsinstrument funktioniert und missbraucht wird.

Mahdi Darius Nazemroaya, ein Soziologe und Schriftsteller aus Ottawa (Kanada), der sich auf den Nahen Osten und Zentralasien spezialisiert hat und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Centre for Research on Globalization ist, sagt zu Israels Rolle im Nahen- und Mittleren Osten:
Der Yinon-Plan ist ein israelischer Strategieplan, der die regionale israelische Überlegenheit zementieren soll und insofern eine Fortsetzung der britischen strategischen Zielplanung darstellt. Er drängt darauf, dass Israel seine geopolitische Umgebung über eine Balkanisierung des Nahen und Mittleren Ostens und der arabischen Staaten in kleinere und schwächere staatliche Gebilde umgestalten müsse.

Israelische Strategieexperten sahen den Irak als die größte strategische Herausforderung seitens der arabischen Staaten an. Aus diesem Grunde stand der Irak im Zentrum der Balkanisierung des Nahen und Mittleren Ostens und der arabischen Welt. Auf der Grundlage der Konzepte des Yinon-Plans haben israelische Strategen die Aufteilung des Irak in einen kurdischen Staat und zwei arabische – einen schiitischen und einen sunnitischen – Staaten gefordert. Den ersten Schritt zur Umsetzung dieser Pläne bildete der Krieg zwischen dem Irak und dem Iran, der schon im Yinon-Plan [dieses 1982 veröffentlichte Strategiepapier wurde nach seinem Verfasser Oded Yinon, einem hochrangigen Mitarbeiter des israelischen Außenministeriums, benannt] erörtert worden war.
Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Der Kapitalismus war immer schon eine Kriegsideologie des ewigen Wachstums die mit Hilfe des militärisch-industriellen Komplex, der mit seiner Regelbrutalität es verstanden hat, die Menschen glauben zu machen, Staatsschulden müssten zurückgezahlt werden, wenn nicht, übernehmen private Geldgeber, die in der Mehrheit ihr Geld dem vom Staat veliehenen Privileg verdanken selbst Geld per Kredit aus dem Nichts "schöpfen" zu dürfen und dieses Nichts auch an den Staat wieder gegen hohe Zinsen wieder auszuleihen und im Falle einer "Nichtbedienung" der Schulden, die untersten Schichten der Bevölkerung für die Verbrechen der obersten Schicht in Haftung zu nehmen. Ganz wichtig bei diesem Prozess ist, die "Eigentumsicherung" der Geldschöpfung. So verwandeln die schlimmsten Kapitalverbrecher ihren Besitz und Eigentum aus wertlosen Schuldverschreibungen und selbstgeschöpften Geld in reale Werte. Reiche Griechen haben ihre Millionen u.a. nach Deutschland, am griechischen Fiskus vorbei, in Sicherheit gebracht. Zurück bleiben die Betrogenen und werden lautstark von Merkel und Sarkozy zur bedingungslosen Kapitulation aufgefordert. Noch vor einem Jahr durfte das Wort Krieg im Zusammenhang mit Afghanistan nicht ausgesprochen werden, heute wird keine "Schlacht" ums Geld ausgelassen, um sie nicht mit militärischer Rhetorik noch zu verschärfen.

Da ist doch, auch wenn es mir schwerfällt, der frühere BDI-Chef Hans-Olaf Henkel ausnahmsweise mal zu loben. Der schreibt: „Die zunehmend undemokratische Krisenbewältigung, das ständige Hineinreden deutscher Politiker in die Angelegenheiten anderer Länder, die Einschränkung des Budgetrechts der Länderparlamente durch demokratisch nicht legitimierte zentralistische Aufsichtsorgane führen zu einer gefährlichen Aushöhlung der Demokratie“. Nur, das hat Henkel noch nicht verstanden, und wird so zum Opfer seiner eigenen Rhetorik. "Demokratisch" war das kapitalistische System noch nie. Die Finanzdiktatur ist die Herrschaft von 1 Prozent der Bevölkerung über die "restlichen" 99 Prozent. Wie im kapitalistischen Aktienrecht. Dort haben auch die Reichsten mit den meisten Aktien das ultimative Stimmrecht auf den Hauptversammlungen.

FH

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