Samstag, 11. Februar 2012

Verheißungen des Kapitalismus kommen langsam beim Mittelstand an

Mowitz
Was vor einigen Jahren nur den ärmsten der armen Drittweltstaaten vorbehalten war, nämlich brutale Sparauflagen von Weltbank und Internationalen Währungsfond zu erfüllen, um im Gegegenzug dafür neue Kredite zu hohen und höchsten Zinsen zu erhalten, welche die Armut in diesen Ländern auf alle Ewigkeit zementierte, wird nun auch im wohlhabenderen Teil der Welt, in Europa und den USA, zur Normalität.

Die "Nochverschonten" und Mitverursacher des langsamen Erosionsprozesses eines sich zum totalen Finanzcrash entwickelnden Geld- und Wirtschaftssystems, nutzen zur Zeit alle Möglichkeiten die sich ihnen bieten, wie die Geldaristokratie Griechenlands, um ihre Guthaben, am Fiskus vorbei, in Sicherheit zu bringen. Man kauft beispielsweise damit im Ausland Luxuswohnungen. Eine Überlebensstrategie, während man derweil auf bessere Zeiten hofft. Oder wie der Kölner in Zeiten des Karnevals gerne sagt: "Et kütt wie et kütt, et hätt noch immer jot jejange." Angst vor grenzüberschreitenden Steuerbeamten müssen die Steuerflüchtigen nicht haben, denn der Kapitalismus schont den Privatbesitz. Nur muss er die bemerkenswerte Größe von zig Millionen oder gar Milliarden erreicht haben um den absoluten Schutz einer zweifelhaften Gesetzgegbung zu genießen. Das walte eine kapitalgedeckte Europäische Union.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
In Europa sind die arbeitenden Griechen die bekanntesten Opfer der Kapitalismuskrise und die noch im Land verbliebenen alten und neuen Unterschichten, führen einen desperaten Kampf ums nackte Überleben. Griechenland ist nur der Anfang, auch Deutschland wird folgen. Mit oder ohne Milliardenbürgschaften für das internationale Kapital. Denn worüber sich der deutsche Michel in Foren und Kommentaren im Netz und verlogenen Konzernmedien beschwert, ist, dass "wir" für andere Länder nicht zahlen wollen. Donnerlittchen auch! Sie merken gar nicht, dass "andere" Staaten, Deutschland inklusive, schon längst vom Kapital übernommen worden sind, und anstatt den Ausbeuter vor der eigenen Haustür zum Teufel zu jagen, versucht man, mit Tunnelblick, niedriges Rentenalter in Griechenland als Ursache der Kapitalismuskrise dort auszumachen. Obwohl heute öffentlich kaum noch von der Krise des Kapitalismus als System geredet wird, sondern das mit barmherziger Selbsttäuschung nur noch als "Schuldenkrise" mit "alternativlosem Sparzwang" wahrnimmt. Oder wie eine völlig überforderte Angela Merkel, vor einem Handlangerkongress des Großkapitals und der Finanzindustrie entzückt vom Rednerpult flötet: "Ich persönlich neige dazu, Ihrer Argumentation zu folgen" (Link folgen und Video am Ende der Seite starten. Es beginnt mit Merkel.)

So funktionieren Machteliten unter sich. Sie leiden nie an Erklärungsnotständen, sind vor kritischen Nachfragen abgesichert und jagen im Zweifelsfall belanglose Säue durch die Dörfer. Im Augenblick die unendliche Geschichte eines immer noch und besonders ehrenwerten Bundespräsidenten Wulff. Von solchen Figuren wimmelt es in Politik und Gesellschaft, aber Konzernmedien müssen dem deutschen Michel hin und wieder mal zeigen welch unerschrockene Wächter der Demokratie sie doch sind und ohne Ansehen der Person recherchieren.

Nur eins tun sie dennoch nicht: Das Kind beim Namen zu nennen. Sie schämen sich schon ein wenig. Darum ist auch die offizielle Sprachregelung, Kapitalismus permanent als Demokratie zu bezeichnen bindend für jeden der in der Karriere steckt und auch weiterhin die Sprossen nach oben erklimmen will. Nur bei besonderen Anlässen darf schon mal die ebenso verlogene Bezeichnung "Soziale Marktwirtschaft" verwendet werden, wobei "sozial" in unserem System nur eine andere Bezeichnung für neoliberal oder frei herumlaufendes Raubtier ist.

Wie schnell sogar eine rudimentäre Demokratie ohne jedes Brimborium über Bord geworfen wird, ist bereits daran zu erkennen, wie schnell man gewählte Regierungen gegen ernannte austauscht. Und was für Typen zum Zuge kamen:
Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
"Italiens neuer Ministerpräsident, der bestellt wurde und nicht gewählt, war Mitglied des Goldman Sachs Board of International Advisers (internationales Beratergremium). Mario Monti wurde in die Europäische Kommission bestellt, eine der regierenden Organisationen der EU. Monti ist europäischer Vorsitzender der Trilateral Commission, einer Organisation der Vereinigten Staaten von Amerika, die die amerikanische Herrschaft über die Welt betreibt. Monti ist Mitglied der Bilderberg-Gruppe und Gründungsmitglied der Spinelli-Gruppe, einer Organisation, die im September 2010 geschaffen wurde, um die Integration innerhalb der EU zu erleichtern.

Gerade so, wie ein nicht gewählter Banker zum Ministerpräsidenten Italiens bestellt wurde, wurde auch ein nicht gewählter Banker zum Ministerpräsidenten Griechenlands bestellt. Offenkundig sind sie dafür vorgesehen, eine Banker-Lösung für die Staatsschuldenkrise herbeizuführen.

Der neu bestellte griechische Ministerpräsident Lucas Papademos war Gouverneur der Bank von Griechenland. Er war Vizepräsident der Europäischen Zentralbank. Auch er ist Mitglied von Amerikas Trilateral Commission.

Jaques Delors, ein Gründer der Europäischen Union, versprach dem britischen Gewerkschaftskongress 1988, dass die Europäische Kommission von den Regierungen verlangen werde, eine arbeiterfreundliche Gesetzgebung einzuführen. Stattdessen finden wir die von Bankern kontrollierte Europäische Kommission, welche fordert, dass die europäischen Werktätigen die privaten Banken freikaufen, indem sie niedrigere Löhne, weniger Sozialleistungen und die Erhöhung des Pensionsalters akzeptieren." [1]

Wie alles andere ist auch die Europäische Union nur ein weiteres System, um den Reichtum in wenigen Händen zu konzentrieren auf Kosten der europäischen Bürger, die wie die Amerikaner dazu bestimmt sind, die Sklaven des 21. Jahrhunderts zu sein.

FH

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Fußnoten
[1]Goldman Sachs hat übernommen
Griechenland: Der Mittelstand stirbt aus

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