Montag, 12. März 2012

Entmenschlichung

Mowitz
Der sogenannte Krieg gegen den Terror wurde von seinen Erfindern von Beginn an hochtechnologisch geführt. Wolkenkratzer stürzten fein säuberlich, wie bei einer kontrollierten Sprengung, in sich zusammen und die Front des Terrors zieht sich durch komfortable Gefechtsstände, fernab des eigentlichen Kriegsschauplatzes. In der Creech Air Force Base in Nevada sitzen moderne Terroristen, ohne Bart und ohne Burka, steuern Killer-Drohnen über vermeintliche Terroristen und Zivilisten gleichermaßen. Wie bei einem Computer-Spiel, Play Station inklusive. Räumlich und emotional weit entfernt vom Tatort der täglichen Verbrechen die sie auf Befehl ihrer Machteliten verüben. "Wir haben nur Befehle ausgeführt, waren gehorsam, (hörig, willig, folgsam, lenkbar, untertänig, nachgiebig, zahm, gefügig), kurzum wir haben unsere Pflicht getan." Keine Fragen zu stellen, so wie es Adolf Otto Eichmann der bekannteste Schreibtischtäter des dutzendjährigen Reiches und Organisator unendlicher Massenmorde, es auch nicht tat. Solche Leute sind heute wieder gefragt. Die Renaissance westlicher Werte bei dem Versuch des Imperiums und seiner Vasallen die Welt wieder aufs Neue zu ko­lo­ni­a­li­sie­ren.

Um fünf ist Feierabend, kein Blut an den Händen das vor dem Heimgang abgewaschen werden müsste. Der Computer erledigt das Morden sauber, ohne das man sich schmutzig macht oder mit Blut besudelt. Mit den Kindern abends noch den Tag mit einem Massaker-Video ausklingen lassen und schon ist man auf den folgenden Tag wieder fröhlich eingestimmt.

Und nun das. Ein US-amerikanischer Soldat, der nicht im heimeligen Gefechtsstand seine blutige Arbeit verrichtete, sondern mit dem Gewehr in der Hand. In den frühen Morgenstunden erschoss er wahllos schlafende Kinder, Frauen und Männer in Afghanistan. Eltern verloren ihre Kinder, Frauen ihre Männer und Männer ihre Frauen, Kinder wurden Waisen. Schnell beschrieb man den Täter als jemanden, der an psychischen Problemen leidet. US-Kriegsminister Leon Panetta ließ mitteilen, wie traurig ihn die Nachricht gemacht habe. Man übte sich in öffentlicher "Erschütterung". Dabei ist das Morden westlicher Invasionstruppen in Afghanistan seit 2001 an der Tagesordnung.

Tausende und abertausende Opfer, der überwiegende Teil Zivilisten, hinterlassen die NATO-Truppen bei ihrer Mission westliche Werte zu vermitteln, die Burka abzuschaffen und Dämonkratie einzuführen. Den Blutzoll dafür zahlen die Afghanen. Morden verändert die Menschen. Waren sie vor ihren Kampfeinsätzen noch psychisch "problemfrei" so sind sie es spätestens nach den ersten Mordserien nicht mehr.

In den Heimatländern der Invasoren bekommen an Leib und Seele verkrüppelte Veteranen ihr Leben nicht mehr in den Griff. Von ihren Machteliten schnöde in Stich gelassen. Durch Selbstmord sterben mehr US-Soldaten als im Afghanistan-Krieg.

Der Widerwille normaler Männer gegen das Töten kann überwunden werden durch intensives Training, direkte Befehle von Offizieren, weitreichende Waffen (wie Raketen, Drohnen etc.) und Propaganda, die die Sache des Soldaten glorifiziert und den Feind enthumanisiert. „Mit der entsprechenden Konditionierung und unter den entsprechenden Umständen sieht es so aus, dass fast jeder töten kann und töten wird,” schreibt Grossman. Viele Soldaten, die Feinde in der Schlacht töten, freuen sich anfänglich, sagt Grossman, aber später fühlen sie oft tiefgehenden Ekel und Reue, was sich in posttraumatisches Stressleiden und andere Krankheiten umwandeln kann. Grossman glaubt, dass in Wirklichkeit die Probleme vieler Kriegsveteranen der Beweis sind für einen „starken angeborenen Widerstand des Menschen gegen das Töten seiner eigenen Art.” [Warum Töten Soldaten Spaß macht]
"Märchen

Es war einmal ein Kaiser, der über ein unermeßlich großes, reiches und schönes Land herrschte. Und er besaß wie jeder andere Kaiser auch eine Schatzkammer, in der inmitten all der glänzenden und glitzernden Juwelen auch eine Flöte lag. Das war aber ein merkwürdiges Instrument. Wenn man nämlich durch eins der vier Löcher in die Flöte hineinsah – oh! was gab es da alles zu sehen! Da war eine Landschaft darin, klein, aber voll Leben: Eine Thomasche Landschaft mit Böcklinschen Wolken und Leistikowschen Seen. Rezniceksche Dämchen rümpften die Nasen über Zillesche Gestalten, und eine Bauerndirne Meuniers trug einen Arm voll Blumen Orliks – kurz, die ganze moderne Richtung war in der Flöte.

Und was machte der Kaiser damit? Er pfiff drauf." Kurt Tucholsky

FH

Gegenmeinung: Eine vom afghanischen Parlament veranlasste Untersuchung hat ergeben: An dem Massaker in Kandahar waren bis zu 20 US-Soldaten beteiligt...
Gegenmeinung: Israel bereitet den Weg zum Töten per Computer...
Nachtwandler: Krieg direkt. Aus der Perspektive der Besatzung eines US-Kampfhubschrauber Apache, kann man verfolgen wie eine Gruppe Taliban-Kämpfer angegriffen und ermordet wird. Keine virtuelle Realität sondern echte ...

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