Dienstag, 27. März 2012

Privatisierung der Kriege

Manlio Dinucci
von Manlio Dinucci

Der Neoliberalismus ist ein politisches Projekt bevor es eine ökonomische Doktrin ist. In den geographischen Sphären in denen er seinen Einfluss entwickeln konnte, sind selbst die Armeen einem Privatisierungsvorgang unterworfen worden. Wie es uns Manlio Dinucci darlegt, werden die heutigen Kriege immer mehr von privaten Firmen geführt und immer weniger vom Staat. Weil der Neoliberalismus auf Privatisierung der Profite und der Kollektivierung der Kosten beruht, kosten den Staaten die neuzeitigen Kriege in Irak, in Afghanistan und in Libyen sehr viel, aber bringen ihnen zuletzt sehr wenig. Die Kriege der neoliberalen Epoche zeichnen sich durch die Fakten aus, dass sie nicht so sehr auf Beschlagnahmung der Ressourcen der besiegten Länder ausgerichtet sind, als den Reichtum der Bevölkerung auf den privaten Militärsektor der Eroberungsländer zu übertragen.

Was ist die gefährlichste Aufgabe in den Kräften der USA und der NATO in Afghanistan? Es ist nicht die des „Soldaten“ wie man glauben könnte, sondern jene des „Subkontrahenten“.

Nach offiziellen Statistiken wurden letztes Jahr in Afghanistan mehr „Subkontrahenten“ von privaten US-Militärfirmen getötet als Soldaten der US-Armee: 430 gegen 418. Sicherlich wesentlich mehr, da diese Firmen keine Verpflichtung haben, die Verluste ihrer gefallenen Angestellten zu veröffentlichen. Gleiches gilt selbst für die Verletzten, deren Zahl die der Toten übertrifft.

Die Mehrheit der Toten in 2011 (386 von 430 Toten) operierte in Afghanistan im Auftrag des Pentagons, die anderen für das US-State-Departement und für USAID (Föderale Agentur für „internationale Entwicklung“, de facto militarisiert). Diese Daten bestätigen, dass ein wachsender Anteil der früher von den offiziellen Armeen ausgeführten Funktionen sich jetzt in Händen der privaten Militärfirmen befindet.

Nach offiziellen Daten operieren in Afghanistan im Auftrag des Pentagons mehr als 113 000 „Subkontrahenten“ von Privatfirmen, während die US-Soldaten 90 000 sind. Unter den „Subkontrahenten“ sind 22% US-Bürger, 31% andere Staatsbürger und 47% Afghanen. In der Zone des US-Zentralkommandos [US-Centcom], welches auch den Irak miteinschließt, sind die „Subkontrahenten“ des Pentagons mehr als 150 000. Dazu kommen noch die von anderen US-Departements Angestellten und jene der alliierten Armeen, deren Zahl unbekannt aber sicherlich bedeutend ist.

Sie werden von einem Oligopol großer Firmen geliefert, die wie wahre Transnationale funktionieren. Unter den höchst qualifizierten stehen Xe Services (ehemals unter dem Namen Blackwater bekannt), die die „innovierenden Lösungen“ der US-Regierung und anderen vorschlägt. Die DynCorp International, die sich als « globale multiforme Firma » darstellt, und auf « Gesetzeseinhaltung, Friedensbeibehalt und Stabilitätsoperationen“ spezialisiert ist. Mit einem Personal von zehntausenden Spezialisten hat diese anonyme Kriegsfirma reiche Erfahrung in geheimen Operationen gesammelt, seitdem sie in den 80er Jahren im Auftrag der CIA Oliver North half, Waffen den Kontras von Nikaragua zu liefern, und in den 90er Jahren, schon wieder für die CIA, die UCK im Kosovo trainierte und bewaffnete.

Diese und andere Firmen, unter denen die L-3 Communications hervorragt, beschäftigen sich auch mit militärischer Telekom, Basenerrichtung, „Sicherheitsausrüstungen“ und „Abhören von Gefangenen“. Zahlreiche „Subkontrahenten“ stammen aus Spezialkräften und Geheimdiensten; andere üben die Funktion von Leibwachen, Übersetzer und Logistik-Techniker aus.

Alle gehören zu privaten Armeen, die im Dunklen neben den regulären Kräften agieren, deren Aktionen auch immer geheimer werden.

Die Strategie der Privatisierung, mit der man öffentliches Gut zerstört, und zwar zu Gunsten der wirtschaftlichen und finanziellen Elite, die die wirkliche Macht innehat, ist auch für den Krieg gültig. Mit dem Vorteil des Blutes, das gleich einem karstigen Fluss unterirdisch fließt, um den Anschein zu gewahren und der öffentlichen Meinung der „großen westlichen Demokratien“ keine Sorgen zu schaffen.

Was jedoch nicht privatisiert wird, sind die Kriegskosten, die von öffentlichen Geldern beglichen werden, und die die Staatsschulden auf die Mehrheit der Bürger abwälzen. Weil sie gezwungen sind, die „innovierenden Lösungen“ der Xe Services zu bezahlen.

Manlio Dinucci

Übersetzung
Marie-Ange Patrizio

Quelle
Il Manifesto (Italien)
Voltaire Netzwerk

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