Donnerstag, 5. April 2012

Schrille Töne als Antwort auf Grass neuestes Gedicht

Mowitz
Das neueste Gedicht von Günter Grass "Was gesagt werden muss", löst bei den Befürwortern israelischer und US-amerikanischer Aggressions- und Beutekriege, den zu erwartenden "antisemitischen" Reflex aus. Immer ein sicheres Zeichen dafür, dass die Kritik in die Vollen ging und der intellektuelle "Hau-den-Lukas-Hammer" vom krankhaft geschwätzigen Wadenbeißer, Henryk M. Broder, postwendend aus der Klamaukkiste geholt wird.
"Seit jeher ein Problem mit Juden", "Grass hat schon immer zu Größenwahn geneigt, nun aber ist er vollkommen durchgeknallt", "Grass ist der Prototyp des gebildeten Antisemiten",
tobt der nicht zur literarischen Elite zählende Größenwahnsinnige, in Springers Bild für gehobene Ansprüche.

Weitere Gesalbte der Republik, wie der Vorsitzende des ZdJ, Dieter Graumann, gaben sich traurig, da er, [Grass], Israel dämonisiere. Michel "Paolo Pinkel" Friedmann, erregte sich: "Grass bediene „antisemitische Klischees" und bemühte dasselbe antisemitische Totschlagargument, welches von überzeugten Zionisten beim steten Landraub im Westjordanland als Rechtfertigung angewandt wird. Auch der Gesandte Emmanuel Nahshon von der israelischen Botschaft in Berlin meldete sich zu Wort und behauptete frank und frei, dass Israel der einzige Staat auf der Welt ist, dessen Existenzrecht öffentlich angezweifelt wird.

Mal ganz davon abgesehen, dass kein Staat auf dieser Welt irgendein, wie von Israel ja immer wieder für sich selbst beanspruchtes Exdistrenzrecht besitzt, ist die Welt zur Zeit Zeuge von gewalttätigen Destabilisierungen im Nahen und Mittleren Osten, wo souveräne Staaten, wie Irak, Libyen, Syrien mit Kriegen von den Vereinigten Staaten und seinen Alliierten überzogen wurden und nach getaner Arbeit nun auch der Iran auf der Liste steht. Wer garantierte und garantiert die Unverletzlichkeit der Grenzen dieser Staaten? Die sind bedroht - nicht Israel. Es genügt eben auf Dauer nicht mit Hilfe inquisitorischer Lügenkampagnen bezahlter Wahrheitsfälscher die Mär von humanitären Eingriffen zu verbreiten, wenn es sich tatsächlich um neokoloniale Eroberungskriege handelt.

Nichts wird so dämonisiert, wie Staaten und führende Politiker von Staaten, die sich den Eroberungszügen des Imperiums und seiner Vasallen entgegenstellen. Brutkastenlügen, Völkermordslügen, Befreiung der Frauen von der Burka, nichts war zu banal und zu zynisch um nicht von kontrollierten Wahrheitsfälschern als edle Befreiungskämpfe für unterjochte Bevölkerungen missbraucht zu werden. Und wenn man ganz dicke und schmähliche Kriegsgründe erfindet, müssen bei Israel die Opfer von Hitlers Rassenwahn herhalten. Eine Instrumentalisierung des Wahnsinns für neuen Wahnsinn. Opfer des Holocaust werden für die Interessen des westlichen Kapitals missbraucht. Israel ist ein Teil davon.

Was Grass mit seinem Gedicht zum Ausdruck gerbracht hat, war in der Sache richtig und moderat. Literarisch, wie immer, gekonnt.

Die Aufmerksamkeit die er durch seine globale Bekanntheit mit dem Gedicht erregt, schürt die Angst der Zionisten, dass das Todschlagargument "Anitsemitismus" längst seine Wirkung verloren hat und man damit keinen Hund mehr hinterm Ofen hervorlocken kann. Nur gemerkt haben sie es noch nicht.
"Martin van Crefeld, Professor für Militärgeschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem, warnt schon seit Jahren, daß am logischen Ende von Scharons Siedlungspolitik ethnische Säuberungen stehen: also die Vertreibung der Palästinenser aus den West-Bank-Gebieten durch das israelische Militär. Scharon hingegen ist zuversichtlich, daß er von den USA unter der gegenwärtigen Regierung niemals eine Intervention seiner Politik befürchten muß. Van Crefeld glaubt, daß, sollten die Europäer ihrerseits an eine Intervention denken, ganz leicht abzuschrecken seien.

"Wir besitzen mehrere hundert atomare Sprengköpfe und Raketen, die wir auf alle Ziele in alle Richtungen abfeuern können, sogar auf Rom," sagt van Crefeld in der Neuauflage von David Hirsts klassischem Buch bezüglich des arabisch-israelischen Konflikts: "The Gun and the Olive Branch" (Gewehr und Olivenzweig). "Die meisten europäischen Hauptstädte sind Ziele unserer Luftwaffe. Ich möchte General Mosche Dayan zitieren: 'Israel muß sein wie ein tollwütiger Hund, zu gefährlich, um sich mit ihm anzulegen.' (...) Unsere Armee ist nicht die 30-stärkste der Welt, sondern die zweit oder drittstärkste. Wir haben die Fähigkeit, die Welt mit uns in den Untergang zu reißen. Und bevor Israel untergeht, wird die Welt untergehen." [1]
Dagegen liegt Grass' Kritik noch weit hinter dem 'Erlaubten' und Wünschenswerten. Die größte Bedrohung für Israels Existenz geht von den Großmachtträumen der eigenen Zionisten aus. Selbst wenn die Welt untergeht, so wird Israel mit ihr untergehen. Wir haben nämlich nur diese eine Welt.

FH


Solidaritätsgrüße an Günter Grass

Bitte an folgende E-mail-Adresse (sein Sekretariat leitet sie weiter):

hohsoling@steidl.de



Fußnoten
 [1]Israel - Gefahr für den Weltfrieden?......
Geopolitisches Schachbrett: Teile, erobere und beherrsche den »neuen Nahen und Mittleren Osten«......
Obamas geheimer Brief an Teheran: Ist der Krieg gegen den Iran erst einmal gestoppt? "Die Straße nach Teheran führt über Damaskus"......
Die Nachkriegs-Konstitutionen: Privatisierung und Imperiums-Ausbau......
Israel und Libyen: Afrika soll auf »Kampf der Kulturen« vorbereitet werden......
Libyen: Die NATO verschafft sich einen militärischen Vorposten auf einem dritten Kontinent......
Den Krieg in Libyen verstehen......
Pulverfass Naher Osten: Der Dritte Weltkrieg?......
Grußadressen zum Hiroshima-Tag......

Was gesagt werden muss

von Günter Grass

Warum schweige ich, verschweige zu lange,

was offensichtlich ist und in Planspielen

geübt wurde, an deren Ende als Überlebende

wir allenfalls Fußnoten sind.

Es ist das behauptete Recht auf den Erstschlag,

der das von einem Maulhelden unterjochte

und zum organisierten Jubel gelenkte

iranische Volk auslöschen könnte,

weil in dessen Machtbereich der Bau

einer Atombombe vermutet wird.

Doch warum untersage ich mir,

jenes andere Land beim Namen zu nennen,

in dem seit Jahren - wenn auch geheimgehalten -

ein wachsend nukleares Potential verfügbar

aber außer Kontrolle, weil keiner Prüfung

zugänglich ist?

Das allgemeine Verschweigen dieses Tatbestandes,

dem sich mein Schweigen untergeordnet hat,

empfinde ich als belastende Lüge

und Zwang, der Strafe in Aussicht stellt,

sobald er mißachtet wird;

das Verdikt 'Antisemitismus' ist geläufig.

Jetzt aber, weil aus meinem Land,

das von ureigenen Verbrechen,

die ohne Vergleich sind,

Mal um Mal eingeholt und zur Rede gestellt wird,

wiederum und rein geschäftsmäßig, wenn auch

mit flinker Lippe als Wiedergutmachung deklariert,

ein weiteres U-Boot nach Israel

geliefert werden soll, dessen Spezialität

darin besteht, allesvernichtende Sprengköpfe

dorthin lenken zu können, wo die Existenz

einer einzigen Atombombe unbewiesen ist,

doch als Befürchtung von Beweiskraft sein will,

sage ich, was gesagt werden muß.

Warum aber schwieg ich bislang?

Weil ich meinte, meine Herkunft,

die von nie zu tilgendem Makel behaftet ist,

verbiete, diese Tatsache als ausgesprochene Wahrheit

dem Land Israel, dem ich verbunden bin

und bleiben will, zuzumuten.

Warum sage ich jetzt erst,

gealtert und mit letzter Tinte:

Die Atommacht Israel gefährdet

den ohnehin brüchigen Weltfrieden?

Weil gesagt werden muß,

was schon morgen zu spät sein könnte;

auch weil wir - als Deutsche belastet genug -

Zulieferer eines Verbrechens werden könnten,

das voraussehbar ist, weshalb unsere Mitschuld

durch keine der üblichen Ausreden

zu tilgen wäre.

Und zugegeben: ich schweige nicht mehr,

weil ich der Heuchelei des Westens

überdrüssig bin; zudem ist zu hoffen,

es mögen sich viele vom Schweigen befreien,

den Verursacher der erkennbaren Gefahr

zum Verzicht auf Gewalt auffordern und

gleichfalls darauf bestehen,

daß eine unbehinderte und permanente Kontrolle

des israelischen atomaren Potentials

und der iranischen Atomanlagen

durch eine internationale Instanz

von den Regierungen beider Länder zugelassen wird.

Nur so ist allen, den Israelis und Palästinensern,

mehr noch, allen Menschen, die in dieser

vom Wahn okkupierten Region

dicht bei dicht verfeindet leben

und letztlich auch uns zu helfen.

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