Sonntag, 3. Juni 2012

Das Schlimmste bei den Halblinken fast noch verhindert

Mowitz
Viele Linkspartisten fühlten sich berufen die Spitzenposition im eigenen Verein zu übernehmen. Durchweg eine grandiose Fehleinschätzung eigener Strahlekraft. Fast alle sind schon wieder in Vergessenheit geraten und nur einem kleinen Kreis Delegierter sind noch die Namen geläufig, die sich im Vorfeld ins Spiel brachten und nun wieder in die zweite und dritte Versenkungsreihe zurückgetreten sind.

Die Hamburger Bürgerschafts-Fraktionschefin der Linken, Dora Heyenn (63), sicher eine ehrenwerte Frau, präsentierte sich gleich zu Anfang ihrer Vorstellung, zusammen mit Kipping, den Delegierten als ambitionierte Schlafpille. Die Anwesenden dankten es ihr bei der Wahl zur Vorsitzenden mit 162 Stimmen, (29,3 Prozent), gaben aber der anderen Riesenpille, Katja Kipping (34), mit 371 Stimmen, (67,1 Prozent) den Vorzug.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Kipping kann immerhin darauf hoffen, von den Konzernmedien, als Vertreterin des von ihnen so propagierten "Reformflügels" der Linken, hochgelobhudelt zu werden. Auf Dauer wird das allerdings so wenig bringen, wie der S?PD die "Agenda 2010-Reform", die sie von 40,9% (Bundestagswahl 1998) auf stolze 23,0% (Bundestagswahl 2009) emporschnellen, äh, absacken ließ. Zudem ist von Kipping nicht zu befürchten, dass sie dem Kolonialprojekt Israel ihre ungeteilte Unterstützung verweigert, und nicht, wie Sahra Wagenknecht, Christine Buchholz und Sevim Dagdelen, bei einer Rede Shimon Peres einfach sitzen bleibt. Soviel fehlender Durchblick muss sein. So auch bei der deutschen Atomaufrüstungspolitik im Nahen Osten um das koloniale Projekt in einen unsicheren Hafen zu geleiten.

Ansonsten fällt nach dem ersten Vereinstag, einer sich "links" nennenden Partei in Göttingen auf, dass es wieder einmal Oskar Lafontaine ist, der den Hass konzerneigener Medien auf sich zieht, wobei zur schreibenden Stunde dem ehNaMag nichts besseres einfällt als die Verhinderung von "Loser" Bartsch als Vorsitzender bei den Halblinken, als ein Racheakt des Saarländers zu beschreiben. Lafontaine, gewiss ein Mann mit enormen Ego und Selbstverliebtheit, darf man aber, im Gegensatz zu den anderen Möchtegern-Napoleons, zugute halten, dass er das Zeug dazu hat, für das kapitalistische Establishment der BRD gefährlich zu sein und von ihm ernst genommen zu werden. Das, was ihm heute in manchen Interviews noch zum Vorwurf gemacht wird, von der britischen Zeitung "Sun", 1998 zum "gefährlichsten" Mann Europas geadelt worden zu sein, lag an dem Umstand, dass er 1998 als deutscher Finanzminister den Vorschlag machte die Finanzmärkte an die Kette zu legen. So etwas ruft immer mächtige Feinde auf den Plan und bewirkte letztlich auch seinen Abgang aus einer Regierung, die ihre Aufgabe darin sah, faule Finanzmärkte zu bedienen und die arbeitende Bevölkerung in Leiharbeit mit Niedriglohn, Hartz IV und tollen Siegesmeldungen von der Arbeitsfront bei Laune zu halten.

Ich halte es Lafontaine zugute, dass er nicht, wie seine damaligen Waffenbrüder, zielstrebig auf die Altersversorgung als hoch bezahlter Lobbyist bei Gazprom oder Nabucco hinarbeitete. Eine Selbstverständlichkeit eigentlich, ist es aber in einer Zeit der aktiven Selbstbedienung schon lange nicht mehr. Man sollte wieder daran arbeiten.

FH

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