Sonntag, 22. Juli 2012

Wenn Teufel verteufeln

Mowitz
Nachrichtenbüros melden, dass ein ehemaliger General der syrischen Armee die Welt davor warnt, Assad sei willens Chemiewaffen zum Einsatz zu bringen. Eigene kritische Berichte und unabhänige Recherchen auflagenstarker Konzern- und Staatspropaganda-Lei(d)medien kommen seit Jahren schon nicht mehr vor. Unisono gibt man wieder, was von den Einheitsagenturen für Nachrichtenmanipulationen vorgegeben wird. Die haben die Redaktionsstuben ihrer Miteigentümer nicht daran erinnert, dass es bisher fast immer die kapitalistischen Großmächte waren, die auch für die großen Verbrechen und Kriege standen und immer noch stehen. Von kolonialen Völkermorden, über den Holocaust der Nazis bis zu den illegalen US-Kriegen der jüngeren Vergangenheit (Vietnam, Irak, Libyen etc.) mit Millionen Opfern. Im „Einklang“ summt die so genannte freie Presse dann dieselbe Melodie, um am Ende verschämt darauf hinzuweisen, dass der Bericht "mit Material von diesen und jenen Nachrichtenagenturen" zustande kam. Dem unbedarften Leser und Zuschauer wird so der Eindruck vermittelt, was in so immens vielen Presseorganen verbreitet wird,kann ja nicht verkehrt sein. Nach tieferen Hintergrundinformationen sucht man vergebens. Das wäre ja auch direkt kontraproduktiv für die auf den schnellen Rubel, Spaß und Desinformation abgerichteten Brunnenvergifter des "freien Wortes".

Seit Beginn der vom Westen gesteuerten und mit Hilfe feudaler arabischer Verbrechermonarchien und Terrororganisationen durchgeführten militärischen Aktionen in Syrien verbreiten Tagessau und ihr ZDF-Pendant Heute, wie auch die Konzernmedien des Kapitals, die Mär vom "Aufstand" freiheitlicher Syrer unter Zuhilfenahme einer so genannten "Freien Syrische Armee", (die in Wirklichkeit aus eingeschleusten ausländischen und kriminellen Banden besteht), in ihren Nachrichtenerzählungen. Kein Wort über die Verantwortlichen aus dem Ausland die die Militäraktionen gegen Assad angezettelt haben und die volle Verantwortung für die daraus resultierenden Verbrechen tragen. So leicht dürfen es sich die Prediger der losen Worte machen, dass sie auch für sie bekannte Tatsachen in ihren Erzählungen einfach übergehen können und nun schon seit Monaten ihr Publikum ungestraft desinformieren. Ist das Recht auf Pressefreiheit identisch mit dem  Recht auf Lügenfreiheit?

Das Geschwätz von "Rebellen" und "Rebellenhochburgen", sowie einem brutal wütenden Assad, hatte natürlich nur die Aufgabe, die Frage nach den Figuren im Hintergrund gar nicht erst auf die Tagesordnung kommen zu lassen. Allein schon die Bewaffnung dieser "einheimischen Rebellen" lässt den Rückschluss zu, dass sie ganz gewaltig militärisch vom Westen und seinen Getreuen unterstützt und militärisch aufgerüstet wurden und noch immer werden. Eine Armee wie die syrische, kommt nicht durch einige Rebellen in Schwierigkeiten. Dahinter stecken potente Finanziers und militärische Ausrüster aus dem Ausland. Nichts darüber ist bei den Wahrheitsfälschern westlicher Lei(d)medien zu finden.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Wie nennt man Regierungen, die zusammen mit der eigenen Terrorschöpfung Al Quaida und treuen Vasallen versuchen legale Regierungen anderer Staaten zu stürzen? Sind das die großen, gar die größten Demokratien die die Welt je bestaunen durfte? Wohl kaum. Ganz vorne mit dabei die "einzige Demokratie" im Nahen Osten. Es sind ihrem Wesen nach faschistisch-kapitalistische Staatsgebilde, die von den Idealen der Demokratie so weit entfernt sind wie es die Nazis in ihrer aktiven "Blütezeit" auch waren. Ideologisch sind es immer noch die gleichen Knechte. Etliche von ihnen trauern bis auf den heutigen Tag noch ihrer kolonialen Glanzzeit nach und arbeiten hektisch an einer Neuauflage derselben. Die Kriege haben das gleiche Ziel: andere Menschen und Staaten zu unterjochen und selbst die globale Herrschaft auszuüben. An  Stelle nationaler Gewaltherrscher, sitzen heute anonymisierte, globale "Märkte", die sich aus völkerübergreifende Großkapitalisten und international agierende Finanzmarodeure zusammensetzen.

Kurz vor Ausbruch des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges auf Jugoslawien berichtete vor etwa 15 Jahren eine Zeitung, ich weiß nicht mehr welche, die aufschlussreiche Episode vom damaligen deutschen Außenminister Fischer und der ebenso damaligen US-Außenministerin Albright, die während der Verhandlungen über die Zukunft Jugoslawiens auf Schloss Rambouillet in Frankreich, miteinander unvereinbare Auffassungen vertraten. Madeleine Albright machte Fischer dann in wenigen Minuten, während eines Verdauungsspaziergangs im Schlosspark von Rambouillet, von einem "standhaften" Kriegsgegner zu einem standfesten Kriegsbefürworter. Sie habe, so will ich mich heute noch erinnern, dem deutschen Minister mal kurz erklärt worin Außenpolitik eigentlich bestünde. Wie Albrights Aufklärung Fischers im Einzelnen aussah, erläuterte sie nicht näher. Aber Fischer war geläutert und der Krieg ließ nicht lange auf sich warten.

Wie oder was könnte Albright so überzeugend gemacht haben, dass Fischer so schnell vom Paulus zum Saulus konvertierte? Vielleicht war es ganz einfach so, dass Albright darauf hinwies wer Koch und wer Kellner in einer unilaterlaen Welt ist, und wie sich der Kellner zu verhalten hat. Nämlich nur das zu servieren was der Koch so kocht. Im Jugoslawien-Fall, auf Anordnung der Kapitalismus-Werkzeuge IWF und Weltbank, die Einäscherung eines alternativen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems, was Jugoslawien durchaus war. Auch Jugoslawien wurde ein Opfer globaler privatökonomischer Selbstherrlichkeiten.

Noch 2004 verhieß George W. Bush im Auftrag globalisierungsbesessener Neocons der US-amerikanischen Gesellschaft eine "Eigentümergesellschaft", in der mehr US-Amerikaner denn je das eigene Haus ihr Heim nennen durften. Das goldene Zeitalter des auf immer herrschenden Kapitalismus war angebrochen. Bush wiederholte diese Verheißung nie wieder. In der Zwischenzeit war nämlich die Immobilienkrise ausgebrochen und entwickelte sich rasch zu einer globalen Finanz- und Kapitalismuskrise. Die "Eigentümergesellschaft" ist wohl von den Schöpfern des Begriffes inzwischen zu Grabe getragen worden. Wie so vieles andere auch. Die Idee hinter dieser Wortschöpfung war so einfach wie genial; wenn Arbeiter ein kleines Stückchen des Markts besitzen würden - ein Haus mit Hypothek, ein Aktiendepot oder eine private Rentenversicherung - würden sie aufhören, sich als Arbeiter zu sehen und beginnen, sich als Eigentümer zu betrachen und auch dieselben Interessen wie ihre Chefs vertreten. Das bedeutet, dass sie Politiker wählen könnten, die versprechen, weniger die Arbeitsbedingungen als vielmehr den Aktienkurs zu verbessern. Klassenbewusstsein würde sich zu einem überkommenen Relikt entwickeln.

Keine Sorge, die Idee ist nicht tot. Nur scheintot. Sie wird wieder beim nächsten Betrug als Propagandaspruch zum Leben erweckt.

FH

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