Donnerstag, 9. August 2012

Die Schuldigen des Finanzcrash: "Alte, wollt ihr ewig leben?"

Mowitz
Seit Jahren schon müllen neoliberale Schreiberlinge der herrschenden Kapital- und Finanzeliten die Ohren unbescholtener Bürger mit jeder Menge Abfall zu. Wobei der zu den am strengsten riechende Unrat die schon seit Jahren verbreitete Generationenhetze zählt. Also das Geschwätz von Generationengerechtigkeit bzw. -ungerechtigkeit. So preist Die Zeit, die Gnade der frühen Geburt freudestrahldend mit dem Hinweis "Länger leben, länger arbeiten" und meckert ganz ungemein weil Frankreich das Rentenalter senken will, obwohl es nach Meinung der Hamburger Neocons eigentlich steigen müsste, weil wir älter werden und die wenigen Jungen nicht überfordern dürften. Auf diesen einen Satz basieren sämtliche Kampagnen von Mietmäulern der INSM bis hin zur verantwortlichen Rentnerministerin in Deutschland von der Leyen. Immer weniger Junge müssten immer mehr Alte ernähren, so wird gedröhnt, was ja auf Dauer nicht gut gehen könne. Die auf ewiges Wachstum getörnten Hirne der Nachbeter kapitalistischer Glaubenssätze, bringen nie in diesen Zusammenhängen die steigende Effizienz der Wirtschaft zur Sprache.

Es ist ja nicht so, dass Kumpel Anton mit Schüppe, Spitzhacke und Grubenpferd immer noch die Kohle, auf dem Bauch liegend, untertage abbaut, oder das man Autos mit Schraubenschlüssel von Hand zusammenschraubt. Die technische Entwicklung bedeutet ja im Klartext, dass immer weniger Menschen immer mehr produzieren. Generell kann man das so sagen. Denn, so die Pressemitteilung Nr. 149 vom 30.04.2012 des Statistischen Bundesamtes, ist die Arbeitsproduktivität je Erwerbstätigen in Deutschland zwischen 1991 und 2011 um 22,7 % gestiegen und die Arbeitsproduktivität erhöhte sich je Erwerbstätigenstunde sogar um 34,8 %. Nun will ich nicht mit nur der Verwirrung dienenden "Klein-Klein-Argumentation" langweilen, sondern darauf aufmerksam machen, dass Produktivitätsgewinne nicht nur in die ausgebeulten Taschen parasitärer Finanzeliten fließen sollten, sondern vor allen Dingen der Wohlstandsmehrung des Volkes zugute kommen müssten. So waren die Verheißungen des Kapitalismus als er noch nicht so krakenhaft vielarmig die Gesellschaft erwürgte wie er es heute tut. Was ist aus den Verheißungen des Kapitalismus eigentlich geworden? Eine Spielwiese für Zocker wo ganze Banden von Ratingagenturen den Taktstock mal so, mal so schwingen. Nach Belieben. Ganz ohne Sinn und Verstand.

Animation: GlobalResearch
So senkte die Ratingagentur Moody's den Ausblick (Gottogottogott welch eine Worthülse) für Deutschland vor 14 Tagen auf negativ, um kurz darauf vom anderen Sprechblasenbalg Fitch die Bonität wieder mit "AAA" bewertet zu bekommen.

Bei so viel ökonomischem Sachverstand schweigt der Laie, der Experte wundert sich.

Da bleibt es auch nicht aus, dass die führenden Kampforgane des deutschen Ablegers des internationalen Neokonservatismus, die Binse, dass die nicht mehr Erwerbstätigen durch Erwerbstätige ernährt werden, als Neuentdeckung kluger Finanzwelpen an der Börse und in den Redaktionsstuben gehandelt wird. So funktionierte es bereits in der vorkapitalistischen Steinzeit, wenn auch unsere Vorfahren, zumindest der Sage nach, zu unkonventionellen Lösungsansätzen wie der Ättestupa* tendierten, für deren Wiedereinführung anscheinend wieder die Manege mental geharkt wird.

*Für alle die mit dem Begriff Ättestupa nichts anfangen können: Ättestupa ist traditionell, der Legende nach, ein Abgrund, in den sich alte Menschen im nordischen Altertum selbst in den Tod stürzten, oder durch andere in den Tod gestürzt wurden. Die Legende berichtet weiter, man tat  es dann, wenn alte Menschen für ihren Lebensunterhalt nicht länger sorgen, oder auch nicht mehr im Familienclan arbeiten konnten.

Die Quintessenz dieses Artikels eines Kotzbrocken im ehNaMag besagt ungefähr das gleiche. Nur dümmer. Die Alten lebten auf Kosten der Jungen, und überhaupt sind sie zu nichts Nütze mehr, stünden dem ewigen Wachstum nur im Wege, häuften Vermögen in den eigenen Taschen an und die Jugend täte sich selbst einen Gefallen, wenn sie keinem über 30 mehr traue. Das Ökonomie- und Demokratieverständnis des Kapitalismus feiert fröhlich Urständ auf Steinzeitniveau.

Die Finanzelite ist inzwischen in die Unsichtbarkeit des Untergrundes abgetaucht und überlässt ihren medialen Volksverarschern die Spielwiese der Generationenhetze. Ein lohnendes Geschäft für eine kriminelle Finanzelite in ihren bombensicheren Steueroasen.

[1] Ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler, James Henry, ein Mann mit ausgezeichneten Referenzen und ehemaliger Chefökonom bei der bekannten Unternehmensberatung McKinsey & Company recherchierte, und dokumentierte auch höchst Interessantes zum Thema Steuerhinterziehung. Er fand heraus, dass die Super-Reichen und ihre Familien so viel wie 32.000.000.000.000 $ (32 Billionen Dollar), an stillen Reserven in Offshore-Steueroasen parken, was bis zu 280.000.000.000 $ (280 Milliarden Dollar) an entgangenen Einkommenssteuern bedeutet! Diese Untersuchung umfasst nicht einmal Vermögenswerte wie Immobilien, Edelmetalle, Juwelen, Yachten, Rennpferde, Luxus-Fahrzeuge und so weiter. Es handelt sich nur um finanzielle Vermögenswerte. Von den 32 Billionen Dollar der stillen Reserven gehören 23 Billionen Dollar den Superreichen von Nordamerika und Europa.

Ein kürzlich veröffentlichter Bericht eines UN-Sonderberichterstatters für Fragen der Geldwäsche hat festgestellt, dass US-und europäische Banken über 300 Milliarden Dollar pro Jahr waschen, einschließlich der 30 Milliarden nur von mexikanischen Drogenkartellen.

Große Investmenthäuser wie Goldman Sachs haben Anleger jahrelang betrogen, um in 'Müll' Aktien zu investieren.

In den Vereinigten Staaten ist, trotz des Wachstums, nicht der Wirtschaft, sondern eines riesigen Polizei-Staatsapparates, der Ausbreitung von privaten Ermittlungs-Agenturen, Anhörungen im Kongress und über 400.000 Mitarbeitern im Department of Homeland Security, nicht ein einziger Banker ins Gefängnis gekommen. In den krassesten Fällen wird eine Bank wie Barclays eine geringe Geldstrafe für eine "leichte" Steuerhinterziehung zahlen müssen. Zur gleichen Zeit wird das Prinzip "Bauernopfer" in dem LIBOR Schwindel, Chief Operating Officer (COO) der Barclays Bank, Jerry Del Missier, eine Abfindung in Höhe von 13 Millionen Dollar einbringen.

Die Unverfrorenheit von gewählten Politikern und nichtgewählten Funktionsträgern des Kapitalismus, wenn sie die Staatsverschuldung mit zu viel Sozialstaat erklären, ist nur noch durch unsere Dummheit zu überbieten, ihnen das kriminelle Geschwätz abzukaufen. Allein die immer häufiger entfesselten Kriege schlucken mehr Ressourcen als neue entstehen. Vom Leid der betroffenen Menschen ganz zu schweigen.

Merke: Die Verschuldung der Staaten ist das Vermögen der Reichen. Besonders der Super-Reichen!! Außerdem sind sie die größte Gefahr für den Weltfrieden. Schickt alle Politikschwätzer die etwas anderes erzählen in die parlamentarische Wüste.


FH

Fußnoten
[1]Prof. James Petras: Der Aufstieg einer kriminellen Finanzelite - The Ascendancy of a Criminal Financial Elite......
Gegenmeinung: Spiel mir das Lied vom Tod - Die Spaß- und Schießgesellschaft pfeift aus dem letzten Loch......
Gegenmeinung: Elitäre Wertegemeinschaft: "Zurückzahlen, wenn wir das Geld haben... also nie".....


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