Mittwoch, 29. August 2012

Entblößte Worthülsen - Nackte Tatsachen auf dem Obduktionstisch

Mowitz
Die größten Verheißungen des Kapitalismus bestanden aus, wie so häufig in der Schlacht um die Köpfe der Massen, der Popularisierung genialer Worthülsen. Nach Ende des Ersten Weltkrieges, wie auch des Zweiten, waren viele Menschen für den Augenblick weiser geworden und verstanden sehr wohl den kausalen Zusammenhang zwischen den siamesischen Zwillingen Krieg und Kapitalismus. Massendemonstrationen unter der Parole "Nie wieder Krieg" wurden in der Weimarer Republik veranstaltet, aber schon sehr bald durch die ewiggestrigen, intelligenzbefreiten Kriegsverherrlicher, des "Stahlhelms" und auch der im Deutschen Reichskriegerbund Kyffhäuser  in zigtausenden von Kriegervereinen organisierten, etwa zwei Millionen Mitglieder ersetzt.

Hugenberg (links), mit Göbbels, Funk,
Klitzsch, Ley
Bundesarchiv, Bild 183-J05504 / CC-BY-SA
Hitler kam mit tatkräftiger Hilfe des Hugenberg-Konzerns an die Macht. Ein Mediengigant im Kaiserreich und der Weimarer Republik mit einem Einfluss über Gesellschaft und Politik, der durchaus vergleichbar mit dem des heutigen bundesrepublikanischen Springer-Konzerns ist. Das Unheil nahm seinen Lauf und nur 21 Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges, (1914-1918), brach 1939 schon gleich der Zweite aus. Die Verwüstungen die der Krieg hinterließ, sorgten für einen Wirtschaftsboom im kapitalistischen Westen, wie es ihn so noch nie gegeben hatte. Fast religiöse Wortschöpfungen, wie Wirtschaftswunder und Soziale Marktwirtschaft mussten her um sogar dem höchst vernünftigen und radikalen Ahlener Programm der CDU Paroli bieten zu können, das mit den Worten begann:
"Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden. Nach dem furchtbaren politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch als Folge einer verbrecherischen Machtpolitik kann nur eine Neuordnung von Grund aus erfolgen. Inhalt und Ziel dieser sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung kann nicht mehr als das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben, sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein. Durch eine gemeinwirtschaftliche Ordnung soll das deutsche Volk eine Wirtschafts- und Sozialverfassung erhalten, die dem Recht und der Würde des Menschen entspricht, dem geistigen und materiellen Aufbau unseres Volkes dient und den inneren und äußeren Frieden sichert." wiki
Zerstörte Innenstadt Köln,
Bundesarchiv Bild 183-V06736 / CC-BY-SA
Zwei Jahre hielt das Ahlener Programm bevor es durch die Düsseldorfer Leitsätze ersetzt wurde. Gleichzeitig erfuhr der Kapitalismusbegriff, nur durch Einführung der Worthülse "Soziale Marktwirtschaft", eine sprachliche Rundumerneuerung welche mithalf die Hässlichkeiten des Kapitalismus zu verdecken, ihn aber in seiner Struktur völlig unberührt ließ. So wurden die Westdeutschen gute Kapitalisten und setzten sich schon bald mit Leib und Seele für die Interessen und dem Wohlergehen der Klasse der Reichen ein. So als ob die Oberklasse Hilfe zur Durchsetzung eigener Interessen von unten beötigte.

Der Wiederaufbau des im Krieg Zerstörten hinterließ bis auf den heutigen Tag und noch auf viele weitere Jahre hinaus glückliche Erben von Milliardenvermögen. Genauer gesagt 200 Milliarden werden heute jährlich vererbt, in dieser unserer "Leistungsgesellschaft". Ererbt mit den Wohltaten nachfrageschaffender Kriegseinsätze.

FH

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