Mittwoch, 10. Oktober 2012

Blender und Geblendete - Die Plagiatorenelite

Mowitz
Bildung ist wichtig, Bildung muss sein. Sie scheint unerlässlich, will man sich auf der Karriereleiter nach oben hangeln. Chris Hedges schreibt über Karrieristen:
"Die größten Verbrechen in der menschlichen Geschichte werden durch die farblosesten menschlichen Wesen möglich gemacht. Es sind die Karrieristen. Die Bürokraten. Die Zyniker. Sie machen die kleinen Aufgaben, die das große, komplizierte System der Ausbeutung und des Todes Wirklichkeit werden lassen. Sie sammeln und lesen die persönlichen Daten, die von Dutzenden von Millionen von uns durch den Sicherheits- und Überwachungsstaat gesammelt werden. Sie führen die Bücher von Exxon Mobil, BP und Goldman Sachs. Sie bauen oder dirigieren die Drohnen. Sie sind tätig in der Werbung und Öffentlichkeitsarbeit der Multis. Sie liefern die Form. Sie verarbeiten die Papiere. Sie verweigern den einen Nahrungsmittelkarten und den anderen Arbeitslosengeld oder medizinische Versorgung. Sie setzen die Gesetze und Regeln durch. Und sie stellen keine Fragen."
Um auf der Karriereleiter vorwärts zu kommen ist es durchaus hilfreich, sich mit einem oder gar mehreren akademischen Titeln schmücken zu können. Gerne mit dem Doktortitel, der dem Träger schriftlich bescheinigt die Fähigkeit zum selbstständigen wissenschaftlichen Arbeiten zu besitzen. Die Wenigsten machen sich später, nach ihrer "Doktorarbeit", die Mühe, überhaupt wissenschaftlich zu arbeiten. Warum auch? Schließlich kommt es nicht darauf an, was man wirklich ist, sondern was die Menschen glauben, man sei. Und für die meisten Karrierejobs reicht es allemal.

Das im Bund auf der politischen Bildungsleiter ganz oben stehende Fräulein Bildungsministerin Prof. Dr. phil. Annette Schavan (CDU) sieht sich schon seit einiger Zeit dem Vorwurf ausgesetzt, bei ihrer Doktorarbeit sei nicht alles mit rechten Dingen zugegangen. Im ehNaMag war gestern zu lesen:
"Im Streit um die Plagiatsvorwürfe gegen Bildungsministerin Schavan legt ein anonymer Rechercheur nach. Er hat nun die komplette Dissertation untersucht: Die Verstöße gegen wissenschaftliche Standards in der Arbeit seien nicht "durch Ungeschicklichkeit oder Schludrigkeit" zu erklären."
Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Wie immer in solchen Fällen gilt die Unschuldsvermutung so lange bis das Gegenteil bewiesen ist. Nun ist es ja nicht sonderlich ungewöhnlich in letzter Zeit, dass Plagiate prominenter politischer Zauberer auch als solche schon nachgewiesen wurden. Nichtsdestotrotz lieben es die Menschen zu blenden und geblendet zu werden. Die Einen verdienen eine Menge Geld damit, die Anderen zahlen es. Wie in der Finanzindustrie.

Die Finanzindustrie lebt heute noch vom Glauben der Menschen, dass es wie früher ist, als die komplette Menge Geld, durch die tatsächliche, physische Menge an Gütern, die als Geld funktionierte beschränkt wurde. Zum Beispiel: Um neues Gold- oder Silbergeld zu erschaffen, musste neues Gold oder Silber gefunden und geschürft werden. Heutzutage wird Geld buchstäblich als Schuld erzeugt. Neues Geld wird geschaffen, wann immer jemand einen Kredit von der Bank annimmt. Ohne Schulden kein Geld. Unser Geldsystem, ein wirklich systemisches Blendwerk. Dafür dürfen jetzt die Griechen, Spanier und bald auch wieder die Deutschen hungern.

FH

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