Sonntag, 7. Oktober 2012

Der Irak-Krieg: Zehn Jahre, eine Million Tote und Billionen Dollar Kriegskosten danach

Dennis Kucinich, Wiki
Von Dennis Kucinich
Information Clearing House, 02.10.12

Heute vor zehn Jahren legte die Bush-Regierung dem Kongress eine Resolution vor, mit der sie sich zum Krieg gegen den Irak ermächtigen ließ. Unter Berücksichtigung aller Folgekosten wird der Irak-Krieg die USA rund 5 Billionen Dollar kosten. Er spielte auch eine Rolle bei der Auslösung der globalen Finanzkrise. Viertausendvierhundertachtundachtzig US-Amerikaner wurden in diesem Krieg getötet. Mehr als 33.000 wurden verwundet.

Auch rund 1.000.000 am Krieg nicht beteiligte irakische Zivilisten verloren ihr Leben. Die finanziellen Verluste, die der Irak durch diesen Krieg erlitten hat, sind nicht zu beziffern. Seit fast zehn Jahren wird der Irak durch einen Bürgerkrieg zwischen Religionsgruppen verwüstet. Außerdem ist der Irak zur Zuflucht für Al-Qaida geworden.

Der Kongress und die Bevölkerung der USA wurden mit leicht zu widerlegenden Lügen in den Irak-Krieg getrieben. Aus dieser dunklen Periode der Geschichte der USA müssen wir die Lehre ziehen, dass wir die gleichen Fehler nicht wiederholen dürfen. Und wir müssen diejenigen zur Verantwortung ziehen, die uns hereingelegt haben.

Am 2. Oktober 2002, dem Tag, an dem die Resolution zur Billigung des Irak-Krieges dem Kongress vorgelegt wurde, habe ich meinen Kolleginnen und Kollegen eine persönliche Botschaft gesandt oder überreicht, in der ich jede einzelne Begründung der Bush-Administration für diesen Krieg Punkt für Punkt widerlegt habe.

Am 3. Oktober 2002 habe ich mit 25 anderen Mitgliedern des Kongresses eine Pressekonferenz abgehalten und anschließend eine einstündige Erklärung im Kongress abgegeben, in der ich die Lügen entlarvt habe, mit denen dieser Krieg gerechtfertigt wurde.

Bereits damals war aus öffentlich zugänglichen Informationen ersichtlich, dass der Irak nicht über Massenvernichtungswaffen verfügte, nicht in Verbindung mit den Anschlägen am 11.09.2001 stand und die USA nicht bedrohte. Jeder, der wollte, hätte aus öffentlich zugänglichen Informationen die gleichen Schlüsse wie ich ziehen können.

Einige wichtige US-Politiker kauften dem Trio Bush-Cheney-Rumsfeld seine kriegstreiberischen Lügen trotzdem ab. Auch zwei Vertreter der Demokratischen Partei gehörten zu denen, die auf die vom Weißen Haus verbreiteten Lügen über die Massenvernichtungswaffen (Saddam Husseins) hereinfielen:

"Ich ziehe die Tatsachen, die uns vor diese schicksalhaften Entscheidung stellen, nicht in Zweifel. Saddam Hussein ist ein Tyrann, der gefoltert und seine eigenen Landsleute ermordet hat ... Geheimdienst-Berichte belegen, dass Saddam Hussein wieder chemische und biologische Waffen, Raketen und Atomwaffen bauen lässt. Außerdem gewährt er Terroristen, unter denen sich auch Al-Qaida-Mitglieder befinden, Hilfe, Unterstützung und Unterschlupf." Das sagte die demokratische Senatorin Hillary Clinton aus New York am 10. Oktober 2002.

"Der 11. September war das entscheidende Warnsignal. Wir müssen jetzt alles in unserer Macht Stehende tun, um weitere Terrorangriffe zu verhindern und sicherzustellen, dass wir nicht mit Massenvernichtungswaffen angegriffen werden können. … Dabei müssen wir uns zuerst um den Irak kümmern. … (Saddam Hussein) entwickelt wieder Massenvernichtungswaffen, darunter auch Atomwaffen." Das sagte Richard Gephardt, der aus Missouri kommende damalige Vorsitzende der demokratischen Fraktion im Repräsentantenhaus, am 10. Oktober 2002.

Sogar die zuverlässigsten Zeitungen der USA verbreiteten die falschen Behauptungen führender Politiker beider Parteien ungeprüft als Tatsachen.

"Es müssen keine weiteren Beweise dafür vorgelegt werden, dass Saddam Hussein ein übler Diktator ist, der trotz klarer Verbote der Vereinten Nationen weiterhin versucht, unkonventionelle Waffen zu bauen, die den Mittleren Osten und auch weiter entfernte Regionen bedrohen," war am 3. Oktober 2002 in einem Leitartikel der New York Times zu lesen.

Trotz der Flut falscher Informationen stimmten einhundertdreiunddreißig Mitglieder des Kongresses gegen die Resolution, die zum Einsatz militärischer Gewalt gegen den Irak ermächtigte, darunter zwei Drittel der Fraktion der Demokraten im Repräsentantenhaus. Auch sieben Republikaner, darunter der Abgeordnete Ron Paul aus Texas, lehnten die Resolution ab. Der Senat war mit 77 gegen 23 Stimmen für einen Krieg gegen den Irak.

Vor zehn Jahren hat der Kongress mehrheitlich für einen Krieg gegen einen Staat gestimmt, der uns nicht angegriffen hatte. Diese Entscheidung hat unsere finanzielle und staatliche Sicherheit untergraben. Bis heute leiden wir unter den Folgen. Die meisten USSoldaten sind zwar nach Hause zurückgekehrt, aber unter Aufsicht des US-Außenministeriums sind weiterhin Tausende von privaten Sicherheitsdiensten gestellte Söldner im Irak präsent.

Der Krieg gegen den Irak wurde mit Hilfe von Lügen angezettelt. Tausende von US-Amerikanern und vermutlich eine Million Iraker wurden für diese Lügen geopfert. Der Krieg in Afghanistan geht weiter. In Pakistan, im Jemen und in Somalia wurden im Rahmen des endlosen "Krieges gegen den Terror" weitere Kriege vom Zaun gebrochen. Jetzt fordern die Kriegstreiber auch noch einen Krieg gegen den Iran. Auch zehn Jahre und Billionen verschwendete Dollars nach dem Irak-Krieg weigert sich die Mehrheit der US-Bevölkerung, die Wahrheit darüber zu akzeptieren. Es wird Zeit, endlich die Wahrheit zu erkennen und etwas für die Versöhnung (mit den überfallenen Völkern) zu tun.

Übersetzung: Wolfgang Jung, luftpost-kl.de

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