Dienstag, 9. Oktober 2012

Die Türkei versucht, die NATO in einen Krieg mit Syrien hineinzuziehen

Von Toni Cartalucci
Global Research, 04.10.12

Nachdem sie seit über einem Jahr ausländische Terroristen beherbergt und ihre Operationen beiderseits der türkisch-syrischen Grenze unterstützt (s. hier), hat die Türkei jetzt verkündet, dass sie sich für einen angeblich von der syrischen Regierung zu verantwortenden Angriff auf türkisches Territorium mit einem militärischen Gegenschlag auf "Ziele" innerhalb Syriens gerächt hat.

Obwohl auf beiden Seiten der türkischen Grenze mit ausdrücklicher Billigung und logistischer Unterstützung der Türkei eine große Anzahl schwer bewaffnete Terroristen operieren, die auf Listen geführten Terrororganisationen angehören, lastet die Regierung in Ankara den Mörser-Angriff ausschließlich dem syrischen Militär und nicht den bewaffneten Terrorgruppen an, die dafür bekannt sind, dass sie bevorzugt Mörser einsetzen [weitere Informationen dazu hier].

Selbst die New York Times muss in ihrem Artikel mit dem Titel "Turkey Fires Artillery at Syrian Targets in Retaliation for Civilian Deaths" (Die Türkei rächt sich mit Artilleriefeuer auf syrische Ziele für zivile Todesopfer, s. hier) zugestehen:
"Es ist unbekannt, ob die Mörser-Granaten von syrischen Regierungstruppen oder von Rebellen abgefeuert wurden, die den Präsidenten Baschar al-Assad stürzen wollen. Die Antwort der Türkei lässt darauf schließen, dass sie die syrische Regierung für den Angriff verantwortlich macht."
Die sofortige, ungerechtfertigte Reaktion der Türkei in Form einer militärischen Aggression und die reflexartigen Verurteilung (Syriens) durch die US-Schutzmacht lassen vermuten, dass es sich um eine bestellte Provokation handelte oder mindestens um das Ergreifen einer günstigen Gelegenheit, mit der Umsetzung der kollektiven geopolitischen Ziele des Westens zu beginnen.

Syrien kann überhaupt kein Interesse daran haben, die Sicherheit der Türkei zu bedrohen und türkisches Territorium anzugreifen, weil es damit nur der NATO die erhoffte Rechtfertigung für eine direkte Unterstützung ihrer terroristischen Hilfstruppen liefern würde.

Die Türkei sucht schon lange einen Vorwand, um einen Krieg mit Syrien vom Zaun brechen zu können

Es wurde schon vorher berichtet, dass die Türkei von der NATO, oder besser gesagt, von den Herren der Wall Street und der Londoner City den Auftrag erhalten hat, im Norden Syriens "sichere Häfen" (für Terroristen) zu schaffen – unter dem Vorwand einer humanitären Aktion zur Absicherung (von Flüchtlingen).

Der von bei Fortune 500 gelisteten Konzernen finanzierte US-Think-Tank Brookings Institution hat Pläne für einen Regimewechsel nicht nur in Libyen, sondern auch in Syrien und im Iran entworfen. In dem Brookings-Bericht "Assessing Options for Regime Change", [Bewertung von Optionen zur Herbeiführung eines Regimewechsels, aufzurufen hier], wird dazu ausgeführt:
"Eine Alternative wäre, die diplomatischen Bemühungen zuerst auf die Beendigung der Gewalt und die Durchsetzung eines humanitären Zugangs noch unter Assads Herrschaft durchzusetzen. Das könnte zur Schaffung 'sicherer Häfen' und 'humanitärer Korridore' führen, die durch begrenzte militärische Kräfte (aus dem Ausland) geschützt werden müssten. Diese Entwicklung würde natürlich hinter den eigentlich in Syrien verfolgten US-Absichten zurückbleiben und Assad zunächst im Amt belassen. Von diesem Ausgangspunkt wäre es jedoch möglich, eine breite Koalition mit dem passenden internationalen Mandat auszustatten und weitere Veränderungen zu erzwingen." [Brookings-Bericht S. 4]
In dem Brookings-Bericht wird dann weiter aufgezeigt, wie durch einen gleichzeitigen Aufmarsch schwer bewaffneter türkischen Truppen im Norden und israelischer Truppen im Süden ein gewaltsamer Regimewechsel in Syrien beschleunigt werden könnte.
"Außerdem haben israelische Geheimdienste genaue Informationen über syrische Internas und verfügen über Spione im Assad-Regime, mit deren Hilfe sich dessen Machtbasis schwächen und Assads Sturz beschleunigen ließe. Israel könnte seine Streitkräfte auf den Golan-Höhen verstärken und damit Assad-Truppen binden, die nicht mehr zur Unterdrückung der Opposition zur Verfügung stünden. Dieses Vorgehen würde die Angst Assads vor einem Zweifronten-Krieg schüren, vor allem, wenn die Türkei an ihrer Grenze ähnliche Vorbereitungen träfe und die syrischen Oppositionskräfte weiterhin ausgebildet und mit einem ununterbrochenen Strom von Waffen versorgt würden. Durch dieses koordinierte Handeln könnte die Militärführung Syriens vielleicht dazu gebracht werden, Assad zu entmachten, um selbst zu überleben. Die Verfechter dieses Planes behaupten, durch diesen zusätzlichen Druck ließe sich das innerhalb Syriens bestehende Gleichgewicht zuungunsten Assads verändern, wenn man die Oppositionskräfte gleichzeitig richtig einsetzen würde." [Brookings-Bericht S. 6]
Die türkische Führung ist den Wünschen Washingtons bisher nur zögerlich entgegengekommen, versucht gewaltsame Aktionen entlang der türkischen Grenze mit Syrien aber zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen.

In dem Brookings-Bericht wird auch die Rolle hervorgehoben, welche der Türkei beim Schüren der Unruhen in der im Norden Syriens gelegenen alten Stadt Aleppo spielen könnte.
"Weil die Zusammenführung einer vereinigten nationalen (syrischen) Opposition ein langfristiges Projekt ist, das sich wahrscheinlich nie vollständig realisieren lässt, müsste die (Syrien-)Kontaktgruppe dieses Ziel zwar nicht aufgeben, könnte sich aber zunächst erfolgversprechenderen Vorhaben zuwenden. Sie könnte zum Beispiel ihre Bemühungen zuerst darauf konzentrieren, den Widerstand der zu Assad haltenden Elite Aleppos zu brechen; Aleppo ist nicht nur die wirtschaftliche Hauptstadt Syriens, sondern gleichzeitig auch die Stadt, in der die Türkei den größten Einfluss hat. Wenn Aleppo in die Hände der Opposition fiele, wäre die demoralisierende Wirkung auf das (Assad-)Regime beträchtlich. Sollte diese Option scheitern, könnten die USA die ungeklärte Situation in Syrien einfach akzeptieren oder sich, wie im Brookings-Bericht auf S. 6 empfohlen, einer der nachfolgend beschriebenen militärischen Optionen bedienen."
Zu den militärischen Optionen gehört die weitere Anwendung militärischen Gewalt (durch die Rebellen), womit man, wie das im Brookings-Bericht formuliert wird, "Syrien ausbluten und damit einen regionalen Gegner schwächen könnte, ohne das Risiko einer direkten Intervention eingehen zu müssen"; außerdem wären die Einrichtung von "Flugverbotszonen" wie in Libyen oder eine militärische Invasion (unter Einsatz aller Teilstreitkräfte) möglich. Nach der Lektüre des Brookings- Berichts, ist klar, dass die Umsetzung der darin ausgesprochenen Empfehlungen bereits begonnen hat; diverse militärische Optionen sind bereits in Vorbereitung, und verschiedene an der Konspiration (gegen Syrien) Beteiligte haben bereits ihre Ausgangspositionen eingenommen.

Die in dem Brookings-Bericht geforderten "sicheren Häfen" und "humanitären Korridore" sollen vom NATO-Mitglied Türkei eingerichtet werden, das seit Monaten damit droht, in den Norden Syriens einzufallen und dort eine Sicherheitszone zu errichten [weitere Infos dazu hier]. Die Türkei behauptet zwar, das aus "humanitären Gründen" tun zu wollen, aber ihr sonstiger laxer Umgang mit dem Menschenrechten und ihr an Völkermord grenzendes Vorgehen gegen die Kurden innerhalb und außerhalb ihrer Grenzen belegen [s. hier], dass sie damit nur Anweisungen der eigentlichen Herren des Westens in der Wall Street und in der Londoner City erfüllt.

Der jüngste Schusswechsel zwischen der Türkei und Syrien ist nicht der erste. Die Türkei hat schon wiederholt behauptet, "syrische Truppen" hätten über die türkisch syrische Grenze gefeuert. Die New York Times hat die unbewiesenen Anschuldigungen veröffentlicht, aber gleichzeitig einräumen müssen, dass "es nicht geklärt ist, wessen Waffen die am Sonntag etwa sechs Meilen innerhalb des türkischen Territoriums eingetretenen Schäden verursacht haben, und dass dazu "widersprüchliche Berichte" vorlägen. Alle von der NATO, der UNO und einzelnen Mitgliedstaaten vorgebrachten Anschuldigungen, die eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Syriens rechtfertigen sollen, beruhen auf Gerüchten, die von den Rebellen selbst verbreitet werden.

Es ist klar, dass die Türkei, die NATO und die UNO immer wieder versuchen, einen Vorwand für die Errichtung "sicherer Häfen" und "humanitärer Korridore" zu finden, um die Vetos Russlands und Chinas gegen eine Intervention zu umgehen, die beide Staaten immer wieder im UN-Sicherheitsrat eingelegt haben.

Dass es die UNO bisher versäumt hat, die ständigen Provokationen und die Einmischung in die inneren Angelegenheiten Syriens zu verurteilen, belegt wieder einmal ihre totale Unfähigkeit zu übernationaler oder gar globaler Steuerung.

Übersetzung: Wolfgang Jung, luftpost-kl.de

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen