Dienstag, 23. Oktober 2012

Israelische Aktivisten berichten über den Überfall auf die Estelle

Die folgende Zusammenfassung wurde ursprünglich als eine Pressemitteilung der israelischen Friedensorganisation Gush Shalom veröffentlicht. Sie ist in der Region ein Partner von Ship to Gaza:

"Jetzt bin ich auf dem Heimweg und denke weiter an meine Mitstreiter an Bord, die immer noch unter schweren Bedingungen gefangen gehalten werden und vom Sicherheitsdienst Shabak verhört werden. Unter ihnen sind Parlamentarier aus etlichen Ländern", sagt Elik Elhanan, einer der israelischen Aktivisten, die an Bord des schwedischen Schiffes Estelle mit Destination Gaza waren. Heute hat das Gericht entschieden, dass er und die anderen gefangengenommenen Israelis, Yonatan Shapira und Reut Mutter freizulassen sind.

"Zuerst versuchten sie, uns für alle möglichen Arten von schweren Straftaten anzuklagen, wie "dem Feind geholfen zu haben". Das Gericht wies diesen Anklagepunkt rundweg ab. Heute versuchten sie es mit einem Gesetzesparagraphen der "versuchten Infiltration des Landes Israel, die nicht Teil des Staates Israel ist. Aber das Gericht verwarf auch diesen Anklagepunkt."

Mit der Verteidigung der verhafteten Aktivisten waren die Anwältin Gaby Lasky und ihre Mitarbeiter beauftragt, die über eine große Erfahrung in Fällen verfügt in denen Menschenrechtsfragen verhandelt werden.

Die freigelassenen Gefangenen wurden freudig von Friedensaktivisten begrüßt, die zum Gericht gekommen waren. Unter ihnen die Eltern von Elik Elhana, Rami Elhanan und Nurit Peled-Elhanan, eine Tochter des früheren Generalmajors Matti Peled. Smadar Elhanan, Eliks Schwester, wurde im zentralen Jerusalem durch ein Selbstmordattentat getötet. Eine schmerzhafte Erfahrung, die dazu beitrug, die überlebenden Familienmitglieder noch stärker in ihrem Streben nach Frieden zwischen Israelis und Palästinenser zu festigen um mehr tödliche Gewalt auf beiden Seiten zu verhindern.

"Ich hatte es schwer, aber ich bereue nicht, dass ich mit auf diesem Schiff fuhr. Ich wusste, was passieren würde", sagt Elik Elhanan. "Während der Fahrt hatte ich guten Kontakt mit Evangelis, ein griechischer Parlamentarier, der mit uns auf dem Schiff fuhr. Als die Kommandosoldaten das Boot enterten und an Bord kamen, blockierten wir den Weg zur Kommandobrücke, und Evangelis erzählte uns, dass wir ihn dazu gebracht hätten auch das israelische Volk gern zu mögen und ihm Hoffnung auf eine bessere Zukunft für den Nahen Osten zu machen. Kurz danach wurden wir durch die Soldaten getrennt. Gestern abend, als sie Dror Feiler in unsere Zelle führten, berichtete er für uns, dass Evangelis vom Vernehmungsleiter des Shabak geschlagen worden sei. Die Shabak lügte schamlos für ausländische Diplomaten und behauptete, dass sie die eigenen Staatsangehörigen und Parlamentarier anständig behandelt hätten. Dror Feiler ist in Israel geboren und seine Mutter Pnina wohnt im Kibutz Yad Hana. Dror Feiler verzichtete auf die israelische Staatsangehörigkeit als er nach Stockholm zog und die schwedische Staatsangehörigkeit bekam. Darum wurde er auch die meiste Zeit getrennt von den israelischen Gefangenen gehalten.

"Sie (die Kommandosoldaten d.Ü.) wandten völlig unverhältnismäßige Gewalt gegen uns an," erzählt Elhanan weiter. "Als die Flotte kam um uns zu entern, zählte Yonatan Shapira nicht weniger als fünfzehn Boote rund um uns von allen Seiten. Größere und kleinere Fahrzeuge, ein Fahrzeug mit Hubschrauber, sowie die Zodiakboote der Kommandosoldaten. Fünfzehn bewaffnete Kriegsschiffe gegen ein kleines ziviles Segelschiff mit Kinderspielsachen für die Kinder in Gaza. Wir müssen für die israelischen Seestreitkräfte sehr störend gewesen sein und auch für die, die dort die Befehle erteilten.

Als sie an Bord kamen und wir uns ihnen in den Weg stellten, wussten die Soldaten genau wer ich war. Sie schrien auf hebräisch: 'Elhanan, du wirst für Dein Linksengagement bezahlen!' und anwendeten Elpistolen um mir damit Elchocks zu versetzen. Sie setzten auch mit ihren Elpistolen fort, als sie schon das Boot übernommen hatten. Wenn sie aber glauben sie könnten mich oder die anderen die mit auf dem Boot fuhren einschüchtern, so irren sie sich gewaltig. Die Belagerung Gazas ist ein ständiges Verbrechen, das aufhören muss. Wir kämpfen weiter."

Übersetzung aus dem Schwedischen: Folker Hoffmann, Gegenmeinung

Für mehr Information: Elik Elhanan +972-2-5700112 oder über Nurit Peled-Elhanan +972-547-578703 
Advokat Gaby Lasky +972-54-4418988

Siehe auch:
Gegenmeinung: Israels Marine entert ”Ship to Gazas” Blockadebrecher ”Estelle”......



Die letzten Bilder von der "Estelle". Minuten später wurde das Fahrzeug in internationalen Gewässern gekapert.



Noam Chomsky in Gaza:

Ich bin für einige Tage hier in Gaza und hoffe, das letzte Boot der Flotille, die "Estelle" begrüßen zu können. Wir warten im Hafen von Gaza. Das Schiff wurde, wie früher (2010), von der israelischen Marine entführt. Sie nennen es "israelische Hoheitsgewässer", es handelt sich aber um Gazas oder internationale Hoheitsgewässer, in denen Israel keine Rechte hat. Die Reise der Estelle war ein weiterer Versuch die Belagerung zu brechen, wie in gewisser Weise unser Besuch auch. Die Belagerung ist ein krimineller Akt, der nicht zu rechtfertigen ist, gebrochen werden muss und von der Außenwelt zu bekämpfen ist. Es ist einfach der Versuch, die Menschen in Gaza zur Selbstvernichtung einzuschüchtern, sie loszuwerden und ihre Gesellschaft zu zerstören. Es gibt absolut keine Rechtfertigung um militärische Gründe geltend zu machen, die haben keine Glaubwürdigkeit. Die Menschen auf diesem Schiff sollten geehrt und respektiert werden für ihren Mut und ihr Engagement und für ihre tapferen und mit großen Anstrengungen durchgeführte Aktion, um die Belagerung, die kriminelle Belagerung, zu brechen, und den Menschen in Gaza, die buchstäblich im größten Gefängnis der Welt inhaftiert sind, Hoffnung zu machen. Auch, um der Welt die Botschaft zu vermitteln, dass wir von außen eine echte Verantwortung haben, diesen kriminellen Handlungen ein Ende zu setzen. (Als Antwort auf eine Frage von David Heap, der GazaArk.org)

Aus dem Englischen: Folker Hoffmann, Gegenmeinung

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