Samstag, 13. Oktober 2012

Und wenn alle anderen die Lüge glaubten, bekam man den Preis - den Friedensnobelpreis

Mowitz
Die würdigsten Friedensnobelpreisträger wurden in den Jahren gekürt, als kein Preis verliehen wurde. Und das geschah bereits 19 mal. Erstmals 1914 und zuletzt 1972. Dazwischen wurden Würdige, weniger Würdige und Unwürdige geehrt. Bekannte und Unbekannte. Menschen (101) und Organisationen (24). An die meisten erinnert sich sowieso noch kaum jemand. Wer kennt schon noch Auguste Beernaert? Mitglied des Internationalen Schiedsgerichtshofs in Haag, der den Preis 1909 erhielt. Oder schon mal etwas vom Dänen Fredrik Bajer gehört, der sich 1908 den Preis mit dem Schweden Klas Pontus Arnoldson teilen durfte?

Henry Kissinger (1973) bekam den Preis für das Friedensabkommen mit Vietnam, nachdem das Imperium vergeblich versucht hatte Vietnam unter Einsatz von Millionen von Litern Entlaubungsmitteln, hauptsächlich Agent Orange, (dem stärksten Gift aus der Stoffklasse der Dioxine), in die Steinzeit zurückzubomben. Dafür konnten für den Krieg mitverantwortliche US-Amerikaner im Nachhinein auch schon noch mal den Friedensnobelpreis erhalten.

Und nun die EU; das große, europäische Friedenspojekt. Wie sagte doch der Büttenredner in Oslo so schön in seiner sorgfältig vom Blatt abgelesenen Begründung des Nobelkomitees? "Die Union und ihre Vorgänger haben über sechs Jahrzehnte zur Förderung von Frieden und Versöhnung beigetragen. Seit 1945 ist diese Versöhnung Wirklichkeit geworden >>>"

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Klar doch, die EU führt keine Kriege im EU-Outfit. Zum Glück tanzen aber die Mitgliedsstaaten der EU auf vielen Hochzeiten und in vielen Kostümen. Des Öfteren auch in NATO-Uniform und als Handlanger des Imperiums, das auch nach Agent Orange unverdrossen seine Terrorkriege um die Weltherrschaft mit Hilfe seiner EU-Vasallen weiterführt. Wir sind Papst und jetzt noch sehr viel mehr großdeutsch: "WIR SIND NOBELPREIS!", Herr Oberst Klein! Die Griechen wirds freuen. Ebenso die Spanier und den Rest des EU-Proletariats. Sie werden einige Jahrzehnte für die Krise zahlen, die ihnen die Bankster für die "Erschließung" neuer Märkte unter anderen Werbeslogans einbrockten. So lief die Werbekampagne für den Afghanistankrieg  beispielseise unter dem lobenswerten Schlagwort "Enduring Freedom" (dauerhafte Freiheit), wobei die Frage "wessen Freiheit?" ernsthaft weder gestellt, noch beantwortet wurde. Als die Völker der "dauerhaften Freiheit" überdrüssig waren und drohten nicht länger bei der Fahnenstange zu bleiben, eilte das Friedensnobelpreiskomitee zur Hilfe und kürte 2009 den nur wenige Monate zuvor gewählten US-amerikanischen Präsidenten Obama, "für seine außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken" zum Friedensnobelpreisträger. Noch immer fördert er die Zusammenarbeit zwischen den Völkern mit persönlich abgesegneten Drohnenjagden auf Zivilisten in Pakistan. Und "wir", das 500 Millionen EU-Völkchen, das nun auch Friedensnobelpreisträger geworden ist, dürfen endlich auf Augenhöhe mitjagen. Oder wie Merkel höchst selbst die Gelegenheit nutzte um sich an die Spitze der Bewegung zu setzen: "Das ist Ansporn und Verpflichtung zugleich - auch für mich ganz persönlich!"

Der Jugoslawien-Krieg war ein innereuropäisches und US-amerikanisches kapitalistisches Kriegsprojekt, das so wenig mit Förderung von Frieden und Versöhnung zu tun hatte wie Hitlers Überfall auf Polen, oder der US-amerikanische Gift-Krieg gegen Vietnam, für den man bis heute immer noch keine Abbuße geleistet hat. Das meint ein Imperium nämlich nicht tun zu müssen. Egal wieviel Millionen Tote es auf dem Gewissen hat. In Kürze sind "wir" noch präsenter in Syrien als wir jetzt bereits schon sind und vollenden dort die nächste Friedensmission auf dem Weg zu neuen Ufern.

Ein Friedensnobelpreisträger, einer der Würdigen, Carl von Ossietzky, brachte 1931 seine Erkenntnis in der Weltbühne zum Ausdruck: "Der Krieg ist ein besseres Geschäft als der Friede. Ich habe noch niemanden gekannt, der sich zur Stillung seiner Geldgier auf Erhaltung und Förderung des Friedens geworfen hätte. Die beutegierige Canaille hat von eh und je auf Krieg spekuliert."

Der Frage wann ist man EU, wann ist man NATO sollten sich die Komitees vermehrt widmen, ehe sie ihre sonntäglichen Preisreden halten. Mein Vorschlag an die Bauchtänzer der Nobelstiftung wäre: Abschaffung sämtlicher Nobelpreise, einschließlich des nur so genannten "Nobelpreis" für Ökonomie, außer den naturwissenschaftlichen. Die haben zumindest einigermaßen nachvollziehbare Regeln, auch wenn 99,99 Prozent von uns die Begründungen die zum Erhalt der naturwissenschaftlichen Preise führen, nicht kapieren.

Heute würde es ein Carl von Ossietzky für den Friedenspreis noch nicht einmal in die engere Auswahl der Kandidaten schaffen.

FH

Zum Thema:
Gegenmeinung: Keine europäische Kleinstaaterei und Friede sei mit Euch allen......

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