Donnerstag, 4. Oktober 2012

“Was gesagt werden muss” und der mediale Widerhall auf Günter Grass, eine Nachbetrachtung

Was dir verhasst ist, tu deinem Nächsten nicht an! Das ist die ganze Torah, der Rest ist Erläuterung“ Hillel (ca. 30 v. bis 9 n. Chr.), Begründer des einflussreichsten jüdischen Lehrhauses

Gastbeitrag von Gerald Tauber
(Dieser Artikel ist die persönliche Auffassung des Autors)

Das die Reaktionen auf das Gedicht Was gesagt werden muss so einseitig und zum Teil heftig ausfielen war schon überraschend und Günther Grass hat dieses wahrscheinlich so auch nicht erwartet. Eigentlich wollte Grass auf die Folgen hinweisen die ein militärisches Abenteuer haben könnte. Zweitens sollte es ein Diskurs über Israel werden und darüber, dass Israel einen Krieg gegen den Iran vorbereitet, dessen Präsident Mahmud Ahmadinedschad verbal sich gegenüber Israel auch nicht zurückhält und auch medienwirksam als Apartheidsstaat bezeichnet und Rassismus gegenüber den Palästinensern vorwirft. Was die immer wieder vorgebrachte Behauptung das er den Staat Israel auslöschen möchte oder der Leugnung des Holocausts kann man geteilter Meinung sein, zumindest in den offiziellen Übersetzungen findet man es vergebens und was er mit der Beendigung des Besatzungsregimes meint dürfte wohl ein Teil einer Interpretation sein.

Aber auch der von Ministerpräsident Netanjahu immer wieder angekündigte sogenannte Präventivschlag gegen iranische Atomanlagen macht die Sache nicht unbedingt besser, weil eine Prävention im militärischen Sinne immer ein Angriff bedeutet, um den Gegner seiner Möglichkeiten zu berauben zu reagieren. Das ist keine Interpretation, Fakt ist das diese Art der Rhetorik von beiden Seiten seit Anfang der 1980ziger angewendet wurde. Das aus dieser Art von Rhetorik die die beiden Seiten verwenden in einer engen wechselseitigen Beziehung stehen und daraus sehr schnell ein heißer Krieg werden kann offenbart ein Blick in die Geschichtsbücher und die Welt stand ja öfters mal schon am Abgrund, wenn es da nicht auch besonnene Menschen gegeben hätte die über die Folgen von Präventivschlägen einmal nachgedacht hätten.

Das ein Marcel Reich Ranizki sich wohl etwas ernüchtert in der FAZ äußerte ist wohl zu verschmerzen und das der selbsternannte Antisemitismusexperte Broder Grass einen “ewigen Antisemiten” nennt, bei Broder sind alle Antisemiten außer er selber und vielleicht wollte er sein Buch “Der ewige Antisemit” einen neuen Verkaufsschub geben, war nicht sehr neu oder die Reaktion des unvermeidlichen Ralph Giordano, der bekanntlich Muslime im allgemeinen aufgrund seiner Ästhetikvorstellungen nicht besonders mag und Frauen die eine Burka tragen schon mal als menschliche Pinguine bezeichnet, oder die des Zentralrats der Juden in Deutschland waren ja nicht besonders verwunderlich, sondern absolut vorhersehbar. Das eigentlich erstaunliche war das der mediale Widerhall voll auf dieser Linie der vorgenannten, der Bundesregierung und der eher rechts stehenden politischen Eliten war, die mehr hysterische Züge hatte als man eigentlich hätte erwarten sollen. So nach dem Motto haltet den Dieb, weil man ihm doch nicht habhaft werden kann. Das erinnert auch an die politisch motivierte, sogar staatsanwaltliche, Rezension seines Bestsellers die „Blechtrommel“. Diese hatte vor einem halben Jahrhundert den tiefen Riss zwischen der Weltkriegsgeneration, den Überlebenden der Verfolgung und der Nachkriegsgeneration offenbarte. Die im Dritten Reich lebten und arbeiteten (für den Endsieg) fühlten sich damals sichtlich an den Pranger gestellt und sprachen von politischer Demagogie, die Jüngeren erkannten den damals neuen Anspruch des Autors aufzuklären und folgten ihm in seinen Kampagnen gegen die NPD, die in den 60er Jahren noch einmal die ergrauten und die neuen Nazis mobilisierte. Dabei interessiert es heute das viele der Grass Kritiker die Mitgliedschaft von Günter Grass in der Waffen-SS besonders betonten, das obwohl 1944/45 die Mitgliedschaft in der Organisation per Einberufungsbefehl erteilt wurde und nicht auf Freiwilligkeit beruhte. Aber naja, Grass kann polarisieren und er tat es auch eigentlich auch recht gerne. Der moralische Anspruch den Grass hatte und viele seiner Kritiker immer wieder besonders betonen sind da eigentlich kontraproduktiv wenn man ihn kritisiert.

Die immer wieder betonte besondere Verantwortung Deutschlands für die Sicherheit des Staates Israels sind ebenfalls kontraproduktiv. Die von Merkel und Fischer apostrophierte Staatsräson beruht wohl eher auf machtpolitischen Erwägungen im Bündnis mit den USA und nicht auf der Einsicht das die Shoa ein Kapitalverbrechen gegen die Menschlichkeit war, na immerhin verteidigten beide die Freiheit Deutschlands am Hindukusch, wohl nicht persönlich aber wenigstens stellvertretend durch Soldaten, aber Wehe eine Afghane kommt auf die Idee die Freiheit Afghanistans am Brandenburger Tor zu verteidigen.

Für was ist das heutige Deutschland in Verbindung mit Israel so mit verantwortlich?? Nicht etwa Unterstützung der Siedlungspolitik und allmähliche Verdrängung der ursprünglich ansässigen Bevölkerung, einer Besatzungspolitik die eine Bevölkerung von ca. 5 Mio. einer unmenschlichen Behandlung unterwirft, ihrer Freiheitsrechte beraubt und Waffenlieferungen die als Sicherheitsgarantie verkauft werden. Auch ist die Bundesrepublik Deutschland mit Verantwortlich das viele Überlebende des Holocausts unterhalb der Armutsgrenze in Israel leben und betteln gehen für Lebensmittel am Ende der Markttage in Tel Aviv oder Haifa.

Ja dafür ist das heutige Deutschland mit verantwortlich aufgrund einer machiavellischen Staatsräson, die nichts weiter besagt das die Interessen des Staates über den der Bürger stehen, eine Staatsräson auch zu einer praktischen Gleichschaltung einer kritischen Öffentlichkeit, wie beim Themenbereich Israel, im allgemeinen führen soll. Dass der Hype um das Gedicht dann aber so heftig und die Ablehnung in der medialen Welt nahezu einhellig war, war dann doch für Grass überraschend und die Reaktion auf das Gedicht entsprach auch der deutschen Staatsräson elegant jegliche Kritik an der Regierung Israels und ihrer Handlungen zu umschiffen, nach dem Motto Israel hat ja einen Erzfeind und wie können wir Tätervölkler auch nur das Opfervolk kritisieren, das obwohl jedem bekannt sein dürfte das die Mehrheit der Juden noch nicht einmal in Israel lebt. Das das Thema Staat, Nation und Rasse dabei in den Überlegungen eine gewichtige Rolle spielt, ein Schelm wer böses dabei denkt.

Diese faktische Einhelligkeit der Kommentatoren stand auch im Kontrast zur einer Meinung breiterer Bevölkerungsschichten in der Magna Germania, die in Leserbriefen und Kommentaren der Leitartikel zum Thema und im WWW zum Ausdruck kamen. Eigentlich war die Kritik am Gedicht von Grass eine Kritik am deutschen Pazifismus, den die politischen Eliten seit nahezu 50 Jahren aufzubrechen versuchen und bisher grandios gescheitert sind, wie man am Fall des Horst Köhler eigentlich auch sehen kann. Er ist wohl kaum zurückgetreten weil er kritisiert wurde zu dem was er zu den “Neuen Kriegen” verlautbaren ließ, wohl eher weil er kritisiert wurde für etwas, was nicht seine eigne Meinung war.

Das man Grass bei vielen Meinungsäußerungen als ein "Nazifreund" und Antisemiten bezeichnete ist eigentlich der Hilflosigkeit der Argumentationsweise der schreibenden Kritiker, erkennbar in den Artikeln und der Meinungsäußerungen der Grasskritiker, zum Thema geschuldet. Günter Grass hatte sie kalt erwischt, denn Grass wurde in der Vergangenheit wohl eher als ein Unterstützer des Staates Israel gesehen. Man verfiel einfach gesagt in eine altbekannte Abwehrrhetorik und versuchte Günter Grass Wortwahl zu durchleuchten und versuchte Deutungen für die Worte wie „Erstschlag“ oder „Nuklearpotenzial“ zu finden, die in der Regel zu recht erheiternden Erkenntnissen kamen, wie Hans Ulrich Gumbrecht in der Welt vom 09.04.2012 um ein Beispiel zu nennen. In der Meinungsäußerung des Autors kam die absolute Hilflosigkeit zum Ausdruck den Pazifismus, den seiner Meinung nach Grass symbolisiert, in Verbindung zu Nazistischen Weltanschauungen zu bringen. Er bringt es sogar fertig die offizielle NATO-Doktrin des (nuklearen) Erstschlags in die Kategorie „nationalsozialistische Kriegsrhetorik“ zu verorten, wahrscheinlich ohne es auch nur zu Ahnen. Dabei weis jeder der einigermaßen Geschichtskenntnisse hat das die Nazis die Worte „Verteidigungskrieg“ (Polen 1939, Frankreich 1940), „Präventivschlag- oder Präventivkrieg“ (Dänemark, Norwegen 1940, Sowjetunion 1941) oder Krieg aus Bündnistreue (Nordafrika, Griechenland, Jugoslawien oder USA 1941) verwendeten.

Eigentlich scheint es eher so, das es ein Thema war das in einen "medialen Aufreger" verwandelt werden sollte, wie in jüngster Zeit die Themen Wulff, Die Linke und eben auch Grass, aber auch Libyen, Syrien oder der Fall Julija Tymoschenko zeigen, das Ziel der Grass Kritiker zu sein. Die ein eher bedenkliches Bild vom Zustand der schreibenden Zunft nebenbei offenbarten und in der medienwirksamen Berichterstattung darüber als vorauseilenden Gehorsam bezeichnet werden kann. Von tiefgehenden Recherchen, abwägenden Urteilen und einer distanzierten Berichterstattung, die dem Leser eine eigene Meinungsbildung gestatten, ist in oben genannten Fällen nur noch wenig bis nichts zu beobachten, sondern es ging „nur“ um eine aktive Meinungsgestaltung. Das ist wahrscheinlich auch dem Umstand zu verdanken das es sich immer „nur“ um Meinungsäußerungen handelte. Die Meinung die transportiert werden soll war in oben genannten Fällen absolut vorgegeben, man konnte ihr maximal zustimmen oder auch nicht, zu einer Wissensmehrung dienten sie alle nicht.

Interessant an jeglicher Verteidigung an den Aggressionsphantasien, die der Politik der Regierungen Israels in diesem Fall einhergeht, ist immer auch das es immer um Moral geht oder besser gesagt was als diese gedeutet wird. Dabei weis jeder der sich mit dem Thema Moral beschäftigt hat, das es sich um eine Tretmine in einem eng verlegten Minenfeld handelt. Moral ist immer ein Teil der zur eignen persönlichen Meinungsbildung beiträgt, in einem Abwägungsprozess Entscheidungen zu einem Themenfeld betrifft. Wenn man zum großen Teil mit einem streng abgesteckten Freund-Feindbild arbeitet, als ob es auf dieser Welt nur ein Für oder Dagegen geben könnte, nimmt die Moral zum Teil groteske Züge an und im Extremfall kann diese auch absolut zerstörerische Züge annehmen kann wie man an der Shoa, der Sklaverei oder den kriegerischen Auseinandersetzungen in der Menschheitsgeschichte sehen kann. Abstrakt gesehen handelt es sich bei der Moral vielmehr um einen Aufputsch- bzw. Abstumpfungsprozess, je nach Umfeld zu einem Themenfeld fällt dieses unterschiedlich aus, das zur Beruhigung des eignen Gewissens führen soll indem man sagt das die Konsequenzen einer Entscheidung dann doch nicht so beunruhigend sind, wie man zuvor angenommen hat (Abstumpfung) oder das die Entscheidung letztendlich zu einer wesentlichen Besserung der Ausgangsposition beiträgt, als man zuvor angenommen hat (Aufputschversion).

Der Sturm der Entrüstung auf das Grass Gedicht kann man in dieser Form einer moralischen Abwägung von negativen Folgeerscheinungen nach einem israelischen Angriff auf den Iran sehen. Zuallererst war der recht einstimmigen Kritik eines zu eigen, man sieht im Iran das „Böse“, also anders ausgedrückt einen Feind der das freiheitsliebende, demokratische und „rechtschaffene“ Israel in seiner Existenz bedroht. Um einen Feind entstehen zu lassen muss man ein nicht kommunikatives Feindbild entwickeln, in dieses kann man alle erdenklich negativen Wesenseigenschaften hineininterpretieren um so das Feindbild glaubwürdiger erscheinen zu lassen. Interessanterweise fehlen dem Iran da schon die Normative freiheitsliebend, demokratisch oder rechtschaffen. Der Iran wird immer als ein Obrigkeitsregime bezeichnet, was in dem Wort Mullahregime sich manifestiert. Dieses dient letztendlich zur moralischen Rechtfertigung der negativen Begleiterscheinungen eines israelischen Angriffes auf die Atomanlagen des Irans. Die moralische Abwägung die zu einer Zustimmung der Bombardierung der iranischen Atomanlagen führt basiert darauf das man den allseits gehassten Feind schwächt, man bombardiert ja nicht Teile des iranischen Volkes, sondern nur die Installationen des Regimes, man schützt die eigne bzw. die Seite mit der man selber Sympathisiert und glorifiziert diese zusätzlich, was sich in der Formulierung die einzige Demokratie im Nahen Osten manifestiert. Das der radioaktive Fallout, von dem Teile des iranischen Volkes betroffen sein würde, wird nicht als Folge der Bombardierung gesehen, sondern dieses ist die Schuld des allseits gehassten Feindes, denn wenn das Regime diese Atominstallationen nicht hätte erbauen lassen gäbe es keine Bombardierung und letztendlich keinen radioaktiven Fallout der die Bevölkerung schädigen könnte. Welch einleuchtende Logik.

Im medialen Widerhall auf das Grass Gedicht konnte man dieses alles in der FAZ, TAZ, FR, Die Welt, Spiegel, Stern usw. wiederfinden. Was manche der Kritiker zu fragwürdigen Formulierungen und Unterstellungen veranlasste wie Hendryk M. Broder weis ich leider auch nicht: „Das war nicht mehr und nicht weniger als eine Aufforderung an Israel, nicht nur Nablus und Hebron, sondern auch Tel Aviv und Haifa aufzugeben. Ebenso wie die Hamas und die Hisbollah macht auch Grass keinen Unterschied zwischen den 1948 und den 1967 'besetzten Gebieten', für ihn ist die Besitznahme palästinensischen Bodens und seine israelische Besiedlung eine kriminelle Handlung.“ Hier geht es nicht um Kritik sondern um Diskretierung des Herrn Grass, das dieses logischer Weise auf keine Kritik stieß sollte nicht verwundern, obwohl Hr. Broder ja es anscheinend besonders schlimm findet das Israel Nablus und Hebron aufgeben soll und er unterstellt Grass ganz einfach das er Haifa und Tel Aviv in einen Palästinenserstaat mit einbezieht, davon war wohl kaum die Rede beim Friedensprozess mit den Palästinensern. Nimmt man den Argumentationsstrang des Hr. Hammelehle im Spiegel Online vom 4. April 2012 und ihr folgt stellt man erstaunt fest Kritik an Israel ist antisemitisch, weil es Kritik am Juden handelt, vielleicht ist auch das Land Israel gemeint, und Grass würde sich in seiner Kritik letztendlich einer Weltverschwörungstheorie bedienen um Israel zu diskreditieren, was nebenbei Hr. Grass partout scheut wie der Teufel das Weihwasser. Vielleicht ist es der heisenbergischen Unschärferelation zu verdanken, aber prinzipiell ist es gerade das Charakteristikum von Verschwörungstheorien, dass sie von Themenbereichen handeln, die sich tatsächlich oder vermeintlich jeder Nachprüfbarkeit entziehen und die Angriffsdrohungen seitens verschiedener Vertreter der derzeitigen Regierung Israels kann eigentlich jeder nachlesen und das man nach dem Trommeln auch ein paar Taten folgen lassen muss um seine Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren dürfte eigentlich auch jedem bekannt sein. Nimmt man den Artikel von Stefan Kornelius vom 10.04.2012 erschienen in der SZ, darin wird behauptet, „Seit gut zehn Jahren wächst die Sorge um die iranischen Nuklearanlagen, seit etwa 2008 wird die Beweislast erdrückend.“ Wenn man die Berichte der IAEA zum Thema IRAN und Atomprogramm liest behauptet ja noch nicht einmal die IAEA sie hätte Beweise für ein militärisches Atombombenprogramm sondern verweist auf Unregelmäßigkeiten aus den Jahren 2003-05 im Umgang mit radioaktiven Stoffen, der Rest der IAEA Analysen bestehen aus Vermutungen wohlgemerkt und wenn es nicht die IAEA wäre würde man dann wohl von einer Verschwörungstheorie sprechen?

Und zu gutem Schluss sahen Manch andere da schon „Die Konfrontation zwischen dem Westen und dem Islam wird schärfer, die Chance auf Frieden in Nahost noch geringer.“ (Stefan Reinecke TAZ 6.April 2012) Was ja sehr erhellend ist, hier wird schon gar nicht mehr von Israel und dem Iran gesprochen sondern vom Westen und Islam, da der Westen sich selber als Ideologiekonstrukt des Kapitalismus versteht wird der Islam damit von einer Religion zur all umfassenden einheitlichen Gegenideologie umgedeutet, Frau Kelek und Hr. Huntington sei dank, das mancher Zeitgenosse zu so epochalen Gedanken(kurz)schlüssen gelangen können.

Das man im Falle Israels sich in Deutschland mit Kritik besonders schwer tut ist nicht besonders verwunderlich, immerhin bezeichnen sich selbst große Teile der politisch intellektuellen Elite als Teil eines Tätervolkes und sehen sich selber als „moralisch“ verantwortlich für die Sicherheit Israels, als ob man dieses nicht besser den Israelis überlassen und sie bei der friedlichen Lösung des Konfliktpotenzials mit seinen Nachbarstaaten unterstützen sollte. Es gab lediglich ein paar Artikel zum Thema Grass, die die ganze Emotion zum Thema in Deutschland nicht so richtig verstehen konnten, dummerweise kamen die auch noch aus Israel. Die Kritik an Israel - nicht an der jüdischen Religion und seinen Anhängern - sollte eigentlich Normalität sein, aufgrund der Besatzungspolitik im Westjordanland, des Umganges mit den Palästinensern und dem latenten Hang politische Prozesse mit Waffengewalt beschleunigen und lösen zu wollen. Es verwundet auch das sich fast die gesamte Medienlandschaft langsam auf Kriegskurs gegen den nun neuen Weltfeind Iran befindet, mäßigende Stimmen in Deutschland sind hierbei recht selten geworden. Kritiker des deutschen Politmainstreams im Umgang mit Israel wie ich gelten da vielleicht als Antisemiten, wenn man sich die Thesen der Kritiker so ansieht und einer Textanalyse unterzieht, braucht man davor eigentlich keine Angst zu haben, mehr als Polemik haben die Kritiker eigentlich nicht zu bieten und sie bedienen sich sehr gerne der Rhetorik die in Deutschland von 1933-1945 recht üblich war, auch wenn die Kritiker dieses wohl anders sehen und sich selbst als blendende Rhetoriker verstehen. Kritiker der Politik Israels in Deutschland werden aber zuallererst angegriffen, weil sie eben zuerst als Bürger der Bundesrepublik Deutschlands gesehen werden, eben als Teil „des Tätervolkes“ das sein Messer in den Rücken des um sein Überleben kämpfenden Israels rammt. Anscheinend ist in den Köpfen mancher Zeitgenossen der Zweite Weltkrieg und der Holocaust noch nicht beendet und Hitler treibt in den Köpfen immer noch sein Unwesen. In Deutschland ist das absolut besondere, weil es heißt, als Deutscher dürfe man die Politik Israels nicht kritisieren und das ist für einen sogenannten mündigen Bürger jedoch prinzipiell nicht tragbar, vor allem vor dem Hintergrund des Holocausts.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen