Donnerstag, 29. November 2012

Regierungsparole in Berlin: Wohlstand für Alle

Mowitz
Die deutsche Lohndrückerkolonne in Regierungsstellung musste sich irgendetwas einfallen lassen um die Erfolglosigkeit ihrer gescheiterten Politik vor der Öffentlichkeit zu verbergen und sie stattdessen, in geschöntem Gewand, den Wählern neu zu präsentieren. Die erste Fassung des Armutsberichts in deutschen Landen war voller Tristesse, die unbearbeitet so nicht unters Volk gestreut werden durfte.

Philipp Rösler, Durchblicker und Transparenzler der alternativlosen Uckermark-Regierung, bemerkte schon im September, dass der Bericht aus von der Leyens Armutsministerium, das größte Ministerium in Deutschland überhaupt, nicht "die Meinung der Bundesregierung" wiedergebe. Den praktizierenden Aushilfsanführer deutscher Neocons störte vor allem der Hinweis im Armutsbericht, dass die gesellschaftliche Spaltung in der Republik immer größer werde. Das ist eigentlich eine leicht  vorhersehbare und selbstverständliche Folge neoliberaler Privatisierungspolitik und sollte für Kenner der Szene, aber augenscheinlich nicht für die hilflos agierenden Berliner Politruk(ä)liten, die zwar gewählt sind, aber nichts zu sagen haben, nicht sofort erkennbar. Im Gegensatz zu jenen, die was zu sagen haben, aber nicht gewählt sind und zielbewusst auf die Massenverelendung hinarbeiten, um den eigenen Profit zu stärken.
Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de

Mit anderen Worten ist das Resultat deutscher Wohlstandspolitik: "Immer weniger Menschen haben immer mehr, während immer mehr Menschen immer weniger haben." Damit wird der Nullsummenspielcharakter unseres Geldsystems bestätigt, der aber leider immer noch nicht für jedermann verständlich ist. Darum kann ein solches Armutsergebnis in der Vorstellungswelt eines marktgläubigen Röslers auch nicht stattfinden.

Was nicht sein darf, kann nicht sein, so seine messerscharfe Schlussfolgerung und im neuen, härter gefälschten Armutsbericht war die Sprache wieder orwellsch sauber und von belastenden Fakten entsorgt. In vollem Einverständnis, über alle ideologischen Grenzen hinweg, trafen sich die Neocons Rösler und von der Leyen dort wo sie sich am Ende immer treffen. Dem Vernehmen nach zu Kompromissen in der Mitte der Gesellschaft. Ein "ganz normaler Vorgang", wie ein Mensch des Armutsministeriums, mit Sinn für Tatsachenfälschung, kundtat. Aus alt mach neu. Die über vier Millionen Erwerbstätigen die 2010 in Deutschland für einen Bruttostundenlohn von weniger als sieben Euro ihre Fronarbeit verrichteten und im alten Bericht noch gebührend erwähnt wurden, tauchten nun im neuen, noch schöner gefärbten Bericht gar nicht mehr auf. Mit dieser Meisterleistung neoliberaler Schönfärberei soll der Bevölkerung die Motivation zum Aufstand genommen werden. Wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen zu hören ist, sollen auch ältere Berichte der Berliner Schauspieltruppe umgeschrieben werden, um neuen Anforderungen der Volksverarschung Genüge zu tun. Aus nur gefühlter Armut, wird realer Wohlstand gezaubert. Laut aktuell gestreuter Gerüchte der Obrigkeit soll die Geschichtsumschreibung von Altlügen zu Neulügen, bereits in Kürze, dank modernster Kommunikationstechnik, in Angriff genommen werden.

FH

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