Freitag, 9. November 2012

Uraltkanzler Helmut Schmidt sieht schwarz, nicht rot!

Mowitz
Zwischen zwei Glimmstengel tat das Orakel im Hamburger Michel, vor einem illustren Publikum aus Politik, Wirtschaft und Publizistik, die schlimmste aller deutschen Befürchtungen kund: „Wir stehen vielleicht vor einer Revolution in Europa!“ und empfahl zu deren Bekämpfung sowie zur Rettung des Euros, doch bitteschön etwas mehr Vertragsbrüche zu wagen. Dabei durfte der Hinweis auf den grundgesetzwidrigen, aber dennoch geglückten Bundeswehreinsatz während der Hamburger Flutkatastrofe 1962 nicht fehlen. Eliten, Nebenverdienstler, Profiteure und Börsenzocker unter sich halt.

Auch heute trifft die kapitalistische Flutkatastrofe nicht das illustre Publikum im Hamburger Michel, sondern die arbeitenden Menschen in Europa, die sich vielerorts nicht einmal mehr satt essen können. Zustände wie sie in den ärmsten Entwicklungsländern, seit Einführung des Kapitalismus, immer schon Realität waren und für die 47,1 Millionen US-Amerikaner, die in der Hochburg des Kapitalismus auf Essensmarken angewiesen sind um satt zu werden, ist es seit einigen Jahren auch zu einer bitteren Wirklichkeit geworden.

Und der Uraltkanzler wundert sich darüber, dass die Menschen das Vertrauen in die "Institutionen" verlieren.

Der deutsche Finanzminister Schäuble durfte auf der Veranstaltung nicht fehlen und forderte fröhlich die anderen Länder auf, sie müssten besser und produktiver werden. Wachstum und Produktivität, zwei Schlüsselbegriffe, neben Profit, im Kapitalismus. Egal was wächst, Hauptsache der Gewinn stimmt für die hauchdünne Schicht der Zocker, damit sie auf ihre Kosten kommen. In den USA wurden vor dem Finanzcrash bereits die Hälfte der Gewinne nicht in der Realwirtschaft gemacht, sondern durch luftige Finanzgeschäfte. Geld mit Geld verdienen, noch so ein kapitalistischer Glaubenssatz, der schon nach einigen Jahren in die Krise führte und Massenarmut und Massenarbeitslosigkeit auch dort auslöste, wo man bislang einigermaßen verschont war. Deutschland kaschiert gestiegene Armut, Arbeitslosigkeit und Niedriglöhne mit gezinkten Statistiken und einer hörigen Presse als Tonträger von Falschspielern.

Die Systemkrise des Kapitalismus wird als solche gar nicht mehr wahrgenommen, sondern, so die Dünnschiss-Argumente der "Großen Kümmerin" Merkel vorgestern vor dem Europaparlament:
"»Es ist nicht in Ordnung, daß ich jedes Mal einen Streik mache, wenn eine Privatisierung erfolgen soll; es ist nicht in Ordnung, daß ein Eisenbahnsystem über die Fahrkartenpreise nicht mal soviel einbringt, daß man davon die Beschäftigten bezahlen kann; es ist nicht in Ordnung, wenn man ein Steuersystem hat, aber keine Steuern zahlt.«

Merkels Empörung ist echt. Sie richtet sich gegen »die Griechen«. Niemand weiß, warum. Denn »die Griechen« streiken gar nicht, wenn eine Privatisierung erfolgen soll. Es streiken vielmehr jene, die die Privatisierung bezahlen müssen. Und zwar mit nichts Geringerem als ihrer Existenzgrundlage. Millionäre, Unternehmer und Banker streiken nicht. junge Welt"
Und wenn nun alle Länder produktiver werden, Herr Schäuble, wird es dennoch eine Rangordnung geben. Wie in der Bundesliga. Es wird Erste und Letzte geben und die Schere wird immer weiter auseinanderklaffen, auch bei steigender Effizienz, denn der größte Teil der Effektivitätsgewinne verschwindet im Kapitalismus in den Taschen der Kapitaleigner. Das ist im Kapitalismus systemimmanent und wird tunlichst dem Volk verschwiegen. Die Masse der Menschen verarmt im selben Ausmaß, in dem immer weniger Menschen immer reicher werden. Wir, die Kulis, sollen das Hamsterrad des Konkurrenzdruckes, noch schneller treten um für ein paar Krümel dem "illustren Publikum" im Michel das Dasein sehr viel mehr zu vergolden, als wir es ohnehin schon tun.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Die Menschen brauchen ein Dach über den Kopf, Essen auf dem Tisch, eine gute Krankenversorgung, keine Altersarmut und keine Kriege. Außerdem ist es unumgänglich für eine etwas bessere Welt, mehr Solidarität und weniger Konkurrenz zu praktizieren. Das ist mit einem Kasinokapitalismus nicht zu erreichen. Und so nähert man sich hoffentlich dem Punkt, den das Orakel in Hamburg um jeden Preis vermeiden will. Ein Aufstand von unten nach oben.

In einem eigenen Bericht von GERMAN-FOREIGN-POLICY.COM ist zu lesen, dass Guido Westerwelle, seines Zeichens deutscher Außenminister, das Imperium zu einer "Verdichtung" der transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen auffordert. Was Westerwelle mit "Verdichtung" meint, entpuppt sich als konkrete Verhandlungen über die Schaffung einer "Transatlantischen Freihandelszone". Keine Neuigkeit, aber für kapitalistische Wachstumsfetischisten, wie der einzigen deutschen Freiheitsstatue die noch frei herumläuft, ein MUSS um zusätzliche Gewinne in Milliardenhöhe zu machen und last but not least, in enger Zusammenarbeit das "gemeinsame Interessenfundament" im weltweiten Konkurrenzkampf zu stärken. Will sagen: Mehr vom Falschen - Mehr Krieg.

FH

Zum Thema:

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