Sonntag, 9. Dezember 2012

Gefährlicher Scheideweg: Die NATO-Raketen in der Türkei zielen auf Syrien

Patriot missile, WikiPublic domain
Von Tony Cartalucci
Global Research, 05.12.12

Die NATO hat die Aufstellung in den USA hergestellter Patriot-Raketen entlang der türkischen Grenze (zu Syrien) beschlossen und behauptet, diese Maßnahme diene nur der "Verteidigung". [s. hier] Syrien bekämpft nun schon seit zwei Jahren Terroristen, die von der NATO, der auch die Türkei angehört, bewaffnet, finanziert und ausgerüstet werden. Die Türkei hat eingestanden, dass sie ausländische Kämpfer beherbergt und ihnen logistische Unterstützung gewährt [s.hier], damit sie ungehindert über die Grenze nach Syrien einsickern können; viele dieser Kämpfer geben offen zu, Al-Qaida anzugehören. [s. hier]. Trotzdem hat Syrien immer streng darauf geachtet, jede Konfrontation mit der Türkei zu vermeiden.

Im Gegensatz dazu fliegt die Türkei seit Jahren Bombenangriffe auf Dörfer in benachbarten Staaten, in denen sie kurdische Kämpfer vermutet; sie führt auch Bodenangriffe durch, die in den westlichen Medien als "Strafaktionen" verharmlost werden. Obwohl die Nachbarstaaten gegen diese wiederholten völkerrechtswidrigen Überfälle des NATO-Mitgliedes Türkei regelmäßig protestieren, sind die Vereinten Nationen bisher nicht dagegen eingeschritten; auch die so genannte "internationale Gemeinschaft" hat nichts dagegen unternommen.

Im Oktober 2011 war in McClatchy-Zeitungen unter der Überschrift "Die Türkei dringt in den Irak ein, weil kurdische Rebellen 26 türkische Soldaten getötet haben" zu lesen:
"Am Mittwoch führte die Türkei mit eigenen Truppen und Kampfjets im Irak eine Strafaktion gegen kurdische Rebellen durch, die bei mehreren Angriffen in der südtürkischen Provinz Hakkari mehr als 25 türkische Soldaten getötet hatten. Es war der erste gewaltsame Grenzübertritt seit fünf Jahren, bei dem türkischen Truppen Jagd auf kurdische Guerillakämpfern machten, die sich nach Angaben der Türkei im Norden des Iraks verstecken."
Einen Monat vorher hatte die Türkei Dörfer im Norden des Iraks bombardiert. Im Juni 2012 berichtete die BBC unter der Überschrift "Die Türkei fliegt neue Luftangriffe auf kurdische Rebellen im Irak" zu lesen:
"Das türkische Militär hat weitere Luftangriffe gegen kurdische Rebellen-Basen im nördlichen Irak bestätigt. Es gab bekannt, türkische Flugzeuge hätten vor allem in der Region Qandil neun Angriffe auf Schlupfwinkel der Kurdischen Arbeiterpartei / PKK durchgeführt.

Bereits letzten Mittwoch hat das Militär über ähnliche Angriffe berichtet, die einen Tag nach Zusammenstößen stattgefunden hatten, bei denen 8 türkische Soldaten und 26 PKK-Rebellen getötet worden waren."
Die zu (den türkischen Übergriffen) komplizenhaft schweigende "internationale Gemeinschaft" hat davor gewarnt, dass ähnliche Strafaktionen Syriens gegen in der Türkei untergetauchte Rebellen sofort ein militärisches Eingreifen (der NATO) zur Folge hätte. CNN berichtete unter der Überschrift "Die NATO genehmigt Patriot- Einsatz und warnt Syrien vor einem Angriff auf die Türkei":
"Heute hat sich die NATO dazu bereit erklärt, die Luftverteidigung der Türkei durch die Verlegung von Patriot-Raketen zu verstärken. Die Türkei hatte die NATO um Unterstützung gebeten, und wir stehen im Geist voller Solidarität zur Türkei," sagte NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen. "Wir bestätigen dem türkischen Volk, dass wir es und sein Territorium entschlossen verteidigen werden. Jedem, der die Türkei anzugreifen beabsichtigt, rufen wir zu: Verschwende keinen Gedanken daran!"
Es scheint so, als wolle die NATO mit der Stationierung von Patriot-Raketen entlang der türkisch-syrischen Grenze sicherstellen, dass die Türkei auch weiterhin im NATO-Auftrag offen und aggressiv gegen Syrien vorgehen kann, ohne mit Vergeltung rechnen zu müssen. Das wird in dem Dokument "Middle East Memo 21, Optionen für einen Regimewechsel zur Rettung Syriens", das die von Konzernen finanzierte Brookings Institution (im März 2012) veröffentlicht hat, offen zugegeben:
"Die Einbeziehung der Türkei und Jordaniens könnte sich als schwierig erweisen, weil sowohl Ankara als auch Amman sich dagegen sträuben könnten, dass eine syrische Oppositionsarmee von ihrem Staatsgebiet aus großangelegte Operationen durchführt. Sie könnten fürchten, dass sich Syrien durch terroristische Akte oder durch das Schüren von Unruhen in ihren eigenen Ländern rächen könnte, und müssten davon überzeugt werden, dass es sich lohnt, dieses Risiko einzugehen; man müsste sie mit Sicherheitsgarantien und dem Versprechen, ihnen bei Bedarf zur Hilfe zu kommen, zum Mitmachen gewinnen. Außerdem könnten Jordanien und die Türkei fürchten, dass es durch die Bewaffnung der syrischen Opposition und die deshalb eskalierenden Kämpfe zu einem Übergreifen der Auseinandersetzungen auf ihre eigenen Territorien oder auf den Irak und den Libanon und zum Aufruhr in der ganzen Region kommen könnte. In Anbetracht der Zerbrechlichkeit der Ordnungsstrukturen in den arabischen Nachbarstaaten Syriens dürfen die Flammen des syrischen Bürgerkrieges nicht leichtfertig weiter angefacht werden; nach der Bewaffnung der syrischen Opposition könnte der Westen dazu gezwungen sein, Syriens Nachbarn bei der Eindämmung von Unruhen, die auf deren Staatsgebiet übergreifen, zu unterstützen." [Seite 6]
Mit der Stationierung von Flugabwehrsystemen entlang der türkisch- syrischen Grenze könnte die NATO (trotz gegenteiliger Beteuerungen) auch den ersten Schritt zur Errichtung einer Flugverbotszone über Nordsyrien getan haben. Schon lange will sie dort "sichere Häfen" schaffen, in denen von den NATO-Raketen (vor Angriffen der syrischen Luftwaffe) geschützte Terroristen ungestört operieren können; von dort aus sollen dann auch von der US-Administration handverlesene Vertreter einer syrischen Ersatzregierung agieren. Auch damit hat sich man sich bereits im Brookings-Report befasst:
"Eine Alternative wäre, die diplomatischen Bemühungen zuerst auf die Beendigung der Gewalt und die Durchsetzung eines humanitären Zugangs noch unter Assads Herrschaft zu konzentrieren. Das könnte zur Schaffung 'sicherer Häfen' und 'humanitärer Korridore' führen, die durch begrenzte (aus dem Ausland kommende) militärische Kräfte geschützt werden müssten. Diese Entwicklung würde natürlich hinter den eigentlich in Syrien verfolgten US-Absichten zurückbleiben und Assad zunächst im Amt belassen. Von diesem Ausgangspunkt wäre es jedoch möglich, eine breite Koalition mit dem passenden internationalen Mandat auszustatten und weitere Veränderungen zu erzwingen." [Seite 4] (Siehe hier.)
Die diplomatischen Manipulationen des Westens sind gescheitert. Im Brookings-Report wurde bereits darauf hingewiesen, dass ein NATO-Luftkrieg wie in Libyen im Falle Syriens zu beträchtlichen Komplikationen führen könnte [weil die syrischen Streitkräfte nicht so leicht auszuschalten wären, wie es die libyschen waren]; in dem Report wird festgestellt, auch wenn die syrische Armee durch NATO-Luftangriffe sehr geschwächt werden könnte, führe das nicht zwangsläufig zu einem Regimewechsel. Deshalb könne der Westen entweder zum Nachgeben oder zu einer Bodeninvasion gezwungen sein." (Seite 11).

Es scheint so, als wolle der Westen mit der Aufstellung von Patriot-Raketen versuchen, das Beste aus beiden Optionen zu machen: Die Patriot-Raketen sollen syrische Kampfjets aus dem Luftraum über Nordsyrien fernhalten; damit möchte die NATO eine Flugverbotszone ohne den Einsatz eigener Kampfjets über Syrien durchsetzen und gleichzeitig die erwünschten sicheren Häfen (im Grenzgebiet zur Türkei) schaffen.

Während die NATO öffentlich bestreitet, mit Hilfe der Raketen eine Flugverbotszone erzwingen zu wollen, hat US-Senator John McCain ausgeplaudert, dass mit einer Patriot-Rakete (möglichst schnell) ein syrisches Kampfflugzeug abgeschossen werden müsse, um psychologischen Druck auf die syrische Regierung auszuüben, damit sie vom weiteren Einsatz ihrer Luftwaffe über dem Grenzgebiet absehe, in dem sichere Häfen entstehen sollen. Auf einer Konferenz der neokonservativen Foreign Policy Initiative / FPI, die am 28. November 2012 zu dem Thema "Die Folgen der Untätigkeit in Syrien" stattfand, sagte McCain auf die Frage, was in Syrien getan werden sollte: [Video hier].
"Für die Errichtung einer Flugverbotszone müssten wir übrigens nicht die Luftabwehr Baschar (al-Assads) ausschalten. Wir müssten nur Luftabwehrraketen (in der Nähe der syrischen Grenze) in Stellung bringen, und ich versichere Ihnen, das erste von uns über der (von uns festgelegten) Flugverbotszone abgeschossene syrische Flugzeug wäre gleichzeitig das letzte, das sich darin bewegt hat. Dann könnten wir am Boden ein (syrisches) Bengasi einrichten. Dort könnten sich die Rebellen organisieren, trainieren und bewaffnen, und wir könnten herausfinden, wer die Guten und die Bösen unter ihnen sind und einen wirksamen Revolutionsrat formen, der frei von Extremisten und Al-Qaida-Leuten ist, die aus dem ganzen Mittleren Osten nach Syrien strömen."
Natürlich verschweigt McCain, dass die Extremisten, die er angeblich aus Syrien fernhalten will, hauptsächlich aus dem libyschen Bengasi kommen, auf das er Bezug genommen hat [weitere Infos hier] – also aus der Stadt, die er und der getötete US-Botschafter Christopher Stevens zu einem Hort des Terrors (s. hier ) gemacht haben, der jetzt auf den ganzen Mittleren Osten ausstrahlt. [s. hier]

McCain hält die Patriot-Raketen für das Waffensystem, das sich am besten zur Durchsetzung der von ihm geforderten Flugverbotszone eignet. Er sagt dazu:
"Ich denke an Patriot-Raketen – die Deutschen wollen ja wohl trotz einiger Probleme welche in die Türkei entsenden. Oder wir könnten (den syrischen Rebellen) eine beschränkte Anzahl von MANPADS zur Verfügung stellen. Patriots (in der Türkei) wären aber wohl besser für unsere Zwecke geeignet. Die syrischen Piloten möchten gewiss nicht in den sicheren Tod fliegen, wie tapfer sie auch sein mögen. Wenn wir einen oder zwei von ihnen abschießen, werden sie sich nicht mehr in die Flugverbotszone wagen. Auch wenn sie Baschar al-Assad schätzen, ihr Leben werden sie sicher noch mehr lieben."
McCain gibt sogar zu, dass die türkische Regierung nicht die Unterstützung der türkischen Bevölkerung hat, wenn sie der NATO bei ihrem Versuch hilft, im benachbarten Syrien einen Regimewechsel herbeizuführen.

Weil ein US-Senator nicht dichthalten konnte, steht jetzt unbestreitbar fest, warum die Flugabwehrraketen in die Türkei verlegt werden sollen: Unter dem Vorwand, ein NATOMitglied müsse "verteidigt" werden, soll de facto eine Flugverbotszone über Syrien durchgesetzt werden. Es bleibt abzuwarten, welche weiteren Ausreden die NATO noch benutzen wird, um ihren längst beschlossenen Plan in die Tat umzusetzen. Unabhängig davon, ob außer "Chemiewaffen" [s. dazu http://landdestroyer.blogspot.de/2012/12/us-repeats-syrian-chemical-weapons.html] auch noch andere erfundene "Gräuel" ins Spiel gebracht werden, ist doch offenkundig, dass es nur darum geht, die schon lange laufende Aggression gegen Syrien zu rechtfertigen und den Eindruck zu erwecken, die NATO gehe nur deshalb gegen Syrien vor, weil sie von Assad provoziert werde.

Übersetzung: Wolfgang Jung luftpost-kl.de

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Infos über Tony Cartalucci hier. Über http://landdestroyer.blogspot.de/p/war-on-syria-gateway-to-wwiii.htmlhttp://landdestroyer.blogspot.de/p/war-on-syria-gateway-to-wwiii.html ist ein kostenloses E-Book mit dem Titel "War on Syria: Gateway to WW III" aufzurufen, das Cartalucci mit Nile Bowie zusammen verfasst hat. Rick Rozoff weist unter http://rickrozoff.wordpress.com/2012/12/04/germany-netherlands-to-provide-nato-missiles-in-turkey/ übrigens darauf hin, dass der Patriot-Einsatz in der Türkei vom Hauptquartier aller NATOLuftwaffen auf der US-Base Ramstein in der Westpfalz aus koordiniert wird.

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