Samstag, 22. Dezember 2012

Imperiale Ängste: Der Iran und seine diplomatische "Bedrohung" der westlichen Hemisphäre

Mowitz
Die Bevölkerung des Imperiums ächzt unter dem Ballast gigantischer Militärausgaben die seine Machteliten als notwendig für die Beherrschung der Welt erachten. Im Jahr 2011 lagen die Militärausgaben sämtlicher Staaten dieser Welt bei 1,6 Billionen US-Dollar. Das Imperium, mit 14,46 Billionen US-Dollar Staatsschulden oder 98,6 % seines Bruttoinlandprodukts, völlig überschuldetet, meint dennoch 698 Mrd. US-Dollar oder 43 % der gesamten weltweiten Militärausgaben ausgeben zu müssen.

Die wirklichen US-Militär- und Rüstungsausgaben sind in Wirklichkeit noch bedeutend höher, da Vieles in anderen Haushalten versteckt ist. Zum Beispiel die Nuklearwaffenforschung und -produktion im Energieministerium. Die Verarmung der Bevölkerung nimmt rasant zu. Schlecht bezahlte Arbeit ist, wie in Deutschland, allgemein verbreitet und der Preis den das Volk für steigende Kriegs- und Rüstungsausgaben seiner Herrscher zahlt. 20,5 Millionen Amerkaner verfügen über Einkommen von weniger als 9.500 Dollar im Jahr, was der halben Armutsgrenze einer dreiköpfigen Familie entspricht. Trotzdem werden US-Politiker nicht müde über kaum vorhandene Sozialhilfen zu lamentieren, so als würden die sechs Millionen Obdachlosen unter den Brücken das US-Finanzbudget sprengen.
40% der Bevölkerung der Vereinigten Staaten von Amerika, und zwar diejenigen, die weniger gut dran sind, besitzen 0,3% - das sind drei Zehntel von einem Prozent - des Vermögens des Landes. Die Amerikaner im dritten und vierten Quintil – im wesentlichen Amerikas Mittelklasse – besitzen nur 15,7% des Vermögens des Landes. Eine dermaßen ungleiche Einkommensverteilung ist ohne Beispiel in der wirtschaftlich entwickelten Welt.
Die hohen Militärausgaben verteidigt die US-Herrschaftsklasse damit "US-Interessen" sichern zu müssen und überhaupt sei man von einer "Achse des Bösen" schändlich bedroht, wenn nicht gar umzingelt.  Will sagen, die eigenen imperialistischen Interessen können nie zu teuer sein. Siehe auch Pax Americana, was prinzipiell nichts anderes bedeutet als: "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns," und muss sich darauf gefasst machen, willkürlich und unter Erfindung kreativer, aber falscher Kriegsgründe vom Imperium jederzeit militärisch angegriffen werden zu können. Siehe "911" und "Krieg gegen den Terror". Sogar das von vielen Geheimdiensten manipulierte Wikipedia bezeichnet treffend die "Pax Americana als die Neue Weltordnung", womit nicht die Weltherrschaft verschwörungstheoritischer Geheimbündler gemeint ist, sondern höchst reale  politische und wirtschaftliche Machteliten des US/Wall-Street-Konglomerats, das für das Volk die bestehende Wirtschaftsordnung extra unter den Namen "freie/und oder soziale Marktwirtschaft" zurechtgelogen hat.

Das internationale Kapital schickt seine politischen Kröten bei uns in die Bütt und Merkel schwadroniert bereits auftragsgemäß davon, dass die europäischen "Wohlfahrts"-Staaten nicht dauerhaft zu finanzieren seien. Ein Glück, dass die Finanzkrise ganz überraschend und wie vom Himmel gefallen, über uns hereinbrach. Sonst könnte man doch glatt auf den Gedanken kommen, die Bänkster hätten uns mit dem Finanzcrash den Krieg erklärt, um unser Verständnis für kapitalistische Bedürfnisse zu schärfen. Denn die Befriedigung dieser Bedürfnisse lassen wir uns doch gerne und ohne Murren eine Menge kosten.

Das mit den europäischen "Sozialstaaten" hatten wir bereits schon vor einigen Monaten. Da war es Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank und ehemaliger Vizepräsident von "Goldmän Sächs", der uns huldvoll mitteilte: "das europäische Sozialstaatsmodell hätte jetzt ausgedient und man könne nicht damit fortfahren, jeden dafür zu bezahlen, dass er nicht arbeite". Dazu kommt noch Merkels Neigung bei ihren zahlreichen Auftritten vor Bankstern, nie aufzuhören die eigene Unwissenheit zu betonen und "gerne der Argumentation der Bankster zu folgen".

Nun hat das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten am 18.12.2012, in trauter Eintracht mit 386 zu 6 Stimmen beschlossen, dass das Außenministerium eine Untersuchung gegen den pösen Iran einleiten soll, da der die Unverschämtheit besitzt, diplomatisch und auch geschäftlich in Zentral- und Südamerika tätig zu sein. Denn, so die messerscharfe Analyse des republikanischen Antragstellers Jeff Duncan, man müsse dem Iran in der westlichen Hemisphäre entgegentreten da die geschäftlichen und diplomatischen Verbindungen des Iran eine Bedrohung für die nationale Sicherheit des Imperiums ausmache. Und das bei der größten Ansammlung von US-Militärbasen im Ausland in der gesamten Weltgeschichte, nämlich mehr als 1.000 US-Stützpunkte. Dazu gehören die jahrzehntealten US-Basen in Deutschland und Japan ebenso wie die nagelneuen Drohnen-Basen in Äthiopien und auf den Seychellen im Indischen Ozean und die Hotels für Urlaub machende Militärs in Italien und Südkorea.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Einige US-Basen – wie die Guantánamo-Bay auf Kuba – existieren schon seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Die meisten wurden aber während oder kurz nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs auf allen Kontinenten, einschließlich der Antarktis, neu errichtet oder besetzt. Obwohl die US-Streitkräfte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion etwa 60 Prozent ihrer Auslandsbasen aufgegeben haben, blieb die militärische Infrastruktur des Kalten Krieges weitgehend intakt; allein in Deutschland waren bisher noch 60.000 US-Soldaten stationiert, obwohl es den großen Gegner Sowjetunion nicht mehr gibt.

Der größte Konkurrent und Gläubiger der Vereinigten Staaten von Nordamerika, die Volksrepublik China, bewacht ihre nationalen Interessen bedeutend klüger, langatmiger und dabei auch noch friedlich. China kämpft mit wirtschaftlichen Investitionen um die Freundschaft anderer Staaten. Nicht mit militärischen Invasionen, wie die USA, um letztlich nur gehasst zu sein. Das ist auf Dauer eine bessere und nachhaltigere Strategie. Leider ist sie aus dem westlichen W(ä)rtekanon, nach Jahrhunderten des Kolonialismus und Unterdrückung anderer Völker, schon lange ausgemerzt, wenn es sie denn je hier gegeben hat.

FH

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