Freitag, 31. August 2012

Die zweite Front der westlichen Alliierten im Zweiten Weltkrieg: Warum wurden vor siebzig Jahren, am 19. August 1942, bei Dieppe so viele kanadische Soldaten geopfert?

Dr. Jacques R. Pauwels
Der Sieg der Roten Armee vor Moskau war die eigentliche Zäsur ...

Dr. Jacques R. Pauwels

Der in Belgien geborene Historiker Dr. Jacques R. Pauwels untersucht, warum die westlichen Alliierten am 19. August 1942 bei Dieppe an der französischen Kanalküste so viele kanadische Soldaten für einen Angriff geopfert haben, der nur scheitern konnte.

Von Dr. Jacques R. Pauwels
Global Research, 18.08.12

Der Gezeitenwechsel im Zweiten Weltkrieg fand Anfang Dezember 1941 statt, als Hitlers Blitzkriegsstrategie durch eine Gegenoffensive der Roten Armee vor Moskau gestoppt wurde. Dieser Rückschlag leitete die Niederlage Nazi-Deutschlands ein, weil es den Krieg jetzt ohne das Öl aus dem Kaukasus und ohne die anderen Ressourcen führen musste, die es durch einen schnellen Sieg über die Sowjetunion zu erlangen hoffte. Der Krieg war jedoch noch lange nicht vorbei, denn die Rote Armee stand bei ihrem Abwehrkampf zeitweise mit dem Rücken an der Wand. Die USA und Großbritannien leisteten zwar wichtige Materialhilfe, die Sowjets hätten von ihren (westlichen) Verbündeten aber vor allem wirksame militärische Unterstützung gebraucht. Deshalb forderte Stalin von Churchill und Roosevelt die Eröffnung einer zweiten Front in Westeuropa. Eine Landung englischer und US-amerikanischer Truppen in Frankreich, Belgien oder Holland hätte die Deutschen gezwungen, Truppen von der Ostfront abzuziehen, und damit den Sowjets die dringend benötigte Entlastung gebracht.

Die führenden Politiker und Militärs Großbritanniens und der erst kurz vorher in den Krieg eingetretenen USA waren im Dezember 1941 unterschiedlicher Meinung über die Notwenigkeit und den Nutzen einer zweiten Front. Mehrere britische und US-amerikanische Militärführer – einschließlich des US-amerikanischen Generalstabschefs George Marshall und des Generals Eisenhower – wollten so schnell wie möglich Truppen in Frankreich landen. Sie wurden anfänglich auch von Präsident Roosevelt unterstützt. Er hatte Churchill versprochen, dass die USA dem Krieg gegen Deutschland Priorität einräumen und sich Japan erst später vornehmen würden; diese Entscheidung wurde als das Prinzip "Germany First" (Deutschland zuerst!) bekannt. Folglich war Roosevelt eifrig bestrebt, sich sofort mit Deutschland zu befassen, und wollte deshalb möglichst schnell eine zweite Front. Im Mai 1942 versprach Roosevelt dem sowjetischen Außenminister Molotow, dass die USA noch vor Jahresende eine zweite Front eröffnen würden.

Der britische Premierminister Winston Churchill hingegen lehnte eine zweite Front (in Westeuropa) entschieden ab. Einige Historiker meinen, er könnte befürchtet haben, eine Landung in Frankreich werde zu einer Wiederholung des mörderischen Krieges führen, der im Ersten Weltkrieg auf den Schlachtfeldern in Nordfrankreich getobt hatte. Es ist aber wahrscheinlicher, dass Churchill hoffte, die Armeen Hitlers und Stalins würden beide an der Ostfront ausbluten, und London und Washington könnten aus einem Patt im Osten Nutzen ziehen. Da Churchill schon fast drei Jahre Kriegserfahrung hatte, konnte er starken Einfluss auf Roosevelt ausüben, für den der Krieg in Europa ganz neu war. Es ist deshalb verständlich, dass sich die Meinung des britischen Premierministers durchsetzte und die Pläne für die Eröffnung einer zweiten Front im Jahr 1942 erst einmal stillschweigend begraben wurden. Auch Roosevelt selbst erkannte, dass dieses Tun – oder besser Nichtstun – ihm einige attraktive Aussichten eröffnete.

Zum Beispiel konnte er, wenn er das Prinzips "Germany First" zurückstellte, mehr Soldaten und Ausrüstung für den Krieg im Pazifik verwenden, den er eher als "seinen Krieg" ansah, weil es darin viel ausgeprägter als in Europa um direkte Interessen der USA ging. Er und seine militärischen und politischen Berater erkannten auch, dass ein schneller Sieg über Deutschland riesige Opfer fordern würde, die der US-Bevölkerung nicht zuzumuten waren. Durch eine Landung in Frankreich wäre es zu einer direkten Konfrontation mit dem furchterregenden deutschen Gegner gekommen, die selbst bei einem erfolgreich Ausgang sehr blutig und kostspielig verlaufen wäre. War es nicht viel klüger, vorläufig sicher am Spielfeldrand zu bleiben und den Sowjets die Zermürbung der Nazis zu überlassen?

Wenn die Rote Armee im Kampf gegen die Wehrmacht das Kanonenfutter stellen würde, könnten die US-Amerikaner und ihre britischen Verbündeten ihre eigenen Verluste in Grenzen halten. Außerdem könnten sie dann ihre Kraft aufsparen und im richtigen Moment – wenn ihr Nazi-Feind und ihr sowjetischer Verbündeter erschöpft wären – wie ein "deus ex machina" in den Kampf eingreifen. Mit Großbritannien an ihrer Seite könnten die USA nach dem Krieg die Hauptrolle im Lager der Sieger und den Oberschiedsrichter beim Verteilen der gemeinsam erstrittenen Kriegsbeute spielen; außerdem könnten sie sich bei der Erstellung einer "neuen Ordnung" für Europa Zugang zu diesem Kontinent verschaffen. Als sich die Nazis und die Sowjets im Frühjahr und Sommer 1942 in einer titanischen Schlacht ineinander verkeilten, während die "Angelsachsen" dabei als "tertius gaudens" (lachender Dritter) aus der Ferne zuschauten, sah es tatsächlich so aus, als ginge diese Rechnung auf. [Übrigens wurde damals in zahlreichen US-Zeitungsartikeln die Hoffnung auf einen sich in die Länge ziehenden Konflikt zwischen Berlin und Moskau geäußert, und in einer vielzitierten Bemerkung sagte Senator Harry S. Truman bereits am 24. Juni 1941, nur zwei Tage nach Beginn des Nazi-Überfalls auf die Sowjetunion: "Wenn wir sehen, dass Deutschland siegt, sollten wir Russland helfen, und wenn Russland gewinnt, sollten wir Deutschland helfen, damit auf beiden Seiten möglichst viele krepieren."]

Natürlich konnten die US-Amerikaner und die Briten nicht die wahren Gründe offenlegen, warum sie keine zweite Front eröffnen wollten. Statt dessen gaben sie vor, ihre vereinigten Streitkräfte seien für ein solches Unternehmen noch nicht stark genug. Bis heute wird behauptet, die Briten und die US-Amerikaner hätten 1942 noch keine Großoffensive in Frankreich starten können. Angeblich musste zuerst der Seekrieg gegen die deutschen UBoote gewonnen werden, damit die notwendigen Truppentransporte über den Atlantik sicher abzuwickeln waren. Dabei wurden bereits seit einiger Zeit erfolgreiche Truppentransporte von Nordamerika nach Großbritannien durchgeführt, und im Herbst des gleichen Jahres konnten die USA problemlos eine beträchtliche Streitmacht im noch weiter entfernten Nordafrika landen – das ebenfalls auf der anderen Seite des damals wirklich sehr gefährlichen Atlantiks liegt. [Diese Landung, bekannt als Operation Torch (Fackel), diente der Besetzung französischer Kolonien, zu denen auch Marokko gehörte; sie zwang die Deutschen aber nicht, Truppen von der Ostfront abzuziehen, brachte den Sowjets also keine Entlastung und kann deshalb auch nicht als die Eröffnung einer zweiten Front angesehen werden.]

In Wirklichkeit wäre es bereits im Sommer 1942 möglich gewesen, eine beträchtliche Streitmacht in Frankreich oder anderswo in Westeuropa zu landen und eine zweite Front zu eröffnen. Die britische Armee hatte sich von den Niederlage im Jahr 1940 erholt, und eine große Anzahl US-amerikanischer und kanadischer Soldaten war bereits auf der Britischen Insel eingetroffen und einsatzbereit. Außerdem war es kein Geheimnis, dass die Deutschen nur relativ wenige Truppen zur Verteidigung der Tausende von Kilometern langen Atlantikküste zur Verfügung hatten, und dass diese Truppen, verglichen mit den an der Ostfront eingesetzten, über eine deutlich geringere Kampfkraft verfügten. Entlang der Atlantikküste standen Hitler rund 60 Divisionen zur Verfügung, die als zweitrangig einzustufen waren, während an der Ostfront nicht weniger als 260 gut ausgerüstete deutsche Divisionen kämpften. Außerdem waren die deutschen Befestigungen an der französischen Küste 1942 noch nicht so stark ausgebaut wie im Juni 1944, als in der Normandie schließlich doch noch eine Landung erfolgte; den Auftrag zur Errichtung des berühmten Atlantikwalles erteilte Hitler erst im August 1942, und die Bauarbeiten zogen sich vom Herbst 1942 bis zum Frühjahr 1944 hin.

Stalin, der wusste, dass die zur Verteidigung Westeuropas vorgesehenen deutschen Truppen schwach waren, setzte London und Washington wegen einer Landung in Frankreich weiterhin unter Druck. Churchill wurde auch von Richard Stafford Cripps und anderen Mitgliedern seines eigenen Kabinetts und von den britischen Gewerkschaften, die viel Verständnis für die Notlage der Sowjets hatten, zur Errichtung einer zweiten Front gedrängt. Mit einer (absichtlich herbeigeführten) Tragödie, die beweisen sollte, dass die westlichen Alliierten noch nicht in der Lage waren, eine zweite Front zu eröffnen, befreite sich der britische Premierminister von diesem hartnäckigen Druck: Eine (viele zu kleine) alliierte Landungstruppe, die am 19. August 1942 von England aus losgeschickt wurde, um mit der Eroberung des französischen Hafens Dieppe so etwas wie den Grundstein für die Errichtung einer zweiten Front zu legen, wurde (erwartungsgemäß) von den Deutschen vernichtend geschlagen.

Canadian prisoners of war being led through Dieppe by German soldiers
Von den 6.086 alliierten Soldaten, die es schafften, an Land zu kommen, wurden 3.623 – fast 60 Prozent – entweder getötet, verwundet oder gefangen genommen. Die britische Armee und Marine büßte etwa 800 Mann ein, und die Royal Air Force / RAF verlor (an einem Tag) 106 Flugzeuge. Von den 50 US-Rangers, die an der Landeoperation teilnahmen, fielen drei aus. Die höchsten Verluste erlitten die kanadischen Truppen; von ihren fast 5.000 Soldaten waren 3.367 – also rund 68 Prozent – nicht mehr einsatzfähig; rund 900 wurden getötet, fast 600 verwundet und der Rest geriet in Gefangenschaft. Derart hohe Verluste werden immer als "nicht vergebens" beschönigt; trotzdem wollten die Medien und vor allem die kanadische Bevölkerung wissen, welche Ziele man mit dieser Aktion verfolgt hatte und welche erreicht wurden. Die politisch und militärisch Verantwortlichen lieferten jedoch nur wenig überzeugende Erklärungen, die aber trotzdem ihren Weg in die Geschichtsbücher fanden. Churchill stellte die Operation als notwendige "gewaltsame Aufklärung" dar, mit der die Stärke der deutschen Küstenverteidigung getestet werden sollte. Musste man wirklich Tausende von Männern opfern, um festzustellen, dass die Deutschen einen von hohen Klippen eingerahmten Seehafen in eine Festung verwandelt hatten? Wichtige Informationen über die Lage von Stellungen und Geschütz- oder Maschinengewehrständen hätte man sich auch durch Luftaufklärung oder mit Hilfe der örtlichen Résistance verschaffen können.

Was die Résistance angeht, versuchte man den Scheinangriff sogar als Aktion zur Stärkung der Moral der französischen Partisanen und der französischen Bevölkerung zu verkaufen, obwohl er wegen seines (beabsichtigten) Scheiterns eher kontraproduktiv wirkte. Die Operation, die mit einem kläglichen Rückzug von einem mit zurückgelassener Ausrüstung und Leichen übersäten Strand und dem Marsch erschöpfter und demoralisierter kanadischen Soldaten in ein Kriegsgefangenenlager endete, konnte die Franzosen kaum aufmuntern. Nutzen aus dieser Scheinaktion zog nur die Propagandamaschinerie der Deutschen; sie verspottete die Unfähigkeit der Alliierten und prahlte mit eigenen militärischen Heldentaten, um die Franzosen zu entmutigen und den Deutschen Mut zu machen, die nach den vielen schlechten Nachrichten aus dem Osten dringend neue Siegesmeldungen brauchten.

Nicht zuletzt wurde auch behauptet, diese Operation Jubilee (Jubiläum) sei ein Versuch gewesen, den Sowjets etwas Erleichterung zu verschaffen. Dabei war Dieppe ganz offensichtlich nur ein Nadelstich, der keinerlei Auswirkungen auf die Kämpfe an der Ostfront hatte. Die Deutschen waren nicht gezwungen, Truppen aus dem Osten nach Westen zu verlegen; nach Dieppe konnten sie sich sogar ziemlich sicher sein, dass es in nächster Zeit nicht zur Errichtung einer zweiten Front kommen würde, und sogar Truppen aus dem Westen für den Osten abziehen, wo sie dringend gebraucht wurden. Für die Rote Armee brachte Dieppe also überhaupt keine Entlastung.

Viele Historiker haben die offiziellen Begründungen für die Operation Jubilee einfach kritiklos übernommen und sogar welche dazu erfunden. Erst kürzlich wurde zum Beispiel in einer Veröffentlichung behauptet, die Aktion bei Dieppe habe hauptsächlich stattgefunden, weil man sich die geheimnisumwitterte deutsche Verschlüsselungsmaschine Enigma und die dazugehörenden Handbücher verschaffen wollte. Hätten die Deutschen ihre Codierung nicht einfach sofort ändern können, wenn dieses Ziel erreicht worden wäre? [Das Argument, es sei geplant gewesen, sämtliches über die Enigma verfügbare Material zu stehlen und vor dem Rückzug aus Dieppe alle damit in Zusammenhang stehenden Einrichtungen zu zerstören, ist nicht überzeugend, weil es den Deutschen einen hohen Grad an Naivität unterstellt.]

Nach der Invasion der Alliierten, die im Juni 1944 unter dem Decknamen Operation Overlord in der Normandie stattfand, wurde nachträglich ein scheinbar überzeugendes Argument für die Operation Jubilee vorgebracht. Die Dieppe-Aktion wurde jetzt triumphierend als "Generalprobe" für die erfolgreiche Landung in der Normandie ausgegeben. In Dieppe habe man zur Vorbereitung der bereits geplanten großen Landeoperation die deutsche Küstenverteidigung testen wollen. Lord Mountbatten, der Architekt der Operation Jubilee, den viele immer noch für das Desaster von Dieppe verantwortlich machen, behauptete sogar, "die Schlacht um die Normandie sei eigentlich am Strand von Dieppe gewonnen worden" und "für jeden Mann, der 1942 in Dieppe starb, hätten 1944 bei der Landung in der Normandie mindestens zehn überlebt". Damit schuf er einen neuen Mythos: Die Tragödie der Operation Jubilee sei die "conditio sine qua non" (die unerlässliche Voraussetzung,) für den Triumph der Operation Overlord gewesen.

In Dieppe hat man angeblich die wichtige militärische Erfahrung gemacht, dass die deutschen Küstenbefestigungen in den Seehäfen und ihrer Umgebung besonders stark waren. Deshalb sei die alliierte Invasion in der Normandie an dem hafenlosen Küstenstreifen nördlich von Caen über zwei unter dem Decknamen Mulberry (Maulbeere) angelegte künstliche Häfen erfolgt. War es nicht selbstverständlich, dass die Deutschen die Seehäfen stärker befestigen würden als unbedeutende kleine Seebäder? War es wirklich notwendig, Tausende von Männern zu opfern, um das herauszukriegen? Konnten die bei dem "Test" im Sommer 1942 gewonnenen Erkenntnisse über die deutschen Küstenbefestigungen überhaupt noch relevant für die Invasion im Jahr 1944 sein? Die stärksten Verteidigungsanlagen des furchterregenden Atlantikwalls wurden doch erst im Jahr 1943 gebaut. Warum fand die eigentliche Aufführung erst zwei Jahre nach der "Generalprobe" in Dieppe statt? Ist es nicht absurd, Jubilee als Generalprobe für ein Ereignis zu verkaufen, das überhaupt noch nicht konzipiert war? Aus Dieppe konnten die Deutschen weit nützlichere Lehren ziehen, weil sie jetzt einschätzen konnten, wie die Alliierten – wenn überhaupt – ihre Truppen landen würden.

Bis heute wird die Tragödie von Dieppe durch Desinformation und Propaganda verschleiert. Vielleicht können wir der Wahrheit über Dieppe näher kommen, wenn wir uns von einer alten philosophischen Rätselfrage inspirieren lassen: Wenn man scheitern will und tatsächlich scheitert, muss man das dann als Scheitern oder als Erfolg verbuchen? Wenn man in Dieppe einen militärischen Erfolg anstrebte, war die Operation sicher ein Misserfolg; wenn man aber ein militärischer Misserfolg wollte, war die Operation sehr erfolgreich. Im zweiten Fall sollten wir nach dem eigentlichen Ziel der Operation suchen, nach ihren "latenten", verborgenen Absichten fragen und uns nicht von vorgeschobenen Begründungen täuschen lassen.

Vieles deutet daraufhin, dass ein militärischer Fehlschlag beabsichtigt war. Zunächst war bekannt, dass die Stadt Dieppe gut zu verteidigen und deshalb zwangsläufig auch einer der am schwersten zu erobernden deutschen Stützpunkte an der französischen Kanalküste war. Jeder, der mit einem Fährschiff aus England dort ankommt, ahnt sofort, dass dieser Hafen, der von hohen und steilen Klippen umgeben ist, damals ziemlich sicher mit Maschinengewehren und Geschützen gespickt und damit eine tödliche Falle für die Angreifer war. Die Deutschen trauten wohl kaum ihren Augen, als sie gerade dort angegriffen wurden. Einer ihrer Kriegskorrespondenten, der das unvermeidliche Blutbad miterlebte, beschrieb den Überfall als "eine Operation, die alle Regeln der militärischen Logik und Strategie verletzte". Andere Faktoren – die schlechte Planung, die unzulängliche Vorbereitung, eine ungeeignete Ausrüstung [zum Beispiel Panzer, die in den Kieselsteinen des Strandes von Dieppe stecken blieben] – lassen darauf schließen, dass das Ziel dieser Operation eher ein militärischer Fehlschlag als ein militärischer Erfolg war.

Andererseits waren die Operation von Dieppe und ihr blutiges Misslingen durchaus sinnvoll, wenn damit eine "latente" nichtmilitärische Absicht verfolgt wurde. Militäreinsätze wer - den häufig durchgeführt, wenn ein bestimmtes politisches Ziel erreicht werden soll, und das scheint im August 1942 in Dieppe der Fall gewesen zu sein. Die gesamte politische Führung der westlichen Alliierten und besonders die politische Führung Großbritanniens unter Premierminister Churchill waren nicht bereit, dem ständigen Drängen nach der Eröffnung einer zweiten Front nachzugeben, hatten aber keine überzeugende Rechtfertigung für ihre Untätigkeit. Der Fehlschlag einer Aktion, die man als vorbereitenden Versuch zur Eröffnung einer zweiten Front ausgeben konnte, lieferte diese Rechtfertigung. In diesem Licht besehen, war die Tragödie von Dieppe tatsächlich ein großer Erfolg, sogar ein doppelter Erfolg. Erstens konnte man diese Operation als selbstlosen und heroischer Versuch ausgeben, den Sowjets helfen zu wollen. Zweitens schien der Misserfolg dieser Operation nur zu deutlich zu beweisen, dass die westlichen Alliierten tatsächlich noch nicht in der Lage waren, eine zweite Front zu eröffnen. Wenn die Operation Jubilee nur die Stimmen zum Schweigen bringen sollte, die nach der Eröffnung einer zweiten Front schrien, war sie tatsächlich ein großer Erfolg. Das Desaster von Dieppe ließ die populäre Forderung nach einer zweiten Front verstummen, und machte es Churchill und Roosevelt sehr einfach, sich untätig zurückzulehnen und dabei zuzusehen, wie sich die Nazis und die Sowjets im Osten gegenseitig abschlachteten.

Diese politische Motivation für Dieppe würde auch erklären, warum von den Lämmern, die dort zur Schlachtbank geführt wurden, nur wenige US-Amerikaner oder Briten, die meisten aber Kanadier waren. Die Kanadier waren tatsächlich das ideale Kanonenfutter für dieses Unternehmen, weil ihre politischen und militärischen Führer nicht zu dem exklusiven Club gehörten, den die britischen und US-amerikanischen Kommandeure bildeten, die diese Operation planten; Kanadier hätten sich ganz sicher dagegen gesträubt, dass ihre Landsleute geopfert werden sollten. Unsere Hypothese erklärt auch, warum vergleichsweise wenige Briten und kaum US-Amerikaner an der Aktion beteiligt waren.

Nach der Tragödie von Dieppe hörte sogar Stalin auf, eine zweite Front zu fordern. Die Sowjets bekamen sie 1944 dann doch noch, als Stalin dieses Entgegenkommen eigentlich nicht mehr brauchte. Zu diesem Zeitpunkt hatten die US-Amerikaner und die Briten jedoch dringende eigene Gründe für eine Landung an der Küste Frankreichs. Weil sich die sowjetischen Truppen nach den Schlachten von Stalingrad und Kursk unaufhaltsam den Weg nach Berlin bahnten, "mussten die US-amerikanischen und britischen Strategen unbedingt Truppen in Frankreich landen und nach Deutschland vorstoßen, um zu verhindern, dass der größte Teile dieses Staates den Sowjets in die Hände fiel", wie die zwei US-amerikanischen Historiker Peter N. Carroll und David W. Noble schrieben. Als im Juni 1944 in der Normandie endlich eine zweite Front eröffnet wurde, geschah das nicht um den Sowjets zu helfen, sondern um zu verhindern, dass sie den Krieg (gegen die Nazis) allein gewannen.

Die Sowjets bekamen schließlich doch noch ihre zweite Front, als sie diese nicht mehr brauchten und sie eigentlich auch nicht mehr wollten. [Das bedeutet nicht, dass sie die Landung in der Normandie nicht begrüßten oder aus der verspäteten Eröffnung der zweiten Front keinen Nutzen mehr ziehen konnten; schließlich blieben die Deutschen bis zum Kriegsende ein äußerst zäher Gegner.] Auch die Kanadier, die in Dieppe geopfert worden waren, erhielten etwas – nämlich viel Lob von den Männern an der Spitze der militärischen und politischen Hierarchie (der westlichen Alliierten). Churchill selbst erklärte zum Beispiel feierlich, Jubilee sei "der Schlüssel zum Erfolg der Landung in der Normandie" und "ein äußerst bedeutsamer kanadischer Beitrag zum Endsieg" gewesen. Die Kanadier wurden mit vielen hohen Orden überschüttet, darunter nicht weniger als drei Victoria Crosses. Mit den überschwänglichen Lobeshymnen und den ungewöhnlich vielen hohen Orden wollten die Verantwortlichen wahrscheinlich ihr schlechtes Gewissen beruhigen, weil sie so viele Männer in eine selbstmörderischen Einsatz geschickt hatten, um äußerst fragwürdige politische Ziele zu erreichen.


Jacques R. Pauwels ist der Autor des Buches "Der Mythos vom guten Krieg: Die USA und der 2. Weltkrieg", erschienen bei James Lorimer in Toronto 2002 (und als Übersetzung bei PapyRossa in Köln 2006).

(Luftpost-kl.de hat den sehr aufschlussreichen Artikel, der zeigt, dass auch schon im Zweiten Weltkrieg eigene Soldaten aus politischen Gründen absichtlich geopfert wurden, komplett übersetzt und mit Ergänzungen und Links in runden Klammern versehen. Die Ausführungen in eckigen Klammern hat der Autor Dr. Jacques R. Pauwels selbst eingefügt.)

Zum Thema:

Gegenmeinung: Vor 70 Jahren im Dezember 1941: Der Wendepunkt des Zweiten Weltkrieges.....
Gegenmeinung: Truman log und Hunderttausende starben.....
Gegenmeinung: Warum der Zweite Weltkrieg mit Atompilzen endete.....

Mittwoch, 29. August 2012

Entblößte Worthülsen - Nackte Tatsachen auf dem Obduktionstisch

Mowitz
Die größten Verheißungen des Kapitalismus bestanden aus, wie so häufig in der Schlacht um die Köpfe der Massen, der Popularisierung genialer Worthülsen. Nach Ende des Ersten Weltkrieges, wie auch des Zweiten, waren viele Menschen für den Augenblick weiser geworden und verstanden sehr wohl den kausalen Zusammenhang zwischen den siamesischen Zwillingen Krieg und Kapitalismus. Massendemonstrationen unter der Parole "Nie wieder Krieg" wurden in der Weimarer Republik veranstaltet, aber schon sehr bald durch die ewiggestrigen, intelligenzbefreiten Kriegsverherrlicher, des "Stahlhelms" und auch der im Deutschen Reichskriegerbund Kyffhäuser  in zigtausenden von Kriegervereinen organisierten, etwa zwei Millionen Mitglieder ersetzt.

Hugenberg (links), mit Göbbels, Funk,
Klitzsch, Ley
Bundesarchiv, Bild 183-J05504 / CC-BY-SA
Hitler kam mit tatkräftiger Hilfe des Hugenberg-Konzerns an die Macht. Ein Mediengigant im Kaiserreich und der Weimarer Republik mit einem Einfluss über Gesellschaft und Politik, der durchaus vergleichbar mit dem des heutigen bundesrepublikanischen Springer-Konzerns ist. Das Unheil nahm seinen Lauf und nur 21 Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges, (1914-1918), brach 1939 schon gleich der Zweite aus. Die Verwüstungen die der Krieg hinterließ, sorgten für einen Wirtschaftsboom im kapitalistischen Westen, wie es ihn so noch nie gegeben hatte. Fast religiöse Wortschöpfungen, wie Wirtschaftswunder und Soziale Marktwirtschaft mussten her um sogar dem höchst vernünftigen und radikalen Ahlener Programm der CDU Paroli bieten zu können, das mit den Worten begann:
"Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden. Nach dem furchtbaren politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch als Folge einer verbrecherischen Machtpolitik kann nur eine Neuordnung von Grund aus erfolgen. Inhalt und Ziel dieser sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung kann nicht mehr als das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben, sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein. Durch eine gemeinwirtschaftliche Ordnung soll das deutsche Volk eine Wirtschafts- und Sozialverfassung erhalten, die dem Recht und der Würde des Menschen entspricht, dem geistigen und materiellen Aufbau unseres Volkes dient und den inneren und äußeren Frieden sichert." wiki
Zerstörte Innenstadt Köln,
Bundesarchiv Bild 183-V06736 / CC-BY-SA
Zwei Jahre hielt das Ahlener Programm bevor es durch die Düsseldorfer Leitsätze ersetzt wurde. Gleichzeitig erfuhr der Kapitalismusbegriff, nur durch Einführung der Worthülse "Soziale Marktwirtschaft", eine sprachliche Rundumerneuerung welche mithalf die Hässlichkeiten des Kapitalismus zu verdecken, ihn aber in seiner Struktur völlig unberührt ließ. So wurden die Westdeutschen gute Kapitalisten und setzten sich schon bald mit Leib und Seele für die Interessen und dem Wohlergehen der Klasse der Reichen ein. So als ob die Oberklasse Hilfe zur Durchsetzung eigener Interessen von unten beötigte.

Der Wiederaufbau des im Krieg Zerstörten hinterließ bis auf den heutigen Tag und noch auf viele weitere Jahre hinaus glückliche Erben von Milliardenvermögen. Genauer gesagt 200 Milliarden werden heute jährlich vererbt, in dieser unserer "Leistungsgesellschaft". Ererbt mit den Wohltaten nachfrageschaffender Kriegseinsätze.

FH

Montag, 27. August 2012

Einen Freund verloren

German-Foreign-Policy.com
ADDIS ABEBA/BERLIN (Eigener Bericht) - Mit erheblicher Sorge beobachten Außenpolitiker in Berlin und anderen westlichen Hauptstädten die Entwicklung Äthiopiens nach dem Tod von Meles Zenawi. Deutschland habe mit dem langjährigen äthiopischen Ministerpräsidenten "einen Freund" verloren, erklärt Bundeskanzlerin Angela Merkel. Tatsächlich hat Meles, dessen Regime für seine brutale Repression berüchtigt war, in den vergangenen Jahren zuverlässig Hilfsdienste in Ostafrika zugunsten deutsch-amerikanischer Vorhaben übernommen, etwa mit Militäroperationen in Somalia und mit Vermittlungstätigkeiten zwischen Sudan und Süd-Sudan. Dementsprechend wurde er trotz empörter Proteste diverser Menschenrechtsorganisationen ebenso zuverlässig durch die westlichen Mächte unterstützt. Meles' autoritäre, auf seine Person fixierte Herrschaft hinterlasse nach seinem Tod ein Machtvakuum, das Äthiopien in eine Teufelsspirale aus zunehmenden Unruhen und weiter eskalierender Repression zu stürzen drohe, warnt die International Crisis Group, ein multinational vernetzter westlicher Think-Tank. Betroffen wären auch die Interventionen Äthiopiens in Ostafrika und damit die Hilfsfunktion des Landes als regionaler Stellvertreter westlicher Interessen.

Regionale Hilfsdienste

Karte: Wiki
Mit Meles, dessen Tod Regierungsstellen in Addis Abeba an diesem Montag bestätigten, habe die Bundesrepublik Deutschland "einen Freund" verloren, heißt es in einem Kondolenzschreiben von Bundeskanzlerin Merkel an Meles' geschäftsführenden Nachfolger, Hailemariam Dessalegn. Er habe sich in herausragendem Maß "um die Vertiefung der deutsch-äthiopischen Freundschaft und um die Intensivierung des Austauschs zwischen unseren Ländern" verdient gemacht, schreibt die Kanzlerin: "Dafür sind wir ihm dankbar." Sein Tod sei ein "große(r) Verlust" für "das äthiopische Volk".[1] Hintergrund des Lobes sind umfassende Hilfsdienste des Verstorbenen, der vielfach am Horn von Afrika im Sinn deutsch-amerikanischer Interessen intervenierte. Mehrmals entsandte er Truppen nach Somalia, um dort islamistische Kräfte unterschiedlicher Ausprägung zu bekämpfen; auch heute stehen äthiopische Truppen in dem Land.[2] Meles betätigte sich zudem als Vermittler, der die von Berlin und Washington betriebene Abspaltung des Süd-Sudan in Verhandlungen mit Khartum abfederte und auch hier Truppen bereitstellte, um einen Krieg zwischen Nord- und Süd-Sudan zu verhindern.[3] Meles' gegenüber dem Westen höchst kooperationswilliges Äthiopien sei die "regionale Hegemonialmacht" in Ostafrika, hieß es deshalb schon vor Jahren in Berlin.[4]

Gegenleistungen

Äthiopien-Folter unter
Meles Zenawa
Meles' Regime, dem Berlin für seine Hilfsdienste umfangreiche Entwicklungsgelder und weitere Leistungen bis hin zu militärischer Unterstützung zugute kommen lässt [5], zieht schon seit Jahren heftige Kritik von Menschenrechtsorganisationen auf sich. Weltweit Schlagzeilen machte etwa die blutige Niederschlagung von Protesten, die sich im Jahr 2005 gegen mutmaßliche Wahlfälschungen richteten; etwa 200 Menschen wurden dabei getötet, 20.000 tatsächliche oder angebliche Regimegegner wurden in Lagern interniert. Bei den Wahlen des Jahres 2010 sorgte das Regime vor - es konnte 99,6 Prozent der Parlamentssitze auf sich vereinen. Die Repression trifft dabei nicht nur politische Organisationen, sondern auch die Medien des Landes: Unbotmäßige Journalisten werden regelmäßig zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Unruhen marginalisierter Bevölkerungsspektren, darunter einige Sprachminderheiten, werden immer wieder brutal unterdrückt. Zuweilen hat Berlin, um seinen menschenrechtlichen Schein zu wahren, verbal auf die äthiopische Repression reagiert - allerdings, ohne irgendwelche Konsequenzen zu ziehen. "Pressefreiheit und das Recht auf freie Meinungsäußerung in Äthiopien müssen gewährleistet sein" [6], erklärte nach einem drakonischen Urteil gegen Journalisten Anfang Januar der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung. Nur wenige Wochen zuvor hatte Berlin per Neuzusage von 14 Millionen Euro seine Entwicklungsmittel für Addis Abeba aufgestockt - auf 122,75 Millionen Euro für den laufenden Dreijahreszeitraum.

Eskalation im Innern

Die umstandslose Kooperation mit Meles' Repressionsregime drohe nun zurückzuschlagen, warnt der multinational vernetzte westliche Think-Tank International Crisis Group. Meles' Herrschaft sei vollständig auf seine Person fixiert gewesen; einen Nachfolger habe er nicht aufgebaut. Deshalb sei damit zu rechnen, dass die künftige Regierung eine deutlich schwächere Stellung haben werde. Die politische Opposition befinde sich zwar weitestgehend im Gefängnis oder im Exil; jedoch sei mit Machtkämpfen innerhalb des Establishments und womöglich mit sozialen Unruhen zu rechnen. Es gebe Anzeichen für eine wachsende Nervosität innerhalb des Regimes, seit Meles im Frühsommer aufgrund seiner Krankheit immer öfter ausgefallen sei. Beispiele seien das brutale Vorgehen gegen Proteste von Muslimen, bei dem es zu Angriffen auf Moscheen und sogar zur Tötung von Betenden gekommen sei, oder auch das Verbot der letzten privaten amharischsprachigen Wochenzeitung - sie wollte über die muslimischen Proteste berichten. Die Gefahr, dass die Spannungen - womöglich an religiösen Trennlinien - eskalieren, ist der International Crisis Group zufolge höchst "real".[7]

Äußere Eskalation

Real ist laut der International Crisis Group auch die Möglichkeit, dass innere Spannungen oder gar Unruhen die Hilfstätigkeiten Äthiopiens für den Westen in Zukunft deutlich einschränken. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass das Regime in Addis bei erstarkendem Protest den Grenzkonflikt mit Eritrea wieder eskaliere, um die inneren Spannungen gegen einen äußeren Feind abzulenken; in der ersten Jahreshälfte habe es bereits Anzeichen dafür gegeben. Umgekehrt sei auch denkbar, dass Eritrea die Schwäche Äthiopiens nutze, um selbst neue Militäroperationen an der Grenze zu starten, oder dass es seine Unterstützung für Rebellen im Nachbarland ausweite. In jedem dieser Fälle habe der Westen damit zu rechnen, dass Addis Abeba seine Truppen aus Somalia oder Sudan, womöglich auch aus beiden Ländern, abziehe. Vor allem der Frieden in Sudan sei dann noch deutlich stärker als heute in Gefahr. Nicht auszuschließen seien bei steigenden Unruhen zudem Bündnisse äthiopischer Rebellen mit somalischen Milizen oder ähnliche Konstellationen, die ganz Ostafrika in vollkommen unkalkulierbare Eskalationen treiben könnten.[8]

Vor dem Scherbenhaufen

Gelingt es nicht, Meles' Nachfolgeregime möglichst rasch zu stabilisieren, dann stünden Berlin und seine westlichen Verbündeten in Ostafrika womöglich vor einem gigantischen Scherbenhaufen: Die Hegemonialprojekte - angefangen bei den Bestrebungen, Somalia auf eine für den Westen günstige Weise unter Kontrolle zu bekommen [9], bis hin zur Spaltung des Sudan [10] - könnten bei einem durch Unruhen bedingten Ausfall Äthiopiens gänzlich ins Wanken geraten. Die International Crisis Group rät daher zu einer baldigen Kurskorrektur: Die repressivsten Gesetze sollten abgeschafft werden, um soziale Unruhen in kontrollierbare Proteste kanalisieren zu können, und die Opposition müsse eingebunden werden, um ihre Radikalisierung zu verhindern. Leider gebe es "keine Anzeichen", dass irgendjemand aus den Führungszirkeln in Addis bereit sei, für diese Vorhaben einzutreten.[11] Als wahrscheinlicher müsse eine Verschärfung der Repression gelten - zumal sie die westlichen Führungsmächte bislang umstandslos tolerierten.

Weitere Informationen zur deutschen Kooperation mit Äthiopien unter Meles Zenawi finden Sie hier: Schlüsselpositionen, Regionale Hegemonialmacht, Unveräußerliche Rechte, Gesamtstrategie, Sonderbericht, Interessen der Supermächte, Angemessene Beharrlichkeit, Ordnungsmächte, Militär für Afrika (I), Menschenrechte in Afrika (I), Beihilfe, Machtpolitisch ohne Alternative, Diktatorenhilfe, Inhärent rassistisch, Disziplinierungshilfe, Ordnungsmacht in Ostafrika, Kein Platz für Menschenrechte, Stütze der Repression, Statthalter des Westens und Folternder Statthalter.

[1] Bundeskanzlerin Angela Merkel sandte dem geschäftsführenden Premierminister der Demokratischen Bundesrepublik Äthiopien, Hailemariam Dessalegn, folgendes Kondolenzschreiben; bundespresseportal.de 22.08.2012
[2] s. dazu Interessen der Supermächte und Ordnungsmächte
[3] s. dazu Statthalter des Westens
[4] s. dazu Regionale Hegemonialmacht
[5] s. dazu Militär für Afrika (I) und Diktatorenhilfe
[6] Menschenrechtsbeauftragter bestürzt über Verurteilung äthiopischer Journalisten; www.auswaertiges-amt.de 26.01.2012
[7], [8] International Crisis Group: Ethiopia After Meles, Africa Briefing No 89, 22.08.2012
[9] s. dazu Strandkrieg, Mit U-Booten gegen Piraten und Strandkrieg (II)
[10] s. dazu Englisch statt Arabisch und Am Rande des Krieges
[11] International Crisis Group: Ethiopia After Meles, Africa Briefing No 89, 22.08.2012

Danke German-Foreign-Policy.com
Quelle: http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58408
Erscheinungsdatum des Originalartikels: 27/08/2012
Artikel in Tlaxcala veröffentlicht: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=8065

Samstag, 25. August 2012

Die Waschlappen der CDU - Pfarrerstöchter wie Merkel leben nicht so sehr von ihren eigenen Stärken wie von den Duckmäuserqualitäten ihrer Parteifreunde - Eine nicht ganz korrekte Betrachtung

Mowitz
Gertrud Höhler mag eine politische Vertraute und Einflüsterin des von mir gar nicht bewunderten Kohls gewesen sein. Aber Stil und geistige Qualitäten hat sie.

Frau Höhler war nicht nur auf dem Flüstermarkt für Unternehmer und Politik umtriebig, sondern auch publizistisch tätig. Sie hat eine Menge Bücher geschrieben, und einen beeindruckenden elitären Lebenslauf, mit vielen unterschiedlichen Tätigkeiten hinter sich. Kurzum, sie scheint das weibliche Pendant zum umgangssprachlichen Hansdampf in allen Gassen zu sein. Nur eben auf einem höheren intellektuellen Niveau.

Nun hat sie ein Buch mit dem Titel "Die Patin" über die Herbe aus der Uckermark und dem "System M" veröffentlicht. Ich werde es mir bei nächster Gelegenheit kaufen. Der allgemeinen, veröffentlichten Aufregung nach, "Unglaublicher Auftritt in Berlin", "Ex-Kohl-Beraterin lässt an Merkel kein gutes Haar", "Angela Merkel, „die Patin“ Deutschlands?", hat Gertrud Höhler sich der Majestätsbeleidigung schuldig gemacht, als sie nicht in die gewohnten Merkel-Lobhudeleien deutscher Konzern- und Lei(d)medien einstimmte. Die sind ja die eigentlichen Eckpfeiler des Systems "M".

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Ok, Frau Höhler scheint finanziell unabhängig zu sein und kann sich eine eigene öffentliche Meinung leisten. Die weniger erfolgreichen Lohnschreiber der Mainstream nicht. Die schreiben nur das was ihnen "par or­d­re du muf­ti", (auf Anordnung einer vorgesetzten Stelle, ohne Einbeziehung der Betroffenen), aus den Chefetagen vorgegeben wird. Die finden die Uckermärkerin ganz toll. Friede Springer bemühte sich hochselbst zu Merkels erster Vereidigung als Bundeskanzlerin, auf die Zuschauertribüne im Deutschen Bundestag um zu sehen, dass alles mit rechten Dingen zuging. Neben ihr saß die damalige Ikone des deutschen Schwatzbudenjournalismus, Sabine Christiansen, nebst Kolleginnen Inga Griese und Isa Gräfin von Hardenberg. Hier im Bild.

In der CDU probt man selbst derweil noch immer ohne fremde Hilfe, höchst selbstständig den Zwergenaufstand gegen die Zwergenführerin: "Schäuble-Schwiegersohn führt Aufstand gegen Merkel", "Seehofer probt den Aufstand gegen Merkel", "CDU-Rechte: Aufstand gegen Merkel", usw. usw. usw. usw. usw.

Die abhängig beschäftigten Duckmäuser der CDU werden es nicht schaffen.

FH

PS: 09.06.2016, 01:54 Uhr, Merkel sitzt immer noch im Amt. Trotz eines höllischen Vertrauensverlusts der deutschen Wählerschaft in ihre Politik. Donnerlittchen!


Donnerstag, 23. August 2012

Verschwörungsbuch von einem der "dabei" war - Bin Ladens finaler Abflug zu den 72 Jungfrauen

Mowitz
Am 11. September diesen Jahres soll ein Buch über die finalen Fangschüsse die bin Laden angeblich zur Strecke brachten, auf den offiziell autorisierten Verschwörungsmarkt kommen. Geschrieben von einem der dabei war. Sein Deckname: Mark Owen. Beruf: Angehöriger der Navy Seals, der Einheit, die, jawoll auch, die Sache bis zum Ende durchzog, und unter dem Motto „Der einzige leichte Tag war gestern“ die Welt für die Segnungen der Wall Street sturmreif schießt. Mitschreiber des mit Sicherheit phantasievollen literarischen Jahrhundertwerkes soll der extra angeheuerte Geisterschreiber Kevin Maurer sein, der, welch ein Zufall, zudem noch ein preisgekrönter Journalist sein soll, der auch als eingebetteter Journalist schon mal unabhängig darüber berichtete, was ihm gezeigt wurde.

Zur Erinnerung:
"Am Morgen des 11. September 2001 drangen 19 mit Teppichmessern bewaffnete Männer unter Anleitung eines auf ein Dialysegerät angewiesenen Anführers, der – nur mit einem Satellitentelefon und einem Laptop ausgerüstet – in einer Höhlenfestung auf der anderen Seite der Erde saß, in den am besten überwachten und verteidigten Luftraum der Welt ein, überwältigten die Passagiere und die kampferprobten Piloten von vier kommerziellen Passagierflugzeugen und flogen mit diesen vier Maschinen, vom Kurs abweichend, über eine Stunde lang wild durch die Gegend, ohne von einem einzigen Abfangjäger belästigt zu werden.

Diese 19 Luftpiraten – fromme religiöse Fundamentalisten, die gern Alkohol tranken, Kokain schnupften und sich mit rosahaarigen Stripteasetänzerinnen vergnügten, schafften es, in New York mit zwei Flugzeugen drei Gebäude zum Einsturz zu bringen, während in Washington ein Pilot, der noch nicht einmal eine einmotorige Cessna (ein kleines Sportflugzeug) fliegen konnte, im Stande war, eine (Boeing) 757 aus 8.000 Fuß Höhe in einer 270-Grad-Spirale ganz knapp über dem Boden genau in das Rechnungsprüfungsamt des Pentagons zu steuern; darin versuchten Angestellte des Verteidigungsministeriums gerade das Mysterium zu klären, wohin die 2,3 Billionen Dollar verschwunden waren, die Verteidigungsminister Rumsfeld am Vortag, dem 10. September 2001, in einer Pressekonferenz als Fehlbestand in der Kasse des Pentagons ausgewiesen hatte." Mehr...
Die Zeit dem Kapitalismus neues Leben einzuhauchen war angebrochen und man begann mit der Wiederbelebung wirtschaftlichen Wachstums in, richtig, Afghanistan. Worauf schon Karl Marx vor 150 Jahren hinwies ist nun eingetroffen. Kein Wachstum mehr. Woher sollte es auch kommen wenn die Konzerne Löhne drücken und die daraus resultierenden Gewinnsteigerungen in die Taschen einiger weniger Aktienbesitzer und noch weniger Manager fließen? Die können gar nicht soviel konsumieren und auch nicht bei sinkender Nachfrage investieren, um die Verelendung der Massen zu kompensieren.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Und wie sollen denn die Staaten, besonders die Vereinigten von Nordamerika, ihre Schulden verschwinden lassen, ohne Wachstum, ohne Nachfrage und ohne Pump? Denn auch das neuerdings vielgeschmähte "sich-Geld-pumpen" ist eine Voraussetzung für "Wachstum" im Finanzkapitalismus. In unserem Geldsystem können Schulden nur vermindert werden, wenn man auch das Geld einsammelt. Geld entsteht erst durch Schulden, ergo muss das Geld mit dem Abbau der Schulden auch ins Nirwana der ewigen Ruhe verschwinden. Aber wer will das schon von unseren Wachstumsfetischisten, die sich gleichzeitig als Sparbomber Europas und der Welt präsentieren? Hat schon irgendjemand Merkel einmal gefragt wie sie die Gleichung Wachstum und Sparen in diesem ihrem Geldsystem unter einen Hut bringen kann? Ok, die Frage wird sie nicht zulassen und das Volk wird dennoch freudig Hosianna! brüllen. Gesegnet sei die Gesalbte aus der Uckermark.

Der US-amerikanische Wirtschaftsprofessor Nouriel "Dr. Doom" Roubini:
"Karl Marx hatte also recht," sagte Roubini in einem TV-Interview mit dem Wall Street Journal. "Der Kapitalismus hat einen Punkt erreicht, an dem er sich selbst zu zerstören droht. Man kann das Einkommen der Arbeitenden nicht ständig verkleinern, um die Gewinne der Kapitalisten zu vergrößern, ohne Überkapazitäten (in der Produktion) zu schaffen und die Nachfrage immer weiter abzusenken. Wir dachten, die Märkte würden das schon richten. Die Märkte haben das aber nicht getan. Was individuell vernünftig erscheint ... ist zu einem Prozess der Selbstzerstörung geworden.""
Die Wall Street und ihr politischer Wurmfortsatz in Washington denken leider nur in militärischen Bahnen. Die glauben, man habe schließlich ein Dauerabonnement auf die Weltherrschaft und so versuchen sie die fehlende Nachfrage durch erhöhten Ausstoß der Kriegsgüterproduktion anzukurbeln. Aber auch Waffen wollen angewandt werden um neue Nachfrage zu erzeugen. Und das ist schon immer in die Hosen gegangen. Ein endloser Rundgang, mit immer neuen Kriegen sind die Folge, bis der Kapitalismus überwunden ist.

Dem iranischen Präsidenten Ahmadinedschad wird ja immer wieder von westlichen Lei(d)medien die Lüge von der Vernichtung Israels, die er gefordert haben soll, aber nie gefordert hat, untergeschoben, siehe ZDF-Gucken kann zum Tode führen, weniger wird über seine durchaus humoristische und analytische Seite berichtet. So berichtete die HERALD SUN (Australien) am 6. Mai 2010, dass der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad Berichte zurückwies, dass Osama Bin Laden sich in Teheran aufhalte und meinte, dass sich der Führer der al-Qaeda in Wirklichkeit in Washington DC befinde:
"„Ich denke, dass eine große Chance besteht, dass er in Washington ist,“ sagte er.

Ohne weitere Beweise für diese Behauptung zu liefern, sagte Herr Ahmadinejad, er habe „gehört“, dass sich Bin Laden in der Hauptstadt der Vereinigten Staaten von Amerika aufhält.

„Ja das stimmt. Er ist dort. Er war nämlich früher ein Partner des Herrn Bush,“ sagte er, indem er sich auf den ehemaligen Präsidenten George W. Bush bezog.

„Sie waren Kollegen in diesen alten Tagen. Sie wissen das. Sie waren zusammen im Ölgeschäft. Sie arbeiteten zusammen. Herr Bin Laden hat nie mit dem Iran zusammengearbeitet, aber er arbeitete mit Herrn Bush zusammen.“

Die Politiker der Vereinigten Staaten von Amerika sollten eigentlich wissen, wo sich die extremistischen islamischen Führer aufhalten, sagte er.

„Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika ist in Afghanistan einmarschiert, um Bin Laden zu verhaften. Die wissen wahrscheinlich, wo Bin Laden ist. Wenn sie das nicht wissen, warum sind sie einmarschiert? Könnten wir die Unterlagen sehen?

„Zuerst hätten sie versuchen sollen, den Ort ausfindig zu machen, dann einmarschieren. Ist das logisch, wenn diejenigen, die nichts von seinem Aufenthaltsort wussten, einmarschiert sind und dann versucht haben herauszufinden, wo er ist?""
FH

Die Akte Osama Bin Laden! Warum redet keiner mehr über Osama Bin Laden?.....
Mehr zu Osama bin Laden >>>.....

Dienstag, 21. August 2012

Facebook-Revolutionärin: Katja Kippings Aufmarsch vor der russischen Botschaft in Berlin

Mowitz
Wer "solche Führungspersönlichkeiten" hat, muss sich vor dem politischen Gegner nun wirklich nicht fürchten. Katja Kipping, Aushilfsvorsitzende der Linken, als Freiheitsmahnerin vor der russischen Botschaft. Mit dem aus der Mottenkiste orangenfarbenener Werbebüros hervorgeklaubten Slogan: "Svobodu Pussy Riot", eindrucksvoll auf die Arme gekritzelt, zieht Kipping eine an Banalität kaum zu überbietende peinliche Nummer vor der russischen Botschaft ab. Das hätte die ehemalige FDJ-Propagandasekretärin Angela Dorothea Kasner, "70% war Opportunismus", nicht überzeugender zelebrieren können.

Wer von unzufriedenen S?PD-Wählern mit dem Gedanken spielen sollte die nächste Wahl zu einer radikalen Positionsveränderung nach links nutzen zu wollen, kann sich den Umweg über Die Linke ersparen, und direkt den Aufnahmeantrag bei der CSU stellen.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Die Linke auf dem Weg in Friede Springers Wärmestube für politisch Verwirrte.

Wer hätte das gedacht? Obwohl die Entwicklung sich schon seit Jahren abzeichnete. Von antideutschen Neocons bis hin zu den Linken, die den Rassismus für sich entdeckt haben. So lange Piefke Meier das Heft des Handelns nicht selbst in die Hand nimmt, gilt George Orwells Erkenntnis verkrusteter Gesellschaften:
"Eine hierarchische Gesellschaft ist nur auf der Grundlage von Armut und Unwissenheit möglich. Die neue Variante ist die Vergangenheit, und keine andere Vergangenheit kann je existiert haben.Im Prinzip soll jede Kriegsanstrengung die Gesellschaft am Rande des Verhungerns halten. Der Krieg wird von den Herrschenden gegen die eigenen Untertanen geführt - und sein Ziel ist weder ein Sieg über Eurasien oder über Ostasien - sondern die Aufrechterhaltung der Gesellschaftsstruktur."
Die Linke ist endgültig in der Republik der Konzerne angekommen.

FH

Zum Thema
Gegenmeinung: Dietmar Bartsch-Kalauer: "Kann den Niedergang der Partei nicht länger mit ansehen".....
Wer hinter Pussy Riot steht.....
Pussy Riot - Feministinnen oder Schachfiguren?.....
Merkels Inszenierung zum Pussy-Riot-Urteil: Das Strafmaß bestimmen wir.....

Montag, 20. August 2012

Merkels Inszenierung zum Pussy-Riot-Urteil: Das Strafmaß bestimmen wir

Mowitz
Die mit Hilfe deutscher Lei(d)medien, zur obersten Menschenrechts-Hüterin aufgestiegene ehemalige FDJ-Propagandasekretärin Merkel, lässt keine Gelegenheit aus, um nicht in höchst polemischer Weise Gerichtsurteile fremder Staaten zu kritisieren. Ihr peinliches Eintreten für das ukrainische Orangen-Revolution Produkt, Julia Timoschenko,(die Orangefarbene-Revolution wurde von Deutschland, USA und der EU initiiert, um die Herrschaft auf die Gestaltung des eurasischen Raumes ausüben zu können"), bis hin zur "Drohung" die Fußball-EM in der Ukraine zu boykottieren, ist gerade wieder in Vergessenheit geraten, da meldet sich der Hosenanzug aus dem Kanzleramt mit erhobenen Zeigefinger und mahnenden Worten zum Urteil eines russischen Gerichtes gegen drei Mitglieder der Pussy Riot Band zu Wort.

"Das unverhältnismäßig harte Urteil stehe nicht im Einklang mit den europäischen Werten von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie," so die Herbe aus der Uckermark. Donnerwetter auch, welch ein Lernprozess. Dabei hätte ein kurzer Blick in Wikipedia genügt, um nachzulesen was das deutsche Gesetz zur Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen sagt.  Danach ist es ein Straftatbestand, der im § 166 StGB der Bundesrepublik Deutschland geregelt ist. Wegen seiner Geschichte wird er häufig als Gotteslästerungsparagraph bezeichnet. Im Reichsstrafgesetzbuch bedrohte der Paragraph[1] denjenigen mit Strafe, der unter anderem in öffentlichen Äußerungen „Gott lästert“ und dadurch ein Ärgernis gibt.
„(1) Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) eine im Inland bestehende Kirche oder andere Religionsgesellschaft oder Weltanschauungsvereinigung, ihre Einrichtungen oder Gebräuche in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören.“
Halten wir also fest. In Deutschland wird man für ein vergleichbares Delikt auch bis zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Wo liegt also Merkels Problem? Die drei Gören hatten mit wildem Tanz und wüsten Verwünschungen gegen den russischen Präsidenten Putin und die orthodoxe Kirche den Altar einer orthodoxen Kirche gestürmt und mit schrillem Gesang sozusagen das Hausrecht der Kirche missachtet. Ein Tatbestand, der auch in Deutschland nicht straffrei geblieben wäre. Welches Urteil ein deutsches Gericht auch immer gefällt hätte, steht es der Politik nicht zu über Gerichte zu richten. Das ist zwar ein Prinzip, das in den letzten Jahren immer mehr in der westlichen Welt zu einer Farce verkommt, aber die Unverfrorenheit mit der Konzern- und Lei(d)medien, zusammen mit deutschen Politikern, russische Politiker auffordern ein Urteil zu ändern, das von einem ordentlichen Gericht gerfällt wurde, zeugt nur von dem inzwischen mal wieder äußerst gestörten Rechtsverständnis deutscher Machteliten.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Bei westlichen Demokraturverstehern, mag es ja inzwischen gang und gäbe sein, dass man sich nicht länger an das Prinzip der Gewaltenteilung hält, den Telefonhörer abhebt und kurz vor einem brisanten Urteil den Vorgesetzten eines karrierebewussten Richters anruft um ihm zu empfehlen wie das zu erwartende Urteil auszusehen hat und wie nicht. Die US-Amerikaner sind schon einen Schritt weiter. Da nimmt der Präsident jetzt schon die Funktion des Richters und Henkers gleichzeitig wahr. Den Pussy Cats in Russland kann man empfehlen in die Berufung zu gehen, falls sie meinen, nach russischem Gesetz zu hart verurteilt worden zu sein. So funktionierte es bisher in allen Rechtsstaaten.

Ein weiterer Aspekt zur Rechtsstaatlichkeit ist auch der fehlende Respekt westlicher Kapitaldiktaturen, vor der Souveränität fremder Staaten. Wann immer die Wall-Street- Gang es für richtig hält, beginnt sie immer mit Destabilisierungen einer bis dahin einigermaßen friedlich zusammenlebenden und funktionierenden Gesellschaft. Eine erfolgreiche Destabilisierung und das Schüren von religiösen und ethnischen Gegensätzen, erleichtert die spätere koloniale Übernahme. Eine Taktik, die im Laufe der Geschichte unzählige Male erfolgreich von Eroberen, aber auch alten Herrschern angewandt wurde. Divide et impera. So wie es die westlichen Ausbeuter in Syrien, Libyen und anderen ressourcenreichen Ländern tun. Der Gipfel der Perversion ist dann erreicht, wenn man mit ungeheurer Scheinheilig- und Hinterfotzigkeit, unter dem Vorwand die Opfer vor der legalen Regierung "schützen" zu wollen, seine eigenen, eingeschleusten Terrorbanden zu mehr Terror ermutigt und mit avancierten Waffenlieferungen sie auch dazu in die Lage versetzt. Dann ist es an der Zeit, sich dieser Staaten militärisch zu bemächtigen und letztlich zu besetzen.

Die Vorbereitung solcher Verbrechen deckte auch WikiLeaks anhand entschlüsselter US-Depeschen u.ä. auf. Anstatt nun die schuldigen Aggressoren vor Gericht zu stellen, wird Assange gezwungen die Rolle eines Dissidenten einzunehmen. Wir sind schon ganz nahe wieder dran:
"Reise ins Dritte Reich

Es gibt Schriftsteller, die können sich viel vorstellen. Aber dass sie einmal nicht dabei sind, das können sie sich nicht vorstellen. In vielen Läden der Literatur herrscht heute großer Rumor, die Chefs nehmen das Inventar auf und blasen den Staub von den alten Stücken. »Frollein, da müssen doch noch ein paar nationale Sachen am Lager sein ... « Das Fräulein kramt sie hervor; wenn man sie etwas abputzt, sind sie noch wie neu, und bald wird – keine Sorge, ihre Lieben! – frische Ware hereinkommen. »Wir haben das nämlich immer geführt.« Nur nicht isoliert bleiben! Ein guter Bankier geht jeden Tag zur Börse, das ist das halbe Leben.

Kerle wie Mussolini oder der Gefreite Hitler leben nicht so sehr von ihrer eignen Stärke wie von der Charakterlosigkeit ihrer Gegner.

Um mich herum verspüre ich ein leises Wandern. Sie rüsten zur Reise ins Dritte Reich. Kurt Tucholsky"

FH

Zum Thema:

Wie lange wird die Bundeskanzlerin leben?.....
Gegenmeinung: Wenn Respektable Extremisten werden, werden Extremisten respektabel.....
Gegenmeinung: Fehlende Transparenz - Geheimes als Herrschaftsinstrument.....

Freitag, 17. August 2012

Wie ein Ex-Empire sich als Schoßhündchen des Imperiums verdient macht

Mowitz
Von einem, trotz alledem wenig schmeichelhaften Reich „in dem die Sonne nie unterging“, zum gern gesehenen Befehlsempfänger US-amerikanischer Weltherrschaftspolitik. Vom Herrn zum Knecht.

Kein internationaler Raubüberfall bei dem nicht die Briten dem heutigen Imperium an vordester Front zur Hand gehen. Ob es gegen den Irak ging, als "Bushs-Pudel-Blair" mit der von einem Taxifahrer stammenden, hollywoodreifen Desinformation die Öffentlichkeit belog: "Der Irak besitzt chemische und biologische Waffen. Seine Raketen sind binnen 45 Minuten einsatzbereit" und damit entscheidend den propagandistischen Weg mitbereitete, der über einer Million Irakern das Leben kostete.

Oder etliche Nummern kleiner. Wenn Großbritannien, internationale diplomatische Verwicklungen provoziert und damit droht in die ecuadorianische Botschaft in London einzudringen um Julian Assange zu verhaften um ihn an Schweden auszuliefern. Ein Vereinigtes Königreich, das nach de Gaulles Ansicht das US-trojanische Pferd in der EU ist, mit der Aufgabe, die Einheit Europas zu sabotieren, was es auch heute noch tut. Julian Assange wurde gestern politisches Asyl in Ecuador gewährt. Für die Briten Grund genug um in eine imperiale Kanonenbootpolitik zurückzufallen und so zu tun als wären sie wieder Herren und nicht Knechte. (der VSA).

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
"Gebäude von Botschaften oder Konsulaten: Das Gelände, auf welchem sich eine Botschaft oder ein Konsulat befindet, steht unter besonderem völkerrechtlichen Schutz (Art. 22 WÜD), so dass das Gastgeberland das Botschaftsgelände nicht ohne Einwilligung des Missionschefs betreten, durchsuchen bzw. Beschlagnahmungen oder Festnahmen durchführen darf. Das Gelände der Botschaft ist jedoch nicht exterritorial. Die Botschaft und ihre Diplomaten genießen jedoch diplomatischen Schutz und diplomatische Vorrechte. Botschaften sind nicht exterritorial, sondern gehören anerkanntermaßen grundsätzlich zum Staatsgebiet des Gastgeber- bzw. Empfangsstaates; dieser verzichtet allerdings aufgrund des Wiener Übereinkommens über diplomatische Beziehungen auf die Ausübung seiner Hoheitsrechte, was sowohl das Gelände der Botschaftsgebäude des Entsendestaates als auch die Mitglieder von dessen Mission (der Missionschef und die Mitglieder des Personals sowie deren Familienangehörige) betrifft, die allesamt diplomatische Immunität genießen. Auch dürfen Botschaften und Konsulate „im Hoheitsgebiet des Empfangsstaats völkergewohnheitsrechtlich nur mit dessen Zustimmung errichtet werden. Wiki"
Was tut man nicht alles um das Imperium bei Laune zu halten? Ein bißchen internationales Recht hier brechen ein bißchen internationales Recht da brechen. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges war das Inselreich in der Tat gewissermaßen ein Protektorat des Neuen Imperiums. Die Vereinigten Staaten betreiben in Großbritannien, wie in den meisten Staaten, wichtige Militärbasen mit Atomwaffenlagern und weitreichenden Radaranlagen. Es wird gemunkelt, dass britische Atomwaffen, die mit geheimer Unterstützung der USA entwickelt wurden, nur mit Washingtons Genehmigung eingesetzt werden dürfen. Ohne militärische Hilfslieferungen von Reagans USA hätte Großbritannien wahrscheinlich sogar den Falkland-Krieg verloren.

Der Verdacht, dass Schweden, nach einem Auslieferungsantrag des Imperiums, dem nachgeben würde und Assange nach Befragung und eventueller Verurteilung wegen sexueller Nötigung, danach wegen der verdienstvollen Enthüllungen von Wiki­leaks über die kriminellen Machenschaften des großen Terrorstaates im Westen, an diesen  ausliefert, ist nicht von der Hand zu weisen.

Die Zeit als Schweden den Vereinigten Staaten unter ihrem Premiereminister Olof Palme die Stirn bot ist schon lange vorbei. Olof Palme wurde ermordet. Ein Mord der trotz einer fürstlichen Belohnung von 5,5 Mio. Euro nie aufgeklärt wurde und auch dunkle Schatten auf die schwedische Geheimpolizei warf. (Polisspåret). Verurteilt wurde in erster Instanz ein drogen- und alkoholabhängiger Penner, Christer Pettersson, der aber in nächster Instanz mangels Beweisen freiesprochen wurde.

Palmes Ansehen beim politischen Establishment in Washington und in rechtsgerichteten bürgerlich-politischen Kreisen Schwedens, war milde ausgedrückt, wenig liebevoll. Es war, um es klar und deutlich zu sagen, direkt hasserfüllt. Heute, mit einer bürgerlichen Regierung und der Unterstützung sozialdemokratischer Nachfahren Palmes, nimmt Schweden aktiv am Nato-Krieg gegen Afghanistan teil, obwohl es nicht Mitglied der Nord Atlantischen Terror Organisation ist. Auch am Nato-Feldzug gegen Libyen waren die Schweden mit dabei. Nato-Truppen üben in Schweden, obwohl sich Schweden immer noch proforma allianzfrei gibt. Das wäre ein Ding der Unmöglichkeit mit Leuten wie Palme gewesen. Ok, schließlich ist Außenminister Carl Bildt so gut wie ständiges Mitglied bei den Bilderbergern. Da darf man sich nicht lumpen lassen. Heute tut sich die schwedische Regierung bereits schwer auf Nachfrage von Journalisten auf die Frage zu antworten ob Saudi-Arabien eine Diktatur ist. Da eiert die schwedische Verteidigungsministerin Karin Enström stundenlang mit der Erklärung herum, Saudi-Arabien sei eine absolutistische Monarchie, aber nach langem Hin und Her kam die sprachliche Erlösung: "Wenn es nur ausschließlich möglich ist Saudi-Arabien entweder als Demokratie oder Diktatur zu beschreiben, sollte Saudi-Arabien als Diktatur beschrieben werden." Donnerlittchen auch, der Berg kreißte und gebar eine Maus.

Unterdessen geben sich westliche Lei(d)medien empört, wenn ein russischer Staatsanwalt drei Jahre Knast für die Band Pussy Riot fordert und bemühen nichtgenannte "Experten" die angeblich keinen Straftatbestand bei der Aktion der drei Pussy Riot Mädels sehen. Der Staatsanwalt wohl schon. Denn er firmiert seine Anklage unter der Überschrift, Aufstachelung zum religiösen Hass. Und davon verstehen die imperialen Strippenzieher der Unruhen in Syrien etwas. Sie haben noch nie einen Streit zwischen Sippen, Ethnien, Völkern, Religionen und politischen Systemen ausgelassen um ihn nicht bei ihren Bemühungen ganze Regionen und Kontinente zu destabilisieren dann für eigene Ziele zu instrumentalisieren. In Deutschland rennt schon "wir sind Papst Benedikt" zum weltlichen Kadi um ein Konterfei, [Titanic: "Halleluja im Vatikan: Die undichte Stelle ist gefunden! (07/2012)"], von sich mit gelbem Fleck in Schritthöhe auf der Soutane und einem braunen in Arschhöhe vom Hamburger Landgericht verbieten zu lassen. Und die Saudis können noch so viele Menschenrechtsverbrechen begehen. Zuviel um keine Geschäfte mit ihnen zu machen, sind es westlichen Regierungswurmfortsätzen der Wall Street nie.

Den Pussy Riot Tänzerinnen wünsche ich milde Richter. Allein schon um das Propagandagewäsch westlicher Lei(d)medien vorzuführen. Das Vertrauen in die Lynchjustiz des einzig existierenden Imperiums auf unserem Planeten ist nicht erst seit den Enthüllungen WikiLeaks zu Recht völlig im Keller. Bei der Auslösung seiner vielen Angriffskriege, bricht es bereits bei der Vorbereitung seiner Angriffskriege internationales Recht und begeht dabei das schwerste internationale Verbrechen überhaupt. Es ist zu jeder Schandtat fähig. Auch einen Julian Assange lebenslänglich unter Qualen (s. Bradley Manning, 6,5 Quadratmeter USA mit Schlafentzug) einzukerkern, oder auch tödlich verunglücken zu lassen.
“Einen Angriffskrieg zu entfesseln ist nicht nur ein internationales Verbrechen, es ist das schwerste internationale Verbrechen, das sich von anderen Kriegsverbrechen dadurch unterscheidet, dass es das gesamte Übel des Ganzen umfasst.”
Walter J. Rockler, † 2002, ehemaliger Ankläger im Nürnberger Kriegsverbrechertribunal.


FH

WikiLeaks-Gründer braucht politisches Asyl - Die Regierung der USA hat erklärt, dass sie das Asyl nicht anerkenne, das Ecuador dem WikiLeaks-Gründer Julian Assange in seiner Botschaft in London gewährt hat.....
Asyl für Assange.....
Präzedenzfall - Gastkommentar. Drohungen gegen Ecuador.....

Dienstag, 14. August 2012

Den USA stockt der Atem - Das bisher für unüberwindlich gehaltene Regime in Saudi-Arabien kann den Aufstand nicht mehr stoppen

Zayd Alisa
Der britische Analyst und Autor Zayd Alisa empfiehlt den USA, sich zur Wahrung ihrer Ölinteressen in Saudi-Arabien an die Seite der Aufständischen zu stellen.

Von Zayd Alisa
Information Clearing House, 07.08.12

Als in verschiedenen arabischen Staaten Volksaufstände ausbrachen, waren viele Experten davon überzeugt, dass es in Saudi-Arabien nicht zu solchen Turbulenzen und schon gar nicht zum Sturz des saudischen Regimes kommen könnte. Darauf vertrauend, dass es im eigenen Land ruhig bleiben würde, verfolgte das saudische Regime vor allem außenpolitische Ziele; mit allen Mitteln versuchte es die Ausbreitung der auf demokratische Reformen gerichteten Volksaufstände, die es auf den wachsenden Einfluss des Irans und der Schiiten zurückführte, zu verhindern und auch das Überleben anderer (arabischer) Monarchien zu sichern.

Das saudische Regime gewährte dem tunesischen Diktator Ben Ali Asyl und bot auch dem ägyptischen Tyrannen Mubarak großzügige Unterstützung an. Nach dem Sturz Mubaraks machte das saudische Herrscherhaus seinen Einfluss auf den (ägyptischen) Militärrat und die extremistische Bewegung der Salafisten geltend. Im Jemen ergriff das saudische Regime sogar eigene Initiativen, um den jemenitischen Diktator Saleh durch seinen zuverlässigen Verbündeten Mansour, den Stellvertreter Salehs, zu ersetzen; es wollte damit demonstrieren, dass Volksaufstände eigentlich sinnlos sind.

Von dem Aufstand in Bahrain geht zweifellos die größte Gefahr für Saudi-Arabien aus. In Bahrain herrscht der zur sunnitischen Minderheit gehörenden Al-Khalifa-Clan diktatorisch über eine mehrheitlich schiitische Bevölkerung. Auch in der ölreichen Ostprovinz Saudi-Arabiens, die praktisch nur einen Steinwurf weit von Bahrain entfernt ist, leben vor allem Schiiten. Die Schiiten in beiden Staaten beklagen sich seit Langem über eine unerträgliche Diskriminierung. Weil er das Übergreifen des Aufstandes nach Saudi-Arabien fürchtet, bot der saudische König eine Finanzhilfe von mehreren Milliarden Dollars an, untersagte alle Proteste, hofierte das wahhabitisch salafistische Establishment und ließ Bahrain sogar von der saudischen Armee besetzen. (Weitere Informationen dazu hier und hier.

Die radikalen, repressiven, wahhabitisch-salafistischen Islamisten sind zweifellos die stärkste Stütze des saudischen Regimes, das seinerseits die Propagierung und Verbreitung der gewalttätigen Ideologie der Islamisten finanziert. Nach der wahhabitischen Ideologie ist es streng verboten, sich gegen das herrschende Regime aufzulehnen. Auf diese von den Islamisten als Fatwa (als aus dem Islam erwachsende Vorschrift), verbreitete Aussage stützte sich der saudische Innenminister Nayef, als er im Februar 2011 erklärte, alle Protestierende seien Terroristen, die wie Al-Qaida ausgeschaltet würden. Als Nayef im Oktober 2011 die Position des verstorbenen Kronprinzen Sultan einnahm, ließ er alle in der Ostprovinz Protestierenden kaltblütig ermorden.

Das saudische Regime hat die Sicherung und den Ausbau seiner Vormachtstellung im sunnitischen Islam schon immer als vorrangiges Ziel verfolgt. Seit der iranischen Revolution war das saudische Regime ständig bestrebt, alle Konflikte im Mittleren Osten zu integralen Bestandteilen eines existenziellen Konfessionskrieges zu erklären, den der (schiitische) Iran (angeblich) gegen die Sunniten führt. Als der Aufstand in Bahrain ausbrach, versuchte das saudische Regime ihn als Konfessionsstreit (zwischen Schiiten und Sunniten) darzustellen, um einen ähnlichen Aufstand in seiner überwiegend sunnitischen Bevölkerung zu verhindern.

Den USA muss der Atem stocken, weil der Aufstand in Saudi-Arabien die konfessionellen Grenzen längst übersprungen und sich auch auf sunnitische Gebiete wie Hedschas ausgeweitet und sogar das Kernland des Regimes in Riad erreicht hat.

Das innere Aufbegehren gegen das saudische Regime ist zurückzuführen auf:
  • 1. seine rückhaltlose Unterstützung für die Diktatoren in Tunesien, Ägypten und im Jemen gegen überwiegend sunnitische Aufständische,
  • 2. seine inkonsequente Haltung bei der Unterstützung weltlich geprägter Monarchien in Marokko und Jordanien gegen Bewegungen sunnitischer Muslime und
  • 3. den innerhalb von acht Monaten zweimal gescheiterten Versuch des saudischen Königs, sich mit dem Consultative Council (einem von ihm berufenen Beratergremium,) auf einen Thronfolger zu einigen; das hat in der saudischen Bevölkerung den Eindruck erweckt, dass in der königlichen Familie ein erbitterter interner Machtkampf ausgebrochen ist, der ihre führenden Mitglieder lähmt.
Das saudische Regime wurde auch geschwächt durch
  • 4. den unleugbaren Erfolg der Aufständischen in Tunesien, Ägypten, Libyen und im Jemen, denen es gelungen ist, ihre Diktatoren zu entmachten,
  • 5. den Misserfolg des Königs bei seinem Eingreifen in Syrien, das nicht zu Reformen, sondern nur zu vielen Toten geführt hat. s hier,
  • 6. seine Weigerung, sich mit der Beseitigung der Arbeitslosigkeit und der Korruption (in Saudi-Arabien) zu befassen,
  • 7. im Ausland ausgebildete Saudis, welche die Legitimität der Diktatur zunehmend in Frage stellen,
  • 8. die wachsende Furcht vor der Abspaltung der Ostprovinz und
  • 9. den Tod Nayefs, durch den deutlich wurde, dass die saudische Königsfamilie überhaupt keine Reformen will; trotz der Ernennung Salmans, der als Reformer galt, hat es bisher keinerlei Reformen gegeben. Die Grausamkeit des Regimes ist durch die Verhaftung und Folterung des führenden schiitischen Predigers Nimr Al Nimr sogar noch deutlicher geworden. s. hier.
Die USA sollten sehr besorgt um die Stabilität Saudi-Arabiens sein, nicht nur weil ihre rückhaltlose Unterstützung für das saudische Regime ihr angebliches Eintreten für Demokratie und Menschenrechte zur Farce gemacht hat, sondern vor allem, weil 15 der 19 Selbstmordattentäter, welche die Anschläge am 11. September 2001 begangen haben sollen, und deren Anstifter Osama bin Laden aus Saudi-Arabien kamen. Die USA müssen sich, wenn es um die Zukunft Saudi-Arabiens geht, auf die richtige Seite stellen; sie werden nur dann im Geschäft mit dem saudischen Öl bleiben, wenn sie sich wirklich für demokratische Reformen in Saudi-Arabien einsetzen.

Zayd Alisa ist ein politischer Analyst und Autor, der sich vor allem mit den Zuständen im Mittleren Osten befasst. Er wurde in New York geboren, lebt aber heute als britischer Staatsangehöriger in London. Seine Eltern kamen ursprünglich aus dem Irak.

Übersetzung: Wolfgang Jung, luftpost-kl.de

Zum Thema:
Nachtwandler: Die Vereinigten Staaten von Amerika und ihr Waffenkamerad Al Qaeda.....
Gegenmeinung: Auch Saudi-Arabien wird von Protesten erschüttert.....
Nachtwandler: Wir sind die Terroristen Die Wahrheit schmerzt, aber Lügen töten - Die Wirklichkeit unserer betrügerischen Kriege.....

Sonntag, 12. August 2012

Deutsche Truppen bald nach Syrien?

Mowitz
Hillary Clinton, krankhafte Humoristin des Imperiums mit morbiden Vorlieben: "Wir kamen, sahen und er starb", traf sich in Istanbul mit dem türkischen Außenminister Ahmet Davutoglu. Es wurde die Möglichkeit erörtert jetzt schon den Kettenhund NATO (North Atlantic Terrorism Organization), von der Leine zu lassen um durch eine Intensivierung der Massenmorde an Zivilisten und Angehörige der regulären syrischen Armee die legale Regierung Assad zu zwingen, Syrien an das Imperium und seiner kriminellen Menschenrechtsverbündeten Saudi-Arabien, Quatar und Israel, um nur die Schlimmsten zu nennen, zu übergeben.

Das Elend und Leid für das der Welt mächtigster Terrorstaat USA auch in Syrien verantwortlich zeichnet, wird kurzfristig, trotz beachtenswerter Erfolge der legalen syrischen Armee über die ausländischen Terrorbanden, kaum gemildert werden können.

Zuerst aber will sich die politische Klasse der USA noch bei ihrem, außerhalb des internationalen Rechts in Syrien operierenden Terrororismuszuhälters CIA und anderen, schlau machen, wann es an der Zeit ist die schon bröckelnde Maske der "Nichteinmischung" vor aller Öffentlichkeit völlig fallen zu lassen, um so die Mordaktionen an der Zivilbevölkerung, wie in Libyen, (über 50 000 Tote), kräftig zu verschärfen. Aber so wie sich die North Atlantic Terrorism Organization schon damals nicht an die schlappen Vorgaben der UN-Resolution 1973 hielt nicht das Waffenembargo zu brechen und die Resolution die NATO auch nur dazu ermächtigte eine Flugverbotszone über Libyen einzurichten, werden sich die Aggressoren auch an keine Vorgaben für Syrien halten, wenn diese sie bei ihrer Errichtung des Neuen Nahen Osten in irgendeiner Weise behindern würde.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Clinton schwadronierte vor Journalisten von der großen Verantwortung welche die zum wiederholten Male für den Sturz einer fremden Regierung eingesetzte CIA, sowie deren verbündete Mörder und Kidnapper befreundeter Alliierter bei der Zusammenarbeit Türkei/USA trügen. Noch tun die USA so als würden sie auf nicht erwünschte Reaktionen aus China und Russland Rücksicht nehmen, die ja bisher im Sicherheitsrat die schlimmsten Exzesse des Wall-Street-Imperialismus gegen Syrien noch verhindern konnten. Aber wie lange noch? Die unsichtbaren Kapitalmärkte sind noch nie dadurch aufgefallen zu warten, oder humanitäre Rücksichten zu nehmen. Ich befürchte, sie werden auch nicht vor einem atomaren Weltkrieg zurückschrecken.

Nach allen Erfahrungen, welche die Welt inzwischen mit dem aggressivsten Imperialismus der Neuzeit gemacht hat, kann ich mir nicht vorstellen, dass sich der US-Faschismus von seinem schon seit Jahren beschlossenen Fahrplan abbringen lässt, der klar und deutlich beinhaltet nach Syrien und Iran will man sich auch um Russland und China "kümmern."

Im verharmlosenden Sprachgebrauch führender Eroberer könnte man sagen: Nach Ende des Kalten Krieges und dem Untergang der früheren SU soll mit dem Begriff der „Pax Americana“ vor allem der amerikanische "Gestaltungsanspruch" hinsichtlich der Weltordnung zum Ausdruck gebracht werden.

Sehr viel deutlicher sagt es in einem Vorwort zu James Petras Buch "Herr oder Knecht" der Herausgeber des Buches:
"Die Völker der Welt sind sich inzwischen bewusst, wie grausam und pervers kreativ der US-Imperialismus ist. Er umgibt sich mit dem Mäntelchen der Demokratie. Tatsächlich schändet er nicht nur die Demokratie, sondern auch alle Prinzipien der Menschlichkeit und des friedlichen Zusammenlebens der Völker. In seiner hundertjährigen Geschichte hat er jeden Streit zwischen Sippen, Ethnien, Völkern, Religionen und politischen Systemen zu seinen Gunsten instrumentalisiert. Dank der Tüchtigkeit seiner Diplomaten und der Spendierfreudigkeit für seine „Freunde", konnte der US-Machtapparat bis heute das „große Wunder" schaffen:

1. nahöstliche Statthalter und europäische „Sozialisten",
2. Mörder der Mafia und christliche Puritaner,
3. ehemalige Faschisten und ehemalige Kommunisten,
4. anti-deutsche Intellektuelle, Feinde des alten, aber nicht des neuen Faschismus und
5. alle, die den Medien bedingungslos Glauben schenken

um den Finger zu wickeln".
Und Deutschland nun? Glaubt irgendwer noch daran, dass die Deutschen noch einmal ungeschoren, wie im Fall Libyen, davonkommen und "Friedenspolitik" in der Etappe zelebrieren dürfen? Westerwelle und Merkel haben ihre Lektion gelernt und wollen hinter den "Friedensparteien" S?PD und Grüne keinen Millimeter zurückstehen. Deutschland ist und war schon seit Jahren federführend als es Syrien und Assad die Vorzüge des Neoliberalismus "erklärte", was ja nach Ansicht s.g. Experten dazu beigetragen hat, bei der Umsetzung des neoliberalen Projekts mit jeder Menge EU-Fördergelder, die Unruhen im Land zu erzeugen, die sich die USA, Israel, Saudi-Arabien, Quatar und Europa zunutze machten, um mit aktiven Terrorbanden aus innerstaatlichen Angelegenheiten, völkerrechtswidrige kriegsähnliche Massaker von außen veranstalten zu können. Das ist eines der vielen Gesichter des Wall-Street-Kapitalismus, mit Globalisierung, Neoliberalismus oder welchem Namen auch immer, inklusive.

In Europa nimmt das Kapital, unter deutscher Führung, rasant an Tempo zu,versucht mit aller Macht die US-Variante einzuholen und erzählt seinen "lieben Mitbürgerinnen und Mitbürgern", dass uns die Schuldenkrise der Staaten in Atem hält, (wohl verursacht von Hartz IV-lern). Wir, gemeint bist DU, aber nie vergessen sollten, dass die friedliche Vereinigung "unseres" Kontinents das historische Geschenk für "uns" ist. Es soll "uns" über ein halbes Jahrhundert Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit, Menschenrechte und Demokratie gebracht haben. Gemeint sind die zig-Kriege des US-Kapitals nach WK II, die Freiheit des Kapitals, Gerechtigkeit zwischen den Vermögenden  und Menschenrechte und Demokratie nach Jugoslawien, Afghanistan und Afrika gebracht zu haben.

Der neoliberale Umbau der Welt soll nach einer eventuellen Kapitulation Syriens verstärkt fortgesetzt werden. Nach dem Iran stehen dann bis zur letzten Bombe Russland und China auf der Wall-Street-Agenda.


FH

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