Sonntag, 20. Januar 2013

Der geopolitische Rückbau Afrikas: Verdeckte US-Unterstützung für Al-Qaida im Norden Malis, und Frankreich kommt als "Retter"

Von Tony Cartalucci
Global Research, 15.01.13

Mit einer schnell in Umlauf gebrachten Flut von Zeitungsberichten wurde das militärische Eingreifen Frankreichs in den Konflikt im afrikanischen Staat Mali gerechtfertigt. Mit dem Artikel "The Crisis in Mali: Will French Intervention Stop the Islamist Advance?" [Die Krise in Mali: Wird die französische Intervention den Vormarsch der Islamisten stoppen?] greift das Magazin TIME – wohl wissend, dass die bewährten Tricks die besten Tricks sind – wieder einmal den schon bis zum Erbrechen bemühten "Krieg gegen den Terror" auf. TIME behauptet, mit der Intervention müssten "islamistische Terroristen" daran gehindert werden, erst Afrika und dann ganz Europa zu überfluten. In dem Artikel heißt es:
"... in Frankreich gibt es die [möglicherweise berechtigte] Angst, dass von einem radikal- islamistisch beherrschten Mali die größte Bedrohung für den französischen Staat ausgehen könnte, da die meisten Islamisten Französisch sprechen und viele Verwandte in Frankreich haben. [Aus Geheimdienstquellen in Paris hat TIME erfahren, dass sich bereits aufstrebende Dschihadisten aus Frankreich in den Norden Malis aufgemacht haben, um sich dort ausbilden zu lassen und mitzukämpfen.] Al Qaeda in Islamic Maghreb / AQIM, eine der drei Gruppierungen, aus denen sich die islamistische Allianz in Mali zusammensetzt und die in deren Führung stark vertreten ist, hat Frankreich – das die westlichen Mächte in dieser Region vertritt – als Hauptgegner beim Angriff (auf den Süden Malis) bezeichnet."
TIME verschweigt seinen Lesern allerdings, dass Al-Qaeda in Islamic Maghreb / AQIM eng mit der Libyan Islamic Fighting Group / LIFG (der Libyschen Islamischen Kampfgruppe) liiert ist. [Die LIFG wurde bei der trickreich eingefädelten NATO-Invasion in Libyen im Jahr 2011 vor allem von Frankreich mit Waffen, Ausbildern, Spezialtruppen und sogar mit Flugzeugen unterstützt, damit sie die libysche Regierung stürzen konnte.]

Schon im August 2011 veröffentlichte Bruce Riedel vom konzernfinanzierten US-Think- Tank Brookings Institution einen Artikel mit der Überschrift "Algeria will be next to fall" [Algerien wird als nächstes Land fallen], in dem er zuversichtlich vorhersagte, dass ein Erfolg in Libyen auch radikale Elemente in Algerien – und zwar vor allem AQIM – ermutigen würde. Schon damals hoffte Riedel darauf, dass auch die algerische Regierung durch extremistische Gewalt und französische Luftangriffe gestürzt werden könnte. Pikanterweise schrieb er:

"Algerien ist sehr besorgt darüber, dass die Unruhen in Libyen zur Entstehung eines sicheren Hafens und Rückzugsgebiets für Al-Qaida und andere extremistische Dschihadisten führen könnten."


Erläuterungen zu der Karte: Die NATO-Intervention in Libyen hat die LIFG, einen als Terrororganisation eingestuften Al-Qaida-Ableger, wieder aufleben lassen. Er hat vorher im Irak und in Afghanistan gekämpft und streut jetzt – mit Unterstützung der NATO – Kämpfer, Bargeld und Waffen von Mali im Westen bis nach Syrien im Osten aus. Das angeblich furchterregende "globale Kalifat", mit dem die Neokonservativen seit einem Jahrzehnt die Kinder im Westen erschrecken, nimmt jetzt durch von Saudi- Arabien, Israel und Katar geförderte Machenschaften langsam Gestalt an, ist aber nicht "islamisch". In Wirklichkeit haben echte Muslime in Kämpfen mit "vom Westen finanzierten Terroristen" den höchsten Preis bezahlt.

Die Nato-Intervention hat Libyen tatsächlich zu dem vom Westen gewollten Rückzugsgebiet für Al-Qaida gemacht. [s. hier]. Das Einnisten der AQIM im Norden Malis und das prompte Eingreifen Frankreichs werden unvermeidlich dazu führen, dass sich der Konflikt auch auf Algerien ausweitet. (Durch die Geiselnahme auf dem Gasfeld in Algerien ist das bereits geschehen.) Es sollte auch beachtet werden, dass Riedel die (von der Brookings Institution veröffentlichte) Analyse "Which Path to Persia" (Welcher Weg führt in den Iran?) mitverfasst hat. (Der englische Text der Analyse ist hier aufzurufen.) Darin wird ganz offen dazu aufgefordert, eine weitere, in der Liste des US-Außenministerium aufgeführte Terrororganisation, die Mujahedin-e Khalq / MEK (die so genannten Volksmudschahidin), zu bewaffnen, damit sie im Iran Unruhe stiften und den Sturz der iranischen Regierung betreiben können. Aus dem Gesagten wird ein Muster deutlich, das erkennen lässt, dass sich die US-Außenpolitik terroristischer Organisationen bedient, die sogar in der Liste des US-Außenministeriums stehen, um ihre Ziele durchzusetzen. In einem in der Asia Times veröffentlichten Artikel mit der Überschrift "How al-Qaeda got to rule in Tripoli" [Wie Al-Qaida in Tripolis an die Macht kam, s. hier] hat der geopolitische Analyst Pepe Escobar sogar eine direkte Verbindung zwischen der LIFG und AQIM nachgewiesen:
"Bereits 2007 hat Zawahiri, der damals noch die Nummer Zwei bei Al-Qaida war, offiziell die Fusion der LIFG mit Al- Qaida zur AQIM verkündet. Seither sind LIFG und AQIM zu einer einheitlichen Organisation verschmolzen – und Belhaj war und ist ihr Emir."
"Belhaj,"der eigentlich Abd al-Hakim Balhadsch heißt, hat die LIFG geführt und mit Unterstützung, Waffen und Geld der NATO und schneller diplomatischer Anerkennung durch NATO-Staaten Muammar Gaddafi gestürzt und Libyen in einen Schauplatz endloser rassistischer und völkermörderischer Stammeskämpfe verwandelt. Außerdem hat er Bengasi, das Epizentrum der Rebellion, von Tripolis abgetrennt und zu einem halbautonomen "Terroremirat" gemacht [weitere Infos s. hier]. Seinen nächsten Coup hat er in Syrien gelandet; er war nachweislich an der türkisch-syrischen Grenze und hat – wieder mit Unterstützung der NATO – der so genannten "Free Syrian Army" Geld und Kämpfer versprochen [s. hier].

Die LIFG, die mit Waffen, Bargeld und diplomatischer Unterstützung aus Frankreich in den Norden Syriens eingefallen ist [s. hier] und im Auftrag der NATO einen Regimewechsel herbeiführen soll, ist auch nach offiziellen Angaben des Combating Terror Centers / CTC der US-Army in der Militärakademie West Point [s. hier] schon 2007 mit Al-Qaida verschmolzen. Nach Auffassung des CTC haben AQIM und LIFG nicht nur die gleichen ideologischen Ansichten, sondern auch die gleichen strategischen und sogar die gleichen taktischen Ziele. Die Waffen, die sich die LIFG in Libyen angeeignet hat, sind über die durch - lässige Grenze in der Sahara ganz sicher auch in die Hände der AQIM im nördlichen Mali gelangt.

Tatsächlich wurde auf der Website von ABC News unter der Überschrift "Al Qaeda Terror Group: We ‘Benefit From’ Libyan Weapons" [Al-Qaida-Terrorgruppe: Wir "profitieren" von Waffen aus Libyen,] Folgendes berichtet:
Ein führendes Mitglied einer Al-Qaida nahestehenden Terroristengruppe ließ durchblicken, seine Organisation habe sich viele der in den Wirren des Aufstandes in Libyen verschwundenen schweren Waffen angeeignet und schürte damit die seitdem bestehenden Ängste westlicher Offizieller. "Wir haben mit am stärksten von den Revolutionen in der arabischen Welt profitiert," erklärte Mokhtar Belmokhtar, ein Führer der in Nordafrika agierenden Al Qaeda in Islamic Maghreb / AQIM. (Belmokhtar befehligt auch die Geiselnehmer in Algerien. s. hier) Das berichtete die mauretanische Nachrichtenagentur ANI am Mittwoch. "Dass wir die Waffen aus Libyen auch einsetzen, ist unter den jetzigen Umständen wohl selbstverständlich."
Es ist kein Zufall, dass sich der in Libyen nur noch schwelende Konflikt jetzt auch auf Mali ausgeweitet hat. Das ist ein weiterer Teilschritt des beabsichtigten geopolitischen Rückbaus (Afrikas), der mit dem Umsturz in Libyen begann und mit Hilfe von der NATO geförderter, schwer bewaffneter Terroristen auch auf andere Staaten wie Mali, Algerien und Syrien überspringen soll.

Wenn die AQIM und ihre Anhängsel durch die französische Intervention aus dem Norden Malis vertrieben werden, ziehen sie sich höchstwahrscheinlich nach Algerien zurück, und das ist sicher auch beabsichtigt.

2011 – zu Beginn des von den USA inszenierten "Arabischen Frühlings" [s. hier] – konnte Algerien noch einen Umsturz verhindern. Der Westen hat das Interesse an (einem Aufstand auch in) Algerien aber nie verloren, weil er eine ganze Region umbauen will, die von Afrika bis vor die Tore Pekings und Moskaus reicht. Man kann es als einen Anfall von geopolitischer Schizophrenie bezeichnen, dass er Terroristen einerseits als casus belli (Kriegsgrund) und als Vorwand für Überfälle auf andere Länder benutzt, und sie anderseits als unerschöpfliche Söldnertruppe für sich kämpfen lässt.

Übersetzung, Wolfgang Jung, luftpost-kl.de

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen