Samstag, 9. März 2013

Schlecht beraten - Für die "Ewigkeit"

Mowitz
Hugo Chávez hat großes geleistet. Sehr großes sogar. Gar keine Frage. Muss er aber deswegen gleich nach den heutigen Trauerfeierlichkeiten zur Mumie degradiert und mit einer Einbalsamierung bestraft und wie Schneewittchen, in einem gläsernen Sarg zur Schau gestellt werden? Schneewittchen hatte noch Glück. Sie nutzte ihre Zeit, die noch nicht gekommen war, um den vergifteten Apfelbissen aus dem Hals zu husten. So blieb ihr die Ewigkeit in einem gläsernen Sarg erspart. Dafür lebt sie aber noch immer in den Erinnerungen der Märchenwelt für kleine Kinder unverdrossen weiter.

Andere Größen der Geschichte leben in ihren Werken weiter und verändern so, und nur so, immer noch die Welt. Karl Marx und Friedrich Engels waren solche Größen. Ihnen blieb zum Glück die Verunzierung der Einbalsamierung erspart. Hinter dem Gedanken der Einbalsamierung steckt die Hoffnung der politischen Nachkommen die Mumie zur Beherrschung der Massen hochhalten zu können. Der sicherste Weg um die Idee und den Kampf, des nur vordergründig Geehrten, für alle Zeiten zu diskreditieren, in Vergessenheit geraten, und zum Gespött werden zu lassen.

Karl Marx ließ in unserer Zeit der Finanzmarktblasen, wieder von sich hören und sogar der Chefberater der Großbank UBS, George Magnus, sah sich veranlasst seine Hochachtung für Karl Marx geistige und schöpferische Leistung zum Ausdruck zu bringen, da er die weltweite Krise des Kapitalismus richtig vorhergesagt habe, zu deren Überwindung aber nur kapitalistische Rezepte angewandt werden, die sich längst als unwirksam erwiesen haben.
"Der Geist des Karl Marx, der auf einem Friedhof in der Nähe meiner Wohnung im Norden Londons begraben wurde, hat sich inmitten der Finanzkrise und des nachfolgenden wirtschaftlichen Niedergangs aus dem Grab erhoben. Die Kapitalismus- Analyse des scharfsinnigen Philosophen hat zwar einige Schwächen, aber der heutige Zustand der Weltwirtschaft hat eine unheimliche Ähnlichkeit mit der Entwicklung, die er vorausgesehen hat."
Andere Leichname, die für die "Ewigkeit" einbalsamiert wurden, sind zum Teil schon wieder in die Barmherzigkeit des Vergessenseins untergetaucht und werden wohl aller Voraussicht nach dort bleiben.

Die Rufe "Chávez lebt, der Kampf geht weiter," werden mit der Einbalsamierung verhallen. Dazu benötigt man aufgeklärte und einer Idee verschriebenen Masse, die selbstbewusst und ohne Obrigkeitsgläubigkeit ihren eigenen Weg geht.

Werden die Massen nicht selbstbewusster, und unabhängiger von ihren Führern und Eliten, wird auch weiterhin George Orwells Satz Gültigkeit behalten: "Eine hierarchische Gesellschaft ist nur auf der Grundlage von Armut und Unwissenheit möglich. Die neue Variante ist die Vergangenheit, und keine andere Vergangenheit kann je existiert haben.Im Prinzip soll jede Kriegsanstrengung die Gesellschaft am Rande des Verhungerns halten. Der Krieg wird von den Herrschenden gegen die eigenen Untertanen geführt - und sein Ziel ist weder ein Sieg über Eurasien oder über Ostasien - sondern die Aufrechterhaltung der Gesellschaftsstruktur."

Der Kapitalismus weiß das und steuert die Gesellschaft, neben Gewaltanwendung, auch mit Coca Cola, Micky Maus und Schnäppchenjagd auf Pornoseiten, leider immer noch sehr erfolgreich.

Hugo Chávez zitiert in John Pilgers Film The War On Democracy (Amerikas Krieg gegen Demokratie), den französischen Schriftsteller Viktor Hugo: "Nichts auf der Welt ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist."

Aber es ist noch ein langer Weg bis die Zeit kommt. Die Idee ist schon hier und wartet.

FH

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