Dienstag, 9. April 2013

Statt einer Würdigung: Margaret Thatcher, die ewige Krämerseele

Mowitz
Nun hat die Stunde der Geschichtsfälscher und Propagandisten geschlagen, die mit gewohntem Elan und im schönsten Neusprech Lügen Wahrheit werden lassen. Margaret Thatcher hat den Löffel endgültig abgegeben und habe, so werden die Boten des Neoliberalismus kundtun, Großbritannien „modernisiert“. Womit die Zerschlagung britischer Gewerkschaften und damit die Abschaffung des Sozialstaates gemeint ist.

Zu Thatchers bleibenden Verdienst wird man auch ihren Einsatz Großbritannien zu einer modernen Dienstleistungsgesellschaft gemacht zu haben, hochjubeln. Dahinter versteckt sich der fast unausrottbare Glaube mit Finanzblasen bleibende Werte schaffen zu können. Spätestens seit dem Eintreffen des immer noch nicht überwundenen Finanzcrash, sollte auch der letzte Finanzmarktbläser gelernt haben, dass eine Blase, früher oder später, immer platzt. Sicher, London ist Europas Finanzplatz Numero 1, aber Großbritanniens Entindustrialisierung hat Großbritannien schwächer, nicht stärker werden lassen. Im Gegensatz zu Deutschland, wie in der Banken- und Finanzkrise heute deutlich sichtbar wird. So weit sahen, oder wollten weder Thatcher, Reagan noch ihre neoliberalen Wirtschaftseinflüsterer rund um Milton Friedman und Konsorten allerdings auch nicht sehen. Sie erfüllten ja einen Auftrag. Mit verstärkter Deregulierung, Privatisierung, Globalisierung und Abbau des Sozialstaats dafür zu sorgen, der Neuerfindung des „Rades" Kapitalismus den Status eines „Urknalls" zu verleihen, mit dem die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer wurden.

Man wird auch ihre Rolle als überzeugte Unterstützerin des chilenischen Massenmörders, Diktators und Kommunistenhassers Augusto Pinochet schönreden wollen. Dieser Verbrecher zeichnete sich durch seinen fanatischen Kampf gegen alle demokratischen Einrichtungen Chiles aus, was ihm die Unterstützung der Wall Street und des politischen Establishment Washingtons bei dem Militärputsch 1973 gegen den demokratisch gewählten, sozialistischen Präsidenten Salvador Allende, sicherte. Es gab zu jener Zeit keinen einzigen Putsch in Südamerika an dem nicht die USA mit ihrer CIA maβgeblich beteiligt waren und jeder Putsch das Ziel verfolgte die Wirtschaftsmacht der USA und damit die der Wall Street zu stärken. Der Massenmörder Pinochet war zwischen 1973 und 1990 erst als Vorsitzender einer Militärjunta und später als Präsident diktatorisch tätig. Er wurde nie durch eine demokratische Wahl legitimiert.
Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
"Unmittelbar nach dem Putsch gab es die meisten Opfer, sowohl von Folterungen als auch von politischen Morden. Allein am 11. September wurden 2131 Menschen aus politischen Gründen verhaftet, bis Ende des Jahres waren es 13.364. 43 % der Opfer wurden von der Polizei verhaftet, weitere 30 % von Soldaten des Heeres (der Rest meist von Angehörigen von Luftwaffe und Marine oder Geheimdiensten). Opfer waren vor allem Mitglieder und Sympathisanten der gestürzten Allende-Regierung, Linksparteien und Gewerkschaften. [....] Die „Kommission für Wahrheit und Versöhnung“ (auch unter dem Namen „Kommission Rettig“ bekannt) erwähnte in ihren Aufzeichnungen 2095 Tote und 1102 verschwundene Häftlinge, andere Berichte zählten Hunderte mehr. Wiki"
Das waren die „Helden" in deren Gesellschaft sich die Krämerstochter wohlfühlte. Endlich mal wieder ein Verbrecher der so richtig durchgriff. Gefangenen wurde der Kontakt zu Anwälten oder ihren Familien verweigert. Die Angehörigen von ca. 2500 Verschwundenen wurden über deren Schicksal im Dunkeln gelassen. Noch 1998 reiste Pinochet als Senator und Mitglied des Verteidigungsausschusses nach Großbritannien, ließ sich dort seinen kranken Rücken behandeln und traf sich mit Ex-Premierministerin Margaret Thatcher, die ihm immer noch freundschaftlich verbunden war.

So wurde die Einführung einer neoliberalen Wirtschaftsordnung gestaltet. In deren Fahrwasser folgten gigantische Vermögensumverteilungen von unten nach oben, die mit Begrifflichkeiten wie „Gewinne privatisieren - Verluste sozialisieren" treffend beschrieben sind. Mit Globalisierung inklusive. Wobei Kriege noch heftiger, noch häufiger, als „Wachstumsmotor" herhalten müssen. Wir befinden uns mitten in einer Wiederauferstehung des Faschismus und Kolonialismus in seiner übelsten Form.

In Großbritannien, so ist zu hören, gibt es schon eine neue Zeitenrechnung: „Vor und nach Margaret Thatcher", was ihre Größe und Bedeutung unterstreichen soll. Damit steht sie nicht allein. Alle Neofaschisten holen sich ihre Inspiration und ihr Sendungsbewußtsein in der gleichen Suhle.

FH

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