Sonntag, 5. Mai 2013

Die USA verbreiten an "Curveball" erinnernde Lügen über angeblich von Syrien eingesetzte Massenvernichtungswaffen


Weil die von der NATO unterstützte Terroristenfront in Syrien bröckelt, versuchen die USA mit den bekannten Lügen über Massenvernichtungswaffen eine Militärintervention zu rechtfertigen.

Von Tony Cartalucci
Land Destroyer Report, 25.04.13

In den letzten beiden Wochen hat die (reguläre) syrische Armee in ganz Syrien eine Reihe von Siegen errungen. Es scheint so, als seien in der Nähe von Damaskus zwei ganze Kompanien von Kämpfern der so genannten "Freien Syrischen Armee" aufgerieben worden; die Regierungstruppen konnten auch in Teilen der Stadt Homs und entlang der vorher porösen libanesisch-syrischen Grenze die Ordnung wieder herstellen.

Weil die Entwicklung gegen den Westen läuft, sucht er verzweifelt nach einer Möglichkeit, diesen Stellvertreterkrieg, der zu scheitern droht, doch noch zu gewinnen. Um eine dringend notwendige Militärintervention zu rechtfertigen, wird normalerweise – wie in Libyen – ein "humanitärer" Vorwand erfunden. Da der Westen in Syrien damit aber nicht durchgekommen ist, gräbt er jetzt erneut eine bewährte, aber noch dürftigere Mär aus. (Der TV- Sender) CNN hat bereits berichtet: "Hagel liegen Beweise für den Einsatz chemischer Waffen in Syrien vor."
Der US-amerikanische Verteidigungsminister Chuck Hagel gab am Donnerstag bekannt, den USA lägen Beweise für den Einsatz chemischer Waffen in Syrien vor.

Diese Mitteilung erfolgte nur wenige Tage nach der Behauptung eines israelischen Geheimagenten, Damaskus habe im (syrischen) Bürgerkrieg vom Völkerrecht verbotene (chemische) Waffen gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt. Die syrische Regierung hingegen wirft den Rebellen den Einsatz chemischer Waffen vor.

US-Präsident Barack Obama hat erklärt, wenn die syrische Regierung chemische Waffen gegen ihre eigene Bevölkerung einsetze, sei das eine "grundlegend neue Situation".
Erstaunlicherweise versucht der Westen das berüchtigte "Märchen von den Massenvernichtungswaffen", das er schon einmal gegen den Irak verwandt hat, jetzt auch auf Syrien zu übertragen. Aus einem in der Washington Post unter der Überschrift "Nach Erkenntnissen von US-Geheimdiensten hat Assad möglicherweise kleinere Mengen chemischer Waf fen eingesetzt" geht hervor, wie ungesichert diese "Beweise" in Wirklichkeit sind:
Hagel sagte, die Geheimdienste "bewerteten die Zuverlässigkeit dieser Information sehr unterschiedlich". Im Klartext heißt das: Es liegen überhaupt keine gesicherten Beweise vor. Er habe diese Information "erst in den letzten 24 Stunden" erhalten, und das Weiße Haus habe den Kongress am Donnerstag in einem Brief darüber in Kenntnis gesetzt.
Auch der von der Washington Post zitierte Brief des Weißen Hauses belegt, wie dürftig die Beweislage ist:
Unsere Geheimdienste bewerten die Zuverlässigkeit der Information, das syrische Regime habe in kleinen Mengen chemische Waffen – insbesondere Sarin – gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt, sehr unterschiedlich. Diese Bewertung beruht zum Teil auf physiologischen Proben. Da die Zuverlässigkeit unserer Beweise von der Zuverlässigkeit der Erkenntnisse unserer Geheimdienste abhängt, suchen wir weiter nach glaubwürdigen und überprüfbaren Tatsachen. Weil die Beweiskette nicht lückenlos ist, haben wir noch keine sicheren Erkenntnisse darüber, wie und unter welchen Bedingungen die chemischen Waffen eingesetzt wurden. Wir glauben aber, dass nur das Assad-Regime chemische Waffen in Syrien eingesetzt haben kann.
Wenn physiologische Proben auf den Einsatz von Sarin hindeuten sollen, dann heißt das mit anderen Worten, es liegen (Gewebe- oder Sekret-)Proben von Menschen vor, die mit Sarin Kontakt hatten, der aber auf sehr unterschiedliche Weise entstanden sein kann. Es ist bestätigt, dass sich unter den chemischen Waffen, die Libyen besaß, auch Sarin und Senfgas befanden. In einem Artikel, den die Washington Post 2011 unter der Überschrift "Nach offiziellen Angaben ist das Giftgas Libyens durch den Aufruhr nicht tangiert", hieß es damals:
Experten nehmen an, dass Libyen schon vor Jahren etwa 3.300 Granaten zerstört hat, die mit Senfgas oder Sarin hätten gefüllt werden können – im Rahmen eines Deals mit dem Westen, der die jahrzehntelange wirtschaftliche und diplomatische Isolation des Landes beendete.

Dabei sollen über 10 Tonnen zur Herstellung von Senfgas und Sarin geeigneter Chemikalien in Behälter gefüllt und an drei Stellen in der Wüste südlich von Tripolis eingelagert worden sein – dort, wo sich Muammar Gaddafi zuletzt versteckt hielt, um nicht gestürzt zu werden.

Viele Experten befürchten, die Behälter könnten in die Hände von Terroristen fallen, die mit Al-Qaida zusammenarbeiten.
Heute wissen wir, dass die 2011 als "libyschen Rebellen" bezeichneten "Aufständischen" in Wirklichkeit Al-Qaida-Terroristen waren, die unter dem Decknamen Libyan Islamic Fighting Group / LIFG operierten; wir wissen auch, dass sie jetzt an der Seite des Al-Qaida-Ablegers Al-Nusra im Stellvertreterkrieg der NATO in Syrien kämpfen.

Es ist deshalb wahrscheinlich, dass die Hilfstruppen der NATO nicht nur Handfeuerwaffen und Bargeld von Libyen nach Syrien mitgebracht haben, sondern neben schwereren Waffen vermutlich auch chemische Kampfstoffe wie Sarin und Senfgas.

Die syrische Regierung weiß sehr wohl, dass sie durch den Einsatz chemischer Waffen die moralische, strategische und geopolitische Initiative an den Westen abgeben würde; in Anbetracht ihrer jüngsten, mit konventioneller Taktik und konventionellen Waffen errungenen Erfolge ist es viel wahrscheinlicher, dass in Syrien auftauchendes Sarin von NATO- Komplizen mitgebracht wurde, die so versuchen, (den USA und der NATO) einen plausiblen casus belli (Kriegsgrund) zu verschaffen. Die in Syrien operierenden Terroristen wurden auch schon beim Hantieren mit anderen chemischen Waffen ertappt.

Trotz all dieser Zweifel hat das politische Establishment des Westens die so genannten "Geheimdienst-Erkenntnisse" als Vorwand für eine militärische Intervention der USA aufgebauscht.

Erinnern Sie sich an "Curveball"

Es ist absolut notwendig, dass Sie sich die Propaganda-Kampagne in Erinnerung rufen, die vor der Invasion des Iraks im Jahr 2003 inszeniert wurde. Auch damals wurden chemische Waffen als Vorwand für einen ungerechtfertigten Krieg benutzt. Die von den Vorgängern Hagels verwendeten "geheimdienstlichen Erkenntnisse" waren, wie später zugegeben wurde, genau zu diesem Zweck erfunden worden.

In einem Artikel in der britischen Zeitung The Independent mit der Überschrift "Der Mann dessen Lügereien über Massenvernichtungswaffen über 100.000 Menschen das Leben kostete, legt ein Geständnis ab – Ein Überläufer berichtet, wie US-Offizielle mit seiner erfundenen Geschichte (von den mobilen Giftgaslaboren) die Irak-Invasion im Jahr 2003 begründeten", heißt es:
Ein Mann, dessen Lügen den Vorwand für den Überfall auf den Irak lieferten, und der damit einen neunjährigen Krieg auslöste, der mehr als 100.000 Menschenleben forderte und Hunderte von Milliarden Pfund kostete – wird sich morgen in seinem ersten Interview im britischen Fernsehen reinzuwaschen versuchen.

"Curveball", der irakische Überläufer, der die Lügen über irakische Massenvernichtungswaffen erfand, lächelt, während er bestätigt, dass er damit alles ins Rollen brachte. Ein Rosstäuschertrick änderte den Lauf der Geschichte, denn mit den Lügen des Herrn Rafid Ahmed Alwan al-Janabi wurde der Krieg gegen den Irak gerechtfertigt. ("Curveball" hatte seine Lügengeschichte zuerst dem bundesdeutschen BND erzählt, und der hat den Märchenerzähler an den US-Militärgeheimdienst DIA weitergereicht.

So versucht er sein Vorgehen zu verteidigen: "Meine Absicht war vor allem, den Tyrannen im Irak zu stürzen, denn je länger dieser Diktator an der Macht blieb, desto mehr Iraker mussten unter der Unterdrückung durch sein Regime leiden."
Wir können uns bereits vorstellen, wie man im Nachhinein versuchen wird, auch die "hehre Lüge" zu rechtfertigen, die den Sturz des "Tyrannen in Syrien" ermöglichen soll. Der Artikelschreiber in The Independent fährt dann fort:
Herr Janabi, der in der zweiteiligen Sendung "Moderne Spione" auftreten wird, die morgen in BBC 2 startet, bestätigt, dass kein Wort (seiner erfundenen Geschichte) stimmte. Als er gefragt wird: "Haben wir also wegen einer Lüge – wegen Ihrer Lüge – Krieg mit dem Irak geführt?" antwortet er einfach nur: "Ja.".

US-Grafiker hätten die Zeichnungen des Herrn Janabi von rollenden Biowaffen-Laboren "aufbereitet", um sie eindrucksvoller und präsentable zu machen, hat Oberst Lawrence Wilkerson, der ehemalige Stabschef des Generals Powell zugegeben. "Ich habe die Grafiken von einem Team im Weißen Haus bearbeiten lassen," gestand er, und fügte hinzu, die "Geheimdienst-Erkenntnisse" seien so lange angepasst worden, bis sie den Wünschen der Politiker entsprachen.
Die "Anpassung" der Geheimdienst-Erkenntnisse an die (beabsichtigte) Politik war tatsächlich der wichtigste Aspekt bei der Vorbereitung der Invasion des Iraks, und das Gleiche geschieht jetzt wieder im Hinblick auf Syrien – in Washington, Doha, Riad und in Tel Aviv.

Ähnliche Lügen, wie "Curveball" sie über den Irak erzählt hat, lässt der zunehmend skrupelloser werdende Westen jetzt auch über Syrien verbreiten; nachdem er bereits alle anderen Tricks versucht hat, beginnt wieder alles von vorn. Die Frage ist, ob die Welt es sich leisten kann, noch einmal auf den gleichen Irrweg geführt zu werden, von dem sie bereits weiß, wo er enden wird? Die Staaten und Völker, die sich noch nicht von der Wallstreet und London kommandieren lassen, sind aufgerufen, einen neuen verbrecherischen Angriffskrieg zu verhindern – denn diesmal können sie nicht behaupten, die wahren Absichten des Westens nicht erkannt zu haben.

Übersetzung: Wolfgang Jung, luftpost-kl.de

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