Dienstag, 15. Oktober 2013

Eine feste Bank ist unser Gott - Wider die ständige Verleumdung des Finanzwesens

Von Uli Gellermann

Hohes Gericht,

es mehren sich in diesen Tagen Beschimpfungen und Drohungen gegen die Banken. Politiker verlangen von den Chefs der Bank Verantwortung zu übernehmen, wollen Rechenschaftslegung und reden von Gier, Casinomentalitäten und Abzocke. Verehrte Sparergemeinde, liebes Kleinvieh: Diese Männer an der Spitze der Geldschleudermaschinen taten nichts anderes als ihre Pflicht! Der Kapitalist - so der Ökonom und Philosoph Karl Marx, ein Sachverständiger von gewissem Rang - sei dazu verurteilt Profit zu machen: Ja, wenn er doch verurteilt ist! Wenn er doch, Tag und Nacht, in den Sielen des Renditekarrens seinen Weg zieht, nicht links nicht rechts schauend, nur ein Ziel vor den Augen, Frau und Kinder vernachlässigend, einzig die 25-Prozent-Rendite anvisierend, von der ein anderer Experte, Josef Ackermann, in seinen ethischen Regeln für den Investment-Bänker spricht. Ein solcher ist schon verurteilt, bevor das Gericht auch nur zusammengetreten ist.

Leistung soll sich lohnen: Das war immer die Maxime der Regierungen der Welt, auch der deutschen, und wenn sich ein Berufsstand was geleistet hat, dann jener der Bänker. Die Globalisierung - so galt es in der reinen Lehre, die von allen Wirtschafts- und Finanzministern ihren Wählern gepredigt wurde - das die Welt umfassende Handels- und Wandels-System, braucht als Überlebensstoff Geld. Wie Blut zirkuliert es in den Adern des Ökonomieapparates, belebt auch das geringste seiner Glieder, pumpt es in diese oder jene windige Idee, pustet die Börsennachrichten zum Weltendrama auf und gibt dem Stammtisch seine jüngste Würze: Welche Bank geht als nächste den Bach runter? Gelohnt hatte sich die Leistung schon beim ehemaligen Chef der Depfa, jener früher deutschen, später irischen Bank, die ihre Mutter, die Hypo Real Estate in die Zahlungsunfähigkeit trieb: Er ging mit 100 Millionen € Abfindung.

Da schelten und drohen jene, wie die verwirrt erscheinende Merkel und der verschwitzte Steinbrück, die noch vor Wochen die Bankenkrise überall gesehen haben, nur nicht in Deutschland, die noch vor Tagen die Hypo Real Estate als gerettet behaupteten und ein kleines Loch gesehen haben, wo doch ein großes war, um jetzt ein mittleres zu erklären. Denn jetzt wüssten sie es genau. Eine solche Verlogenheit brächte ein Bänker nicht übers Herz. Denn keiner weiß zur Zeit etwas Genaues, in den Medien herrscht der Handel mit Versatzstücken. Sogar Anne Will führt sich als Expertin auf, wenn sie den Rudolf Dressler, einen Sozialdemokraten der älteren Art, anherrscht: Ob er denn glaube, dass die täglichen Börsennachrichten in der ARD Schuld an der Krise tragen würden.

Es könnte Leute geben, die könnten behaupten, die ARD gälte als seriöse Quelle und wenn dort der Wetterbericht weitgehend stimme, dann erwecke dies den Eindruck das tägliche Börsengeschwätz habe mit Wirklichkeit zu tun, wo es doch nur um Hoffen und Bangen, um Glauben geht. Der objektive Medienbeobachter darf schon fragen, warum denn ausgerechnet die Börsennachrichten der Wahrheit entsprechen sollten, wenn die anderen Nachrichten doch nur maximal die halbe Wahrheit enthalten? Zur Sache, rufen Sie, Sie glauben ich schweife ab? Aber das erste Rettungspaket für die Hypo Real Estate wurde doch als Wahrheit durchgewinkt und die allfälligen Erfolge von Frau Merkel, sei es in europäischen Fragen oder denen des Klimas, auch. Nein, hohes Gericht, liebe jetzige und perspektivische Sozialhilfeempfänger auf der Schöffenbank, die Banken haben nie behauptet, es gäbe gar kein Risiko, wie Politiker es tun, wenn sie zur Wahl stehen: "Wir holen das Blaue vom Himmel herunter! Wir senken die Kosten im Gesundheitswesen! Wir fegen die Armut hinweg!" Haben sie aus der Finanzwelt je solch faustdicke Lügen gehört?

Wer unser Geld verwaltet, der sollte zählen können. Die arme Merkel und der nachhilfebedürftige Steinbrück können es nicht: Die bundesweiten privaten Spar-Anlagen, sagen sie, betrügen 568 Milliarden. Können die beiden besser rechnen als die Bundesbank? Denn die behauptet, die Guthaben der Privathaushalte betrügen 1,6 Billionen. Da bekommt das Wort "betrügen" doch einen arg dissonanten Klang. Doch gleich wie, selbst der geringere, von unseren beiden gewählten Finanzexperten genannte Betrag, ist gut das Doppelte des diesjährigen Bundeshaushaltes. Für diese 568 Milliarden geben Merkel und Steinbrück eine Garantie ab. Meine Mandanten wären, trotz kleinerer Finanzschwindeleien, nie in der Lage eine solch gigantische Lüge in die Welt zu setzen. Zumal sie ganz praktisch denken und sich sagen würden: Die Leute könnten auf die Idee kommen und die Wirksamkeit der Garantie prüfen und ihr Geld abholen. Und käme auch nur ein Viertel der Sparer auf diese Idee, wäre alles Bargeld futsch und der Staat zahlungsunfähig. Immerhin ist der von der Regierung gewünschte Einsatz der Bundeswehr im Inneren jetzt einleuchtend: Wer sollte sonst die Sparer am Sturm der Banken hindern.

Hohes Gericht,

wer verurteilen will, muss Maßstäbe haben. Die paar Kröten, die dieser oder jener Bänker verzockt, reichen nie und nimmer an das Verzocken eines ganzen Staatshaushaltes heran! Allein deshalb müssen meine Mandanten freigesprochen werden. Doch auch die Zwänge, die sich aus dem System der Profitwirtschaft ergeben, sollten in Anrechnung gebracht werden. Was sollen die Banken tun? Aussteigen, keinen Profit mehr machen, ihr Geld an die Armen verteilen? Das System bräche zusammen! Und wer mir jetzt damit kommt, das täte es ohnehin gerade, der sollte als Umstürzler noch im Gerichtssaal verhaftet werden, denn der predigt doch nur den Sozialismus. Wir, die wir das so erfolgreiche System verteidigen, sagen: Eine feste Bank ist unser Gott. Und solange wir daran glauben, sind die Einlagen sicher und die Zukunft auch.

Ich bitte um Freispruch.

Dieser Artikel erschien am 06. Oktober 2008 auf Ulrich Gellermanns Plattform für Nachdenker und Vorläufer, RATIONALGALERIE, wovon ich ihn, mit seinem Einverständnis, übernommen habe. Danke.

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