Samstag, 2. November 2013

Der 30-Tage-Krieg - Die Sprache des Krieges ist locker

Bild: Rainer Ostendorf,
Freidenker Galerie
Von Uli Gellermann

Mann, das wird ein echter Blitzkrieg werden! Fast so wie damals, als wir mal eben den Polen und den Franzosen gezeigt haben was ein deutscher Blitzsieg ist. Oder als die Israelis 1967 den "Sechstage-Krieg" so schnell und locker gewonnen haben wie andere ein Sechstage-Rennen. Quasi sportlich. Wenn sogar die total seriöse "Basler Zeitung" davon schreibt, dass der Krieg der Israelis gegen den Iran, wenn er denn endlich kommt, nur 30 Tage dauert. Schließlich weiß man ja, dass die Schweizer extrem genaue Uhren bauen. Vom Zeitmessung verstehen die was. Also! Und auch die wirklich feingeistigen Kriegs-Prognostiker von der "Zeit" rechnen mit einem kurzen Krieg. Blätter wie der "Spiegel", die "Süddeutsche" das "Hamburger Abendblatt: Alle, alle verkünden die israelische Botschaft vom 30-Tage-Krieg. Der wird dann auch keinen Tag länger dauern. Eher kürzer.

Unter den Toten des Israel-Iran-Krieges ist - glaubt man den deutschen Medien - kein einziger Iraner. Jedenfalls werden die nicht erwähnt. Durchweg rechnen die Redaktions-Strategen mit nur 500 toten Israelis. Und die sterben, so liest und hört man es, irgendwie an den Folgen eines israelischen Angriffs auf den Iran. Die ARD will in ihrer Tagesschau sogar wissen, dass es auch noch weniger israelische Tote sein könnten. Um die 200 oder 300, je nachdem, ob nur die Hisbollah-Miliz mitmacht oder auch Syrien. Die BILD-Zeitung hält die Israelis für unhöflich: Glatte 40 Prozent der befragten Israelis würden einen Alleingang gegen den Iran gutheißen, 35 Prozent würden lieber den USA den Vortritt lassen. Ja, hör mal! Die Israelis wollen alles selbst machen und den USA das Recht des ersten Schlages absprechen! Wenn das keine antisemitische Bemerkung ist. Immerhin will Shimon Stein, früher israelischer Botschafter in Deutschland, die Amerikaner vorlassen: "Um das Ansehen, die Glaubwürdigkeit und vor allem die Interessen der USA in der Region nicht weiter erodieren zu lassen wird Obama . . . zu den Waffen greifen müssen" schreibt er in der "Süddeutschen".

Beruhigendes weiß ein Professor der Columbia-Unversität in der "Frankfurter Rundschau" und der "Berliner Zeitung" zu sagen: Die israelische Luftwaffe war schon 1981 erfolgreich bei der Zerstörung des irakischen Atomkraftwerks Osirak und einer im Bau befindlichen Atomanlage in Syrien: "Beide Male wurden die Anlagen völlig zerstört, ohne dass es Verluste seitens der Israelis gegeben hätte." Und außerdem ist dort zu lesen, dass der Iran keine moderne Luftabwehr hat und die Israelis sogar in der Luft nachtanken können. Es wird so eine Art Salonkrieg werden: Kaum Blut, viel Luftakrobatik, prima Feuerwerk. Zwar hält im "Tagesspiegel" ein weiterer Experte den "Angriff auf Irans Atomanlagen noch im September für wahrscheinlich", aber vom "Focus" über die "Welt" bis zum "Gelnhäusener Tageblatt" berichten alle, dass der amerikanische Verteidigungsminister sich sicher ist: Israel sei ein souveräner Staat, der letztlich in Sachen nationaler Sicherheit eigene Entscheidungen treffen könne.

Es kann sein, dass im Ergebnis der israelischen Bombardierung iranischer Atomanlagen ein paar hunderttausend Iraner sterben. Sofort oder, im Ergebnis atomarer Verseuchung, später. Es kann sein, dass der ganze Nahe Osten in die Luft fliegt. Dass sich Irak und Ägypten in einen ausbrechenden Krieg einmischen. Dass der Libanon brennt. Dass in Jordanien der Bürgerkrieg ausbricht. Dass die Türkei in Syrien einmarschiert. Nur der deutsche Redakteur wird ruhig in seinem Büro sitzen, einen Kaffee trinken und sich wundern, dass der Krieg doch ein wenig länger dauert als die Israelis versprochen haben. Dann hat der Redakteur schon eine prima Schlagzeile in der Schublade: Israel gegen Iran - 500 : 500.000!

Dieser Artikel erschien am 17. August 2012 auf Ulrich Gellermanns Plattform für Nachdenker und Vorläufer, RATIONALGALERIE, wovon ich ihn, mit seinem Einverständnis, übernommen habe. Danke.

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