Donnerstag, 30. Mai 2013

Klare Linien: Nach Deutsche Bank, jetzt Daimler-Benz am Berliner Kabinettstisch

Mowitz
Der sich selbst als "links" bezeichnende französische Kriegspräsident François Hollande hat anscheinend noch immer nicht begriffen, dass auch der Staat der Grande Nation bereits seit Jahren von den Konzernen übernommen wurde und beschwert sich bitter über Brüssel, obwohl auch Brüssel nur das bewerkstelligt, was Weltbank, IWF und deren Banken-Wurmfortsätze erwarten.
"Wenn eine IWF-Delegation in ein Land kommt und den Abbau sozialer und wirtschaftlicher Einrichtungen als Voraussetzung für die Gewährung von Krediten verlangt, unterscheidet sich das nicht besonders von der physischen Zerstörung durch NATO-Bombenangriffe. Der IWF verlangt die Schliessung von Krankenhäusern, Schulen und Fabriken. Von den Kosten her ist das natürlich viel effizienter als die Bombardierung dieser Krankenhäuser, Schulen und Fabriken, wie sie es in Jugoslawien betrieben haben, aber das Ergebnis ist ziemlich gleich: die Zerstörung des Landes. Der IWF verfügt über das MAI - das Multilaterale Abkommen über Investitionen. Das ist das endgültige Abkommen betreffend Investitionen. Die Unterschrift unter dieses hat die wirtschaftliche Zerstörung des angepeilten Landes zur Folge. Und - Krieg ist einfach die letzte Konsequenz aus dem MAI. Internationaler Währungsfonds (IWF) und Weltbank - Zwei Instrumente zur Zerstörung von Nationen"
Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Chefin des IWF ist die "verdächtige Zeugin" Christine Lagarde. Jahreseinkommen beim IWF 467.940 Dollar, plus eine pauschale Aufwandsentschädigung in Höhe von 83.760 Dollar. Steuerfrei. Warum? Steuern sind der Tribut den Untertanen an die Herrschenden abführen. Der IWF von Christine Lagarde zählt zu der herrschenden Klasse der Tribut gezollt wird, selbst aber keinen abführt.

Kriegspräsident Hollande sollte seine Landsmännin mal um Rat fragen, was er alles so verkehrt macht und besser sein lassen sollte um die staatsfinanzielle Ordnung in Frankreich wiederherzustellen. Das er beispielsweise alle Kriegsbeteiligungen in Afrika sofort einstellen könnte an denen sein Land an vorderster Front beteiligt ist, ohne es sich finanziell leisten zu können, wird er von ihr allerdings nicht zu hören bekommen. Wobei die kriegsverbrecherischen Aspekte, dank einer international hörigen, zum Schweigen verdonnerten Presse, in der öffentlichen Debatte noch nicht einmal genannt werden. Sie wird ihm mitteilen, dass der soziale Kahlschlag angesagt ist. Inzwischen tanzen die Kriegsgewinnler ekstatisch um das goldene Kalb.

Eckart von Klaeden, stiller und darum enger Vertrauter Merkels und Staatsminister im Bundeskanzleramt, wechselt als Cheflobbyist zu Daimler-Benz. Es ist der bereits soundsovielte ehemalige "Volksvertreter/In" der aussitzenden Regierung Merkel, der/die sich auf den Weg zu neuen und auch fetteren Fressnäpfen macht. Von "Interessenkonflikten" keine Spur. Wieso auch? Der Wechsel liegt doch mit Sicherheit in seinem Interesse. Das genügt.

Lobbyisten an der Macht. In Deutschland und Europa schon lange eine Selbstverständlichkeit.

FH

Freitag, 24. Mai 2013

Assad spricht, Russland handelt

Pepe Escobar
Übersetzt von  Lars Schall
Baschar al-Assad hat also gesprochen – exklusiv gegenüber der argentinischen Tageszeitung El Clarin (es gibt eine riesige syrische Diaspora in Argentinien, genauso wie im benachbarten Brasilien).
Durch den Nebel der westlichen Hysterie schneidend, machte er ein paar wertvolle Punkte. Die Bilanz zeigt, dass das Regime mehrfach zugestimmt hat, mit der Opposition zu sprechen, aber Myriaden an “Rebellen”-Gruppen ohne Glaubwürdigkeit und einheitlicher Führung haben dies stets abgelehnt. Somit gibt es keine Möglichkeit, einen Waffenstillstand, der auf einem Gipfeltreffen – wie der bevorstehende Genfer Konferenz zwischen den USA und Russland – vereinbart werden könnte, umzusetzen. Assad äußert sich Sinn ergebend, wenn er sagt: “Wir können nicht über einen Zeitplan mit einer Partei diskutieren, wenn wir nicht wissen, wer sie sind.”

Nun ja, inzwischen weiß jeder, der die syrische Tragödie verfolgt, wer die meisten von ihnen sind. Man weiß, dass die Un-Freien Syrischen Kannibalen, pardon, die Freie Syrische Armee (FSA) eine zerlumpte Ansammlung von Warlords, Gangstern und Opportunisten jeglicher Couleur ist, die sich mit Hardcore-Dschihadisten der Jabhat al-Nusra-Art (aber auch anderen mit al-Qaida verbundenen oder von ihr inspirierten Gruppen) überschneidet.

Es dauerte Monate, damit Reuters endlich einräumte, dass Dschihadisten die Show auf dem Boden durchführen. [1] Ein “Rebellen”-Kommandeur beschwerte sich gar bei Reuters: “Nusra ist jetzt zwei Nusras. Eine verfolgt al-Qaidas Agenda einer größeren islamischen Nation, und eine andere ist syrisch mit einer nationalen Agenda, die Assad bekämpfen hilft.” Was er nicht sagte, ist, dass die wirklich effektive Gruppierung die mit al-Qaida verbundene ist.

Syrien ist jetzt eine Milizen-Hölle; sehr dem Irak in der Mitte der 2000er Jahre und dem vom Westen heraufbeschworenen, “befreiten“ gescheiterten Staat Libyens ähnelnd. Diese Afghanisierung / Somalisierung ist eine direkte Folge der Eingriffe der NATO-GCC-Israel-Achse. [2] Assad geht also auch rechtens, wenn er sagt, dass der Westen Öl ins Feuer gieße und nur an einem Regimewechsel interessiert sei, egal was es koste.

Was Assad nicht gesagt hat

Assad ist nicht gerade ein brillanter Politiker – so verschwendete er eine goldene Gelegenheit, um der öffentlichen Meinung im Westen zu erklären, und sei’s nur kurz, warum die GCC-Petro-Monarchien Saudi-Arabien und Katar sowie die Türkei scharf darauf sind, Syrien in Brand zu setzen. Er hätte davon sprechen können, dass Katar Syrien der Muslimbruderschaft aushändigen möchte, und dass Saudi-Arabien von einer Krypto-Emirat-Kolonie träumt. Er hätte sagen können, dass sie beide Angst vor Schiiten im Persischen Golf haben, die legitime Ideale des Arabischen Frühlings beherbergen.

Er hätte auf den absoluten Scherbenhaufen der türkischen “Null Probleme mit den Nachbarn”-Außenpolitik hinweisen können; am einen Tag gibt es einen Dreiklang der Zusammenarbeit zwischen Ankara-Damaskus-Bagdad, am nächsten Tag will Ankara einen Regimewechsel in Damaskus und bringt Bagdad routinemäßig gegen sich auf. Und oben drauf ist die Türkei verwirrt zu sehen, dass Kurden vom Nordirak bis Nordsyrien ermutigt sind, etwas zu unternehmen.

Er hätte detailliert beschreiben können, wie Großbritannien und Frankreich innerhalb der NATO, von den USA nicht zu reden, sowie ihre Petro-Monarchen-Marionetten den Zerfall Syriens nutzen, um den Iran zu treffen – und wie keiner dieser Akteure, die Waffen und eine Menge Geld liefern, einen Dreck um das Leid des “syrischen Volkes” gibt. Das einzige, was zählt, sind strategische Ziele.

Indes Baschar al-Assad sprach, wurde Russland tätig. Präsident Wladimir Putin – der sich vollkommen bewusst ist, dass die Gespräche in Genf von verschiedenen Akteuren zum Entgleisen gebracht werden, noch bevor sie stattfinden – verlegte russische Kriegsschiffe in das östliche Mittelmeer und bot Syrien eine Charge von hochmodernen Yakhont-Boden-See-Raketen zuzüglich einer Charge von S-300-Flugabwehrraketen an – das russische Pendant zum amerikanischen Patriotsystem. Nicht zu erwähnen, dass Syrien bereits russische SA-17-Flugabwehrraketen besitzt.

Nun soll mal irgendeiner von der NATO-GCC-Bande, auch unter Umgehung der UN, versuchen, eine Mini-Version von Shock and Awe über Damaskus zu entfesseln. Oder eine Flugverbotszone zu installieren. Katar und das Haus Saud sind militärisch ein Witz. Die Briten und Frankreich fühlen sich ernsthaft versucht, aber sie haben nicht die Mittel – oder den Mut. Washington hat die Mittel – aber keinen Mut. Putin war sich todsicher, dass das Pentagon seine Botschaft entsprechend zu lesen verstünde.

Und vergessen Sie ja nicht Pipelineistan

Assad hätte auch – worüber sonst – über Pipelineistan sprechen können. Es hätte ihn zwei Minuten gekostet, um die Bedeutung des Abkommens für die Iran-Irak-Syrien-Gaspipeline im Wert von 10 Milliarden USD zu erklären, das im Mai 2012 unterzeichnet wurde. Dieser entscheidende Pipelineistan-Knoten wird Gas aus dem South Pars-Feld im Iran (dem größten in der Welt, das es sich mit Katar teilt) exportieren, und zwar durch den Irak nach Syrien, mit einer möglichen Verlängerung in den Libanon hinein, und mit zertifizierten Kunden in Westeuropa. Es ist das, was die Chinesen eine “Win-win”-Situation nennen.

Aber nicht für – wen wohl? – Katar und die Türkei. Katar träumt von einer rivalisierenden Pipeline, die vom North-Feld (das an das iranische South Pars-Feld angrenzt) durch Saudi-Arabien, Jordanien, Syrien und schließlich in die Türkei (die sich selbst als die privilegierte Energie-Transit-Drehscheibe zwischen Ost und West ansieht) verlaufen soll. Endstation: erneut Westeuropa.

Wie bei allen Pipelineistan-Angelegenheiten besteht die Crux des Spiels in der Umgehung des Iran und von Russland. Mit der katarischen Pipeline – die hektisch von den USA unterstützt wird – würde dies geschehen. Mit der Iran-Irak-Syrien-Pipeline würde die Ausfuhrroute aber nirgendwo sonst als in Tartus beginnen, dem syrischen Hafen im östlichen Mittelmeer, der die russische Marine beherbergt. Gazprom wäre natürlich ein Teil des ganzen Bildes, angefangen bei den Investitionen bis hin zum Vertrieb.

Machen Sie keinen Fehler, Pipelineistan – wieder einmal an der Umgehung Russlands und des Irans gebunden – erklärt sehr viel darüber, warum Syrien zerstört wird.

Das Öl-für-al-Qaida-Schema der EU

Inzwischen erobert die echte syrische Armee – durch Hisbollah unterstützt – das strategisch wichtige Al-Qusayr von den “Rebellen” zurück. Ihr nächster Schritt würde gen Osten schauen – wo Jabhat al-Nusra fröhlich von einem anderen typischen Fehler der EU profitiert; der Entscheidung, die Öl-Sanktionen gegen Syrien aufzuheben. [3]

Joshua Landis, der Syrien kommentiert, zog die notwendigen Schlüsse: “Wer immer es ist, der die Öl-, Wasser- und Landwirtschaft kontrolliert, hält das sunnitische Syrien an der Kehle. Momentan ist das al-Nusra. Europas Öffnung des Marktes für Öl hat dieses Problem erzwungen. Die logische Schlussfolgerung aus dieser Verrücktheit ist, dass Europa al-Qaida finanzieren wird.” Nennen Sie’s das Öl-für-al-Qaida-Schema der EU.

Südwest-Asien – das, was der Westen den Nahen Osten nennt – ist dazu bestimmt, ein privilegierter Bereich der Irrationalität zu bleiben, die im Spiele ist. Wie die Dinge in Syrien stehen, sollte statt einer Flugverbotszone ein “Frieden für alle” an Flughöhe gewinnen – der alle und jeden beteiligt; die USA, Russland, die EU, aber auch die Hisbollah, Israel, und natürlich Iran, wie der russische Außenminister Sergej Lawrow nachdrücklich betonte. [4]

Jenseits der westlichen Besessenheit mit einem Regimewechsel könnte die bereits unruhige Genfer Konferenz einen Deal ergeben, der der syrischen Verfassung folgt – was, nebenbei bemerkt, absolut legitim ist, da er im Jahre 2012 von einer Mehrheit der Stimmen des realen, leidenden “syrischen Volkes” angenommen wurde. Dies könnte sogar dazu führen, dass Assad nicht für das Präsidentenamt bei den Wahlen kandidieren würde, die für das Jahr 2014 geplant sind. Regimewechsel, ja. Aber mit friedlichen Mitteln. Wird die NATO-GCC-Israel-Achse dies geschehen lassen? Nein.

Quellen

1. Insight: Syria’s Nusra Front eclipsed by Iraq-based al Qaeda, Reuters, May 17, 2013.
2. North Atlantic Treaty Organization-Gulf Cooperation Council-Israel.
3. EU decision to lift Syrian oil sanctions boosts jihadist groups, Guardian, May 19, 2013.
4. Russia says Iran must take part in proposed Syria talks, Reuters, May 16, 2013.


Danke Lars Schall
Quelle: http://www.atimes.com/atimes/World/WOR-01-200513.html
Erscheinungsdatum des Originalartikels: 20/05/2013
Artikel in Tlaxcala veröffentlicht: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=9737


Donnerstag, 23. Mai 2013

150 Jahre S?PD: Die deutsche Arbeiterschaft kreißte und was davon übrig blieb

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Heute feiern Kapital und Bourgeoisie gemeinsam mit den Genossen 150 Jahre Reformismus. Die S?PD machte es möglich Deutschland wieder in den ersten Angriffskrieg nach dem Zweiten Weltkrieg zu führen. Die NATO überfiel den souveränen Staat Jugoslawien, einschließlich dem Kosovo, ohne Kriegserklärung und völkerrechtswidrig. Man bombardierte rücksichtlos 78 Tage aus 8000 Meter Höhe das Land. Der damalige Bundeskanzler und Genosse der Bosse, Schröder, der grüne Kriegs-Außenminister Fischer sowie S?PD-Kriegsminister Scharping erfanden für ihr Kriegsverbrechen die infame Lüge: „Man müsse ein 2. Auschwitz verhindern!“ Danach war man auf der "richtigen" Seite der Weltpolitik angekommen.

In Deutschland ließen sie es sich nicht nehmen, mit der Agenda 2010 als Jahrhundertreform, sich für die Zerstörung des Sozialstaates feiern zu lassen. Herzlichen Glückwunsch S?PD!

Hören wir mal rein was Kurt Tucholsky von Kriegen hielt:
Krieg gleich Mord

Der Studien-Assessor Hein Herbers in Kassel hat Kummer mit seiner Schulbehörde, weil er im ›Andern Deutschland‹ einen volkstümlichen, klaren und wirksamen Pazifismus getrieben hat. Das können sie ihm nicht verzeihn. Was hat er gesagt –?

Ja, er hat ein paar böse Dinge gesagt. Er hat vor allem das Vernünftigste getan, was sich überhaupt tun läßt: er hat den Krieg entehrt. Das ist ein altes Rezept; es wird aber viel zu wenig befolgt. Im Gegenteil: wenn Hitler die blödsinnigsten patriotischen Parolen ausgibt, dann verteidigen sie sich noch auf der andern Seite; statt ihn auszulachen, wollen sie sich an Patriotismus weder von ihm noch von einem andern übertreffen lassen. Grade darin aber siegt er – und mit Recht. Man lasse ihn mit seiner Staatenvergötzung allein, lache ihn aus und gehe zur Tagesordnung über.

Auf der andres steht. Nämlich: wie bewahrt man die nächste Generation davor, sich für ein Nichts abschießen zu lassen –?

Eben das hat Herbers getan: er hat das Nichts aufgezeigt, und er hat die militärische Religion gelästert, indem er dartat, dass ein General eigentlich kein Soldat mehr sei. (Das ›Tagebuch‹ nannte diesen Stand einmal sehr gut Schlachtendirektoren. Groener muß glatt vergessen haben, zu klagen.) Herbers hat den Wahnwitz dieses modernen Krieges aufgezeigt: hinten die Dirigenten, die gar nicht in die Lage kommen, Heldenmut zu zeigen. Und hier ist zu sagen, dass es auf den Mechanismus ankommt, nicht darauf, dass zahllose Generale – darunter bestimmt Hindenburg – genau so tapfer und brav in den Tod gegangen wären wie der Ackerknecht des Todes, der unbekannte Soldat. Was in unsern Augen kein Vorzug ist.

Herbers wies auf das hohe Alter der meisten Generale hin – und gleich fanden sich Leisetreter des Pazifismus, die ihm das verübelten. Man könne doch nicht ... und das sei doch ... kurz: Gerechtigkeits-Kasperles, die dem Militär nicht nur das Soldbuch, sondern die ganze schöngeistige Bibliothek hinhielten.

Böser waren die amtlichen Feinde von Herbers.

Wer da weiß, unter welchen Opfern dieser Mann seit Jahren seinen Kampf durchführt; wer weiß, dass ihm auch der ärgste Feind nicht nachsagen kann, er habe seinen Pazifismus etwa – Gottbehüte! – in die Schulstunde getragen, wo es flott imperialistisch und militaristisch zuzugehn hat, der versteht vor allem nicht, wie der Elternrat der Schule, an die er anläßlich dieser Angelegenheit versetzt wurde, sich gegen ihn hat aussprechen können. Die Herren Eltern wünschen eben ihre Kinder in den Schützengraben – es sind feine Leute.

Herbers hat den Krieg angeklagt, und nun haben sie ihn selber angeklagt. Es ist auch sehr gut möglich, dass ich ihm noch damit schade, wenn ich mich hier seiner annehme.

Der Geisteszustand in den kleinen Städten und vor allem in den amtlichen Kreisen ist schlechteste Metternichzeit: vermufft, borniert, böse reaktionär und das alles ganz und gar ungeistig. Siegreich hat Frankreich sie geschlagen, und daran denken sie Tag und Nacht. Statt Männer zu unterstützen, die, wie Herbers, mit einer heißen Liebe zu Deutschland das schlimmste aus der Welt ausrotten möchten, was es gibt: den organisierten Massenmord, propagieren sie diesen Mord. Der Krieg wird von den besten Denkern in den Anklagezustand versetzt: Herbers hat nichts weiter getan, als ihnen zu folgen. Und das darf er nicht. Und tuts doch. Und ist im Begriff, Stellung, Verdienst, Arbeitsplatz zu verlieren, nur, weil er außerhalb der Schule durchsetzen möchte, dass Menschen sich nicht deshalb ungestraft töten dürfen, weil sie sich vorher dazu einen Schlachterkittel anziehn. Denn der macht nicht straflos.

Es gibt, besonders im deutschen Westen, weite Kreise von alten und jungen Leuten, denen Krieg eine Abscheulichkeit bedeutet, Leute, die deshalb weder ›schlechte Deutsche‹ noch ›bezahlte Agenten‹ sind. Man sollte sich gegen solche törichten Vorwürfe gar nicht verteidigen.

Wovon wird Deutschland geschüttelt? Von dem Wunsch, den Frieden zu organisieren? So sehn wir aus.

Weder eine Schulbehörde noch sonst eine Behörde hat das Recht, für Deutschland zu sprechen. Deutschland sind auch wir. Wems nicht paßt, der sehe nicht hin.

Wer da ahnt, auf welche unermeßlichen Schwierigkeiten die pazifistische Kleinarbeit auf dem Lande stößt, der wird dem tapfern Friedenssoldaten Hein Herbers wünschen, dass er etwas sehr Seltenes findet: faire Beamte, die sein Streben nach Wahrheit und Sauberkeit und seinen Kampf für den Frieden so aufnehmen, wie er gemeint ist. Es gibt viele Arten, pazifistisch tätig zu sein – und ich will meine Art, unsre Kriegsminister zu beurteilen, keinem aufdrängen. Aber über eines sollte es unter anständigen Menschen nur Einstimmigkeit geben:

Déshonorons la guerre! Entehren wir den Krieg.

Ein Pädagoge, der da mithilft, verdient Förderung, aber keine Verfolgung.

Laßt euch nicht narren: Militarismus sei keine Religion. Er ist eine Bestialität.

Ignaz Wrobel

Die Weltbühne, 19.04.1932, Nr. 16, S. 588.

Mittwoch, 22. Mai 2013

Zickenkrieg USA vs EU

Pepe Escobar
Paris-Liebhaber des Turbo-Neoliberalismus, freuet euch – und nehmet eure Flaschen Moet an einem erstklassigen Logenplatz am Ring ein; es wird diesen Sommer keinen fieseren Zickenkrieg als die ersten Runden der zwei opponierenden westlichen Riesen geben. Man vergesse den Asien-“Schwenk“ des Pentagon, und ohne je den Nahen Osten aufzugeben: nichts ist mit dieser Reise in die Eingeweide des Turbo-Kapitalismus, die eines neo-Balzac würdig wäre, zu vergleichen.
Wir sprechen von einem neuen Heiligen Gral – einen Freien-Marktwirtschaftsdeal zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union; das Erscheinen eines gigantischen, internen transatlantischen Marktes (25% der weltweiten Exporte, 31% der weltweiten Importe, 57% der ausländischen Investitionen), wo Waren und Dienstleistungen (nicht aber Personen) “frei” zirkulieren werden, etwas, das Europa der Theorie nach aus seiner aktuellen Trübsal führen soll.

Das Problem ist, um diese Schöne Neue Welt, die von der Göttin des Markts bereitet wird, zu erreichen, muss Europa auf einige seiner recht komplexen juristischen, ökologischen, kulturellen und gesundheitlichen Normen verzichten.

In diesem kafkaesken / orwell’schen bürokratischen Paradies, das auch als Brüssel bekannt ist, beklagen sich Horden von gesichtslosen Äquivalenten der Melonen-Männer in einer Magritte-Malerei offen über dieses “Abenteuer”; es gibt einen wachsenden Konsens darüber, dass Europa alles zu verlieren und nur wenig zu gewinnen hat.

Die gelbe Gefahr wieder

Es wird kurioser und kurioser, so man beobachtet, dass die große Mehrheit der europäischen Nationen tatsächlich eine Weile lang einen Freien-Markt-Deal haben wollte, im Gegensatz zu den viel protektionistischeren USA. Zumindest offiziell ist kein einziges EU-Land dem Geschäft gegenüber ablehnend eingestellt. Hier ist der nicht-offizielle Grund dafür: keines kann es sich leisten, als ein Feind der Vereinigten Staaten getadelt zu werden.

Die Europäische Kommission schätzt, dass das Bruttosozialproduktwachstum der EU als Ganzes um 0,5% anwachsen werde – nicht gerade eine chinesische Zielvorgabe. Die Amerikaner, auf der anderen Seite, sind viel mehr begeistert; der US-Senat schätzt, dass die US-Exporte nach Europa ohne Zölle um fast 20% wachsen werden.

Das Herzstück der Angelegenheit beim Abschließen des Deals wird in der Harmonisierung der gesetzlichen Vorschriften liegen, die für die Blockierung des viel gepriesenen völlig freien Warenverkehrs verantwortlich gemacht worden sind. “Harmonisierung” bedeutet die Verdünnung europäischer Regeln. Und da ist der Haken; Washington will nicht bloß einen transatlantischen Deal. Der letzte Countdown für einen in Stein gemeißelten globalen Freimarkt für alle, der später überall errichtet werden kann, läuft; das ist Codesprache für die völlig Öffnung des chinesischen Marktes, mit absolut keinerlei Einschränkungen für westliche Konzerne.

Der Deutsche Marshall Fund der Vereinigten Staaten redet Klartext: der westliche Kapitalismus müsse die universelle Norm gegen die “Bedrohung” des staatlich-verwalteten chinesischen Kapitalismus bleiben. Bis auf die Asche reduziert kommt die Ironie daher, dass der chinesische Kapitalismus der Retter des massiv in der anhaltenden Krise steckenden westlichen Kapitalismus gewesen ist – und weiterhin bleiben wird.

Das US-EU-Abkommen soll auch das Sahnehäubchen auf einem Kuchen von Deals sein, die von den USA bereits mit einzelnen Nationen in Asien ausgehandelt worden sind. Es besteht absolut keine Frage, wer die stärkere Seite ist. US-Präsident Barack Obama ist bereits in High-Stakes-PR tätig, indem er bei jeder Gelegenheit den Spin anbringt, dass Europa bei seinem Versuch in Schwierigkeiten stecke, Wachstum zu erzielen. Und die USA können auf fünfte Kolonnen-Elemente wie den EU-Kommissar für Handel, Karel De Gucht, zählen, für den die Franzosen – die eine Menge von Ausnahmeregelungen zu verteidigen haben - bereits isoliert sind.

Man begehe keine Fehleinschätzung: Washington wird alles auf eine Karte setzen. Es wird europäische Normen der Hygiene und Phyto-Hygiene zerschlagen und eine Lebensmittel-”Liberalisierung” vorantreiben, die von genetisch modifiziertem Essen über Fleisch, das mit Hormonen behandelt wurde, bis hin zu Chlor-Huhn reicht. Die lästigen Vorschriften durch die gesichtslosen Männer mit Sitz in Brüssel wurden routinemäßig in Washington im Gegensatz zu den nicht-amerikanischen Regeln als “nicht-wissenschaftlich” verspottet.

Der ultimative Melonen-Mann

Erschrockene europäische Bürger setzen sich erst jetzt mit der Tatsache auseinander, dass die EU den Deal den USA vorgeschlagen hatten – und nicht anders herum. Die EU bedeutet hier: die Europäische Kommission. Und das ist, worauf es ankommt; es geht um den Ehrgeiz eines Mannes (eines Portugiesen) gegen den Stolz eines ganzen Landes (Frankreich).

Verstärkt von der Tatsache, dass die Verhandlungen von Obama persönlich grünes Licht bekommen hatten und der US-Kongress auf allen Ebenen eingreift, bleibt unter dem Strich, dass für die Amerikaner ”alles auf dem Tisch liegt” – was Codesprache dafür ist, dass wir alles wollen, und wir sind nicht bereit, ein Stück Boden herzugeben.

Frankreich – das bereits von 12 nationalen Kulturministern unterstützt wird – will die audiovisuelle Industrie von allen Verhandlungen ausgeschlossen wissen, und zwar im Namen seiner vielgepriesenen “kulturellen Ausnahme”. Dies ist eines der wenigen Länder der Welt – China ist eine ganz andere Sache -, die nicht völlig von Hollywood-Produkten überschwemmt werden.

Wenn das nicht der Fall sein sollte, wird Paris bei allem ein Veto einlegen – auch wenn, off the record, französische Beamte zugeben, dass sie nicht die Macht haben, gegen irgendetwas ein Veto einzulegen; auch die französische Unternehmenswelt will den Deal dringend.

Dennoch wird Paris um alles kämpfen, angefangen bei der “kulturellen Ausnahme” bis hin zu den wichtigsten Hygiene- und Umweltnormen. Es wird von Italien an vielen Fronten begleitet werden; es gibt bereits eine offene Revolte in den erhabenen handwerklichen Zirkeln Italiens ob einer düsteren Zukunft, bei der die Menschen auf der ganzen Welt Parmesan, Parmaschinken und Brunello-Weine made in USA konsumieren.

An einer anderen Front ist es sicher, dass Washington den US-Markt für europäische Finanzdienstleister oder den Seetransport nicht öffnen wird. Das ist nur ein Beispiel dafür, wie viel Europa zu verlieren und praktisch nichts zu gewinnen hat.

Am Ende läuft alles auf den blinden Ehrgeiz einer erstaunlich mittelmäßigen europäischen Funktionärskarriere hinaus – auf den des portugiesischen Kopfes der Europäischen Kommission, Jose Manuel Barroso. Barroso rechnet damit, ein Mandat zu erhalten, um im Namen aller Mitgliedsstaaten am 14. Juni zu verhandeln. Und er erwartet, dass die Verhandlungen vor dem Ende seines derzeitigen Mandats beendet werden, November 2014.

Einige hörbar wütende EU-Diplomaten bestätigten gegenüber Asia Times Online, dass Barroso diese formidable Operation praktisch von selbst eingesetzt habe, dabei auf eine schöne Zukunftsbelohnung von seinen Meistern schielend. In Brüssel? Ach, iwo, in Washington. Barroso will entweder den Sessel des Generalsekretärs der Vereinten Nationen oder den der North Atlantic Treaty Organization. Keiner dieser Posten ist ohne das grüne Licht Washingtons zu haben.

Das würde erklären, warum Barrosos Kabinettschef für den EU-Botschafterposten in Washington nominiert wurde, um die Amerikaner neben Portugals Botschafter in den USA und Portugals Botschafter bei der EU furios mit Lobbyarbeit zu überziehen.

Alle Wetten werden auf den Sieger dieses monströsen Zickenkriegs angenommen. Die EU-Mitgliedsstaaten könnten gegen ihre eigenen Interessen stimmen; aber eine ganz andere Sache wäre ein überwältigender Ausbruch von Wut der bereits angeschlagenen europäischen Bürger. Diese neue Saga des westlichen Turbo-Kapitalismus hat alle Elemente, um, nun ja, ziemlich revolutionär zu werden.


Danke Lars Schall
Quelle: http://www.atimes.com/atimes/World/WOR-01-170513.html
Erscheinungsdatum des Originalartikels: 17/05/2013
Artikel in Tlaxcala veröffentlicht: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=9718


Mehr zum Thema:

Gegenmeinung: Der Freihandelsdeal zwischen den USA und der EU soll die Basis für eine neoliberale globale Wirtschaftsordnung schaffen.....
Gegenmeinung: Vereinigte amerikanische Staaten von Europa/U.S. United States of Europe.....

Dienstag, 21. Mai 2013

Mai 1945: "Operation Sunrise" – Nazi-Deutschland kapituliert


Von Dr. Jacques R. Pauwels
Global Research, 08.05.13

Auf der Konferenz von Casablanca im Januar 1943 hatten die US-Amerikaner, Briten und Sowjets vereinbart, dass es mit Nazi-Deutschland keine getrennten Kapitulationsverhandlungen geben werde und dass die deutsche Kapitulation bedingungslos erfolgen müsse. Anfang Frühjahr 1945 war Deutschland so gut wie besiegt, und seine erwartete baldige bedingungslose Kapitulation musste von allen drei Alliierten irgendwo gemeinsam entgegengenommen werden – aber wo, an der Ostfront oder an der Westfront?

Aus Prestigegründen wollten die westlichen Alliierten die Kapitulation lieber an der Westfront stattfinden lassen. In diesem Zusammenhang erwiesen sich die Geheimgespräche, die Briten und US-Amerikaner im März 1945 unter dem Decknamen "Operation Sunrise" (Operation Sonnenaufgang, s. hier) in der neutralen Schweiz mit den Deutschen führten, als sehr nützlich; in diesen Gesprächen ging es zunächst nur um eine deutsche Teilkapitulation in Italien, man redete aber auch schon über wichtige Details der zu erwartenden bedingungslosen Gesamtkapitulation Deutschlands – zum Beispiel über den Ort, an dem sie stattfinden sollte, weil man diese Details ohne Beteiligung der Sowjets festlegen wollte. Die Deutschen waren sehr empfänglich für das Bestreben der US-Amerikaner und Briten, weil sie hofften, mit den Westmächten einen separaten Waffenstillstand aushandeln zu können; falls diese sich nicht darauf einließen, wollten die Deutschen wenigstens erreichen, dass sich möglichst viele Wehrmachtssoldaten durch Kapitulation einzelner Einheiten oder ganzer Frontabschnitte in US-amerikanische oder britische Gefangenschaft begeben konnten.

Der Erste Weltkrieg von 1914 bis 1918 hatte mit einem zeitlich eindeutig festgelegten Waffenstillstand geendet, nämlich mit der bedingungslosen deutschen Kapitulation, die, wie allgemein bekannt ist, am 11.11.1918 um 11 Uhr in Kraft trat. Wann der Zweite Weltkrieg in Europa endete, ist hingegen wegen der damals gesponnenen Intrigen und der allgemeinen Konfusion bis heute immer noch umstritten; besonders Zeitpunkt und Ort der deutschen Kapitulation werden häufig falsch angegeben. Zumindest auf dem europäischen Kriegsschauplatz endete der Zweite Weltkrieg nicht mit einer einzigen, sondern gleich mit einer ganzen Reihe deutscher Kapitulationen und einer wahren Orgie des sich Ergebens.

Die begann am 29. April 1945 in Italien – mit der Kapitulation der deutschen Armee und ihrer Verbündeten im südwestlichen Europa vor den alliierten Streitkräften, die der britische Feldmarschall Alexander führte. Zu den Unterzeichnern auf deutscher Seite gehörte auch der SS-General Karl Wolff, der in der Schweiz mit US-Geheimagenten über heikle Probleme wie die "Neutralisierung" linker Antifaschisten verhandelt hatte, die nach den Plänen der US-Amerikaner und der Briten im Nachkriegsitalien unerwünscht waren.

Stalin hatte erst Bedenken gegen das Arrangement, das die westlichen Alliierten und die Deutschen in Italien ausgehandelt hatten, segnete die Teilkapitulation dann aber trotzdem ab.

Militärische Kapitulationsurkunde
[vom 8. Mai 1945]

1. Wir, die hier Unterzeichneten, die wir im Auftrage der Oberkommandos der Deutschen Wehrmacht handeln, übergeben hiermit bedingungslos dem Obersten Befehlshaber der Alliierten Expeditionsstreitkräfte und gleichzeitig dem Oberkommando der Roten Armee alle gegenwärtig unter deutschem Befehl stehenden Streitkräfte zu Lande, zu Wasser und in der Luft.

2. Das Oberkommando der Deutschen Wehrmacht wird unverzüglich allen deutschen Land-, Seeund Luftstreitkräften und allen unter deutschem Befehl stehenden Streitkräften den Befehl geben, die Kampfhandlungen um 23.01 Uhr mitteleuropäischer Zeit am 8. Mai 1945 einzustellen, in den Stellungen zu verbleiben, die sie in diesem Zeitpunkt innehaben, und sich vollständig zu entwaffnen, indem sie ihre Waffen und Ausrüstung den örtlichen alliierten Befehlshabern oder den von den Vertretern der obersten alliierten Militärführungen bestimmten Offizieren übergeben. Kein Schiff, Seefahrzeug oder Flugzeug irgendeiner Art darf zerstört werden, noch dürfen Schiffsrümpfe, maschinelle Einrichtungen oder Geräte, Maschinen irgendwelcher Art, Waffen, Apparaturen und alle technischen Mittel zur Fortsetzung des Krieges im allgemeinen beschädigt werden.

3. Das Oberkommando der Deutschen Wehrmacht wird unverzüglich den zuständigen Befehlshabern alle von dem Obersten Befehlshabern der Alliierten Expeditionsstreitkräfte und dem Oberkommando der Roten Armee erlassenen zusätzlichen Befehle weitergeben und deren Durchführung sicherstellen.

4. Die Kapitulationserklärung stellt kein Präjudiz für an ihre Stelle tretende allgemeine Kapitulationsbestimmungen dar, die durch die Vereinten Nationen oder in deren Namen festgesetzt werden und Deutschland und die Deutsche Wehrmacht als Ganzes betreffen werden.

5. Im Falle, daß das Oberkommando der Deutschen Wehrmacht oder irgendwelche unter seinem Befehl stehenden Streitkräfte es versäumen sollten, sich gemäß den Bestimmungen dieser Kapitulationserklärung zu verhalten, werden der Oberste Befehlshaber der Alliierten Expeditionsstreitkräfte und das Oberkommando der Roten Armee alle diejenigen Straf- und anderen Maßnahmen ergreifen, die sie als zweckmäßig erachten.

6. Diese Erklärung ist in englischer, russischer und deutscher Sprache aufgesetzt. Allein maßgebend sind die englische und die russische Fassung.

Unterzeichnet zu Berlin, am 8. Mai 1945
gez. v. FRIEDEBURG gez. KEITEL
gez. STUMPFF
Für das Oberkommando der Deutschen Wehrmacht

In Gegenwart von:
Für den Obersten Befehlshaber der Alliierten Expeditionsstreitkräfte
gez. A. W. TEDDER
Für das Oberkommando der Roten Armee gez. G. ZHUKOV

Bei der Unterzeichnung waren als Zeugen auch zugegen:
General, Oberstkommandierender der Ersten Französischen Armee
gez. J. DE LATTRE-TASSIGNY
Kommandierender General der Strategischen Luftstreitkräfte der Vereinigten Staaten
gez. CARL SPAATZ

(Text entnommen aus http://www.documentarchiv.de/ns/1945/kapitulation.html)

Viele Briten glauben bis heute fest daran, dass der Krieg gegen Deutschland mit der deutschen Kapitulation im Hauptquartier eines anderen britischen Feldmarschalls, nämlich Montgomerys, in der Lüneburger Heide in Norddeutschland endete. Die fand aber schon am 4. Mai 1945 statt, also ganze fünf Tage, bevor die Waffen in Europa endgültig schwiegen; diese Kapitulation galt außerdem nur für die deutschen Truppen, die bisher gegen Montgomerys 21. britisch-kanadische Armeegruppe in den Niederlanden und im Nordwesten Deutschlands gekämpft hatten. Um auf der sicheren Seite zu sein, akzeptierten auch die Kanadier die Kapitulation der deutschen Truppen in den Niederlanden, allerdings erst am nächsten Tag – am 5. Mai, bei einer Zeremonie in der Stadt Wageningen, die in der Provinz Gelderland im Osten Hollands liegt. [1] In den USA und auch in Westeuropa wird die Vereinbarung in der Lüneburger Heide zu Recht nur als lokale Teilkapitulation angesehen, wobei auch anerkannt wird, dass sie als eine Art Einleitung zur endgültigen deutschen Kapitulation und der daraus resultierenden Waffenruhe diente. Für die US-Amerikaner, die Franzosen, die Belgier und andere Beteiligte fand die endgültige deutsche Kapitulation im Hauptquartier des Generals Eisenhower, des Oberkommandierenden aller alliierten Truppen an der Westfront, statt – am frühen Morgen des 7. Mai 1945 in einem schäbigen Schulgebäude in der (französischen) Stadt Reims. Der Waffenstillstand sollte aber erst am nächsten Tag, also am 8. Mai um 23.01, Uhr in Kraft treten. Aus diesem Grund finden Gedenkzeremonien zum Kriegsende in den USA und in Westeuropa bis heute am 8. Mai statt.

Aber auch das wichtige Ereignis in Reims war nicht die endgültige deutsche Kapitulation. Die deutschen Unterhändler, die vorher im Auftrag des Hitler-Nachfolgers Admiral Dönitz an Eisenhowers Tür geklopft hatten, sollten versuchen, einen Waffenstillstand nur mit den westlichen Alliierten auszuhandeln oder, falls das nicht gelänge, möglichst viele Wehrmachtseinheiten durch lokale Teilkapitulationen an der Westfront vor sowjetischer Kriegsgefangenschaft zu bewahren. Eisenhower selbst war aber keinesfalls gewillt, sich auf weitere lokale Teilkapitulationen oder sogar einen Waffenstillstand einzulassen, der nur für die westlichen Alliierten galt. Er schätzte aber die potenziellen Vorteile, die der westlichen Seite daraus entstünden, dass der Hauptteil der Wehrmacht in britischer oder US-amerikanischer und nicht in sowjetischer Gefangenschaft landete. Und er erkannte auch die einzigartige Gelegenheit, die verzweifelten Deutschen dazu zu bringen, in seinem Hauptquartier die allgemeine und bedingungslose Kapitulation in Form eines Dokumentes zu unterzeichnen, das die (wichtigsten) Vereinbarungen enthielt, auf die sich sämtliche Alliierten vorher verständigt hatten; besonders dieses Detail war für das Prestige der USA sehr wichtig.

Deshalb wurde in Reims ein gewagtes Szenario arrangiert. Zunächst wurde aus Paris Generalmajor Iwan Susloparow, ein unbedeutender sowjetischer Verbindungsoffizier, herbeizitiert, um den äußeren Schein alliierter Kooperation zu wahren. Dann erklärte man den Deutschen mit unmissverständlichen Worten, dass es keine nur auf die Westfront beschränkte Teilkapitulation geben werde, machte ihnen aber gleichzeitig das Zugeständnis, den Waffenstillstand an sämtlichen Fronten erst 45 Stunden später in Kraft treten zu lassen. Das tat man, um dem neuen deutschen Führer einen Wunsch zu erfüllen und möglichst vielen Wehrmachtseinheiten eine letzte Chance einzuräumen, sich den US-Amerikanern oder den Briten zu ergeben. Dieser Aufschub gab den Deutschen die Gelegenheit, Truppen aus dem Osten, wo noch heftig gekämpft wurde, Richtung Westen abzuziehen, wo nach den Unterzeichungsritualen in Lüneburg und Reims kaum noch Schüsse fielen. Die Deutschen, deren Delegation von General Jodl angeführt wurde, unterzeichneten die Kapitulationsurkunde in Eisenhowers Hauptquartier am 7. Mai um 2.41 Uhr; die Waffen sollten aber, wie bereits erwähnt, erst am 8. Mai um 23.01 Uhr überall schweigen. Die USKommandeure vor Ort wurden angewiesen, so lange deutsche Soldaten hinter ihre Linien fliehen zu lassen, bis die deutsche Kapitulation tatsächlich in Kraft trat. Es kann also festgehalten werden, dass der in der Champagner-Stadt ausgehandelte Deal eigentlich keine völlig bedingungslose Kapitulation war. [2]

Das in Reims unterzeichnete Dokument gab den US-Amerikanern genau das, was sie wollten, nämlich das Prestige, die allgemeine deutsche Kapitulation in Eisenhowers Hauptquartier an der Westfront entgegengenommen zu haben. Auch die Deutschen erreichten das, was sie noch erhoffen konnten, nachdem sich ihr Traum von einer Teilkapitulation vor den westlichen Alliierten als nicht realisierbar erwiesen hatte: sozusagen einen "Aufschub des Inkrafttretens" um fast zwei Tage. Während dieser Zeit wurde praktisch nur noch an der Ostfront gekämpft, und unzählige deutsche Soldaten nutzten diese Gelegenheit, um sich hinter die Linien der Briten und der US-Amerikaner abzusetzen. [3]

Der Text der Kapitulationsurkunde in Reims stimmte in seinen Formulierungen auch nicht völlig mit dem überein, was die US-Amerikaner und die Briten vorher mit den Sowjets über die allgemeine bedingungslose deutsche Kapitulation vereinbart hatten. Außerdem ist es zweifelhaft, ob Susloparow, der als Vertreter der UDSSR (der Sowjetunion) fungierte, wirk - lich dazu autorisiert war, die Urkunde mitzuunterzeichnen. Es ist auch verständlich, dass die Sowjets alles andere als glücklich darüber waren, dass den Deutschen die Möglichkeit gewährt wurde, den Kampf gegen die Rote Armee im Osten noch fast zwei Tage fortzusetzen, während die Kämpfe an der Westfront praktisch eingestellt waren. Es entstand der Eindruck, dass in Reims in Wirklichkeit nur eine deutsche Teilkapitulation für die Westfront unterzeichnet worden war – also ein Arrangement getroffen wurde, das eindeutig gegen die vorherigen Abmachungen mit den Sowjets verstieß. Um die dicke Luft zu beseitigen, wurde entschieden, eine weitere endgültige Kapitulationszeremonie zu organisieren und dadurch die deutsche Kapitulation in Reims rückwirkend als eine Art Vorspiel zur endgültige Kapitulation und/oder als rein militärisches Aufgeben erscheinen zu lassen; trotzdem wird in den USA und in Westeuropa das Treffen in Reims bis heute als das wahre Ende des Krieges in Europa begangen. [4]

Am 8. Mai 1945 wurde im Hauptquartier des (sowjetischen Befehlshabers) Marschall Schukow in Berlin die endgültige und allgemeine, sowohl militärische als auch politische deutsche Kapitulation unterzeichnet, oder anders ausgedrückt, die deutsche Kapitulation vom Vortag in Reims von allen Verbündeten korrekt entgegengenommen. Die Unterzeichner für Deutschland, die auf Anweisung des Admirals Dönitz handelten, waren die Generäle Keitel, von Friedeburg – der auch schon in Reims anwesend war – und Stumpf. Dass Schukow einen niedrigeren militärischen Rang als Eisenhower hatte, diente letzterem als willkommene Entschuldigung dafür, der Zeremonie in den Trümmern der deutschen Hauptstadt fernzubleiben. Er schickte seinen rangniedereren britischen Stellvertreter, den Marschall Tedder, zu der Unterzeichnung, und das nahm der Zeremonie in Berlin natürlich etwas Glanz zugunsten der Zeremonie in Reims. [5]

Für die Sowjets und die Mehrheit der Osteuropäer endete der Zweite Weltkrieg in Europa mit der Zeremonie in Berlin am 8. Mai 1945, in der festgelegt wurde, dass die Waffen am Tag danach, also am 9. Mai 1945, niedergelegt wurden. Für die Amerikaner und für die meisten Westeuropäer blieb aber die Kapitulation in Reims, die am 7. Mai unterzeichnet und am 8. Mai wirksam wurde, das "echte Datum". Während der Osten am 9. Mai des Kriegsendes gedenkt, tut das der Westen stets am 8. Mai. Nur die Niederländer feiern am 5. Mai. Dass eines der größten Dramen der Weltgeschichte in Europa ein derart konfuses und unwürdiges Ende fand, ist nach Ansicht Gabriel Kolkos (eines US-amerikanischen Historikers,) den US-Amerikanern und den Briten anzulasten, die versuchten, aus der unvermeidlichen deutschen Kapitulation möglichst viele große und kleine Vorteile für sich herauszuschlagen – zum Nachteil der Sowjets. [6]

Der Erste Weltkrieg hatte de facto mit dem Waffenstillstand vom 11. November 1918 und de jure mit der Unterzeichnung des Vertrages von Versailles am 28. Juni 1919 geendet. Der Zweite Weltkrieg endete mit einer ganzen Reihe von Kapitulationen, es gab aber keinen Friedensvertrag wie in Versailles – zumindest nicht mit Deutschland. Friedensverträge wurden im Laufe der Zeit nur mit Japan, Italien und anderen Staaten geschlossen. Der Grund dafür war, dass sich die Sieger – die westlichen Alliierten auf der einen und die Sowjets auf der anderen Seite – nicht über Deutschlands Zukunft einigen konnten. Deshalb entstanden einige Jahre nach dem Krieg zwei deutsche Staaten; dadurch wurde ein für alle Beteiligten akzeptabler Friedensvertrag zunächst ausgeschlossen. Ein Friedensvertrag mit Deutschland, der alle seit Kriegsende bestehenden Probleme – zum Beispiel das der deutschen Ostgrenze – löste, wurde erst nach dem Fall der Berliner Mauer und mit der Vereinigung der beiden deutschen Staaten möglich.

In den "Zwei plus vier-Verhandlungen" im Sommer und Herbst 1990 fanden nicht nur die beiden deutschen Staaten eine Möglichkeit, sich zu vereinigen, auch die vier großen Siegermächte des Zweiten Weltkriegs – die USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion – konnten ihre Bedingungen für die deutsche Vereinigung geltend machen und den Status des nun vereinigten Deutschlands klären; dabei ging es nicht nur um ihre eigenen Interessen, sondern auch um die Interessen anderer europäischer Staaten, besonders um die Polens. Das Ergebnis dieser Verhandlungen war der "Vertrag über die abschließende Regelung in bezug auf Deutschland" (dessen voller Wortlaut hier aufzurufen ist); er wurde am 12. September 1990 in Moskau unterzeichnet und kann – in "Ermanglung eines Besseren" – als Friedensvertrag angesehen werden, der den Zweiten Weltkrieg auch für Deutschland offiziell beendete. [7]

Anmerkungen / Notes

[1] German surrenders in Italy and on Lüneburg Heath: Germany Surrenders 1945, Washington, DC, 1976, pp. 2-3.

[2] Germans want separate surrender or at least gain time: Herbert Kraus, “Karl Dönitz und das Ende des Dritten Reiches”»,in Hans-Erich Volkmann (ed.), Ende des Dritten Reiches- Ende des Zweiten Weltkriegs: Eine perspektivische Rückschau, Munich and Zürich, 1995, pp. 4-5, 12; Germany Surrenders 1945, p. 6; Klaus-Dietmar Henke, Die Amerikanische Besetzung Deutschlands, Munich, 1995, pp. 687, 965-67; Helene Keyssar and Vladimir Pozner, Remembering War: A U.S.-Soviet Dialogue, New York and Oxford, 1990, p. 233.

[3] Germans profit from delay: Henke, op. cit., pp. 967-68.

[4] Questionable procedures in Reims: Gabriel Kolko, The Politics of War: The World and United States Foreign Policy, 1943-1945, New York, 1968, p. 387; Germany Surrenders 1945, p. 8.

[5] Ceremony in Berlin: Germany Surrenders 1945, pp. 8-9. [6] Kolko-quotation: Kolko, op. Cit., p. 388. [7] “2+4 negotiations”: Ulrich Albrecht, Die Abwicklung der DDR: Die «2+4 Verhandlungen »: Ein Insider-Bericht, Opladen, 1991.

Übersetzung: Wolfgang Jung, luftpost-kl.-de

Mehr von Dr. Jacques R. Pauwels:
Gegenmeinung: Herbst 1941: Pearl Harbor und die Kriege der von Konzernen beherrschten USA.....
Gegenmeinung: Die zweite Front der westlichen Alliierten im Zweiten Weltkrieg: Warum wurden vor siebzig Jahren, am 19. August 1942, bei Dieppe so viele kanadische Soldaten geopfert?....
Gegenmeinung: Vor 70 Jahren im Dezember 1941: Der Wendepunkt des Zweiten Weltkrieges....
Gegenmeinung: Warum der Zweite Weltkrieg mit Atompilzen endete....

Montag, 20. Mai 2013

Syrische Regierungstruppen starten gewaltsame Offensive an vier Fronten

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Truppen der legalen syrischen Assad-Regierung haben gestern eine massive Offensive gegen die bewaffneten, vom Ausland gesponserten und bewaffneten Terrorgruppen gestartet. Wie RIA Novosti rapportierte, wird die Offensive in Al Quseyr, Provinz Homs, in der Nähe der libanesischen Grenze, in der Provinz Hama, in der Provinz Damaskus und in Deraa im Süden des Landes in der Nähe der jordanischen Grenze unternommen.

Der libanesische Fernsehsender Al Mayadin wird in RIA Novostis Rapport mit den Worten zitiert: "Experten bezeichnen die Operationen als beispiellos in strategischer und in taktischer Hinsicht."

Es hat bereits zahlreiche Tote und Verletzte gegeben. Besonders die bewaffneten Terrorgruppen sollen erhebliche Verluste erlitten haben.

Für zivile Flüchtlinge ließ die Armee einen Korridor im Westen der Stadt Al Quseyr frei, über den die Einwohner die umkämpfte Stadt verlassen können.

Die "junge Welt" schrieb vorgestern in ihrem Artikel >>> In Syrien geht’s ums Gas, über die Hintergründe des Terrors in Syrien: "Das Emirat Katar unterstützt Opposition gegen Assad mit Milliarden Dollar. Regierung in Damaskus steht geplantem Pipeline-Bau im Weg."

Mit Material von RIA Novosti

Samstag, 18. Mai 2013

Staatsterrorist behält sich "Recht" auf weiteren Terror vor

Mowitz
Der angewandte Terror zur Schaffung einer geopolitischen Großregion von Marokko bis Pakistan, der "Greater Middle East", globales Nahziel des Wall Street-Kapitals, das auf internationaler Bühne als US-Regierung agiert, hat bereits Millionen Opfer mittels seines kriegerischen Terrors gefordert. Hauptverantwortlich für diese Untaten sind das Kapital-Imperum und seine Vasallen. Kurz nach dem 11. September 2001, wie auf Bestellung, fiel der Startschuss zur Umsetzung des Projekts "Greater Middle East". An einem anderen 11. September, elf Jahre zuvor, 1990, sprach Präsident George H. W. Bush, in einer Rede vor beiden Kammern des Kongress von einer „Neuen Weltordnung“.

Der Kapitalismus nordamerikanischer Prägung, sah sich veranlasst, seinen globalen Machtanspruch, nachdem er die Sowjetunion aus dem Verkehr gezogen hatte, unmissverständlich einzufordern und die Welt darauf einzustellen, dass der Kapitalismus, als alleiniges Wirtschafts- und Gesellschaftssystem, für alle Zukunft, als herrschendes System zu akzeptieren sei. Das Zeitalter der Konzern-Diktaturen nahm Gestalt an. Das Ende der Geschichte wurde laut Francis Fukuyama in seinem Buch The End of History and the Last Man, 1992 eingeläutet und "Demokratie" und "Marktwirtschaft" würden sich nach seinen mehr oder weniger qualifizierten Vermutungen überall durchsetzen. Da dies nicht auf friedlichem Weg zu erreichen war, wurde es ein gewaltsames Projekt. Um es erfolgreich durchzuziehen, bedarf es eines langen Atem um es zu finanzieren und einer außergewöhnlich ausgeprägten Skrupellosigkeit gegen die Menschlichkeit, da der totale Machtanspruch eines Systems andere Systeme zu vernichten, nicht ohne langwierige Kriegsmassaker durchzuführen ist. Nicht alle Menschen teilen die Vorstellung der "american way of life" sei der Weisheit letzer Schluss und nachahmenswert. Für den auf Ausbeutung von Natur und Mensch ausgerichteten Kapitalismus, der das Gewinnmaximierungsprinzip als Kompass für seine Moral- und Ethikvorstellungen einsetzt und der mit seiner Massenproduktion von Nonsensartikel "Wohlstand" schaffen will, obwohl er doch eigentlich nur für Müllhalden produziert und sein kurzlebiger Schrott auch schnell dort landet um Platz für neuen Massenschrott zu machen. Für dieses System ist "Nachhaltigkeit" im Wirtschaften, in der Tat ein systemfeindlicher Begriff.

Meldungen vom baldigen Tod der US-Wirtschaft, gar einer Staatspleite der USA, werden sich in absehbarer Zeit nicht bewahrheiten, denn dem Kapitalismus ist sehr daran gelegen durch die "kapitalsystemischen" USA auf sämtlichen Kriegsschauplätzen dieser Welt präsent zu sein. Die Wall Street Regierung in Washington mag aktuell von Geldsorgen geplagt sein, die private FED ist es nicht. Die macht schon wieder Milliarden Gewinne und hat keinerlei Probleme damit, sämtliche Schandtaten ihrer Regierung in Washington, von Marokko bis Pakistan und darüber hinaus, zu finanzieren. Wer das Privilegium genießt, das Geld eines Staates zu "schöpfen", besitzt und steuert ihn auch. Das nennt man dann "Demokratie" und "freie Marktwirtschaft". Besonders sogenannte seriös-kritische Journaillen.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Überhaupt erfüllen die Sprachmanipulatoren der herrschenden Klasse, wie Politiker, Journalisten, Interessenverbände, Wissenschaft usw. ihren Manipulationsauftrag gewissenhaft bis aufs letzte Semikolon.
"indem sie eine ihren Interessen dienende politische Sprachregelung anstrebt. Bestimmte Worte […] müssen zum allgemeinen Sprachgut werden, dann gewinnen sie selbst eine politisch und ideologisch organisierende Funktion.”[2] Langfristig kann aber auch die unbewusste und unkritische Übernahme und Verwendung sprachmanipulatorischer Elemente durch individuelle Sprachteilhaber sprachverändernd wirken." Wiki
Der, wie alle seine Vorgänger, austauschbare und größenwahnsinnig agierende Führer der USA, Barack Obama, behält sich jetzt das "Recht" auf militärische Schritte zur Beilegung der Syrien-Krise vor. Nicht die Vereinten Nationen, nein der Auslöser, Initiator und Aggressor der Kriege gegen den Irak, Libyen, Syrien und bald gegen den Iran, sowie "Schirmherr" samtlicher Eroberungskriege seines regionalen Vorposten Israel, die USA, behalten sich das "Recht" vor. Der Strolchenstaat Israel, so der außenpolitische Clown Deutschlands, habe das "Recht" sich zu verteidigen. Alle anderen nicht. Wenn Syrien Flugabwehrraketen aus Russland bezieht, um sich gegen Angriffe zu schützen, sieht der deutsche Politikclown das als Bedrohung der Strolche an. Die Propaganda und Argumentationstechnik des Westens um seine Verbrechen zu rechtfertigen und als notwendig zu verkaufen, haben völlig absurde Züge angenommen, die jeden öffentlichen Diskurs unmöglich machen.

Der oberste Vertreter der größten Kriegslügnernation der Menschheitsgeschichte sagte weiter im Lügenpussel zur Ausdehnung des Krieges gegen Syrien:
"Ich reserviere Möglichkeiten für zusätzliche Schritte - diplomatische wie auch militärische -, denn Kampfstoffe in Syrien bedrohen unsere Sicherheit, die Sicherheit der Verbündeten und Nachbarn."
Mit welchem Recht legitimieren eigentlich die handelnden Kriegsverbrecher ihre eigenen Angriffskriege? Mit gar keinem. Nur mit schlecht kaschierten Lügen und der unverhüllten Arroganz der Macht.
"Einen Angriffskrieg zu entfesseln ist nicht nur ein internationales Verbrechen, es ist das schwerste internationale Verbrechen, das sich von anderen Kriegsverbrechen dadurch unterscheidet, dass es das gesamte Übel des Ganzen umfasst.” Walter Rockler, Ankläger im Nürnberger Kriegsverbrechertribunal
Das gilt auch für die USA als sichtbarer Agitator der unsichtbaren Kapital-Strukturen in den Hinterzimmern der Finanzindustrie.

FH

Dienstag, 14. Mai 2013

Hoffnung für Europa

Mowitz
Die soundsovielte Studie irgendeiner sogenannten "renommierten" Denkfabrik des Konzernimperiums, kommt zu folgender, tooootal überraschenden Erkenntnis: Europäer trauen Europa nicht mehr. Grund: Bank- und Wirtschaftskrise. Wird allen Völkern, so auch den europäischen, vom globalen Finanz- und Großkapital allgemein als Staatsverschuldung beigebracht. Zu Beginn des kapitalistischen Systemverfalls, denn genau das ist eigentlich die aktuelle Weltwirtschaftskrise, hörte man hier und da noch einige verzagte Stimmen die kleinlaut darauf hinwiesen, dass "wir" nicht für "eure" Krise zahlen.

Inzwischen zahlen "wir" bereits seit Jahren und ein Ende ist weder absehbar, noch von den Herrschenden gewollt. Schließlich ist das herausragendste Merkmal des "ausgebeutet werden", dass nicht der Ausbeuter zahlt sondern die Ausgebeuteten. Dass die Europäer kein Vertrauen in "Europa" haben, sollte nicht erstaunen. Die EU war von Anfang an mit dem Geburtsfehler behaftet, der nicht so sehr am Konstrukt Euro festzumachen ist, als an dem Umstand, dass die herrschende Klasse Europas sich als Union der Konzerne versteht. Nicht als Vorreiter einer sozialen Union. So wenig wie sie es zur Zeit der Nationalstaaten schon auch nicht war. Europäische Konzernunion, wäre die korrekte Bezeichnung für einen Verbund, der unter Führung seines großen Wall Street-Bruders aus Nordamerika, nie eine Gelegenheit auslässt, um nicht im Namen der internationalen Arbeitsteilung, Kriege vom Zaun zu brechen. Das klassische "Muss" um den Kapitalismus am Leben zu erhalten.

Ganz oben auf dem von den nationalen EU-Regierungen 2004 unterzeichneten aber nach einem kraftvollen "Nein" bei den Volksentscheiden in Frankreich und den Niederlanden nicht in Kraft getretenen Verfassungvertrages für Europa, wurden in den Art. I-3 VVE die Ziele der Union festgelegt, hauptsächlich mit zu nichts verpflichtenden bla, bla, bla Floskeln, fast alles nur Absichtserklärungen. Wie beispielsweise für die weltweite Beseitigung der Armut einzutreten oder sich für kulturelle Vielfalt einzusetzen usw. Der Kernpunkt des Ganzen, der Kapitalismus als herrschende Wirtschafts- und damit Gesellschaftsordnung innerhalb der EU wurde dagegen verbindlich festgeschrieben. Die schon damals wie heute herrschende neoliberale Variante, wollte man nicht mit rechtem Namen nennen, sondern redete sie einfach als soziale Marktwirtschaft schön. Wie man es schon seit Ludwig Erhards Zeiten tut, ohne auch nur im Geringsten die Kluft zwischen Reichen und Armen auch nur je um einen Millimeter verringert zu haben. Aber trotz der häufig erfolgreich angewandten Schönfärbereien mit denen die Herrschenden die Beherrschten in aller Regel dusselig quatschen, verfing der Dreh diesmal nicht. Gelernt daraus haben die Herrschenden vor allen Dingen eins. Nie wieder die Völker direkt zu befragen. Wo kämen wir denn da auch hin?

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Der mit Mühe erarbeitete Volksbetrug an der europäischen Arbeitnehmerschaft, der den Absturz in Hartz IV immer noch als Jahrhundertreform des Arbeitsmarktes feiert, ist gekommen um zu bleiben. Hartz IV gibts auch im restlichen Europa, nur unter anderen Namen. Leiharbeiter oder Fremdarbeiter wie sie bei Mercedes, Siemens und anderen Groß- und Kleinbetrieben genannt werden.

Fremdarbeiter war übrigens ein sehr beliebter Begriff während der Nazizeit, um die Nichtzugehörigkeit zum "Vaterland" Deutschland zu betonen, wie die damalige Sprachregelung lautete.

Heute sind "Vaterländer" gleichbedeutend mit Konzernen. Mit der gleichen Herrscherklasse, denselben Zielen und Interessen wie zur Nazizeit. Kurzum: sie treten an zur Vermögensvermehrung der Besitzenden bei gleichzeitigem Aderlass bis zum vorletzten Blutstropfen der Besitzlosen, die man bis am Rande des Verhungerns hält. Der "Rand" des Verhungerns wird nicht überschritten da das besitzlose Lumpenproletariat noch für weitere Fronarbeitsaufgaben im globalen "Wettbewerb" benötigt wird. Um 25 prozentige Profitmargen in die Klingelbeutel der internationalen Finanz- und Kapitalmafia zu spülen benötigt das Kapital Sklaven die für einen Teller Reis am Tage ihre Haut zu Markte tragen. Da bleiben der Wille und die Kraft zum Widerstand gegen die Sklavenhalter auf der Strecke. Somit ist die Aufrechterhaltung der befindlichen Gesellschaftsstruktur gesichert. Wie sollte man auch sonst weiter erfolgreich betrügen können?

Alle Parteien der Bundesrepublik und darüber hinaus in Europa, sind leuchtende Beispiele für den Erhalt des Einheitsziels "Aufrechterhaltung der befindlichen Gesellschaftsstruktur". Auch neugegründete Eintagsfliegen wie die "Piraten", oder rechtsbürgerliche, professorale Erbsenzähler der Alternative für Deutschland, (AfD).

FH

Samstag, 11. Mai 2013

Sind die unprovozierten aggressiven Akte Israels gegen Syrien der Auftakt zu einem größeren Krieg?

Unschuldige Kriegsopfer
Sollen die völkerrechtswidrigen Angriffe israelischer Kampfjets auf Syrien nur als Vorspiel zu einem Krieg des gesamten Westens gegen den Iran dienen?

Global Research News, 05.05.13

Die USA täuschen eine Ablehnung der israelischen Aggression vor – wie das schon 2007 geplant wurde.

Der Westen hat Israel bewusst die Rolle des "regionalen Rabauken" spielen lassen, der immun gegen internationale Kritik ist; deshalb darf die israelische Regierung jetzt auch schändliche Kriegsverbrechen gegen das benachbarte Syrien begehen, weil man hofft, dass sich Syrien dadurch zu einem Vergeltungsschlag provozieren lässt und damit den USA und ihren regionalen Verbündeten die Rechtfertigung für eine schon lange beabsichtigte militärische Intervention liefert.

In den beiden letzten Tagen hat die israelische Luftwaffe grundlos, aber wiederholt Angriffe auf Syrien geflogen – auch auf die syrische Hauptstadt Damaskus; dabei scheint es sich um eine Reihe absichtlicher Provokationen zu handeln, die einen größeren regionalen Konflikt auslösen sollen, in den dann auch der eigentliche Drahtzieher USA militärisch eingreifen könnte. Da Israel weder von Syrien angegriffen wurde, noch glaubwürdige Beweise für eine Bedrohung durch Syrien vorlegen kann, behauptet die israelische Regierung, mit ihrem Überfall auf Syrien auf einen Bruch der Bestimmungen des Kapitels VII der Charta der Vereinten Nationen zu reagieren (s. hier).

Noch schändlicher ist, dass die USA vortäuschen, die Verletzung des internationalen Friedens durch Israel zu verurteilen, obwohl sie in den beiden letzten Jahren den Bürgerkrieg in Syrien (gemeinsam mit Israel) angeheizt haben; es ist eine bewiesene Tatsache, dass die USA und Saudi-Arabien die israelische Regierung bewusst zu militärischen Angriffen auf Syrien und den Iran ermuntern, die sie selbst weder politisch, noch juristisch oder strategisch rechtfertigen können.

Jetzt hoffen die USA, Großbritannien, Frankreich und ihre regionalen Verbündeten darauf, dass Syrien und der Iran militärisch zurückschlagen, damit auch sie endlich in Syrien und – mit etwas Glück – bald darauf im Iran intervenieren können.

Dieser heimtückische Plan wurde bereits in den Jahren 2007 bis 2009 ausgeheckt und abgesprochen

Schon 2007 wurde berichtet, dass die USA, Saudi-Arabien und Israel ein Komplott geschmiedet haben, um die Regierungen des Irans und Syriens zu stürzen; schon damals hat man sich darauf geeinigt, terroristische Sekten, von denen viele in direkter Verbindung mit Al-Qaida stehen, zu diesem Zweck zu bewaffnen. Der Pulitzer-Preisträger und Journalist Seymour Hersh stellte in einem 2007 in dem Magazin The New Yorker unter der Überschrift "The Redirection" (Die Neuorientierung, veröffentlichten Artikel dazu fest:
"Um dem Iran, der von Schiiten dominiert wird, zu schaden, hat sich die Bush-Administration dazu entschlossen, ihre Prioritäten im Mittleren Osten neu zu setzen. Im Libanon hat sie insgeheim mit der sunnitischen Regierung Saudi-Arabiens kooperiert, um die Hisbollah zu schwächen – eine schiitische Organisation, die vom Iran unterstützt wird. Die USA haben sich auch an geheimen Operationen beteiligt, die gegen den Iran und dessen Verbündeten Syrien gerichtet sind. Ein Nebeneffekt dieser Aktivitäten war die Förderung sunnitischer extremistischen Gruppierungen, die für eine militante Richtung des Islams eintreten und mit Al-Qaida sympathisieren, den USA aber feindlich gegenüberstehen."
Die Kumpanei Israels mit Saudi-Arabien beschrieb Hersh so:
"Der Politikwechsel hat Saudi-Arabien und Israel in einer neuen strategischen Umarmung vereint, vor allem, weil beide Staaten im Iran eine existenzielle Bedrohung sehen. Sie haben gemeinsam an Gesprächen (mit den USA) teilgenommen, und die Saudis, die glauben, dass durch stabilere Verhältnise in Israel und Palästina der Einfluss des Irans auf die Region verringert werden könnte, haben sich auch auf direkte arabisch-israelische Verhandlungen eingelassen."
Daneben informierte Hersh über Äußerungen saudi-arabischer Offizieller zu dem gewagten Balanceakt, auf den sich ihre Regierung einlassen musste, um ihre Rolle als Unterstützer der Ziele der USA und Israels in der gesamten Region zu verschleiern. Sie ließen sogar durchblicken, dass es Saudi-Arabien lieber wäre, wenn der offene Angriff auf den Iran von Israel und nicht von den USA ausginge, weil die Saudis dann nicht sofort hineingezogen würden. Hersh schrieb dazu:
"Der Saudi sagte, sein Land ginge ein politisches Risiko ein, wenn es zu offen mit den USA gegen den Iran paktiere. Die arabische Welt werfe (Prinz) Bandar schon jetzt eine zu große Nähe zur Bush-Administration vor: `Wir haben zwei Albträume,` erklärte mir der ehemalige Diplomat. `Wir befürchten, dass sich der Iran die Atombombe verschafft und dass die USA ihn dann angreifen. Es wäre uns lieber, wenn Israel den Iran bombardieren würde, weil wir Israel dafür verurteilen könnten. Wenn die USA es tun, werden wir dafür mitverantwortlich gemacht`."
Dieses Komplott wurde im Jahr 2009 weiterentwickelt – durch den US-Think-Tank Brookings Institution, der von bei Fortune 500 gelisteten Konzernen finanziert wird. In einem Brookings-Dokument mit demTitel "Which Path to Parsia" (Welcher Weg führt nach Persien?) wird auf S. 84/85 – bezogen auf den Iran, aber ebenso anwendbar auf Syrien – folgendes Vorgehen vorgeschlagen:
" … es wäre vorzuziehen, wenn die USA eine iranische Provokation als Rechtfertigung für ihre daraufhin erfolgenden Luftangriffe benutzen könnten. Für die USA am vorteilhaftesten wäre, wenn sich die `iranische Provokation` als besonders abscheulich, folgenreich und völlig grundlos darstellen ließe. Natürlich wäre es für die USA sehr schwierig, den Iran in eine derartige Provokation zu treiben und gleichzeitig zu verhindern, dass die übrige Welt das Spiel durchschaut, weil es dann wertlos würde. Eine Methode, die Erfolg haben könnte, wäre die Anzettelung eines gewaltsamen Aufstands zur Herbeiführung eines Regimewechsels – in der Hoffnung, dass Teheran dann mit aller Härte oder wenigsten erkennbar gegen die Aufständischen vorginge; das ließe sich dann als `grundlose Aggression` der iranischen Regierung verkaufen."
Und (auf S. 91 des Brookings-Dokuments):
"Israel scheint einen solchen Luftschlag schon intensiv vorbereitet und geübt und seine Flugzeuge vermutlich schon so nah wie möglich an den Iran herangebracht zu haben. Israel ist wahrscheinlich in der Lage, innerhalb einiger Wochen oder sogar einiger Tage loszuschlagen – wenn das Wetter passt und seine Geheimdienste den richtigen Zeitpunkt für gekommen halten. Da Israel außerdem weniger auf regionale Unterstützung angewiesen ist, vielleicht auch überhaupt kein Interesse daran hat, müsste Jerusalem auch nicht unbedingt auf eine iranische Provokation warten, um angreifen zu können. Kurz gesagt, Israel könnte sehr schnell losschlagen, wenn die Regierungen Israels und der USA das wollen.

Wie schon in einem anderen Kapitel erörtert, wären die Luftangriffe eigentlich nur der Auftakt zu dieser Politik. (Wenn man es aber dabei bewenden ließe ), würden die Iraner zweifellos versuchen, ihre Atomanlagen wieder aufzubauen und sich an Israel zu rächen; sie könnten aber auch die (Kriegsschiffe der) USA (im Persischen Golf) angreifen und der US-Regierung damit einen Vorwand für eigene Luftangriffe oder sogar eine Invasion liefern."
Dass Israel nicht auf eine plausible Rechtfertigung wartet, um Syrien anzugreifen, hat sich gerade erwiesen. Man sollte aber besonders die Bemerkung am Ende des Zitats beachten die erkennen lässt, was das US-geführte Bündnis nach diesem ungeheuerlichen Verstoß gegen das Völkerrecht plant: Die ganze Golfregion soll in einen Konflikt hineingezogen werden, der endlich eine offene militärische Intervention dieses Bündnisses rechtfertigt. (Weitere Infos zu diesem Plan hier.)

Was sollten Syrien und seine Verbündeten tun?

Syrien, der Iran, Russland und die anderen Staaten, die das bedrängte Land unterstützen, kennen sicher das Brookings-Dokument "Which Path to Parsia" und die daraus abgeleitete Strategie. Hoffentlich wurde alles von Wert, was die Israelis angreifen könnten, um die erwünschte Vergeltungsaktion und einen sich daraus entwickelnden Krieg zu provozieren, zusätzlich geschützt oder aus der Reichweite möglicher israelischer Angriffe gebracht.

Eine aufklärende Medienkampagne könnte helfen, das heuchlerische und entlarvende Zusammenspiel der von Al-Qaida dominierten so genannte Freien Syrischen Armee / FSA und der Intentionen Israels aufzuzeigen und auch noch den letzten Rest an Unterstützung zu beseitigen, den die zersplitterte, trotz der Unterstützung durch den Westen vor dem Scheitern stehende Terrorkampagne unter den Syrern noch hat.

Die USA haben Israel bewusst den Auftrag zu diesen Angriffen erteilt, weil die israelische Regierung ihr internationales Ansehen schon lange verspielt hat. Was sie in Syrien tut, ist ein schändliches Kriegsverbrechen und eine grobe Missachtung des Völkerrechts. In dieser Auseinandersetzung haben Syrien und seine Verbündeten das Recht auf ihrer Seite und sind einem Feind, der die Welt nicht mehr zum Narren halten kann, moralisch weit überlegen. Wenn Syrien in der Lage ist, die durch nichts zu rechtfertigende Brutalität Israels auszuhalten, sollte es am besten wenig oder nichts zu tun, um die gleiche internationale Empörung auszulösen, die Israels Brutalität gegen die Palästinenser ausgelöst hat.

Weil die USA die Israelis auf Syrien gehetzt haben, sollten Syrien und seine Verbündeten, wenn sie denn überhaupt reagieren wollen, das am besten "Einzeltätern" überlassen, über die sie selbst verfügen. Die gleichen Mittel, mit denen die Hisbollah und die Palästinenser Israel sowohl strategisch als auch politisch besiegt haben, stünden jetzt auch Syrien zur Verfügung – nur in einem weit größeren Umfang.

Wegen der schändlichen Aktionen Israels, wegen des verwerfliche Doppelspiels, das die USA zu spielen versuchen, indem sie ein Zerwürfnis mit Tel Aviv vorgaukeln, und wegen der stillen Komplizenschaft der Vereinten Nationen fordern verzweifelte Menschen auf der ganzen Welt Syrien, den Iran oder beide zu Vergeltungsschlägen auf. Das wäre genau das, was der Westen will, um einen größeren konventionellen Krieg anzetteln zu können, in dem er alle Vorteile hätte. Wenn Syrien sich aber weigert, direkt zurückzuschlagen und sich selbst dann nicht zur Wehr setzt, wenn seine Hauptstadt bombardiert wird, nimmt es dem Westen politisch den Wind aus den Segeln und macht damit deutlich, wie ungerechtfertigt dessen Angriffe sind, weil Syrien niemand bedroht. Durch syrische "Einzeltäter", die glaubhaft verleugnet werden könnten, ließe sich (in relativ kurzer Zeit) so viel taktischer und politischer Druck auf Israel ausüben, dass es seine Aggression einstellen müsste.

Es scheint so, als sei der vom Westen unterstützten Terrorfront in Syrien bereits der Todesstoß versetzt worden und ihr baldiger Zusammenbruch zu erwarten. Die israelischen Angriffe sind wohl ein Zeichen der Verzweiflung und der Versuch, einen Konflikt zu verlängern, der sonst bald enden könnte. Syrien und seine Verbündeten stehen in den kommenden Tagen und Wochen vor schwierigen Entscheidungen und an einem gefährlichen Scheideweg, denn eine Achse von Schurkenstaaten will mit immer schlimmeren Gräueltaten unbedingt Vergeltungsschläge provozieren.

Übersetzung: Wolfgang Jung, luftpost-kl.de

Freitag, 10. Mai 2013

Ein post-historischer Striptease

Pepe Escobar
Übersetzt von  Lars Schall
Dies ist eine gekürzte Fassung eines Vortrags, der am 24. April 2013 beim 13. Seminar für Politische Solidarität zum Thema "Don Giobanni und die direkte Demokratie" zum Gedenken an Don Juan Chavez an der Universität von Zaragoza, Spanien gehalten wurde.

Wie kuschelig es doch sein würde, den Retro-Geist von Burt Bacharach heraufzubeschwören, um unsere geopolitische Zukunft zu definieren und zu singen: “Was die Welt jetzt braucht / ist Liebe, süße Liebe”. (“What the world needs now / is love, sweet love.”)

Tut mir leid, das Vinyl zerkratzen zu müssen. Wir unterbrechen diesen Friede-Freude-Eierkuchen, um Ihnen aktuelle Nachrichten zu bringen. Sie sind ins Zeitalter des neuen Hobbes‘schen “Helden” katapultiert worden – sowohl digital und virtuell als auch physisch.

Der Casino-Kapitalismus – auch bekannt als Turbo angetriebener Neoliberalismus – zerstört rücksichtslos die letzten Reste des Sozialstaats und des egalitären Konsens in den westlichen Industrieländern, möglicherweise mit der einen seltsamen skandinavischen Ausnahme. Er hat einen Konsens des “neuen Normalen“ etabliert, der in Privatleben eindringt, die politische Debatte dominiert und ein für allemal die Ökonomisierung des Lebens selbst institutionalisiert – der letzte Akt der heftigen unternehmerischen Ausbeutung der natürlichen Ressourcen, des Lands und der billigen Arbeitskräfte.

Integration, Sozialisation und Multikulturalismus werden von Desintegration, Segregation und einer weitverbreiteten Entgesellschaftung korrodiert – eine direkte Folge des von David Harvey geprägten Begriffs der “Des-Akkumulation” (die Gesellschaft verschlingt ihre eigenen Sprösslinge).

Es ist dieser Stand der Dinge, den der flämischen Philosoph und Kunsthistoriker Lieven De Cauter in seinem Buch Entropic Empire “die Mad Max-Phase der Globalisierung” nennt.

Es ist eine Welt à la Hobbes, die eines latenten globalen Bürgerkriegs, eines Krieg aller gegen alle: die wirtschaftlich Wohlhabenden gegen die Habenichtse; intolerante Wahhabiten gegen “abtrünnige” Schiiten; die Kinder der Aufklärung gegen alle Arten von Fundamentalisten; die Pentagon-Militarisierung Afrikas gegen den chinesischen Merkantilismus.

Die Desintegration und Balkanisierung des Irak, die vor zehn Jahren durch das Shock and Awe des Pentagon gezündet wurde, war eine Art Auftakt für diese schöne neue Unordnung. Die Neo-Con-Weltsicht von 2001 bis 2008 brachte das Projekt mit seiner Ideologie des Lasset-Uns-Den-Staat-Fertigmachen, Und-Zwar-Überall voran. Irak war abermals das beste Beispiel. Aber von der Bombardierung einer souveränen Nation zurück in die Steinzeit zog das Projekt weiter zu einer Bürgerkriegsmanipulation – wie in Libyen und, so hoffen die Manipulatoren, auch in Syrien.

Wenn wir Sessel-Analysten haben, die von reichlich vorhandenen Stiftungen bezahlt werden – in der Regel in den USA sitzend, aber auch in Westeuropa -, die über “Chaos und Anarchie” dozieren, so verstärken sie bloß eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Wenn “Chaos und Anarchie” sie anmacht, dann deshalb, weil sie einfach nur die vorherrschende libidinöse Ökonomie widerspiegeln, die vom Reality-TV bis hin zu allerlei dessen reicht, was De Cauter als “psychotische Spiele” beschreibt – in einem Raum, in einem Achteck, innerhalb einer Insel oder praktisch innerhalb einer Digital-Box.

Willkommen also zur Geopolitik des jungen 21. Jahrhunderts: ein Zeitalter des Non-Stop-Kriegs (virtualisiert oder nicht), der scharfen Polarisierung und des Anhäufens von Katastrophen.

Nach Hegel, Marx und diesem mediokren Funktionär des Empire, Fukuyama, aber auch nach den brillanten Dekonstruktionen von Gianni Vattimo, Baudrillard oder Giorgio Agamben ist dies das, was wir bekommen.

Für Marx war das Ende der Geschichte eine klassenlose Gesellschaft. Wie romantisch. Stattdessen vermählte sich der Kapitalismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit der westlichen liberalen Demokratie bis der Tod sie scheidet. Nun, der Tod steht ihnen nunmehr beiden bevor. Der Rote Drache, China, hat die Party betreten und wartete mit einem neuen Spielzeug auf: dem Ein-Parteien-Neoliberalismus.

Eine individualistischer, zügelloser, passiver, leicht steuerbarer Verbraucher, der in einer verzerrten Form der Demokratie ertrinkt, die im Grunde Insider begünstigt – und sehr wohlhabende Akteure; wie könnte dies ein humanistisches Ideal sein? Doch die PR war so gut, dass dies das ist, wonach Legionen in Asien, Afrika, dem Mittleren Osten und in Südamerika streben. Für die geo-ökonomischen Masters of the Universe ist das aber immer noch nicht genug.

Deswegen Post-Geschichte als ultimative Reality-Show. Und Krieg als des Neoliberalismus‘ bevorzugte Waffe.

Wählen Sie Ihr Lager aus

Wir sind nunmehr mit Giorgio Agambens Paradigma des Notfallzustands vertraut – oder des Ausnahmezustands (the state of exception). Das ultimative Beispiel war bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts das Konzentrationslager. Die Post-Historie aber ist kreativer.

Wir haben die nur für Muslime-Konzentrationslager – wie in Guantanamo. Wir haben das Abbild eines Konzentrationslagers – wie in Palästina, das praktisch ummauert ist und unter 24/7-Überwachung steht, und wo “das Gesetz” von einer Besatzungsmacht diktiert wird. Und wir haben das, was letzte Woche in Boston geschehen ist – als Probelauf; das euphemistische “Einsperren“ (“Lockdown“), was eine Aussetzung des Gesetzes zum Nutzen des Kriegsrechts ist; keine Bewegungsfreiheit, kein Mobilfunk-Netz, und wenn man zum Laden an der Ecke geht, um ein alkoholfreies Getränk zu kaufen, wird man womöglich erschossen werden. Eine ganze Stadt im industrialisierten Norden verwandelte sich in ein High-Tech-Konzentrationslager.

Agamben sprach vom Ausnahmezustand als einen Top-down-Exzess über die Souveränität und vom Zustand der Natur – wie bei Hobbes – als Bottom-up-Abwesenheit der Souveränität. Nach dem Global War on Terror (GWOT), der trotz allem, was das Pentagon sagt, in der Tat ewig ist (oder The Long War, wie er im Jahre 2002 als ein Teil der Pentagon-Doktrin der Full Spectrum Dominance definiert wurde), können wir von einer Fusion sprechen.

Der Krieg gegen den Terror, der von der Obama-Administration verführerisch normalisiert wurde, war und bleibt ein globaler Ausnahmezustand, obwohl das Drumherum kommt und geht; der Patriot Act; zwielichtige Executive Orders; Folter – ein aktuelles parteiübergreifende Panel in den USA beschuldigt alle Top-Beamten der George W Bush-Regierung der Folter; außerordentliche Auslieferungen, bei denen Libyen und Syrien zusammenarbeiteten, um nicht die osteuropäischen Staaten und die üblichen arabischen Marionetten wie das Ägypten unter Mubarak zu erwähnen; und den weitläufigen Apparat der Heimatschutzbehörde (Homeland Security).

Was ein echtes KZ angeht, brauchen wir nicht weiter als bis nach Guantanamo zu schauen – das, im Gegensatz zu Obamas Wahlkampf-Versprechen, auf unbestimmte Zeit offen bleibt, sowie auf einige “geheime” Gefängnisse der CIA, deren überwiegende Anzahl der Bush-Ära zugehört.

In all diesen Fällen, was auch mit dem gesellschaftlichen Leben geschieht – Aussetzung, Auflösung, Balkanisierung, Implosion, der Ausnahmezustand -, es überträgt sich darin, dass den normalen Bürgern die Bürgerschaft (Biographien) zerbröseln. Aber herrschende Eliten – politische, wirtschaftliche, finanzielle – kümmert Bürgerschaft nicht. Sie sind nur an passiven Konsumenten interessiert.

Wählen Sie Ihre Dystopie aus

Die Dystopien der neuen globalen Unordnung werden allesamt normalisiert. Wir sind mit Staatsterrorismus – wie in dem “geheimen“ CIA-Drohnenkrieg überall in den Stammesgebieten in Pakistan, im Jemen, in Somalia und bald auch in anderen afrikanischen Breitengraden – vertraut. Und wir sind auch vertraut mit nicht-staatlichem Terrorismus, wie er von diesem Nebel angewandt wird, den wir im Westen als “al-Qaida” beschreiben, mit seinen unzähligen Franchisnehmern und Trittbrettfahrern.

Wir haben eine Reihe von Hyper-Staaten – wie die USA, China und Russland und die EU als Ganze – und unzählige Infra-Staaten oder gescheiterte Staaten, einige mit Absicht (Libyen, und Syrien ist auf dem Wege), sowie Sat- Staaten, einige wesentlich für das westlich gesteuerte System wie dem Golf-Konterrevolutions-Club (GCC – Gulf Cooperation Council, Golf Kooperations Rat).

Es ist immer aufschlussreich, einen Blick darauf zurück zu werfen, wie das Pentagon diese Welt interpretiert. Hier finden wir einen “Integrations-Kern” im Gegensatz zu einer “nicht-integrierten Lücke”. Der “Kern” ist, worauf es ankommt, in diesem Fall Nordamerika und das meisten, aber nicht alles der EU. Ängstliche, passive Populationen, mit einer Konsumenten-Elite – die schnellen, mobilen Eliten der flüssigen Moderne, wie von Bauman beschrieben – und eine große Masse von überlebenden Werktätigen, viele von ihnen entbehrlich (wie die Millionen von europäischen Opfer der Troika-Sparpolitik, die nie wieder einen anständigen Job finden werden).

Was die nicht-integrierte Lücke angeht, so handelt es sich durch und durch um Hobbes. Im Fall von Afrika – bis praktisch gestern als ein schwarzes Loch verspottet – gibt es ein zusätzliches geopolitischen Machtspiel; wie kontert man die außerordentliche Durchdringung des chinesischen Merkantilismus im letzten Jahrzehnt? Die Pentagon-Antwort besteht im Einsatz von Africom allerorten; die Nationen, die zu unabhängig sind, werden wie Libyen unterworfen; und im Fall der französischen Elite, die mit auf dem Zug sitzt, um zu versuchen, einige imperiale Muskeln in Mali zurückzuerlangen, profitiert man von genau dieser Implosion und Balkanisierung Libyens.

Der Look der Post-Historie, ihr ästhetisches Ideal, ist die Stadt als Themenpark. Los Angeles war vielleicht das Urbild, aber die besten Beispiele sind Las Vegas, Dubai und Macao. In Abwesenheit von Umberto Eco und Baudrillard, die in den Spiegelbilder-Simulacra schwelgten, können wir dem Stararchitekten Rem Koolhaas folgen – einem scharfen Beobachter der städtischen Demenz in Südchina –, um zu lernen, worum es beim Junk-Raum geht.

Dann gibt es die Sicherheits-Besessenheit – von Städten wie London, das sich in eine weitläufige Version von Benthams Panopticum verwandelt, bis hin zu den lächerlichen Striptease-Ritualen an jedem Flughafen, um gar nicht erst die umzäunten Wohnhäuser und “Communities” zu erwähnen, die eher wie umzäunte Atome sind, Embleme der Kapsel-Zivilisation. Die Guerrilla-Gegenangriffe können gleichwohl so tödlich wie sunnitische Iraker im Kampf gegen die Amerikaner im “Dreieck des Todes” sein, wie er Mitte der 2000er Jahre stattfand. In Sao Paulo, Brasilien – die ultimative gewalttätige Megalopolis – “klonen“ Banden Autos und Nummernschilder, um Sicherheitskräfte am Zugang zu den bewachten Häusern hereinzulegen, fahren dann in die Garage und gehen systematisch raubend durch jede Wohnung in jeder Etage.

Sie sind Geschichte

Konzeptionell kürzt die Post-Historie alle Verfahren ab. Der Fluss der Geschichte wird als Fälschung abgebaut. Das Simulacrum triumphiert über der Realität. Wir sehen die Geschichte sich nicht als Tragödie und Farce wiederholen, sondern als Doppel-Farce; eine überlappendes Beispiel sind die Dschihadisten in Syrien, die ebenso wie die ehemaligen “Freiheitskämpfer” in Afghanistan, die sich in den 1980er Jahren im anti-sowjetischen Dschihad befanden, bewaffnet werden; dies verbindet sie mit der westlichen Gang im UN-Sicherheitsrat, die in Syrien das anzuwenden versucht, womit sie in Libyen durchkam; Regimewechsel.

Wir haben auch die sich wiederholende Geschichte als Klonen; Neoliberalismus mit chinesischen Charakteristika schlägt den Westen in seinem Industrialisierungsspiel – in Bezug auf die Geschwindigkeit -, während zur gleichen Zeit die gleichen Fehler von den geistlosen Auswüchsen einer Akquisitionsmentalität ohne Respekt für die Umwelt begangen werden.

Es versteht sich von selbst, dass die Post-Historie die Aufklärung begräbt – als Begünstigung für die Entstehung aller Arten von Fundamentalismen. So musste sie auch das internationale Recht begraben; von der Umgehung der UN, um einen Krieg gegen den Irak im Jahr 2003 zu starten, bis hin zur Benutzung einer UN-Resolution, um einen Krieg gegen Libyen im Jahr 2011 zu starten. Und nun nehmen Großbritannien und Frankreich keine Gefangenen mehr, um zu versuchen, an den Vereinten Nationen oder sogar der NATO selbst vorbei die “Rebellen” in Syrien mit Waffen auszustatten.

Wir haben also ein neues Mittelaltertum, das nur einer wohlhabenden Neo-Theokratie passen kann – wie in Saudi-Arabien und Katar; denn dies sind westliche Verbündeten oder aber Marionetten – daheim dürfen sie gern mittelalterlich bleiben. Darüber gestülpt finden wir die Politik der Angst – die im Wesentlichen die Festung Amerika und die Festung Europa beherrscht; Angst vor dem Anderen, der gelegentlich Asiate sein kann, die meiste Zeit aber islamisch ist.

Was wir nicht haben, ist eine politische / philosophische Vision der Zukunft. Oder ein historisch-politisches Programm, politische Parteien kümmern sich nur über den Gewinn der nächsten Wahl.

Wie würde ein post-staatliches System aussehen? Unabhängige Köpfe trauen den mammuthaften, asymmetrischen, wackeligen Blöcken wie der EU oder den G-20 oder sogar den angehende Multipolaren wie den BRICS (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika – die noch nicht eine echte Alternative zur westlichen Regel repräsentieren) nicht. Niemand denkt im Hinblick auf eine strukturelle Veränderung des Systems nach. Marx lag darin mehr als richtig: was Geschichte bestimmt, sind objektive, konkrete, greifbare Prozesse – einige von ihnen sehr komplex -, die Auswirkungen auf die wirtschaftliche und technologische Infrastruktur haben.

Was möglich zu folgern ist, ist, dass das wirkliche historische Thema von nun an Technologie ist – wie von Jean-Francois Lyotard und Paul Virilio bereits in den 1980er und 1990er Jahren konzeptualisiert worden war. Die Technologie wird sich weit jenseits des kapitalistischen Systems weiter entwickeln. Die Techno-Wissenschaft befindet sich auf dem Fahrersitz der Geschichte. Das bedeutet aber auch Krieg.

Krieg und Technik sind siamesische Zwillinge; praktisch jede Technologie kommt als militärische Technologie zustande. Das beste Beispiel ist, wie das Internet unser Leben völlig veränderte, mit immensen geo-ökonomischen und politischen Auswirkungen; Peking mag das Internet 2010 in einem White Paper als “Kristallisation der menschlichen Weisheit” gefeiert haben, aber kein Staat filtert mehr Informationen aus dem Internet als China. Das Szenario einer dystopischen Grenze anschiebend, argumentiert Googles Eric Schmidt zurecht, dass man mit einem leichten Umschalten bald ein ganzes Land aus dem Internet verschwinden lassen könnte.

Also, im Wesentlichen können wir eine utopische Regression auf den Zustand des Stammesnomaden vergessen – so sehr wir davon fasziniert sein mögen, seien sie nun in Afrika oder im Wakhan-Korridor in Tadschikistan. Wenn wir die geopolitische Landschaft von Ground Zero bis hin zu Boston überblicken, sind die einzigen “Modelle” nur Deklinationen der Entropie.

Treffen Sie den neoliberalen Adam

Nun zur Lieblingswaffe der Post-Historie: Kriegs-Neoliberalismus. Die beste Analyse in den vergangenen Jahren kann davon bei weitem beim französischen Geostrategen Alain Joxe und seinem Buch Les Guerres de L’Empire Global (Die Kriege des globalen Empire) gefunden werden.

Joxe mischt alles miteinander, weil alles miteinander verbunden ist – die Eurokrise, die europäische Schuldenkrise, Besetzungen und Kriege, Einschränkung der bürgerlichen Freiheiten, absolut korrupte Eliten -, um das Projekt des globalen Reiches des Neoliberalismus, das weit über das amerikanische Imperium hinausgeht, zu entlarven.

Das ultimative Ziel der Verwandlung in Finanzprodukte besteht in der unbegrenzten Akkumulation von Profit – ein System, wo die Reichen viel reicher werden und die Armen immerzu buchstäblich nichts (oder bestenfalls Sparmaßnahmen) bekommen. Die Masters of the Universe des realen Lebens sind die privatisierte Rentierklasse – man kann sie nicht einmal mehr Noblesse nennen, weil die Abwesenheit des Geschmacks und des kritischen Verstands bei ihnen meistens erschreckend ist. Was sie tun, kommt den Unternehmen, statt den Schutzfunktionen der Staaten zugute. In diesem Zustand der Dinge werden militärische Abenteuer zur Polizei-Doktrin. Und eine neue Informations-Technologie – von Drohnen bis hin zu “besonderer” Munition – kann gegen Volksbewegungen verwendet werden, nicht nur im Süden, sondern auch im Norden.

Joxe ist in der Lage aufzuzeigen, wie eine technologische Revolution zur gleichen Zeit zum IT-Management dieser Göttin, des Marktes, sowie zur Roboterisierung des Krieges geführt hat. Hier haben wir also eine Mischung aus wirtschaftlichen, militärischen und technologischen Veränderungen, die parallel zueinander verlaufen, was zu einer Beschleunigung von Entscheidungen führt, die die lange Spanne der Politik völlig pulverisiert, wodurch ein System nicht mehr in der Lage ist zu regulieren, seien es nun Finanzen oder Gewalt. Zwischen der Diktatur der “Märkte” und der Sozialdemokratie, raten Sie mal, wer da spielend gewinnt.

In der Tat hatte Slavoj Zizek bereits die entscheidende Frage gestellt, zumindest in Bezug auf den Untergang des Abendlandes. Der (Schrank-)Gewinner ist tatsächlich der “‘Kapitalismus mit asiatischen Werten‘ – was natürlich nichts mit asiatischen Menschen zu tun hat, dafür aber mit der klaren und gegenwärtigen Tendenz des zeitgenössischen Kapitalismus, die Demokratie zu begrenzen oder sogar auszusetzen”. (Siehe hier.)

Der französische Philosoph Jean-Claude Michéa treibt die politische Analyse weiter voran. Er argumentiert, dass die postmoderne Politik sich in der Tat zu einer negativen Kunst entwickelt hat – die die am wenigsten schlechte Gesellschaft, die möglich ist, definiert. Das ist, wie der Liberalismus – der die moderne Form der westlichen Zivilisation prägte – zum Neoliberalismus wurde, die “Politik des kleineren Übels”. Nun, “kleinere Übel” für jene, die alles unter Kontrolle haben, versteht sich, und verdammt sei der Rest.

In einem weiteren wichtigen Buch kommt Michéa mit der herrlichen Metapher des neoliberalen Adam als dem neuen Orpheus daher, der dazu verurteilt ist, den Weg des Fortschritts eskalieren zu lassen, ohne zurückblicken zu dürfen.

Nicht viele zeitgenössische Denker sind ausgestattet, um die Linke und die Rechte gleichermaßen verheerenden Maßnahmen zu unterziehen. Michea sagt uns, dass links und rechts sich dem Original-Mythos des kapitalistischen Denkens gebeugt haben; dieser “Anthropologie noir“, dass der Mensch ein Egoist von Natur aus ist. Und er fragt, wie die institutionalisierte Linke haben den Ehrgeiz nach einer gerechten, menschenwürdigen Gesellschaft aufgeben konnte – oder wie der neoliberale Wolf unter den sozialistischen Schafen gewütet hat.

Jenseits des Neoliberalismus und / oder einem Wunsch nach Sozialdemokratie zeigt uns die Reality-Show, dass uns ein wechselseitig zerstörerischer globaler Bürgerkrieg bevorsteht – das ist die Hypothese, die ich 2007 in meinem Buch Globalistan erforschte. Wenn wir alles miteinander mischen: Washingtons Schwenken nach Asien; die Obsession mit dem Regimewechsel in Iran; die Angst der westlichen Eliten vor dem Aufstieg Chinas; den echten arabischen Frühling, der nicht einmal begonnen hat; die muslimischen Ressentiments gegen das, was als ein neuer Kreuzzug wahrgenommen wird; das Wachsen des Neofaschismus in Europa; und die fortgeschrittene Verelendung der westlichen Mittelschicht, so ist es schwer, über die Liebe nachzudenken.

Und dennoch – Burt Bacharach komme zur Rettung herbei -, das ist genau das, was die Welt jetzt braucht.

JACKIE de SHANNON ~ "WHAT THE WORLD NEEDS NOW" by BURT BACHARACH



Danke Lars Schall
Quelle: http://www.atimes.com/atimes/World/WOR-01-260413.html
Erscheinungsdatum des Originalartikels: 26/04/2013
Artikel in Tlaxcala veröffentlicht: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=9637