Freitag, 28. März 2014

Petrodollar-Alarm: Putin bereitet einen Super-Gasdeal mit China vor

Bild: Wikimedia, public domain
Gegen Russland verhängte Wirtschaftssanktionen würden vor allem der Bundesrepublik Deutschland und den USA schaden, weil die russischen Erdgas- und Ölkonzerne auch China beliefern könnten und dafür keine Dollars akzeptieren müssten.

Von Tyler Durden
Zero Hedge.com, 21.03.14

Wenn es die Absicht des Westens war, Russland – eine an Bodenschätzen reiche, aber unter Korruption leidende Supermacht – und China – eine über reichlich Kapital und Arbeitskraft verfügende, aber durch Kreditblasen gefährdete Wirtschaftsmacht – einander näherzubringen, dann ist das gelungen; und wenn man den Dollar schwächen und den Rubel und den Renminbi als Zahlungsmittel im bilateralen Handel der beiden fördern wollte, dann ist alles nach Plan gelaufen.

Bis jetzt hat sich die geopolitische Machtverschiebung – das Schwinden des globalen Einflusses der USA und der fast alle vom Bankrott bedrohten G7-Staaten – die durch das Scheitern des dilettantischen Interventionsversuchs in Syrien und die unblutige Annexion der Krim durch Russland eingetreten ist, noch nicht ausgewirkt; aber das wird sich bald ändern. Denn während sich der Westen täglich auf neue Entwicklungen in der Ukraine einstellen muss und Russlands Expansionsdrang durch Appeasement-Politik – die schon einmal in den 1930er Jahren in die Hose gegangen ist – einzudämmen versucht, hat Russland schon drei Schritte weiter und in Richtung Osten gedacht.

Während Europa fieberhaft nach alternativen Energiequellen sucht, für den Fall, dass Gazprom den Gashahn zudreht und seine Erdgasexporte nach Deutschland und Europa stoppt oder – wie jetzt in der Ukraine – den Gaspreis um 40 Prozent erhöht, haben die Russen bereits gehandelt. Russland wird bald einen Super-Energiedeal mit China verkünden, der beide Staaten zu einer Wirtschaftsgemeinschaft verbinden und eine geopolitische Schockwelle auslösen wird, die den ganzen Erdball erschüttern dürfte. Damit wird auch, wie wir das schon wiederholt vorhergesagt haben, der Grundstein für eine neue durch verstärkte Wirtschaftsbeziehungen gestützte Reservewährung gelegt, die den Dollar verdrängen wird. Der russische Finanzminister Siluanov hat ja bereits angekündigt, dass Russland in diesem Jahr keine neuen Kredite im (westlichen) Ausland) aufnehmen wird. Mit anderen Worten heißt das: Russland wird sich nicht länger Dollars leihen, die durch von China gekaufte US-Staatsanleihen in Umlauf gebracht wurden, sondern direkt zur Quelle gehen.

Nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters wird Folgendes geschehen:
Igor Setschin hat am nächsten Tag vor Medienvertretern in Tokio die westlichen Regierungen gewarnt: Sanktionen, die wegen der Übernahme einer ukrainischen Halbinsel im Schwarzen Meer gegen Moskau verhängt würden, seien kontraproduktiv. Die in dieser Warnung enthaltene Botschaft des Chefs des größten russischen Ölkonzerns Rosneft ist unmissverständlich: Wenn Europa und die USA versuchen, Russland zu isolieren, wird sich Moskau im Osten neue Partner für Geschäfte, Energieverkäufe und militärische oder politische Bündnisse suchen.

Der "Heilige Gral" (das Wertvollste,) für Moskau ist ein Deal über die Belieferung Chinas mit russischem Erdgas, der nach jahrelangen Verhandlungen kurz vor dem Abschluss steht. Wenn Putin diesen Liefervertrag bei seinem China-Besuch im Mai unterzeichnet, kann er damit zeigen, dass sich die globale Macht nach Osten verschoben hat und dass er den Westen nicht mehr braucht.
Es folgen weitere Einzelheiten über das mit dem Wert des Heiligen Grals vergleichbare Gasgeschäft:
Der staatliche russische Gaskonzern Gazprom hofft, ab 2018 jährlich 38 Milliarden Kubikmeter Erdgas nach China pumpen zu können – über die erste Pipeline zwischen dem größten Erdgaslieferanten und dem größten Erdgasverbraucher der Welt.

"Die Unterzeichnung des Liefervertrags ist für Mai geplant,"sagte ein Gazprom-Sprecher, als er nach dem Termin für den Vertragsabschluss gefragt wurde. Aus einer Quelle in dem Gaskonzern selbst verlautete: "Nach den Gesetzen der Logik ist der Abschluss des Deals während Putins China-Besuch zu erwarten."
Die sich abzeichnende fatale Entwicklung, die alle außer dem Weißen Haus, das Russland weiter unter Druck zu setzen versucht, erkannt haben, lässt sich so zusammenfassen:
"Je schlechter die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen werden, desto enger werden die Beziehungen zwischen Russland und China. Wer von China unterstützt wird, kann nicht isoliert werden," sagte Vasily Kashin, der China-Experte des Centers for Analysis of Strategies and Technologies /CAST
Bingo! Wenn dann noch der bilaterale Handel (zwischen Russland und China) entweder in Rubel, Renminbi oder Gold [s. hier] abgewickelt wird und der Iran, der Irak, Indien und die Saudis dabei mitmachen, hat der Petrodollar (als Weltreservewährung) ausgespielt. Chinas größter Öllieferant ist Saudi-Arabien, und letzte Woche hat der saudische Kronprinz "zufällig" den chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping besucht, um über eine Ausweitung des Ölhandels zu sprechen [weitere Infos dazu hier].

Wie bereits früher berichtet, hat China Putins Krim-Aktivitäten unterstützt, ohne seine Beziehungen zum Westen zu gefährden: "Letzten Samstag hat sich China im UN-Sicherheitsrat bei der Abstimmung über eine Resolution, mit der das Referendum auf der Krim über der Anschluss an Russland für unzulässig erklärt werden sollte, der Stimme enthalten. Obwohl China selbst Referenden in Unruheregionen wie Tibet und Taiwan fürchten muss, hat es sich geweigert, Moskau zu kritisieren. Die Unterstützung Pekings ist für Putin lebenswichtig. Weil beide häufig die gleichen Interessen haben, ist China nicht nur als dauerhaftes Mitglied des UN-Sicherheitsrats ein wichtiger Partner für Russland, es hat auch die zweitgrößte Wirtschaft der Welt und widersetzt sich wie Russland der Ausbreitung der westlichen Demokratie."

Das beiderseitige Entgegenkommen hat sich erst gestern Abend wieder bestätigt [s. hier] Putin bedankte sich bei China artig für dessen "Verständnis im Fall Ukraine", und China hält seinen Wunsch nach besseren Beziehungen zu Russland auch nicht unter der Decke.
Der chinesische Präsident Xi Jinping hat offen gezeigt, wie sehr er gute Beziehungen zu Moskau und auch zu Putin schätzt; sein erster Auslandsbesuch nach seiner Wahl zum Staatspräsidenten im letzten Jahr führte ihn nach Russland, und an der Eröffnung der Winterolympiade in Sotschi im letzten Monat hat er auch teilgenommen. Viele westliche Staatsoberhäupter sind wegen der Kritik an der russischen Menschenrechtspolitik nicht zu der Eröffnung erschienen. Wie der Kreml mitgeteilt hat, waren sich Putin und Xi auch in einem Telefongespräch über die Ukraine, das sie am 4. März geführt haben, "ziemlich einig".
Der Knackpunkt ist aber: "Ein starkes Bündnis könnte beiden Staaten als Gegengewicht gegen die USA dienen." Dieses Bündnis wäre nur die konsequente Fortführung der gegenwärtigen Tendenzen in den bilateralen Beziehungen und würde auch gegenseitige Infrastruktur-Investitionen und militärische Kooperation einschließen:
Dank der weitsichtigen Geschäftspolitik des Rosneft-Konzerns hat China in diesem Jahr Deutschland bereits als größten Importeur russischen Erdöls abgelöst; zur Deckung des chinesischen Ölbedarfs soll neben der Eastern Siberia-Pacific Ocean Pipeline jetzt zusätzlich eine weitere Pipeline durch Kasachstan genutzt werden.

Wenn der Westen wirklich versuchen sollte, Russland durch Wirtschaftssanktionen zu isolieren – bisher wurden ja nur die Auslandskonten einiger prominenter Russen und nicht die von Konzernen gesperrt – könnten Russland und China auch auf anderen Gebieten als der Energieversorgung enger kooperieren. Vasily Kashin vom CAST meint, Russland könnte zum Beispiel die von China gewünschten Kampfjets des Typs Suchoi SU-35 liefern, über die seit 2010 verhandelt wird.

China ist sehr daran interessiert, in die Infrastruktur, die Energiegewinnung und die Warenversorgung in Russland zu investieren, und ein Rückgang der Geschäfte mit dem Westen könnte Moskau dazu veranlassen, einige seiner Vorbehalte gegen chinesische Investitionen in strategisch wichtige Industrien zu revidieren. "Wenn der Westen wirklich Wirtschaftssanktionen verhängt, könnte die Stimmung schnell zugunsten Chinas umschlagen," äußerte Brian Zimbler vom Moskauer Büro der internationalen Anwaltskanzlei Morgan Lewis.

Der Handelsumsatz zwischen Russland und China hat sich 2013 um 8,2 Prozent auf 8,1 Milliarden Dollar erhöht; trotzdem war Russland nur Chinas siebtgrößter Handelspartner und gehörte nicht zu den zehn größten Importeuren chinesischer Waren. Der größte Handelspartner Russlands ist heute noch die EU, auf die fast die Hälfte des Handelsumsatzes entfällt.
Dass Russland in die Arme Chinas, des Staates mit der weltweit größten Bevölkerung, getrieben wird, ist aber noch nicht genug; es gibt ja auch noch Indien, den Staat mit der zweitgrößten Bevölkerung
Putin nahm sich die Zeit, neben China auch noch einem anderen Land für dessen Verständnis für die Probleme mit der Ukraine und der Krim zu danken und lobte Indiens "Zurückhaltung und Objektivität".

Er rief am Dienstag auch den indischen Premierminister Manmohan Singh an, um mit ihm über die Krise auf der Krim zu sprechen und um dem traditionell blockfreien Indien für die guten Beziehungen zu danken, die es trotzdem zu Russland unterhält.

Obwohl Indien der größte Exportmarkt für US-Waffen geworden ist, bezieht es auch weiterhin wichtige militärische Ausrüstung aus Russland, und die Beziehungen zu Moskau sind trotz eines starken Rückgangs der Handelsgeschäfte wegen der strategischen Partnerschaft mit der Sowjetunion freundschaftlich geblieben.

Putins Bemühungen zur Erlangung der Kontrolle über die Krim wurden vom indischen Establishment sehr wohlwollend aufgenommen. N. Ram, der Herausgeber der Zeitung The Hindu, äußerte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: "Russland hat nur seine legitimen Interessen wahrgenommen."
Zusammenfassend ist zu sagen: Während sich die größte geopolitische Machtverschiebung seit dem Kalten Krieg durch die unvermeidliche Herausbildung der "asiatischen Achse" vollzieht, beschleunigt der Westen die Monetarisierung der Staatsschulden, schwelgen seine Börsen in einem nur auf dem Papier stehenden Reichtum eines zu einem Allzeithoch manipulierten Aktienmarktes, versuchen seine Politiker gleichzeitig wegzudiskutieren, dass eine Arbeitslosenquote von 6,5 Prozent auf eine schwächelnde Wirtschaft hindeutet und machen für alle enttäuschenden Wirtschaftsdaten das Wetter verantwortlich, und die Bevölkerung wird mit der Suche nach einem verschwundenen Flugzeug abgelenkt.



Übersetzung: Wolfgang Jung, luftpost-kl.de

Infos über die Website Zero Hedge, deren Autoren Pseudonyme benutzen, sind hier nachzulesen.


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