Freitag, 11. April 2014

Russland kündigt die Entkopplung seines Handels vom US-Dollar an

Das Netz der Seidenstraße
Bild: Wikimedia, public domain
China will die alte Seidenstraße als neue Handelsroute wiedereröffnen und damit Deutschland, Russland und China verbinden

Von Peter Koenig
Information Clearing House, 08.04.14

Russland hat gerade eine weitere Bombe platzen lassen – mit der Ankündigung, nicht nur seinen Handel vom Dollar abzukoppeln, sondern auch den Verkauf seines Erdöls und Erdgases in Zukunft nur noch in Rubel oder der Währung des jeweiligen Handelspartners abzuwickeln; das hat die Stimme Russlands berichtet. (Der Artikel ist hier in deutscher Sprache nachzulesen.)

Die Erdgas- und Erdölverkäufe Russlands summieren sich auf rund eine Billion Dollar pro Jahr. Auch andere BRICS-Staaten und mit ihnen assoziierte Länder könnten sich (dem Beispiel Russlands) anschließen und dem Petrodollar als Zahlungsmittel für Öl und Gas den Rücken kehren. Dadurch würde die Nachfrage nach Dollars um einen zweistelligen Billionenbetrag pro Jahr absinken, was schwerwiegende Auswirkungen auf die US-Wirtschaft hätte. Zum Vergleich: Nach im Dezember 2013 erhobenen Zahlen betrug der Bruttoinlandsprodukt / BIP der USA im Jahr 2013 rund 17 Billionen Dollar.

Bild: Wikimedia, gemeinfrei
Außerdem hat der iranische (nicht der russische, wie in dem Artikel angegeben) Fernsehsender Press TV heute (auf seiner Website) gemeldet, China werde die alte Seidenstraße als neue Handelsroute wiederbeleben, um Deutschland, Russland und China miteinander zu verbinden; entlang dieser Route sollen sich in Zentralasien und im Westen Chinas neue Märkte entwickeln und der ganzen Region wirtschaftliche und politische Stabilität bringen. Die erste neue Entwicklungszone könnte in Lanzhou in der Provinz Ganzu, einer der ärmsten im Nordwesten Chinas, entstehen. (Diese Meldung, aus der nachfolgend zitiert wird, ist hier aufzurufen.)
"Während seines Besuchs in Duisburg machte der chinesische Präsident Xi Jinping einen meisterlichen Schachzug der Wirtschaftsdiplomatie, mit dem er die Bemühungen der Neokonservativen in Washington, eine neue Konfrontation zwischen der NATO und Russland herbeizuführen, konterte.

Die Rolle nutzend, die Duisburg als größter Binnenhafen der Welt, als historisches europäisches Transportzentrum und als Zentrum der deutschen Stahlindustrie an der Ruhr spielt, bot er Deutschland an, beim Bau einer "Seidenstraße der Wirtschaft", die China mit Europa verbinden soll, eng mit China zu kooperieren und sich am Ankurbeln der Wirtschaftsentwicklung in Eurasien zu beteiligen."
Seltsamerweise haben die westlichen Medien beide Ereignisse bisher vollkommen ignoriert. Es scheint so, als wollten sie das von Lügen und Arroganz geprägte Trugbild von der Stärke der westlichen Wirtschaft noch möglichst lange bewahren.

Silberner Rubel, 1898
Bild: Wikimedia, public domain
Deutschland, der wirtschaftliche Motor Europas – die viertgrößte Wirtschaft der Welt mit einem BIP von 3,6 Billionen Dollar – würde als westlicher Endpunkt der neuen Handelsroute wie ein riesigen Magnet wirken und auch die anderen europäischen Handelspartner Deutschlands zur Nutzung der neuen Seidenstraße animieren. Für Russland und China wäre die neue Handelsachse ein großer Gewinn, weil sie beiden auch Sicherheit und Stabilität brächte – für Washington wäre sie allerdings ein nicht zu kompensierender Verlust.

Wenn sich die BRICS-Staaten auf eine neue Gemeinschaftswährung verständigen, die auf einem Korb nationaler Währungen aufgebaut ist, und im internationalen Handel und als neue Reservewährung genutzt werden kann, würde damit gleichzeitig der durch die hohe Verschuldung der USA fast wertlos gewordene Dollar abgelöst, was ein Segen für die ganze Welt wäre.

Zusammen mit der neuen Währung der BRICS-Staaten und der mit ihnen assoziierten Länder wird auch ein neues internationales Zahlungsabwicklungssystem entstehen, das den SWIFT- und IBAN-Geldverkehr ersetzen und damit auch die Hegemonie der berüchtigten, die Währungen und den Goldpreis manipulierenden schweizerischen privaten Bank for International Settlements / BIS in Basel, die oft als Zentralbank der Zentralbanken bezeichnet wird, brechen würde).
Bild: Wikimedia, gemeinfrei

Die BIS, eine in Privatbesitz befindliche, profitorientierte Institution, wurde Anfang der 1930er Jahre während der Weltwirtschaftskrise, der größten Rezession des 20. Jahrhunderts, gegründet. Ihre einzige Aufgabe besteht darin, zusammen mit der ebenfalls in Privatbesitz befindlichen Fed und den Wall Street Banksters das Geldsystem der Welt zu kontrollieren; sie ist der Garant des privaten, unregulierten Kapitalbesitzes.

Es ist bekannt, dass die BIS jährlich mindestens ein halbes Dutzend Geheimtreffen für die Finanzelite der Welt abhält, bei denen über das Schicksal ganzer Staaten und ihrer Bevölkerungen entschieden wird. Ihre Entmachtung wäre ein weiterer Großgewinn für die Welt.

Wenn durch die neue Handelsstraße ein neues Geldsystem entsteht, dem sich auch andere Staaten anschließen können, die sich bisher noch in den Klauen der US-Abhängigkeit befinden, würden Washingtons vom militärisch-industrieller Komplex dominierte Wirtschaft und seine NATO-Tötungsmaschine fortschreitend isoliert.

Durch diese ökonomische Neuorientierung könnte das US-Imperium ohne jedes Blutvergießen in die Knie gezwungen werden. Eine Ära neuer Hoffnung auf Gerechtigkeit, auf mehr Gleichheit und auf die Wiedergeburt souveräner Staaten könnte anbrechen und aus dem Dunkel ins Licht führen.



Peter Koenig ist Wirtschaftswissenschaftler und hat früher für die Weltbank gearbeitet. Er beschäftigt sich intensiv mit Umweltproblemen und der Trinkwasserversorgung der ganzen Welt.

Übersetzung: Wolfgang Jung, luftpost-kl.de

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