Dienstag, 20. Mai 2014

Schädlich für die Wirtschaft wenn Schüler über die Rolle des Menschen bei der Klimaföränderung unterrichtet werden

Mowitz
Im Land des Wall Street Kapitalismus ist im Augenblick die große Schlacht zwischen Bildung und Mammon entbrannt. Der neue nationale Lehrplan für naturwissenschaftliche Fächer der Grundschule besagt nämlich, dass Lehrer auch die Rolle des Menschen beim Klimawandel im Unterricht zu thematisieren haben.

Etliche Teilstaaten der USA setzen alles daran, um genau das nicht zu tun. Wyoming beispielsweise weigert sich mit dem fadenscheinigen Hinweis, es wäre schädlich für die Wirtschaft des Teilstaates, wenn Schüler lernten, fossile Emissionen beeinflussten die globale Erwärmung des Planeten.

Dass gerade Wyoming den Widerstand gegen den national verordneten Lehrplan anführt, ist nicht dem Genossen Zufall zuzuschreiben, sondern hat damit zu tun, dass Wyoming sehr abhängig von seiner Kohle- und Ölproduktion ist, was auch die hohe Zahl der Klimaleugner in Wyoming erklärt, die sich schwer damit tun die Erkenntnisse einer breiten Forschermehrheit zu akzeptieren, die besagt, dass Emissionen aus fossilen Brennstoffen durchaus Teil der globalen Erwärmung sind.

Sowohl der republikanisch kontrollierte Kongress, führende Wirtschaftsführer, sowie viele s.g. normale Bürger in Wyoming sind der Auffassung, dass die wissenschaftliche Erkenntnis, Menschen könnten das Klima beeinflussen, pure "linke" Propaganda ist. (Was immer in den USA mit "links" gemeint sein kann.)

Gegen ihr Argument, dass Wyomings Wirtschaft Schaden erleiden würde, wenn in den Schulen gelehrt wird, dass der Mensch mit dazu beiträgt die Klimakatastrophe zu beschleunigen, ist prinzipiell eigentlich nicht viel einzuwenden. Aber man muss natürlich einen Schritt weitergehen und den Schülern erklären warum es so ist. Und nicht nur den Schülern. Auch die überwältigende Mehrheit der Erwachsenen hat nicht nur in Wyoming, sondern auch in Deutschland und überall auf der Welt einen immensen Nachholbedarf um den Zusammenhang zu verinnerlichen, der zwischen Überkonsumtion, der in unserem Teil der Welt herrscht, und der weltumfassenden Umweltzerstörung, die bereits globale Ausmaße erreicht hat, besteht. Die immer wieder weltweit erhobenen Parolen von Kapitalismus-Propagandisten nach stetem und immer mehr Wachstum, ist eine überlebensnotwendige Botschaft - und zwar nur für das System Kapitalismus. An dessen Ende der Untergang sowohl des Menschen als auch des Kapitalismus steht. Der Mensch braucht diese Form des perversen Müll-Wachstums zum Überleben nicht.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Trotzdem Wyomings Lehrer die Auffassung teilen, dass die Rolle des Menschen beim Klimawandel Teil des Unterrichtes sein muss und seine Politiker aufgefordert hatte den neuen nationalen Lehrplan einzuführen, lehnten die Politiker Wyomings die Einführung des neuen Lehrplans ab.

Der Vorsitzende der staatlichen Schulbehörde sagte der New York Times, dass er sich eventuell Lektionen denken könnte die sich damit beschäftigten wieviel es kosten würde zu versuchen die globale Erwärmung, an die er selbst nicht glaubt, zu verlangsamen. Mehr nicht.

Ein weiteres Argument gegen den Lehrplan das in den Ring geworfen wurde, ist, dass es allein die Eltern sind, und niemand sonst, die entscheiden sollten, was ihre Kinder lernen sollen.

Es ist das gleiche Argument das in den USA angewandt wird, wenn es um die Evolution geht. Da gibts ja auch die prominente Verschwörungstheorie Schulen sollten nur lehren, dass es Gott war, der die Welt erschaffen hat, und die Evolution nicht erwähnen.

Bisher haben elf Staaten in den USA den neuen Lehrplan eingeführt, aber viele noch nicht. Und die Diskussionen gehen in die gleiche Richtung wie in Wyoming. Unter anderem in Oklahoma, South Carolina und Kentucky.

Und Frau Merkel lässt die EU das TTIP-Freihandelsabkommen mit den USA geheim verhandeln. Warum? Weil Geheim-Verhandlungen, laut Merkel, bessere Ergebnisse bringen. Nach dem Abschluss eines TTIP-Freihandelsabkommen ist die Diktatur des privaten Kapitals über den Menschen juristisch/finanziell ein für allemal abgesichert und der Bürger funktioniert dann nur noch als Untertan privater Kapitalisten.

Das hier angeführte Beispiel eines neuen Lehrplans in Grundschulen, der außerdem noch auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aufbaut, würde dem internationalen Großkapital die Möglichkeit geben Staaten, also uns Steuerzahler, wegen "entgangener Gewinne" vor außergerichtlichen Tribunalen auf Schadenersatz in Milliardenhöhe zu verklagen.

Schon heute verklagt Vattenfall vor einem geheimen Tribunal die Bundesrepublik Deutschland auf 4 Mrd. Euro Entschädigung wegen des Atomausstiegs; andere Unternehmen belangen Ägypten wegen der Einführung eines Mindestlohns und Kanada wegen eines Moratoriums gegen die umstrittene Schiefergasförderung (Fracking).

Mit Material von SR und Kontext.TV

FH

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