Mittwoch, 25. Juni 2014

Inszenierte Zerstörung und politische Zersplitterung des Iraks: Die USA sponsern die Schaffung eines islamistischen Kalifats

Von Prof. Michel Chossudovsky
Global Research, 14.06.14
Der Chor der westlichen Medien beschreibt den sich entwickelnden Konflikt im Irak als einen "Bürgerkrieg" zwischen der Terroristengruppe Islamic State of Iraq and al-Sham (s. hier) und den Streitkräften der Al-Maliki-Regierung.

[Die Gruppe Islamic State of Iraq and al-Sham nennt sich auch Islamic State of Iraq and the Levant / ISIL oder Islamic State of Iraq and Syria / ISIS.]

Die Auseinandersetzung wird als "Konfessionskrieg" zwischen radikalen Sunniten und Schiiten beschrieben, wobei nicht untersucht wird, "wer hinter den verschiedenen Lagern steckt". In Wirklichkeit beruht der Konflikt aber auf einem sorgfältig inszenierten Plan des Militärs und der Geheimdienste der USA.

Es ist bekannt und dokumentiert, dass die USA und die NATO seit dem Krieg gegen die Rote Armee in Afghanistan aus der (damals entstandenen) Al-Qaida hervorgegangene Gruppierungen in zahlreichen Konflikten als "von Geheimdiensten gelenkte Hilfstruppen" eingesetzt haben und immer noch einsetzen (s.
dazu hier). In Syrien sind es die Terroristen der Al-Nusra und des ISIS, die als Fußsoldaten der westlichen Militärallianz unter deren Kontrolle rekrutiert und zu paramilitärischen Kämpfern ausgebildet wurden. (Weitere Infos dazu hier und hier.)

Der Al-Qaida-Ableger Islamic State of Iraq / ISI legte sich im April 2013 den neuen Namen Islamic State of Iraq and Syria / ISIS zu. Die Bildung einer Terroristengruppe, die sowohl im Irak als auch in Syrien agiert, wurde mit geopolitischer Zielsetzung vom US-Geheimdienst eingefädelt. Der ISIS entstand wegen der Erfolge der syrischen Regierungstruppen gegen die von den USA gesponserten Aufständischen in Syrien, die sich aus der so genannten Freien Syrischen Armee / FSA und verschiedenen "oppositionellen Terrorbrigaden" zusammensetzen.

Die Entscheidung (zur Bildung des ISIS) wurde in Washington getroffen, weil dadurch die verdeckte Unterstützung der in Syrien und im Irak operierenden Terroristen über logistische Basen in beiden Ländern besser koordiniert werden konnte. Das vom ISIS verfolgte Projekt eines sunnitischen Kalifates kommt der seit Langem bestehenden Absicht der USA entgegen, den Irak und Syrien in drei Einzelstaaten aufzuspalten: ein sunnitisches islamistisches Kalifat, eine schiitische arabische Republik und eine Republik Kurdistan.

Die USA versorgen ihre Marionettenregierung in Bagdad mit modernen Waffensystemen, zum Beispiel mit F-16-Kampflugzeugen von Lockheed Martin, aber auch der ISIS, der die irakische Regierung bekämpft, wird von westlichen Geheimdiensten verdeckt mit Waffen beliefert. Damit soll ein Bürgerkrieg im Irak entfesselt werden, in dem beide Seiten indirekt von den USA und der NATO kontrolliert werden.

Das Szenario sieht vor, beide Seiten mit fortschrittlichen Waffensystemen auszurüsten und sie damit "gegeneinander kämpfen zu lassen".

Die USA und die NATO sind an der Rekrutierung, Ausbildung und Finanzierung der ISIS-Todesschwadronen im Irak und in Syrien beteiligt. Der ISIS wird über indirekte Kanäle von westlichen Geheimdiensten dirigiert. Außerdem wissen wir aus Berichten über die syrischen Aufständischen, dass westliche Spezialkräfte und Söldner in den ISIS integriert sind.

Die Unterstützung des ISIS durch die USA und die NATO erfolgt auch verdeckt über treue US-Verbündete wie Katar und Saudi-Arabien. Im Londoner Daily Express war zu lesen: "Er (der ISIS) wird von Katar und Saudi-Arabien mit Geld und Waffen versorgt."
"... durch Verbündete wie Saudi-Arabien und Katar hat der Westen Al-Qaida nahestehende militante Rebellengruppen unterstützt, die sich zum ISIS zusammengeschlossenen haben [Daily Telegraph, 12. Juni 2014,]
Die Medien haben zwar berichtet, dass die Regierung des Premierministers Nuri al-Maliki Saudi-Arabien und Katar beschuldigt hat, den ISIS zu unterstützen, verschwiegen aber, dass sowohl Doha als auch Riad im Auftrag und in enger Abstimmung mit Washington handeln.

Der angebliche Bürgerkrieg (im Irak) ist in Wirklichkeit ein verdeckt geführter Angriffskrieg (der USA und der NATO), mit dem der Irak und seine Institutionen zerschlagen und seine Wirtschaft zerstört werden sollen. Die verdeckte Operation folgt einem geheimdienstlichen Plan, der den Irak in ein (für die Zerstückelung) offenes Territorium verwandeln soll.

Gleichzeitig wird der Weltöffentlichkeit der Eindruck vermittelt, es handle sich lediglich um eine Konfrontation zwischen Schiiten und Sunniten.

Die (gescheiterte) Besetzung des Iraks durch das US-Militär wurde durch einen verdeckt geführten unkonventionellen Krieg ersetzt. In bitterer Ironie wird die Realität so verdreht, dass sich der Aggressor USA als Retter eines "souveränen irakischen Staates" aufspielen kann.

Der interne "Bürgerkrieg" zwischen Schiiten und Sunniten wird dadurch immer wieder neu entfacht, dass die USA und die NATO sowohl die Al-Maliki-Regierung als auch die sunnitischen ISIS-Rebellen unterstützen.

Die Aufsplitterung des Iraks entlang interner konfessioneller (und ethnischer) Trennungslinien ist ein seit langer Zeit angestrebtes Ziel der USA und ihrer Verbündeten. [s. dazu auch die Karte des künftigen Mittleren Ostens]

"Unterstützung für beide Seiten"

Der "Krieg gegen den Terrorismus" besteht darin, dass die US-Administration durch von ihren Geheimdiensten instrumentalisierte, der Al-Qaida nahestehende Gruppierungen terroristische Aktivitäten anzetteln lässt und dann den Regierungen der terrorisierten Staaten Unterstützung anbietet. Das Angebot wird als Hilfe bei der Terrorbekämpfung verkauft, soll aber nur einen Vorwand für US-Interventionen schaffen.

Der ISIS ist ein Projekt zur Schaffung eines sunnitischen islamistischen Kalifates. Dabei handelt es sich nicht um ein Projekt der sunnitischen Bevölkerung des Iraks, die überwiegend eine weltlich eingestellte Regierung vorzieht. Das Kalifat-Projekt ist Teil eines Planes der US-Geheimdienste.

Als Reaktion auf den Vormarsch der ISIS-Rebellen zieht Washington zur (angeblichen) Unterstützung der Regierung in Bagdad bei der Bekämpfung der Terroristen eigene Angriffe mit Kampfflugzeugen und Drohnen in Betracht. Man tut so, als wolle man unter der Fahne der Terrorbekämpfung etwas Gutes tun, natürlich ohne zuzugeben, dass diese Terroristen "Fußsoldaten" der westlichen Militärallianz sind.

Selbstverständlich tragen diese Entwicklungen nicht nur zur Destabilisierung des Iraks bei, sie schwächen auch den Widerstand der irakischen Bevölkerung (gegen die Zerschlagung ihres Staates), die das Hauptziel der USA und der NATO ist.

Die Schaffung eines islamistischen Kalifates wird nicht nur von der CIA, sondern ebenso von den Geheimdiensten Saudi- Arabiens, Katars und der Türkei gefördert. Auch Israel unterstützt von den Golanhöhen aus nicht nur die der Al-Qaida nahestehenden Rebellen in Syrien, sondern ebenfalls die kurdischen Separatisten in Syrien und im Irak.

Der gesamte "Global War on Terrorism / GWOT" folgt einer konsequenten teuflischen Logik: Beide Seiten – die Terroristen und die (attackierten) Regierungen – werden jeweils vom Militär und/oder von den Geheimdiensten der USA und der NATO unterstützt.

Dieses Muster der "Unterstützung beider Seiten" beschreibt nicht nur die gegenwärtige Situation im Irak, die Inszenierung solcher konfessioneller (oder ethnischer) Konflikte fand und findet immer wieder in zahlreichen Ländern statt. Im Auftrag westlicher Geheimdienste von Al-Qaida nahestehenden Rebellen angezettelte Aufstände gab und gibt es im Jemen, in Libyen, Nigeria, Somalia, Mali, in der Zentralafrikanischen Republik und in Pakistan. Dabei geht es immer darum, souveräne Nationalstaaten zu destabilisieren und in so genannte "offene Territorien" zu verwandeln, die vor allem offen für ausländische Investoren sind.

Den Vorwand für "humanitäre Interventionen" – zum Beispiel in Mali, Nigeria oder in der Zentralafrikanischen Republik – liefert immer "die Existenz terroristischer Kräfte". Diese terroristischen Kräfte würde es aber ohne die Einmischung der USA und der NATO überhaupt nicht geben.

Die Eroberung der Stadt Mossul: Verdeckte Unterstützung der USA und der NATO für den Islamic State of Iraq and Syria / ISIS

In Mossul ist etwas Seltsames passiert, das aus rein militärischer Sicht nicht zu erklären ist.

Nach Presseberichten haben am 10. Juni aufständische Kräfte des Islamic State of Iraq and Syria / ISIS ganz Mossul, die zweitgrößte Stadt des Iraks mit einer Bevölkerung von mehr als einer Million Menschen, erobert. Für die Obama Regierung kam diese Entwicklung angeblich "unerwartet"; in Wirklichkeit war sie dem Pentagon und den US-Geheimdiensten nicht nur bekannt, sie haben den ISIS-Rebellen sogar Waffen, Logistik und finanzielle Unterstützung zur Verfügung gestellt und hinter den Kulissen den ISIS-Angriff auf die Stadt Mossul koordiniert.

Der ISIS ist im Vergleich mit anderen Al-Qaida-Ablegern zwar eine gut ausgerüstete und disziplinierte Rebellenarmee, "die Eroberung Mossuls" beruht aber nicht auf seinen militärischen Fähigkeiten. Die irakischen Streitkräfte, die zahlenmäßig und mit ihren fortschrittlichen Waffensystemen den Rebellen weit überlegen sind, hätten diese leicht in die Flucht schlagen können.

Nach Berichten standen den 30.000 Regierungssoldaten in Mossul nur 1000 ISIS-Rebellen gegenüber. Trotzdem zog es die irakische Armee vor, sich nicht zur Wehr zu setzen. In den Medien wurde ohne Nachweis berichtet, die Entscheidung der irakischen Streitkräfte, nicht zu kämpfen, sei notwendig gewesen, weil ihre Soldaten massenhaft desertiert seien.
Von irakischen Offiziellen erfuhr der Guardian, dass zwei irakische Divisionen mit rund 30.000 Soldaten vor nur 800 (ISIS-)Kämpfern geflohen seien. Die Isis-Extremisten bewegten sich am Mittwoch ungehindert in den Straßen Mossuls und waren offensichtlich überrascht, wie leicht sie nach dreitägigen sporadischen Kämpfen die zweitgrößte Stadt des Iraks einnehmen konnten [The Guardian, 12. Juni 2014.]
In den Berichten wird auch vermutet, dass die angeblich überwiegend sunnitischen irakischen Militärkommandeure mit den sunnitischen ISIS-Rebellen sympathisieren.
In der kurdischen Stadt Erbil beschuldigten Deserteure ihre Offiziere der Feigheit und des Verrats und behaupteten, ihre Generäle hätten die Stadt Mossul den sunnitischen Aufständischen kampflos "übergeben", weil sie sich durch ihren Glauben und die Geschichte mit ihnen verbunden fühlten. [Daily Telegraph, 13. Juni 2014,]
Diese Behauptung ist irreführend. Die höheren Kommandeure (der irakischen Streitkräfte) sind größtenteils schiitische Hardliner. Zu den massenhaften Desertionen kam es, weil die Kommandostruktur zusammenbrach, da die höheren Offiziere die Stadt Mossul bereits verlassen hatten.

Es ist wichtig, zu bedenken, dass beide Seiten – die regulären irakischen Streitkräfte und die ISIS-Rebellenarmee – von den USA und der NATO unterstützt werden. Die irakischen Streitkräfte in Mossul wurden von Beratern aus den US-Spezialkräften und von Mitarbeitern privater Sicherheitsfirmen unterstützt. Auch in den Reihen der ISIS-Rebellen gibt es solche Berater und Söldner, die im Auftrag der CIA oder des Pentagons agieren und über Satellitentelefone mit den USA und der NATO in Verbindung stehen.

Unter diesen Umständen und weil die CIA auf beiden Seiten mitmischt, gab es sicher routinemäßige Absprachen zur Koordinierung der Logistik und der Aktivitäten zwischen militärischen und geheimdienstlichen Kommandozentren der USA und der NATO, den offiziellen Beratern bei den irakischen Streitkräften und den verdeckten Beratern bei den ISIS-
Brigaden. Vermutlich wurden westliche Spezialkräfte an private Sicherheitsfirmen ausgeliehen und von denen im Auftrag der USA und der NATO in die ISIS-Armee eingeschleust.

Wenn das berücksichtigt wird, erscheint die Eroberung Mossuls als eine Operation, die sorgfältig und lange im Voraus geplant wurde. Deshalb gab es auch nur einige Scharmützel und keine größeren Kämpfe.

Zwei komplette Divisionen der regulären irakischen Armee, die von US-Militärberatern an modernen Waffensystemen ausgebildet wurden, hätten die ISIS-Rebellen leicht zurückschlagen können. Es wurde berichtet, ihre Kommandeure hätten ihnen aber befohlen, nicht zu intervenieren. Nach Zeugenaussagen "wurde kein einziger Schuss abgefeuert
Die irakischen Soldaten, die in Mossul stationiert waren, sind geflohen – viele von ihnen haben ihre Uniformen ausgezogen und ihre Posten verlassen, als die Isis-Rebellen in der Stadt ausschwärmten.

Die Kämpfer des Islamic State of Iraq and Syria / ISIS, eines Al-Qaida-Ablegers, überfluteten über Nacht das komplette Westufer der Stadt, weil die irakischen Soldaten und Polizisten offensichtlich aus ihren Stützpunkten geflohen waren; auf der Flucht vor den vorrückenden Rebellen haben einige ihre Uniformen weggeworfen. [s. hier.]
Wie kann eine Truppe von knapp eintausend ISIS-Rebellen eine Stadt mit mehr als einer Million Einwohnern einnehmen? Wenn sie nicht im Voraus gewusst hätten, dass die 30.000 von US-Ausbildern kontrollierten irakischen Soldaten nicht schießen würden, wäre Mossul nicht in die Hände der Rebellen gefallen, weil diese schon vorher stark dezimiert worden wären.

Wer hat die Entscheidung getroffen, den ISIS-Terroristen Mossul kampflos zu überlassen? Wer hat ihnen "grünes Licht" gegeben?

Haben die höheren irakischen Kommandeure von ihren westlichen Militärberatern den Auftrag erhalten, den ISIS-Terroristen die Stadt zu übergeben? Waren sie vorher eingeweiht worden?

War die kampflose Übergabe der Stadt Mossul an den ISIS etwa Teil eines Planes der US-Geheimdienste?

Wurden die irakischen Militärkommandeure manipuliert oder dafür bezahlt, dass sie die die Stadt "ohne einen einzigen Schuss" in die Hände der ISIS-Rebellen fallen ließen?

Der schiitische General Mehdi Sabih al-Gharawi, der die in Mossul stationierten Divisionen befehligte, "hatte die Stadt verlassen". Al-Gharawi hat vorher Hand in Hand mit dem US-Militär gearbeitet. Im September 2011 hat er den Befehl über die Garnison Mossul von dem US-Oberst Scott McKean übernommen. War er eingeweiht und von seinen US-Partnern beauftragt worden, seine Kommandantur zu verlassen?

Die US-Berater könnten eingegriffen haben, weil sie den Auftrag hatten, es nicht zum Kampf kommen zu lassen. Das geschah vermutlich im Rahmen des Plans, den Vormarsch der ISIS-Rebellen und die Errichtung eines ISIS-Kalifates zu erleichtern.

Die ganze Operation scheint sorgfältig inszeniert worden zu sein.

In Mossul stehen Regierungsgebäude, Polizeireviere, Schulen, Krankenhäuser und andere wichtige Gebäude jetzt offiziell unter der Kontrolle des ISIS. Der ISIS hat auch die Hubschrauber und Panzer übernommen, die von der irakischen Armee zurückgelassen wurden.

Damit zeichnet sich die baldige Entmachtung der Regierung in Bagdad und die Errichtung eines islamistischen ISIS-Kalifates ab. Inzwischen hat auch die kurdische Region im Norden de facto ihre Unabhängigkeit von Bagdad erklärt. Kurdische Peschmerga-Milizen, die von Israel unterstützt werden, haben die Kontrolle über die Städte Arbil und Kirkuk übernommen. (s. hier)

Aktualisierung[am 17. Juni 2014]

Nach der Niederschrift dieses Artikels sind neue Informationen über die zentrale Rolle aufgetaucht, die Vertreter der sunnitischen Stämme sowie Teile der ehemaligen Baath-Partei und Militärs, die ihr angehörten, bei der Übernahme der Kontrolle über Mossul und andere Städte gespielt haben. Mossul wird jetzt von mehreren sunnitischen Oppositionsgruppen gemeinsam mit dem ISIS kontrolliert.

Obwohl diese oppositionellen Kräfte, die einen wichtigen Bestandteil der Widerstandsbewegung gegen die Al-Maliki- Regierung bilden, den ISIS ablehnen, sind sie ein "De-Facto-Bündnis" mit ihm eingegangen.

Die Tatsache, dass die USA den ISIS steuern, scheint den Stammesrat nicht zu stören:
Scheich Zaydan Al Jabiri, der Führer des politischen Flügels des Revolutionären Stammesrates (s. hier), hat Sky News mitgeteilt, seine Organisation halte die ISIS-Rebellen für gefährliche Terroristen, könne sie aber in Schach halten.

"An der erfolgreichen Revolution, die in Mossul stattgefunden hat, waren zwar auch Dschihadisten beteiligt, wir wollen aber das ganze irakische Volk einbeziehen; die Revolution wurde hauptsächlich von den sunnitischen Stämmen und einigen Baathisten gemacht, also ganz sicher nicht nur vom ISIS," erklärte er.

Jabiri [der in der jordanischen Hauptstadt Amman im Exil lebt] ... drohte aber auch damit, dass die sunnitischen Stämme ohne westliche Hilfe gezwungen sein könnten, den gemeinsamen Feind – die von Schiiten dominierte irakische Regierung – gemeinsam mit dem ISIS zu bekämpfen. (Sky News, s. hier)
Warum fordert ein im Exil lebender Führer der irakischen Widerstandsbewegung, "westliche Hilfe" von Aggressorstaaten? Nach der obigen Erklärung könnte man den Eindruck haben, auch der Revolutionäre Stammesrat sei gekauft und/oder unterwandert.

Es ist eine bittere Ironie, dass bestimmte Teile der sunnitischen Widerstandsbewegung die USA und die NATO nicht mehr zu den Aggressoren zählen, obwohl beide sowohl Maliki als auch die ISIS-Terroristen unterstützen.

Bisher hat die sunnitische Widerstandsbewegung neben den USA auch den Iran als Aggressor angesehen, weil er der Al-Maliki-Regierung militärische Hilfe zum Beispiel durch Spezialkräfte zukommen lässt.

Andererseits scheint Washington nach Möglichkeiten zu suchen, den Iran durch die Beteiligung an der Bekämpfung der ISIS-Terroristen in den Konflikt hineinzuziehen. Am 16. Juni haben während der Gespräche in Wien Vertreter der USA und des Irans erklärt, man wolle "zusammenarbeiten, um das Vordringen des ISIS zu stoppen; das Weiße Haus betonte allerdings, dass es dabei nicht um die Koordination militärischer Maßnahmen gehe". [Wall Street Journal, 16. Juni 2014.]

Der Chor der US-Medien applaudiert: "Die USA und der Iran haben ein gemeinsames Interesse daran, den Vormarsch des Islamic State of Iraq and the Levant / ISIS aufzuhalten.
[Christian Science Monitor, 13. Juni 2014] Weil wir wissen, dass der ISIS ein Geschöpf der US-Geheimdienste ist, das von der westlichen Militärallianz finanziert und von westlichen Spezialkräften dirigiert wird, ist das eine absurde Behauptung.

Soll damit der Regionalkonflikt auf den Iran ausgeweitet werden?

Teheran benutzt den ISIS als Vorwand und als eine "Gelegenheit", um im Irak eingreifen zu können: Der iranische Geheimdienst weiß aber sehr wohl, dass der ISIS eine von der CIA kontrollierte terroristische Vereinigung ist.

Schlussbemerkungen

Vor dem (völkerrechtswidrigen) Überfall auf den Irak im Jahr 2003 gab es dort überhaupt keine Al-Qaida-Terroristen. Auch in Syrien war Al-Qaida bis zu dem von den USA, der NATO und Israel inszenierten "Volksaufstand" im März 2011 nicht präsent.

Der ISIS ist keine eigenständige Organisation. Er ist ein Geschöpf der US-Geheimdienste und wird als deren Instrument zur verdeckten Kriegsführung eingesetzt.

Das eigentliche Ziel dieses von den USA und der NATO inszenierten Konflikts zwischen der Al-Maliki-Regierung und den ISIS-Rebellen ist die Destabilisierung und Zerschlagung des irakischen Nationalstaates. Dieser Prozess ist Teil einer von Geheimdiensten gesteuerten Operation, durch die Staaten in (frei verfügbare) Territorien verwandelt werden sollen. Die Zerschlagung des Iraks entlang konfessioneller (und ethnischer) Trennlinien ist ein langfristig angelegter fester Bestandteil der Politik der USA und ihrer Verbündeten.

Der ISIS soll mit seinem Kalifat-Projekt einen sunnitischen islamistischen Staat schaffen. Dabei handelt es sich nicht um ein Projekt der sunnitischen Bevölkerung des Iraks – die zog schon immer eine weltlich ausgerichtete Regierungsform vor. Das Kalifat-Projekt wurde in den USA entwickelt. Die Fortschritte der ISIS-Rebellen sind gewollt; sie sollen in der sunnitischen Bevölkerung breiten Widerstand gegen die Al-Maliki-Regierung wecken.

Mit der verdeckten Unterstützung des ISIS will Washington sein eigenes Marionettenregime in Bagdad stürzen. Dabei geht es weder um einen "Regimewechsel" noch um die "Ersetzung" des Al-Maliki-Regimes.

Es geht nur um die Aufspaltung des Iraks entlang konfessioneller und ethnischen Trennungslinien, die auf Reißbrettern im Pentagons seit mehr als 10 Jahren geplant wird.

Washington beabsichtigt den Sturz des Bagdader Regimes und die Auflösung aller Institutionen der Zentralregierung; anschließenden soll eine politische Aufsplitterung erfolgen und der einheitliche Nationalstaat Irak von der Landkarte getilgt werden.

Dieser Prozess der politischen Zerschlagung des Iraks entlang konfessioneller (und ethnischer) Trennungslinien wird sich zwangsläufig auch auf Syrien auswirken, obwohl die von den USA und der NATO gesponserten Terroristen in weiten Teilen des Landes besiegtwurden.

Trotzdem ist die Destabilisierung und politische Aufsplitterung Syriens immer noch beabsichtigt: Washington begnügt sich jetzt nicht mehr mit einem "Regimewechsel" in Damaskus. Auch Syrien soll wie der Irak entlang konfessioneller (und ethnischer) Trennungslinien aufgespalten werden.

Die Bildung eines Kalifates könnte der erste Schritt zur Ausweitung des Konfliktes auf den ganzen Mittleren Osten sein; man bedenke auch, dass der Iran die AL-Maliki-Regierung unterstützt und von den USA in den Konflikt hineingezogen werden soll.

Die vorgesehene Aufteilung des Iraks und Syriens erinnert an die Aufspaltung Jugoslawiens in die sieben "unabhängigen Staaten" Serbien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien (FYRM. s. hier), Slowenien, Montenegro und den Kosovo.

Auch Mahdi Darius Nazemroaya glaubt, die Aufspaltung des Iraks in drei selbständige Teilstaaten sei nur der Beginn eines Prozesses, nach dessen Ende die Karte des Mittleren Ostens völlig neu gezeichnet werden muss.

Die bereits abgedruckte Karte wurde von US-Oberstleutnant Ralph Peters entworfen und im Juni 2006 im Armed Forces Journal veröffentlicht. Pensionär Peters, der Lehrer an der U.S. National War Academy war, hat das Copyright dafür. Obwohl diese Karte die Pentagondoktrin nicht offiziell widerspiegelt, wurde sie in einem Ausbildungsprogramm für höhere Offiziere am NATO Defense College verwendet. [s. dazu auch den Artikel "Pläne für eine Neugestaltung des Mittleren Ostens: Das Projekt für einen Neuen Mittleren Osten" von Mahdi Darius Nazemroaya, Global Research, November 2006, aufzurufen unter http://www.globalresearch.ca/plans-for-redrawing-the-middle-east-the-project-for-a-new-middleeast/3882]

Übersetzung: Wolfgang Jung, luftpost-kl.de

Hinweis von Gegenmeinung:

Seit Ende Juni 2014 nennt sich die Organisation ISIS, (Islamischer Staat im Irak und Syrien), nur noch Islamischer Staat, (IS).

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