Samstag, 20. September 2014

Privatisierung des Krieges: Billig, klaglos, leise - Kriegsprofite Haupteinnahme der US-Konzerne?

"Statt Soldaten wollen die USA diesmal zivile Söldner in den Irak schicken

Von Seth Robson
STARS AND STRIPES, 07.09.14

Die US-Regierung will nicht noch einmal US-Kampftruppen in den Irak schicken, sondern "Contractors" (Auftragnehmer, also Söldner) anheuern, die bereit sind, das irakische Verteidigungsministerium und die Dienste zur Terrorbekämpfung bei verschiedenen Aufgaben – zum Beispiel bei der Entwicklung der Streitkräfte, bei der Logistik, bei der Planung und bei Operationen – zu beraten. Das U.S. Army Contracting Command (das von der nachgeordneten 409th Contracting Support Brigade Kaiserslautern wohl auch Söldner in der Bundesrepublik Deutschland anwerben lässt, s. hier) sucht seit letzter Woche per Anzeige "Contractors" für zunächst 12 Monate, die bereit sind, "am Abbau von Spannungen zwischen Arabern und Kurden und zwischen Sunniten und Schiiten (im Irak) mitzuarbeiten".

Aus der Anzeige geht hervor, dass die "Contractors" in der Verwaltung, bei der Entwicklung der Streitkräfte, bei der Auftragsvergabe und Beschaffung, beim Abschluss von Verträgen, bei der Organisation der militärischen Ausbildung, in der Pressearbeit, beim Organisieren des Nachschubs, bei der Personalplanung und -entwicklung, bei der Nachrichtenübermittlung, bei der Planung von Operationen, bei der Lösung von Infrastruktur-Problemen und beim Ausbau der Geheimdienste und der Polizei eingesetzt werden (also den ganzen Sicherheitsapparat des Iraks unterwandern) sollen.

Cartoon: Carlos Latuff, Wikimedia, copyright free
Diese Dienstleistungen sollen "innerhalb der bereits wahrgenommenen Aufgaben" des "Office of Security Assistance-Iraq" (des Büros für die Unterstützung des Iraks in Sicherheitsfragen, s. dazu auch hier und hier) erfolgen und die irakischen Sicherheitskräfte beim Ausbau ihrer Kapazitäten unterstützen", teilte Pentagon-Sprecher Commander (Korvettenkapitän) Bill Speaks in einer E-Mail mit.

Das schnelle Vordringen der Kämpfer des Islamischen Staates / IS im Irak hat in den letzten Monaten die Entsendung von fast 1.000 US-Soldaten zum Schutz der US-Vertretungen in der irakischen Hauptstadt Bagdad und der Stadt Erbil im halbautonomen Kurdistan notwendig gemacht.

Zusätzlich sind im Irak schon 100 Mitarbeiter des Office of Security Assistance-Iraq als Berater tätig, und die Anzahl unabhängiger (US-)Zivilberater dürfte nicht weit darunter liegen.

Bereits letzten Monat hat Präsident Barack Obama Luftangriffe auf die IS-Kämpfer autorisiert, weil sie schon große Teile des Iraks überrannt haben und diplomatisches Personal der USA in Bagdad und Erbil bedrohen. Gleichzeitig hat er aber ausdrücklich die Entsendung weiterer US-Soldaten in den Irak ausgeschlossen, nachdem er erst vor knapp drei Jahren die letzten US-Soldaten aus dem Irak-Krieg (seines Vorgängers Bush) heimgeholt hat.

Nach Meinung von Analysten kann durch die Entsendung ziviler Söldner die erneute Entsendung von US-Truppen vermieden werden.

David Johnson, ein ehemaliger Lt. Col. (Oberstleutnant) der US Army, der jetzt Leitender Direktor des Center's for Advanced Defense Studies (des Zentrums für Studien zur modernen Verteidigung), in Washington ist, betonte, dass "Contractors" (zivile Söldner) auch in Konfliktzonen nicht als reguläre Truppen zu betrachten sind.

"Die Regierung ist wegen der Kritik aus der Bevölkerung immer bemüht, möglichst wenige US-Soldaten einzusetzen," schrieb er in einer E-Mail. "Die US-Amerikaner und die US-Medien regen sich über (getötete) US-Söldner bei weitem nicht so auf wie über (gefallene) US-Soldaten.

Außerdem haben Studien ergeben, dass (mit Zeitverträgen) angeheuerte Söldner (weil sie selbst und ihre Familien keine Versorgungsansprüche geltend machen können) viel billiger als Soldaten sind; (ohne offizielle Uniformen) fallen sie auch weniger als Vertreter eines bestimmten Staates auf, eignen sich aber mindestens genau so gut zur Durchsetzung strategischer und sicherheitspolitischer Ziele der USA.


Gerade im Irak hat das Pentagon mit vom ihm bezahlten Söldnern viele Erfahrungen sammeln können. Während der US-Besatzung haben Tausende von bewaffneten Sicherheitsleuten und anderen zivilen Unterstützungskräften zusammen mit ausländischen und irakischen Truppen geholfen, das Land zu stabilisieren.

Allison Stanger, Professorin für internationale Politik und Volkswirtschaft am Middelbury College und Autorin eines Buches über die Verwendung von Söldnern im Krieg, hat darauf hingewiesen, dass sich die vom Pentagon für den Irak angeheuerten Söldner von denen unterscheiden, die das US Außenministerium beschäftigt, weil sie mit militärischen und nicht mit diplomatischen Aufgaben betraut werden.

"Wenn das Pentagon das Gleiche tut, ist das noch lange nicht dasselbe," erläuterte Frau Stanger, die Verfasserin des Buches "One Nation Under Contract: The Outsourcing of American Power and Future of Foreign Policy" (Eine Nation, die nur noch Aufträge vergibt: Das Ausgliedern der Macht der USA und die Zukunft der US-Außenpolitik). "Im Zeitalter von Auftragskriegen gibt es viele Möglichkeiten, den Einsatz von Bodentruppen zu vermeiden, und sich trotzdem wirksamer militärischer Mittel der USA zu bedienen."

Michael O'Hanlon von der Brookings Institution, stellte fest, die US-Regierung habe in den Kriegen im Irak und in Afghanistan ebenso viele Söldner wie Soldaten eingesetzt.

"Weil die Öffentlichkeit immer kritischer hinterfragt, wie viele Soldaten im Ausland eingesetzt (und dabei getötet) werden, wächst der Druck, immer noch mehr Söldner einzusetzen," teilte er in einer einer E-Mail mit.

Vorkommnisse wie die Ermordung von Zivilisten durch Blackwater-Söldner 2007 in Bagdad
(s. dazu auch hier) erinnern die Politiker auch an die Risiken, die sie mit bewaffneten Söldnern eingehen; wegen des Drucks aus der Bevölkerung werden sie den Einsatz von US-Soldaten aber weiter minimieren und künftig noch weniger Soldaten und noch mehr Söldner einsetzen müssen.

In Afghanistan sind die Söldner auch heute schon in der Überzahl. Die USA wollen die Anzahl ihrer dort eingesetzten Soldaten bis zum Jahresende auf weniger als 10.000 verringern; nach einem Untersuchungsbericht des US-Kongresses war die Anzahl der Söldner in Afghanistan bereits im März 2013 auf 108.000 Mann angestiegen, obwohl damals noch 65.700 US-Soldaten dort waren.

David Johnson glaubt, dass sehr viele US-Söldner auch dann in Afghanistan bleiben werden, wenn noch mehr US-Truppen abziehen.


Die Söldner übernähmen Aufgaben, die von Einheimischen in einem verarmten Land voller Analphabeten nicht übernommen werden könnten.

STARS AND STRIPES-Reporter Josh Smith hat zu diesem Bericht beigetragen."

(luftpost-kl.de hat den Artikel komplett übersetzt und mit Ergänzungen und Links in Klammern und Hervorhebungen versehen. Die Feststellung, dass sich US-Söldner – im Klartext – billiger verheizen lassen und weniger Ärger machen, weil sie unauffälliger krepieren, ist an Zynismus nicht mehr zu überbieten. Die völkerrechtswidrigen Angriffskriege der USA wären aber noch wesentlich kostengünstiger, wenn sich noch mehr deutsche Soldaten und Soldaten aus anderen NATO- und US-Partnerländern vor den Karren der US-Neokonservativen spannen ließen.)

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