Sonntag, 14. September 2014

Wenn das Telefon bei Merkel dreimal klingelt, dann sind ihre Auftraggeber am anderen Ende der Zündschnur

Merkel spricht im britischen Parlament und trifft die Queen
Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de


Opportunismus ist die Kunst, mit dem Winde zu segeln, den andere machen. (Alessandro Manzoni)

Mowitz
Die Kanzlerin spricht nicht gern über ihre Vergangenheit in der DDR. Da ist wohl auch nicht sonderlich viel zu berichten. Wenn andere über ihren Widerstand, erfundenen oder tatsächlichen, schwadronieren oder berichten, bleibt sie still bis kleinlaut. Ihre Arbeit in der FDJ waren zu 70 Prozent Opportunismus, sagte sie in einem Interview 1991 mit Günter Gaus. Eher mehr als weniger. Diese, ihre wohl hervorstechenste Eigenschaft, macht sie mir besonders unsympathisch. Nicht weil Opportunismus verwerflicher wäre als andere menschliche Schwächen, sondern weil Persönlichkeiten mit dieser Eigenschaft, allzu oft in höchste Positionen aufsteigen, und die Wichtigkeit der eigenen Karriere, nicht der Sache, in den Mittelpunkt ihrer Entscheidungen stellen. Geborene Karrieristen eben. Selten innovativ, umgeben von Mitarbeitern, die nach dem Prinzip "unter Blinden ist die Einäugige Königin" ausgesucht werden, damit die eigene Leuchtkraft nicht Schaden nimmt. Das galt auch schon für frühere Führerpersönlichkeiten. So beschrieb Kurt Tucholsky sehr treffend die Gröfazis Hitler und Mussolini: "Kerle wie Mussolini oder der Gefreite Hitler leben nicht so sehr von ihrer eigenen Stärke wie von der Charakterlosigkeit ihrer Gegner," was eben auch auf heutige Politiker anwendbar ist. Wenn nur die eigene Vernetzung stimmig ist.

Merkels Vernetzungen mit Medienkonzernen wie Springer und Bertelsmann sind sprichwörtlich, und es darf angenomnen werden, dass sie sich nicht nur zu unschuldigen Kaffeekränzchen mit Friede Springer und Liz Mohn trifft. Meinungskonzerne, die den neoliberalen Weg schon predigten, als die meisten Wähler noch gar nicht wussten, was damit gemeint war und was auf sie zukommt. Merkel wohl auch nicht. Noch 2011 gestand sie vor Bankern eines Kongresses zur Finanzmarktstabilisierung ein: "Ich persönlich neige dazu, Ihrer Argumentation zu folgen". Sich den wirklich Mächtigen anbiedernd. Ohne eigenes Wissen und ohne eigene Perspektiven. Perfekt um im Kanzleramt fremdgesteuert die Rolle der "mächtigsten" Frau Deutschlands, Europas oder gar der Welt spielen zu dürfen. Deutsche Lei(d)medien machten aus einer angepassten DDR-Null, eine angepasste Höhenfliegerin des politischen Geschäfts im vereinten Deutschland.

Gestern meldete sie sich zu den heutigen Landtagswahlen in Thüringen zu Wort und meinte davor warnen zu müssen, dass "Karl Marx in der Staatskanzlei" Platz nimmt. Platter gehts nicht. Aber es entspricht eben ihrer Geisteshaltung: "mit dem Winde segeln, den andre machen". Ein leichtes Spiel in Deutschland.

Bei den letzten Bundestagswahlen, am 22. September 2013, erhielt Merkels CDU/CSU, nur 29,6 Prozent der Stimmen aller Wahlberechtigten, ein Ergebnis, das nur knapp über dem der Nichtwähler, die auf 28.5 Prozent kamen, liegt. Für wen zu sprechen ist Merkel eigentlich legitimiert? Natürlich für Konzerninteressen, für wen sonst? Auf einer CDU-Wahlkampfveranstaltung pries sie die Vorteile von Geheimverhandlungen. In dem Fall die Geheimverhandlungen mit den USA über das TTIP-Freihandelsabkommen. Ein Abkommen, das zukünftig Konzernen erlaubt, Milliarden für "entgangenene" Gewinne beim Steuerzahler einzuklagen. Und Merkel tut das, was sie am besten kann: Mit dem Wind zu segeln, den andere machen! Zusammen mit Selbstdarsteller Gauck im Schloss Bellevue verkörpern sie die späte Rache Honneckers am von Konzernen übernommenen Gemeinwesen Deutschland.

Und Merkel will Marx in den Ställen unserer Amtsschimmel verhindern. Würde er sie doch übernehmen!

FH

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