Donnerstag, 23. Oktober 2014

U-Boot-Jagd im Stockholmer Schären-Archipel: ”Schwedische Medien nützliche Idioten des Militärs"

Mowitz
Langsam werden auch Fragen öffentlich angesprochen, die ihr Dasein im Vergessenen fristen und so bei Dämonisierungskampagnen, beispielsweise gegen Russland, nicht direkt störend einwirken. Nicht viele Menschen im Alter von 0 - 50 Jahren haben überhaupt noch das Nato-U-Boot-Versteckspiel in schwedischen Hoheitsgewässern während des Kalten Krieges in Erinnerung, falls sie überhaupt je etwas davon gehört hatten.

Es schien also an der Zeit zu sein, das alte Spiel ohne kritische Nachfragen neu auflegen zu können. Was anfangs auch gut funktionierte. Die meisten Journalisten die von aussageschwachen Pressekonferenzen des schwedischen Militärs ihr Publikum informierten, kamen aus der Generation der "Spätgeborenen" die von Einsätzen der schwedischen Marine in den 80er Jahren, gegen fremde U-Boote, wenn überhaupt, höchstens aus späteren, teilweise durchaus sehr guten Berichten, ihre Kenntnisse bezogen haben könnten. Allerdings fehlte ihnen das Gespür für die Hysterie, die sich heute wie damals wie eineiige Zwillinge ähnlich waren, und wie aus einer Form gegossen wirkten.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Margot Wallström, ehemalige EU-Kommissarin und heutige Außenministerin Schwedens, gehörte zu den wenigen Politikern die einen kühlen Kopf bewahrten und sie empfahl anderen Heißspornen ebenfalls ihre Köpfe abzukühlen. Man stelle sich vor, Carl Bildt, Vorgänger von Margot Wallström im Amt, säße immer noch auf dem Außenministerstuhl im "Palast des Erbfürsten" und plustere sich wie gewohnt auf. Dann wäre wohl, wie man getrost annehmen darf, der Anschluss Schwedens an die Nato bereits beschlossene Sache. Aber noch gilt Ministerpräsident Löfvens Regierungserkläring vom 3.10.14, zwei Wochen vor der diesjährigen "U-Boot-Treibjagd", dass Schweden nicht um Mitgliedschaft in der Nato ansuchen wird und seine Regierung außerdem Palästina als selbstständigen Staat anerkennen wolle.

Gestern hatte man im Fernsehen ein kurzes Streitgespräch zwischen den Chefredakteuren von Expressen und Dalademokraten, Thomas Mattson und Göran Greider, von dem nur die Aussage Greiders erwähnenswert ist, dass seiner Meinung nach eine Menge Spekulationen die Runde machen, aber kaum Fakten vorkommen. Er sieht ein großes Risiko darin, dass schwedische Medien sich fast in nützliche Idioten des schwedischen Militärs verwandeln. Er wies sogar auf den Umstand hin, der zu bedenken wäre, dass es die Nato ist, die sich immer mehr in Richtung Russland ausbreite. Nicht umgekehrt. Ein klarer Sprung zur Volksaufklärung nach vorne.

Ansonsten nichts Neues aus dem Stockholmer Schären-Archipel. Ich nehme mal an, die schwedische Marine hat ihre Boote jetzt in irgendeinem Parkhaus zur Überholung abgestellt. Oder vielleicht doch in einer Reparaturwerft?

FH

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