Montag, 2. Februar 2015

Draghis Billonenflut - Der Kapitalismus braucht immer neue Schuldner - Besonders die Deutschen

Mowitz
Heiner Flassbeck, deutscher Wirtschaftswissenschaftler, brachte es fertig, das vielzitierte und unverzichtbare Wachstum, mit dem sich Politiker, Journalisten und die meisten Wirtschaftsexperten so schwer tun, wenn sie einer breiten Allgemeinheit erklären sollen, warum Wirtschaftswachstum im Kapitalismus so wichtig ist, auf den berühmten Punkt zu bringen.

Flintenkanzlerin Merkel hebt bei ihren seltenen öffentlichen Auftritten in Sachen Wirtschafts- und Finanzfragen dürftigerweise immer wieder hervor, dass Wachstum und Sparen, zwei ihrer Herzensfragen, einander bedingen würden, wie Mensch und Tier die Luft zum Atmen. Nie scheinen ihre Mitarbeiter ihr aufgeschrieben zu haben, dass (übertriebenes) Sparen der natürliche Feind von Wachstum ist.

Allein Deutschlands Leistungsbilanzüberschuss, (die massivste Sparform die wir kennen), von jährlich um die 200 Milliarden Euro, was in etwa 7,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmacht, generiert im Ausland Schuldner über eine ebenso hohe Schuldensumme. Länder mit Exportüberschüssen auf der einen Seite, stehen immer Länder auf der anderen Seite  mit Defiziten  gegenüber, die ihre Importe über Schulden finanzieren müssen. In einschlägigen Kreisen ist dieses Phänomen durchaus bekannt; im kollektiven Volksbewusstsein eher nicht.

Die EU-Kommission stuft Werte von mehr als sechs Prozent auf Dauer als stabilitätsgefährdend ein und hat dabei ein besonderes Augenmerk auf Deutschland als Stabilitätsgefährder gerichtet. Wer hätte das außerhalb der einschlägigen Kreise schon gedacht?

Flassbeck stellt im Programm die eigentlich natürlichste, aller wichtigsten Binsenfragen, die von vielen ökonomischen Schaumschlägern des schnellen Euros schon lange ausgeblendet wird: "Wie finden wir Schuldner, die bereit sind ihr Geld auszugeben, aber nicht für Aktien, das ist genau falsch, sondern für richtige Investitionen, die Sachanlagen nachfragen, die Leute anstellen, darum geht es. Wenn die alten Schuldner keine Schulden mehr machen, brauchen wir neue Schuldner. Die Welt braucht immer Schuldner. Warum? Weil Leute auch immer sparen.".

Obwohl das ganz große Geld mit genau gegenteiligen Modellen eingefahren wird. Mit inprouktiven Finanzproudukten, oder Ratingagenturen wie Warren Buffet mit der Ratingagentur Moody's. Moody's hat eine herausragende Stellung im Analysemarkt und hat mit seinen Ratings enormen Einfluss auf das Marktgeschehen und Buffett hält Anteile im Wert von 2,16 Milliarden US-Dollar.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Das deutsche Modell ist darauf geeicht, dass für das dafür notwendige Schuldenmachen, das Ausland zuständig ist. Denn "wir", haben ja neuerdings die SCHÄUBLENULL im Staatshaushalt. Man kann auch sagen, die Deutschen tragen nichts zum Wachstum bei. Die Griechen schon. Und andere Schuldner auch.

Uraltkanzler Helmut Schmidt vor anderthalb Jahren in der Zeit:
[......]"Aber darüber hinaus hat der deutsche Überschuss der Exporte über die Importe, heute eine Größenordnung von über 5 Prozent des Bruttosozialprodukts. Das ist doppelt so viel wie zur Zeit in China. Das ist absolut ungesund - und die Deutschen haben gar nichts davon, denn sie kriegen Papier für Waren.

Wir exportieren Waren und kriegen dafür Papier, da steht drauf: I owe you, (Ich schulde dir), so und so viele Dollars und wir schulden uns in Wirklichkeit die Wohltat von mehr Importen."
Also mehr Konsum. Oder noch besser, man wagt es kaum zu sagen, es wird Zeit für einen neuen wirtschaftlichen und politischen Denkansatz. Eine neue Sprache, die unsere Wirklichkeit so beschreibt, wie sie ist.
"Je länger wir in der Sprache des globalen Kapitalismus reden, je länger wir die Allgemeinplätze über den freien Markt nachbeten – sogar dann noch, wenn Hunderte von Milliarden Steuerzahler-Dollars auf die Konten von Großkonzernen fließen – desto länger leben wir in einem Zustand kollektiver Selbsttäuschung. Unsere Machtelite, die uns erklärt hat, die Einmischung der Regierung abzulehnen und Regierungsbeteiligungen an privaten Unternehmen zu hassen, die behauptet, sie verteidige den Wettbewerb und den Individualismus, hat uns Hunderte von Milliarden Dollars unseres Geldes gestohlen und die Verluste schlecht geführter Unternehmen verstaatlicht, um diese vor dem Bankrott zu retten. Wir hören zornige und verwirrte Bürger, deren Hirne mit Hasstiraden in Radio- und Fernsehsendungen vernebelt wurden, über eine verstaatlichte Medizin wettern, obwohl wir, zumindest was die Konzerne angeht, weltweit zu der Nation mit den meisten staatlichen Eingriffen geworden sind. Die Schizophrenie, nicht mehr unterscheiden zu können, zwischen dem, was wir glauben sollen, und dem, und was sich tatsächlich abspielt, hat uns unfähig gemacht, die Wirklichkeit zu verstehen. Je länger wir die alte Sprache von Märkten, Kapitalismus, Freihandel und Globalisierung nachplappern, desto länger können sich die Machtstrukturen halten, die den Zusammenbruch verschuldet haben und die Nation auch weiterhin ausschlachten wollen. Chris Hedges"

FH

Bedrohlich ist das Volk für die Herrschenden, wenn es ohne Furcht ist. (Tacitus)

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