Dienstag, 21. April 2015

Sind alle Menschen wirklich gleich viel wert?

Mowitz
Gestern kamen die EU-Außen- und Innenminister im Steuerplanungsparadies Luxemburg zusammen, um die Nichtaufnahme von Flüchtlingen aus Afrika zu diskutieren, die ihr Leben übers Mittelmeer vor Krieg und Terror in ihren Heimatländern retten wollen. Es sind keine Luxusboote mit denen sie, oft mit Start aus dem von der Nato 2011 zerstörten Libyen ihre Elendsreisen antreten und dabei erbärmlich absaufen. Tausend Menschen sollen es allein beim jüngsten Unglück gewesen sein.

Sie kommen aus Syrien und Eritrea, Gambia, Somalia, dem Senegal, Tunesien und vielen anderen destabilisierten, zerbrochenen Staaten. Eine Viertel Million Flüchtlinge sollen allein 2014 über das Mittelmeer nach Europa gekommen sein. 3500 sind laut Uno auf der Flucht ertrunken.

Man rapportiert kurz und trocken über Kriege und Terror als Ursache für die Flucht von Millionen Menschen. So als wären Kriege nicht zu beeinflussende Naturkatastrophen und nicht gigantische, von Eliten mutwillig angestiftete Völkerrechtsverbrechen, über deren wahren Hintergründe kaum diskutiert und noch weniger rapportiert wird. Obwohl wir wissen, dass es immer wirtschaftliche Hintergründe sind, die darüber entscheiden ob Krieg, Terror oder gerade mal Friede herrscht.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Terrorbanden werden kreiert und von Mächten unterstützt, denen Schürfrechte sehr viel mehr bedeuten, als Menschenrechte. Syrien wurde von den USA destabilisiert und von IS-Banden als Stellvertreter für Imperiums-Interessen angegriffen, die ein Kalifat auf den besetzten Gebieten Syriens ausriefen. Wie im Irak, stecken das Imperium und seine Lakaien hinter der Förderung von Terror, um durch Angst und Chaos seiner Vormachtsstellung Geltung zu verschaffen. Das neueste Abenteuer spielt sich gerade im Jemen ab, in dessen innere Angelegenheiten sich Saudi-Arabien und einige andere arabischen Länder, mit Unterstützung der USA, einmischen. Nun setzen die Vereinigten Staaten auf Kanonenbootdiplomatie und schickten zusätzlich zwei Kriegsschiffe ins Krisengebiet, den Flugzeugträger „Theodore Roosevelt“, mitsamt seinem Begleitkreuzer, die „USS Normandy“, um nach eigenen Angaben iranische Waffenlieferungen für den Jemen zu verhindern. Die US-Armada soll jetzt neun Kriegsschiffe umfassen. Wir können davon ausgehen, dass auch aus diesem Konflikt neue Flüchtlingsbewegungen auf dem Mist westlicher Wirtschaftsinteressen und Desinformationen wachsen werden.

Mit reellen Lösungsansätzen für die aus Krieg und Not hervorgegangenen Flüchtlingsströme konnte der EU-Außenrat nicht dienen, obwohl die Problematik nicht erst seit gestern bekannt ist. Beispielsweise hätte man zumindest die Kriege, an denen man zusammen durch die Nato und seiner Kumpanei mit den Herren des Planeten verbunden ist, eindämmen und die Arbeit für ein gerechtes Wirtschaftssystem schon längst aufnehmen können. Nicht nur darüber intelligenzbefreit, "müsst Eure Hausaufgaben machen", quatschen, mit IWF und Weltbank die Welt plündern und zu desinformieren. Der EU-Außenrat manifestierte gestern mit einer Schweigeminute seine Hilflosigkeit um der Opfer zu gedenken. Als nächstes Zeichen des guten Willens zur Hilfsbereitschaft, wird wohl der EU-Außenrat kommende Schweigeminuten auf zwei Minuten verdoppeln und hätte somit in der Tat auch auch gleich seinen Hilfseinsatz mitverdoppelt.

Das bei solchen Eliten auch die Flachhirnpfeifen deutschtümelnder PEGIDA-Demonstranten aus der Mitte der Gesellschaft zunehmen, sollte nicht wirklich erstaunen. Das könnte auch gewollt sein. Entbindet es unsere s.g. Eliten doch von der Notwendigkeit zu handeln und die Wurzel des Übels, (Krieg und Armut), auszurotten. Der entscheidende erste Schritt wäre auf eine Systemveränderung hinzuarbeiten. Eine umgehende Abkehr vom Neoliberalismus mit seinem Privatisierungswahn und seiner Globalisierungsidee als Neue Weltordnung. Danach kämen die nächsten Schritte wie von selbst.

Tut man es nicht, wird man sich damit begnügen Europa mit der Begründung abzuschotten, dass wir doch nicht die ganze Welt bei uns aufnehmen können. Für diesen Spruch wird man aus der "Mitte der Gesellschaft" Zustimmung und sinnentleertes Kopfnicken ernten. Damit hat man zwar das Problem nicht gelöst, aber sogenannte Handlungskraft bewiesen. Sollte Flucht durch Ertrinken nicht ausreichen um die Flüchtlingsströme zu stoppen, oder mindestens zu reduzieren, werden unsere Eliten wohl zusätzlich noch marktwirtschaftliche Abschussprämien einführen, wie es bereits in der Ukraine geschehen sein soll.

Nachtrag: 22.04.2015, 07:06 Uhr Eine italienische Parlamentsabgeordnete von Forza Italia, Daniela Santanchè, forderte unverblümt: "man muss die Schiffe versenken". Ein Aufruf, der hoffentlich strafrechtlich verfolgt wird. Der Faschismus ist bereits mitten in europäischen Parlamenten angekommen während Deutschland immer noch schweißgebadet auf seine deutschtümelnden Flachhirnpfeifen der PEGIDA starrt und dabei den hausgemachten Terrorismus geflissentlich übersieht.

FH

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