Montag, 22. Juni 2015

Aus der Reihe die Verheißungen des Kapitalismus heute: Löst die Drachme den Euro ab? Nein, man wird sich auf dem Rücken der bereits Gebeutelten einigen!

Mowitz
Die Nationalhymne des rheinischen Kapitalismus,

Wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt, wer hat so viel Pinke-pinke, wer hat so viel Geld?

wurde anfangs zwar nur im Karneval gesungen, und 1949 von Jupp Schmitz komponiert und von Kurt Feltz getextet, war aber eine Anspielung auf die durch die Währungsreform vom Juni 1948 ausgelösten Preissteigerungen und bezog sich vor allen Dingen auf die fehlende Kaufkraft von Millionen Nachkriegskonsumenten die ohne Geld allen neuen Konsum-Verheißungen des Kapitalismus doch so gerne nachkommen wollten. Besonders die Sorge um ihr Bierchen in der Eckkneipe, das für sie vielleicht unbezahlbar werden könnte, verhalf der Narren-Hymne zu einem Riesenerfolg, der dazu führte, dass das Lied auch außerhalb der Narrenzeit ein vielgesungener Hit wurde.

Ludwig Erhards "Soziale Marktwirtschaft" war geboren. Die "Verheißungen des Kapitalismus," bei denen Merkel und Schäuble bis auf den heutigen Tag so tun als wüssten sie es nicht besser, der Konsum auf Pump, wurde den Überlebenden des Krieges als die "neue" Variante des Kapitalismus eingetrichtert, der die bösen Seiten des Kapitalismus überwunden habe.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
1947, zwei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges glaubte die NRW-CDU, von den noch lebendigen Eindrücken der Verheerungen des Zweiten Weltkrieges getrieben, den Stein der Weisen mit ihrem sogenannten Ahlener Programm gefunden zu haben, das den Anspruch erhob, beide, Kapitalismus und Marxismus, überwinden zu wollen/können. Es wurde aber nie ein Programm der gesamten CDU. Es verblieb nur eine CDU-Willensäußerung in der britischen Besatzungszone Westdeutschlands.

Das in den Nachkriegsjahren geprägte Schlagwort vom "Wirtschaftswunder" war kein "Wunder" sondern eher einer der Vernunft geschuldeten Einsicht, Nachkriegs-Westdeutschland Milliarden Schulden zu erlassen, also das, was man heute einen Schuldenschnitt nennt und Griechenland noch verweigert, um so durch Investitionen, Produktion und Wiederaufbau die Realwirtschaft anzukurbeln anstatt Milliarden für die unproduktive Tilgung von aufgelaufenen Zinsen und Krediten aus dem Fenster und in die unersättlichen Rachen der Kreditgeber-Monster zu werfen, was nicht selten zu schweren Schäden in der Realwirtschaft führt.

So konnte die BRD zumindest einen Teil ihrer Schulden zahlen und den Lebensstandard der eigenen Bevölkerung stark anheben. Nicht wie es heute die Mafiosos des IWF als erstes fordern, Löhne, Renten und soziale Errungenschaften auf ein Maß zu senken, das zum Überleben nicht reicht, und in Griechenland bereits ein Drittel der Bevölkerung aus der Krankenversicherung katapultiert hat. Dabei werden es die Henker aus Politik und Finanzoligarchie nicht belassen. Auch wenn man sich heute auf einen Kompromiss, der voll zu Lasten der bereits Gebeutelten gehen wird, einigt. Renten und Gehälter von Staatsbediensteten werden auf jeden Fall zum x-ten Mal gekürzt werden. An der unverbrüchlichen Nibelungentreue zwischen griechischen Milliardären, IWF, der Europäischen Kommission und Deutschland wird sich gar nichts ändern. Sie werden weiterhin für ihre nicht versteuerten Milliarden auch in Berlin Häuser und Bausubstanz aufkaufen dürfen, ohne vom deutschen Fiskus behelligt zu werden.

Und womit hat man nun Griechenland "gerettet?" Mit dem Erfolgsmodell alte Schulden wie immer durch neue Schulden zu bezahlen! Am Ende des Tages sind die Schulden Griechenlands nicht weniger geworden, sondern unaufhaltsam weiter angestiegen sein. Noch eine Verheißung des Kapitalismus ist für die Finanzindustrie in Erfüllung gegangen. Griechenland wird dagegen immer tiefer im Morast der Verheißungen des Kapitalismus versinken. Der Verschuldung. So funktioniert der Kapitalismus. Die Verschuldung der Vielen wird zum Reichtum der Wenigen! Auf den Cent genau. Soll und Haben sind wieder im Lot. Wie im berühmten Beispiel wenn man mit einem Fuß auf einer heißen Herdplatte steht und mit dem anderen Fuß in der Gefriertruhe. Das macht im "Schnitt" auch einen behaglichen Wärmezustand aus.

Nur für den Aufkauf von toxischen Schrottpapieren durch den Euro-Fluter Mario Draghi, Hoher Priester der Europäischen Zentralbankkirche vom letzten Auferstehungstag, (EZB), kommen monatlich 60 Milliarden Euro, von März 2015 bis Ende September 2016 zum Einsatz, um mit insgesamt 1,14 Billionen Euro ein krankes System zu retten, das nicht zu retten ist. Mit dieser Billion werden die Spekulationen auf den Finanzmärkten angeheizt, nicht die Realwirtschaft.

So gesehen, hat die Narrenzunft des rheinischen Karnevals das Unmögliche im System besser verstanden als die Hohen System-Priester zugeben selbst zu wissen. Die Antwort auf die unbeantwortete Frage "Wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt, wer hat so viel Pinke-pinke, wer hat so viel Geld?" wäre somit: Alte, Kranke und die Schwachen der Gesellschaft. Und zwar nicht mit Geld, daran scheint es nie zu mangeln, siehe 1,14 Billionen Euro für Schrottpapiere, sondern durch eine unmenschliche Senkung ihrer Lebensqualität. Das Herumlavieren wird weitergehen. Bis zum endgültigen Systemende; und das wird ohne beherzte Nachhilfe des Volkes gar nicht eintreten.

FH

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