Dienstag, 10. November 2015

Uraltkanzler Helmut Schmidt heute gestorben

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Attribution: Bundesarchiv, B 145 Bild-F048646-0033 / Wegmann, Ludwig / CC-BY-SA 3.0, Wikimedia

Helmut Schmidt appelierte nicht an die Herzen seiner Wähler. Er zog den Verstand vor. Was wiederum auch nicht allen gefiel. Mir schon. Ein Heiliger war er nicht. Aber auch kein Scheinheiliger. Solche Typen mag ich. Bewundern tue ich sie nicht. Mit dem Bewundern tue ich mich bei allen Menschen schwer. Besonders bei prominenten, die ich nicht persönlich kenne.

"Schmidt-Schnauze" wurde er in den 1950er Jahren genannt. Und die Schnauze behielt er ein Leben lang. Ein Transatlantiker der ersten Stunde.

China hatte es ihm angetan. Vor knapp drei Jahren sprach er in Berlin über China und gab wie immer, gute Ratschläge. Schmidt ohne Ratschläge wäre nicht Schmidt gewesen. Auch wenn diejenigen, an die sich seine Ratschläge richteten, kräftig schluckten als sie hörten was er ihnen empfahl.

Einige habe ich mir notiert. Besonders die "antiamerikanischen" um seine Mitgliedschaft in der Transatlantikbrücke zu relativieren. Jetzt wo er sich nicht mehr selbst dagegen wehren kann.

„Die Chinesen erobern die Welt ohne militärische Gewalt. Das könnte man auch den Amerikanern als Vorbild empfehlen“.

Auf eine Frage, ob er dafür sei, dass China in Deutschland investiere: „Ja, wir können Kapital gebrauchen.“ Ihm sei das lieber, „als wenn die Amerikaner mit ihren scheiß Hedgefonds hier investieren!“

Dass „ausgerechnet die Deutschen“ China demokratischen Nachhilfeunterricht erteilen sollten, halte er allerdings für „ekelhafte Überheblichkeit“.

Merkels Politik sei eine ohne Richtung, "geschickt im Taktieren, aber ohne strategisches Ziel".

Zur Griechenland-Krise: "Griechenland braucht keine Apfelsinen und keine Bananen, Griechenland braucht Investitionen! Der Teufel soll sie holen, wenn sie Griechenland nicht retten".

Und Helmut Schmidt war zum Leidwesen anderer Transatlantiker zu guter Letzt auch noch der leitende Putin-Versteher im transatlantischen Deutschland der Merkels und Özdemirs.

Fehlfrei war er nicht. Aber wer ist das schon? Das wäre ja auch rein unmenschlich. Und Mensch war er. Durch und durch.
Man muss Helmut Schmidt nicht lieben. Es reicht schon mit Respekt. Die Hanseaten mögen es sowieso etwas kühler.

FH

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