Montag, 9. November 2015

US-Bodentruppen in Syrien? Das Pentagon will den Islamischen Staat retten

Von Prof. Michel Chossudovsky
Global Research, 28.10.15
Am 27. Oktober kündigte US-Verteidigungsminister Ashton Carter an, das Pentagon "denke über ein direktes Eingreifen in den Bodenkrieg sowohl im Irak als auch in Syrien nach", um in beiden Staaten die terroristische Gruppierung zu bekämpfen, die sich selbst zum Islamischen Staat erklärt habe (Sputnik, 27. Oktober 2015).

In Wirklichkeit geht es jedoch nicht darum, den Islamischen Staat zu bekämpfen, sondern ihn zu retten.

Was ist daran neu? Erleben wir gerade eine militärische Eskalation?

Die USA und ihre Verbündeten haben schon lange Bodentruppen in Syrien. Sie sind nicht offiziell da,
führen aber – wie allgemein bekannt ist – "verdeckte Operationen" durch.

Das Pentagon hat zusammen mit der NATO, der Türkei, Israel und anderen Staaten schon früh und routinemäßig Militärberater, Special Forces und Geheimdienstagenten auf den syrischen Kriegsschauplatz entsandt. Diese ausländischen Mitstreiter kämpfen schon seit Beginn des Krieges gegen Syrien im März 2011 in den Reihen der Rebellen mit.

Die Grafik war dem Originalartikel ohne
weitere Angaben beigefügt.
Natürlich haben weder Washington noch die Mainstream-Medien deren Anwesenheit in Syrien "offiziell" zugegeben, man weiß aber, dass Spezialkräfte des Westens in verschiedenen terroristischen Gruppierungen, die für die von den USA und der NATO angeführte Koalition kämpfen, Kommandofunktionen ausüben. Mit anderen Worten, diese westlichen Rädelsführer sind in erster Linie für die unzähligen Gräueltaten verantwortlich, die der Islamische Staat und die Al-Nusra-Front im Auftrag der von den USA geführten Koalition gegen das syrische Volk begehen. Selbstverständlich werden die Terroristen auch durch die Luftangriffe der US-Koalition unterstützt, die angeblich gegen sie gerichtet sind.

"R2P" – die Verantwortung, Terroristen zu schützen
Als Reaktion auf die russischen Bombenangriffe auf den Islamischen Staat (und andere terroristische Gruppierungen) hat Washington jetzt "offiziell" angekündigt, auch Bodentruppen nach Syrien schicken zu wollen, obwohl die schon seit vier Jahren dort operieren. Selbstverständlich ist auch diese jetzt offiziell angekündigte Maßnahme nach den Prinzipien des Nürnberger Prozesses völkerrechtswidrig, weil kein Mandat des UN-Sicherheitsrates dafür vorliegt.
Das Wall Street Journal hat am Mittwoch unter Berufung auf US-Offizielle berichtet (s. hier), die US-Regierung erwäge die Entsendung eines kleinen Kontingents von US-Bodentruppen nach Syrien – zur Unterstützung der Kurden und anderer Gruppierungen der "gemäßigten Opposition".

Das US-Militär denke auch daran, eine Gruppe von Militärberatern zur Unterstützung der in vorderster Front kämpfenden Verbände der irakischen Armee und der syrischen Rebellen zu entsenden. Diese Überlegung werde aber vermutlich nicht umgesetzt.

Außerdem prüfe das Weiße Haus die Option, eine kleine Staffel von Apache-Kampfhubschraubern in den Irak zu schicken, um den Kampf (der irakischen Armee) gegen den Islamischen Staat zu unterstützen. Diese Maßnahme würde die Entsendung mehrerer Hundert US-Soldaten in den Irak erfordern. Washington führe auch eine Koalition an, die seit 2014 Luftangriffe auf Stellungen des Islamischen Staates in Syrien und im Irak fliege. Am Dienstag habe US-Verteidigungsminister Ashton Carter gesagt, das Pentagon schließe auch Angriffe von US-Bodentruppen auf IS-Terroristen nicht mehr aus. (Sputnik, 28. Oktober 2015)
Eine Flugverbotszone

Verteidigungsminister Ashton Carter hat außerdem erklärt, zur Zeit werde nicht an die "Errichtung einer Flugverbotszone" gedacht, sie bleibe aber eine Option: "Präsident Barack Obama hat die Option zur Errichtung einer Flugverbotszone über Syrien noch nicht vom Tisch genommen."

Inzwischen hat auch Katar bekannt gegeben, dass es die Entsendung von Bodentruppen nach Syrien erwäge. Diese Erklärung Dohas wurde vermutlich in Washington formuliert. Khalid al-Attiyah, der Außenminister Katars, hat mitgeteilt, das sei eine Reaktion auf die Intervention Russlands zur Unterstützung der Assad-Regierung. (CNN Arabic, 21. Oktober):
"Wir werden gemeinsam mit unseren Brüdern in der Türkei und in Saudi-Arabien alles tun, um das syrische Volk zu schützen und eine Teilung Syriens zu verhindern."
Katar gehörte von Anfang zu den Komplizen der USA. Zusammen mit Saudi-Arabien hat es zur Rekrutierung, Ausbildung und Finanzierung von Al-Qaida nahestehenden Terroristen in Syrien beigetragen – einschließlich des Islamischen Staates und der Al-Nusra-Front.

Wir sind an einem gefährlichen Scheideweg angelangt

Die internationale Diplomatie ist zusammengebrochen. Die US-Außenpolitiker sind ignorant, korrupt und unfähig, die Folgen ihrer Provokationen abzusehen.

Bei den Luftangriffen der USA und Russlands in Syrien kann es schnell zu einer Konfrontation beider Staaten kommen.

In den Vereinten Nationen besteht eine Patt-Situation. Der von Washington protegierte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon unterstützt den als "humanitäre Aktion" getarnten US-Krieg gegen Syrien.

Die von der US-geführten Koalition ausgehenden Aktionen und Drohungen – ganz zu schweigen von dem gefährlichen Geschwätz über eine "Option Dritter Weltkrieg" in den Fluren des US-Kongresses – bilden ein Szenario militärischer Eskalation, das zu einer direkten Konfrontation zwischen der US-geführten Koalition und der Russischen Föderation führen kann.

Übersetzung: luftpost-kl.de

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen