Donnerstag, 21. Januar 2016

Die Verheißungen des Kapitalismus sind angekommen: „Globalisierungsnutzen für weniger als das eine Prozent“

Mowitz
Einer Studie der Hilfsorganisation Oxfam zufolge ist das Vermögen der Superreichen in den vergangenen Jahren um 44 Prozent gestiegen - während der Besitz des armen Teils der Weltbevölkerung um 41 Prozent zurückgegangen ist. Ursächlich für diese Entwicklung ist nach Meinung der Verfasser der Studie eine nicht nennenswerte Besteuerung von großen Vermögen und Kapitalgewinnen. Unbehelligt können Superreiche ihre Profite in extra für sie eingerichtete Steuerparadiese transferieren, wo in mafiösen Bankstrukturen ihre Profite nicht nur unangetastet bleiben, sondern sich sich auch noch schneller vermehren als sie es je in den Herkunftsländern taten, aus denen die Milliarden auf abenteuerlichen Wegen herkamen.

Die am stärksten betroffenen Nachfolgeopfer dieser gigantischen Umverteilung des Reichtums von unten nach oben, fliehen in immer größeren Heerscharen aus ihrer angestammten Heimat, kämpfen nur noch ums nackte Überleben, sind nirgends gern gesehen und werden unter anderem als "Gefährder" der europäischen "Wertegemeinschaft" dämonisiert. Inzwischen sind laut eines Berichts der Uno-Flüchtlingsbehörde mehr als 60 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Anders ausgedrückt: ein Mensch von 122 auf unserem Planeten sieht sich gezwungen durch Flucht sein Leben vor den Verheißungen des Kapitalismus zu retten. Die Anzahl der aktuellen Flüchtlinge entspricht der gesamten Bevölkerung Großbritanniens die auch aus 60 Millionen Menschen besteht.


Gauck spricht in Davos über eine Begrenzung der Flüchtlingszahlen
Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de

Das ist das Resultat ungehemmter wirtschaftlicher Deregulierungen und des Abbaus des sozialen Sektors im Fahrwasser einer Globalisierungswelle die zum Nutzen einer winzigen Minderheit durchgeführt wird und sich einen Dreck um die große Mehrheit der Menschheit schert. Der Reichtum von 62 Superreichen scheint dem System wichtiger zu sein, als das Wohl von 7,39 Milliarden Menschen die zum Jahreswechsel 2015/16 den Planeten bevölkerten. Wobei es völlig unwichtig ist, ob es 62, 620, 6200 oder 620.000 Menschen sind, die die halbe oder ganze Welt besitzen. Es ist auf jeden Fall ein verschwindend geringer Teil der Menschheit, welche die entscheidenden Weichen der globalen Verarmungs- und Kriegspolitik stellt und sich zur Legitimation und Durchführung ganze Hilfsarmeen von Politikern und Meinungsmanipulateuren leistet, die ihr Bestes geben um die Vorgaben zu erfüllen, die ihnen von den Herrschern des Universums gestellt werden.

Das sichert ihnen eine, wenn auch bescheidene Teilhabe, an den Überlegungen der jährlichen Zusammenkünfte des Weltwirtschaftsforums in Davos zu. Dieses Jahr warnte sogar US-Vize-Präsident Joe Biden in seiner Rede vor dem Forum vor den Gefahren der steigenden Ungleichheit und forderte gerechtere Steuersysteme. Deutlicher geht es kaum. Namhafte Politiker als Bittsteller bei der Wirtschaftselite in Davos.

Solange kein Aufbäumen der Vielen über die Wenigen erfolgt, wird sich nichts ändern. Da hilft ganz sicher auch nicht, dass der Meister europäischer Hintertreppen, Jean-Claude Juncker, sich jetzt von einem 78-jährigen, ehemaligen schwedischen Finanzminister, Allan Larsson, in sozialen Fragen beraten lassen will. Ein Mann, der als Hansdampf in allen Gassen schon alle möglichen Stationen des öffentlichen Lebens durchlaufen hat, ohne bleibende Erinnerungen hinterlassen zu haben. Das entspricht möglicherweise der Bedeutung die man der sozialen Frage zukommen lässt. Prinzipiell nämlich gar keine.

FH

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen