Donnerstag, 17. März 2016

Seitenwechsel: Gabriels Pack ist bereits in der Mitte angekommen

Mowitz
Um die politische Standortbestimmung ”Mitte” herrscht auch mit der AfD im rechtskonservativen, deutschen Parteiengefüge kein Dissens. Einige Tage nach den Landtagswahlen ist schon die Einsicht beim Establishment öffentlich geworden, dass Klientel und Mitglieder der AfD, neben Schlägern, Rabauken und Brandstiftern auch aus Leuten besteht, die den öffentlichen Auftritt gesittet und ohne Krawall beherrschen.

So stolperte ich gestern beim Zappen über Maischberger und ihren mehr oder weniger rechtskonservativen Gästen, S?PD-Klaus von Dohnanyi, CDU-Pfarrer Peter Hintze, Besserwisser Hans-Ulrich Jörges, Claus Strunz, ehemaliger Chefredakteur der „Bild am Sonntag“ und ein neues, in dieser Runde schon fast fortschrittlich wirkendes AfD-Vorstandsmitglied, die Unternehmerin und ganz Dame, die nie ungefragt dazwischen quatschte um ihren Senf loszuwerden, eine Alice Weidel.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de

Sie gab sich bemüht, die ihrer Ansicht nach fälschlichen Behauptungen über die AfD zurechtzurücken und machte es durchaus erfolgreich. Das machte vor allen Dingen klar, wie schlecht die übrigen Rechtsaußen der Runde sich über die AfD informiert hatten und weiter, dass man die AfD nicht unterschätzen soll, wenn sie mit neuen, unverfänglichen Gesichtern die Bühne der politischen Narretei entert und den nackten Neoliberalismus dahin rückt wo er schon immer hingehört hat. Nämlich in die gleiche rechte Ecke in der sich schon die parlamentarischen Vorläufer der AfD befinden. Auf diese rechte Ecke erheben alle Parteien der deutschen Bourgeoisie Anspruch und die aus dem gleichen mentalen Holz geschnitzte AfD-Bourgeoisie fischt im selben Wählerreservoir wie die übrigen Einheitsparteien.

Frau Weidel machte es so geschickt, dass noch nicht einmal die Runde merkte wie sie von ihr vorgeführt wurde. Sie ist nicht so schrill wie Frauke Petry und auch noch etwas langatmig im Bemühen politisch korrekt zu erscheinen, soll aber Pfarrer Hintze nach Ende der Sendung die Bemerkung ”Schöne Sendung” entlockt haben, schreibt ”Die Welt”.

Mit Anlehnung an Bertolt Brechts Theaterstück "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui" könnte man auch leicht abgewandelt sagen: Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem der Faschismus wieder kriecht.

In Deutschland soll ja der ”Kampf” zwischen dem alten und neuen Konservatismus in den Parlamenten wegen der geführten Protokolle dort, die man einsehen darf, geführt werden und in legitimierten Talkshows des Staatsfernsehen über die Bühne laufen, damit auch die grüne Schlafpille Winfried Kretschmann noch seine Sätze zu Ende bringen kann, ohne dass seine Zuhörer wegen wohliger Schläfrigkeit in einen wohlverdienten Tiefschlaf versinken.
"Je länger wir in der Sprache des globalen Kapitalismus reden, je länger wir die Allgemeinplätze über den freien Markt nachbeten – sogar dann noch, wenn Hunderte von Milliarden Steuerzahler-Dollars auf die Konten von Großkonzernen fließen – desto länger leben wir in einem Zustand kollektiver Selbsttäuschung. Unsere Machtelite, die uns erklärt hat, die Einmischung der Regierung abzulehnen und Regierungsbeteiligungen an privaten Unternehmen zu hassen, die behauptet, sie verteidige den Wettbewerb und den Individualismus, hat uns Hunderte von Milliarden Dollars unseres Geldes gestohlen und die Verluste schlecht geführter Unternehmen verstaatlicht, um diese vor dem Bankrott zu retten. Wir hören zornige und verwirrte Bürger, deren Hirne mit Hasstiraden in Radio- und Fernsehsendungen vernebelt wurden, über eine verstaatlichte Medizin wettern, obwohl wir, zumindest was die Konzerne angeht, weltweit zu der Nation mit den meisten staatlichen Eingriffen geworden sind. Die Schizophrenie, nicht mehr unterscheiden zu können, zwischen dem, was wir glauben sollen, und dem, und was sich tatsächlich abspielt, hat uns unfähig gemacht, die Wirklichkeit zu verstehen. Je länger wir die alte Sprache von Märkten, Kapitalismus, Freihandel und Globalisierung nachplappern, desto länger können sich die Machtstrukturen halten, die den Zusammenbruch verschuldet haben und die Nation auch weiterhin ausschlachten wollen." Chris Hedges, Geht nach Pittsburgh, ihr jungen Männer, und bietet dem Imperium die Stirn!

FH

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