Sonntag, 17. April 2016

Die Kinder Syriens

Peter Koenig, ein Wirtschaftswissenschaftler und geopolitischer Analyst aus der Schweiz, beschäftigt sich mit dem Schicksal der Kinder in den vom Westen verwüsteten Ländern.

Peter Koenig
Information Clearing House

Außer dem Menschen bringt keine andere Spezies auf unserem Planeten andere Lebewesen ihrer Art aus reiner Habgier und nacktem Machtstreben um.

Kaum jemand kümmert sich um die schrecklichen Zustände in Syrien und um die verzweifelte Lage, in die das syrische Volk, seine Familien und besonders seine Kinder durch den von den USA angezettelten Krieg geraten sind. Besonders die syrischen Kinder haben keine Zukunft: Nach Angaben des Kinderhilfswerks UNICEF können drei Millionen Kinder keine Schule besuchen, viele sind so unterernährt oder krank, dass sie sterben; viele leben unter unzumutbaren hygienischen Verhältnissen in Flüchtlingslagern und sind schon sehr jung zu Waisen geworden, die sich selbst versorgen müssen und missbraucht, ausgenutzt und physisch und psychisch misshandelt werden.

Welche Zukunft, welches Leben erwartet sie? Außer den drei Millionen Kindern aus Syrien gibt es auch unzählige Kinder im Irak, in Libyen, im Jemen, in Afghanistan, in Palästina, in Somalia, im Sudan und in Pakistan und anderswo, die durch von den USA und ihren westlichen Verbündeten verursachte bewaffnete Auseinandersetzungen und Kriege zu heimatlosen Waisen und Flüchtlingen gemacht wurden.

Denken Sie immer daran, wer diese Konflikte ausgelöst hat und wer sie jederzeit beenden und das Elend stoppen könnte. Der Westen könnte die Kriege und das Massenstreben sofort beenden und der Menschheit den Frieden bringen, wenn er seine Habgier, seinen Griff nach Ressourcen und sein Machtstreben endlich zügeln würde.

Nach Angaben der Flüchtlingshilfe UNHCR sind weltweit rund 60 Millionen Menschen auf der Flucht. In Wirklichkeit sind es aber mindestens 70 Millionen. Sie fliehen auch vor der Armut und der Not, die von der US-geführten Weltelite verursacht wird, die in unvorstellbarem Luxus lebt und zur Mehrung ihres Reichtums und ihrer Macht auch weiterhin Millionen Menschen ausbeutet.

Die Anzahl der Kinder unter den Flüchtlingen kann nur geschätzt werden. Wenn wir annehmen, das rund ein Drittel aller Flüchtlinge Kinder und Jugendliche sind, handelt es sich um 25 Millionen. Ich möchte noch einmal daran erinnern, dass die meisten der weltweit auf der Flucht befindlichen Menschen vor Konflikten fliehen, die von Washington angeheizt wurden und an denen Truppen der USA und der NATO oder Soldaten von US-Vasallenstaaten beteiligt sind; so wird der Krieg im Jemen zwar offiziell von Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten geführt, aber mit US-Unterstützung und Waffen, die von den USA und anderen NATO-Staaten geliefert wurden.

Mädchen und junge Frauen werden häufig als Sexsklavinnen verkauft. Viele Jungen und Mädchen müssen kaum bezahlte Sklavenarbeit verrichten – mindestens 12 Stunden am Tag und ohne jede Chance, eine Schule zu besuchen und eine grundlegende Ausbildung zu erhalten. Was werden sie in Zukunft tun? Werden sie eines Tages ein "normales Leben" führen können – ohne Flüchtlinge und Sklaven zu sein?

Die Anzahl der Flüchtlinge nimmt mit jedem Bombenangriff der USA, der NATO oder ihrer Verbündeten zu, auch bei jedem Drohnen-Mord, den Obama anordnet – dieser selbsternannte Führer der Menschheit, der rund um die Welt die Menschenrechte predigt, die er ständig verletzt. Mit US-Drohnen wurden in den letzten 15 Jahren mehrere Zehntausend Menschen getötet. Dazu kommen die Hunderte oder sogar Tausende, die durch britische oder französische Drohnen starben. Mindestens 90 Prozent der Getöteten waren Zivilisten und vielleicht die Hälfte davon Kinder oder Heranwachsende.

Viele Kinder überleben als Waisen, wenn die schießwütigen Piloten und Sensoroperatoren in Houston, Dallas, Las Vegas oder auf anderen Basen in den USA, die Signalübermittler auf der U.S. Air Base Ramstein in Deutschland und das Bedienungspersonal in Dschibuti die Drohnen über dem Jemen, über Afghanistan oder Pakistan kreisen lassen und Hochzeitsfeiern oder Begräbnisse angreifen. Sie scheinen eine Vorliebe für solche Zusammenkünfte ganzer Familien zu haben, weil sie dabei besonders viele "Bugsplats" (ferngesteuerte Treffer) erzielen und "mehrere Fliegen auf einen Schlag" erlegen können; die Auftragsmörder töten aus einer sicheren Entfernung von mehreren Zehntausend Kilometern – auf Befehl des Massenmörders Obama, der stolz darauf ist, dass er jeden Mord persönlich angeordnet hat. Kann dieser Mensch – der kaum noch so genannt werden kann – nachts überhaupt noch ruhig schlafen?

Viele dieser Drohnen-Piloten arbeiten in mobilen, klimatisierten Wohnanhängern außerhalb von US-Großstädten, aber auch (als Drohnen-Betreuer vor Ort) in Afghanistan, Afrika oder den Vereinigten Arabischen Emiraten. Es gibt mindestens 60 Drohnen-Basen rund um die Welt; die meisten von ihnen werden von der CIA oder ihren Helfershelfern kontrolliert. Ihre Anzahl wechselt, tendiert aber dazu, ständig zu wachsen. Die Drohnen starten meisten von einfachen Flugplätzen aus, die schnell eingerichtet und wieder aufgegeben werden können. Sie unterliegen der Geheimhaltung und sind deshalb schwierig zu überwachen. Der moderne Krieg der USA wird von gefühllosen Robotern geführt. Mord ist nur noch ein statistischer Akt, der in einer Tabelle erfasst wird. Fast niemand spricht über dieses grausame Töten, das überall und ohne großen Aufwand endlos fortgesetzt werden kann.

Wie soll das entvölkerte Syrien ohne eine gebildete Bevölkerung je wieder aufgebaut werden? Weil eine ganze Generation fehlt, wird es – wenn es überhaupt möglich ist – Jahrzehnte dauern, bis in den zerstörten Staaten im Mittleren Osten und in Nordafrika die wirtschaftliche, soziale und technische Infrastruktur wieder hergestellt und ein normales Leben wieder möglich ist. Der Irak, Syrien und Libyen waren die fortschrittlichsten Länder im Mittleren Osten und in Nordafrika: Bildung und Gesundheitsfürsorge waren kostenlos, es gab ein erstklassiges soziales Netzwerk und funktionierende technische Einrichtungen. Mit ihrer großartigen Geschichte bildeten sie die Wiege der westlichen Zivilisation. Jetzt hat diese "westliche Zivilisation" sie zerstört und in die Steinzeit zurück gebombt. Sie waren – und Syrien ist es noch – sozialistisch geprägt und damit ein rotes Tuch für die Neoliberalen und Faschisten im kapitalistischen Westen.

Die Bevölkerung dieser Staaten hat niemandem geschadet und keine Terroristen unterstützt; die Kinder waren glücklich, konnten in die Schule gehen und mit ihren Freunden spielen; sie lebten mit ihren Elten in Häusern, wurden umsorgt und hatten genug zu essen.

Jetzt haben sie alles verloren. Sie sind zu bettelnden, zerlumpten Straßenkindern geworden, die schmutzig und krank in kalten Trümmern hausen und sich von Abfällen ernähren müssen. Washington und von den USA angestiftete Handlanger haben ihnen ihre Zukunft genommen und sie ins Elend gestürzt. Viele der Überlebenden irren umher als "Flüchtlinge". Mit diesem verharmlosenden Begriff aus westlichen Statistiken wird das Schicksal der armen Seelen abgetan, die zu überleben versuchen, von einem Land ins andere abgeschoben, mit Waffen bedroht und manchmal sogar getötet werden und verzweifelt, ausgehungert, krank und immer wieder zurückgewiesen dahinvegetieren.

Können wir die von Habgier getriebenen neoliberalen Kolonialisten aus Europa, die im 18., 19. und 20. Jahrhundert zahlreich in die USA ausgewandert sind und auf unserem Planeten seit Jahrhunderten plündern, vergewaltigen und ausbeuten, noch Menschen nennen?

Jetzt versuchen sie sogar, die ganze Erde unter ihre Gewalt zu bringen und riskieren dabei, sie völlig zu verwüsten und zu zerstören.

Die neoliberalen Kolonialisten haben das Töten zur neuen Normalität gemacht. Die Verzweiflung und das Elend der Menschen lässt sie völlig kalt. Der Westen mischt sich buchstäblich überall ein. Er missbraucht die Wissenschaft, um Chaos, unsägliches Leid und tiefes Elend zu stiften, sehr effizient und mit geringen Kosten – durch den Einsatz von Bomben, Drohnen, Giftgas, Geschossen aus abgereichertem Uran und genmanipulierten Nahrungsmitteln; und er scheut auch nicht davor zurück, die Menschheit mit Atombomben auszulöschen. Durch ein bewusst herbeigeführtes Chaos sollen Staaten aufgeteilt und unterjocht werden.

Böse Menschen lassen unser irdisches Paradies in Flammen aufgehen. Überleben werden vermutlich nur Naturvölker, die schon immer von und mit der Natur leben. Vielleicht können sie eine neue klügere Menschheit begründen.

Peter Koenig ist ein Wirtschaftswissenschaftler und geopolitischer Analyst und hat früher für die Weltbank gearbeitet. Er hat sich intensiv mit Umweltproblemen und der Trinkwasserversorgung der ganzen Welt beschäftigt. Er ist der Autor des Buches "Implosion – An Economic Thriller about War, Environmental Destruction and Corporate Greed (Implosion – ein Wirtschaftskrimi über Krieg, Umweltzerstörung und die Habgier der Konzerne), eines auf Fakten basierenden Romans über Erfahrungen, die er in seiner 30-jährigen Arbeit für die Weltbank auf dem ganzen Globus gesammelt hat. Außerdem ist er Mitautor des Buches "The World Order and Revolution! – Essays from the Resistance (Weltordnung und Revolution – Essays aus dem Widerstand. Beide Bücher sind über amazon zu beziehen. Weitere Informationen über Peter Koenig sind hier nachzulesen und zu hören

Übersetzung luftpost-kl.de

1 Kommentar:

  1. @Mädchen und junge Frauen werden häufig als Sexsklavinnen verkauft.

    Nun - so ist das in der "freien Marktwirtschaft" ! Alles hat seinen Preis und muß käuflich sein für den, der sein Geld selbst drucken kann!
    Das ist der vollkommene Kapitalismus - fragen sie Peter Oberender, Volkswirtschaftsprofessor an der Universität Bayreuth - der hat in Erkennung der Lage schon einen wirklich realistischen Vorschlag:
    "Wenn jemand existenziell bedroht ist, weil er nicht genug Geld hat, um den Lebensunterhalt seiner Familie zu finanzieren, muss er meiner Meinung nach die Möglichkeit zu einem geregelten Verkauf von Organen haben."

    Sex-Sklaven sind da ein Teilelement der totalen Vermarktung - und an netten Kindern gibt es ausreichend Interessenten - zu dem Jahresdurchschnitt von rund 15k Kindern sind mit unseren Bereicherungen noch einmal etwa 15k Kinder pro Vierteljahr hinzugekommen, die da verschwinden. Es gibt also Leute, die wirklich bereichert sind !

    Das ist die Zukunft !

    Na gut - ich weiß ja nicht, ob Sie das wirklich wissen wollen ! Eine Mehrheit in Deutschland jedenfalls will es gar nicht wissen !
    mfg zdago

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